[Im Museum] Work In Progress im Schifffahrtsmuseum – Virtuelle Realitäten, Supertanker, Spielkinder, Playmobil und Playstations.

Kaum war die eine After-Work-Veranstaltung zu Ende, schon kam die weitere im Schifffahrtsmuseum in der folgenden Woche. Bloggerprobleme können schon heftig sein… Jedenfalls hatte ich schon meine Mitbewohner rekrutiert – für den neuen Mitbewohner das ‚erste Mal‘ und prompt kamen Fragen wie ‚Gibt’s da einen Dresscode‘, da er sich wohl eine elitäre Veranstaltung für Büroangestellte in Anzug und Kostüm darunter vorstellte. Nein, gibt es natürlich nicht, aber anscheinend hatte der Begriff ‚After Work‘ diese Assoziation ausgelöst und ich sagte nur, dass er hingehen konnte, wie er wollte. Überzeugt war er nicht, die Neugierde allerdings war doch groß. Als wir schließlich an diesem Donnerstagabend ankamen (die Mitbewohnerin würde direkt von der Arbeit kommen), war ich wirklich positiv überrascht, dass sich eine Menge Leute eingefunden hatten, fast alle Stehtische waren besetzt und weitere Besucher schauten sich im Museum um. Die nächste Überraschung war, dass mein Mitbewohner bekannte Gesichter traf, so dass hoffentlich alle Bedenken, dass dies ein hochformeller Anlass sei, zerstreut waren. Eingeläutet wurde der Abend mit Prosecco und Wein. Ja, schon wieder, aber meine Güte, wenn man dort welchen trinken kann…und ich hatte jetzt endlich Gelegenheit, etwas vom Angebot des Weinhaus Michel zu probieren, was dort schon seit der ersten After-Work-Veranstaltung verkauft wurde und immer so toll präsentiert wird.

Meine Mitbewohnerin brachte noch eine Kollegin mit und wir verbrachten eine so nette Runde am Stehtisch, dass wir beinahe die heutige Führung vergaßen. Dieses Mal fand weniger eine Führung statt, mehr eine Präsentation, die von Herrn Kimmel, Leiter der Abteilung Bildung und Kommunikation im RGZM eingeleitet wurde, wonach die Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen zu Wort kamen und die Bestandteile des Projekts Mixed Reality Open Lab vorstellten, welches in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wissensmedien Tübingen und der Hochschule Mainz stattfindet.

Am Beispiel eines römischen „Supertankers“, dem Wrack von La Madrague in Frankreich, wurde gezeigt, mit welchen Medien die Objekte des Schifffahrtsmuseums dem Publikum künftig zugänglich gemacht werden sollten. Zum einen natürlich durch ein Modell als Anschauungsobjekt, zum anderen durch Augmented Reality in Form einer Oculus-Rift-VR-Brille. Gleichzeit findet eine barrierefreie Umsetzung statt, z.B. mit Stationen für Blinde. Das Highlight war jedenfalls die VR-Brille. Ich hatte noch nie eine aufgehabt, und so war das Erlebnis ziemlich aufregend. Zu sehen bekam ich ein römisches Heerlager und wie es ist, auf einem römischen Kriegsschiff zu stehen. Das hat schon einmal einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie der Blick in ein Schiff wie das La-Madrague-Wrack gestaltet werden könnte. Nicht nur anhand eines Modells, wie wir es an diesem Abend zu sehen bekamen, sondern auch in der Virtuellen Realität.

Nach der Vorführung sorgte vor allem der Mitmachbereich für Kinder bei den Kollegen (ein weiterer war noch dazugekommen) meiner Mitbewohnerin für sehr viel gute Laune. Dort können nämlich nicht nur Kinder Spaß haben, sondern auch etwas größere Kinder, wie sich herausstellte. Die Würfel- und Brettspiele und das Knoten von Schiffstauen hatte es ihnen besonders angetan, während ich wieder einmal die Playmobilsammlung anhimmelte. Die Jungs in der Runde waren am meisten von dem Bolzengeschütz und den Kriegsschiffen angetan, sie hatten allerdings mehr Krieg erwartet und fanden Handelsschiffe eher langweilig, ganz egal ob sie nun 10.000 Amphoren Wein transportieren konnten oder nicht.

Im Anschluss an die Veranstaltung ging es mit uns noch zu einem Absacker in den Domsgickel, quasi zur After-After-Work. Unterwegs kamen wir auf weitere Ideen, wie man eine solche Veranstaltung aufpeppen könnte. Inspiriert war ich durch ein Kinoplakat, das Stripper und ‚heiße Männermodels‘ für die Ladies‘ Night beim Cinestar versprach, während die Herren auf Playstation und Strategiegames wie Age of Empires setzten. Ich denke mal, dass früher römische Damen sicher nichts gegen gutaussehende Sklaven hatten, die ihnen den Wein reichten, während sich die Männer über Politik und Krieg ausließen.

 

Diesmal hatte es mehr Besucher als bei den ersten Veranstaltungen gegeben, was ich sehr erfreulich fand. Dadurch, dass es weniger eine Führung als eine Vorführung von Work in Progress für zukünftige Projekte gab, inklusive der Vorstellung von beteiligten Mitarbeitern, hatte ich hatte den Eindruck, dass es sich, nun ja, mehr um eine Art Prestigeveranstaltung handelte. Ich meine das nicht negativ, schließlich ist es nie verkehrt, Projekte vorzustellen und um Interesse zu werben, vor allem wenn interdisziplinär gearbeitet wird und das Interessenten aus völlig anderen Bereichen anlockt. Im Grunde mache ich ja ähnliches über das Blog, allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Atmosphäre ein wenig anders als bei den vorherigen Veranstaltungen war, eher ‚offizieller‘.

Wichtiger war jedoch, dass meine Begleiter viel Spaß im Schifffahrtsmuseum hatten, über das sie vorher kaum mehr wussten, als das es existiert, unbekannt war z.B., dass es freien Eintritt gibt. Da ich dieses Museum ebenfalls sehr gerne mag, hat mich das natürlich mehr als gefreut, dass wir alle einen unterhaltsamen Abend dort verbracht hatten.

Links

Museum für Antike Schifffahrt – Facebook

Römisch-Germanisches Zentralmuseum – Facebook

After Work im Museum

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[Im Museum] Wie wir Erinnerung erfinden, oder: Wer das ließt, ist doof! Lol xd rofl iksde!

Am letzten Donnerstag  im Oktober, genauer am 26.10. 2017, war es wieder soweit, eine After Work im Museum-Veranstaltung im Schloss. Das „Schloss“ ist genauer gesagt das Kurfürstliche Schloss in Mainz mit Blick auf den Rhein und beherbergt noch das Römisch-Germanische Zentralmuseum, welches leider seit dem 10. Juni 2017 für die Öffentlichkeit geschlossen ist. Bis dahin war im 1. Stock die Ausstallung zur Römerzeit, im 2. Stock das Frühe Mittelalter zu finden. Für mich immer  Orte, an denen ich gern mal Sonntagnachmittags vorbeigeschaut habe, auch für kurze Besuche, was der freie Eintritt natürlich leicht gemacht hat. Durch die Umzugsvorbereitungen des RZGM in Neue Museum kann man die Ausstellung zum Frühen Mittelalter und die Sonderausstellung ‚Codes der Macht‘ nur noch im Rahmen der After-Work-Veranstaltung besuchen, was für mich immer ein kleines Trostpflaster ist. Ich hielt (und halte immer noch) die Räume des Schlosses für die Ausstellungen ein sehr stilvolles Ambiente. Wenigstens für mich muss es nicht immer ‚modern‘ und aufregend sein, sondern es darf ruhig auch mal ein wenig klassisch sein. So nutzte ich also wieder die Gelegenheit, das Schloss zu besuchen. Diesmal war es tatsächlich ‚After Work‘ im wahrsten Sinne des Wortes, da ich direkt von meinen Nachhilfeschülern kam und den größten Teil des Tages damit verbracht hatte, für andere mitzudenken und mir den Mund fusselig zu reden (was ich aber gerne mache). Nun begann der entspannte Teil des Tages. Das Thema des Abends lautete diesmal „Wie wir Erinnerung erfinden“ und ich war wiederum sehr gespannt, was mich erwartete. Erst einmal war es das Schloss bei Sonnenuntergang, schon an sich eine großartige Kulisse, wenn man in der Dämmerung in den erleuchteten Hof gelangt, wo Umzugskisten auf den „Weg ins Neue Museum“ aufmerksam machen – was schon allein von der Präsentation toll ist, aber auch irgendwie schade. Aber zurück zu den Erinnerungen, und warum man doof ist, wenn das hier liest, wird auch geklärt. LOL!

Dann gab es erst einmal ein Gläschen Weinschorle und etwas zu knabbern, mit dem ich die Wartezeit bis zum Beginn der Kurzführung überbrückte. Diese wurde von Frau Dr. Antje Kluge-Pinsker geleitet, Wissenschaftspädagogin im RGZM und für Vermittlungskonzepte/Ausstellungsdidaktik zuständig.

Die Eröffnung der Führung war wörtlich zu verstehen, denn Frau Kluge-Pinsker leitete sie mit einem Flaschenöffner ein, einem Reisesouvenir, an dem Erinnerungen hängen. So waren wir Teilnehmer gespannt, was folgen würde. Das erste historische Erinnerungsstück war ein Nähkästchen aus Walrosszahn, hergestellt ca. im 8. Jahrhundert in einem nordenglischen Kloster, welches schließlich in Frankreich gelandet war. Es ist  mit Schnitzereien verziert, die auf jeder Seite verschiedene Szenen und Runeninschriften zeigen. Dieses Mal wurde weniger aus dem Nähkästchen geplaudert, denn es hatte selbst etwas zu erzählen…Teils stellten die Szenen Geschichten und Sagen dar, die man heute noch kennt, die Wielandssage, Romulus und Remus, die Heiligen Drei Könige, die Eroberung Jerusalems durch Kaiser Titus, auch eine Darstellung, die sich heute nicht mehr deuten lässt und somit für die Erinnerung verloren ist. Dieses Kästchen hat, wenn man sich genauer damit beschäftigt, doch sehr viel mehr zu erzählen als man von einem Haushaltsgegenstand erwarten könnte.

Weiter ging es zu einem Kopf. Keinem echten Kopf, aber doch mit einer kuriosen Geschichte. Es handelte sich um das Haupt einer Statue des byzantinischen Kaisers Justinian und steht im Original auf der Balustrade des Markusdomes in Venedig. Meine erste Assoziation war George R.R. Martins Game of Thrones (bzw. A Song of Ice and Fire), wo die Köpfe missliebiger Personen nach Enthauptung gerne auf Schlossmauern zur Schau gestellt werden. Tatsächlich handelte es sich um etwas ähnliches. Zunächst war der Kopf ein Beutestück eines Kreuzzuges nach Byzanz im 13. Jahrhundert und aus dem geplünderten Konstantinopel mitgebracht. Zwischenzeitlich ging die Bedeutung, oder vielmehr Erinnerung verloren, und man schrieb den Kopf einem auf der Piazza di San Marco einem enthaupteten Söldnerführer namens Carmagnola zu, weshalb dieser Kopf Carmagnola-Kopf genannt wird. Interessant war hier zu erfahren, dass Statuen im Falle einer Eroberung auch gerne von den Eigentümern selbst zerstört wurden, um zu verhindern, dass sie von den Siegern für ihre Zwecke umgedeutet wurden. Da man dem Steinkopf im Laufe der Jahrhunderte eine andere Herkunft zugeschrieben hatte, die mit dem ursprünglichen Hergang nichts mehr zu tun hatte, war diese Absicht wohl gelungen.

Was wir gesehen hatten, waren zwei eher kleine Anschauungsobjekte, eines ein gewöhnlicher Haushaltsgegenstand, das andere quasi ein Souvenir, wenn man ein Beutestück so nennen kann, an beiden hingen jedoch bestimmte Erinnerungen, an die man sich heute jedoch nur herantasten kann und eventuell neu erfindet oder vielleicht sogar erfinden muss. In heutigen Zeiten findet durch moderne Mittel zur Vervielfältigung, Internet, Bilder, 3D-Drucker, Auflösung von Erinnerung statt, jeder kann sich Objekte aneignen, die man vielleicht irgendwo gesehen, besitzen will und ihnen eine eigene Bedeutung geben

Wie jedes Mal hat es mich gefreut, das ‚alte‘ RGZM im Schloss besuchen zu können. Ich die kenne die Ausstellung fast auswendig, aber solche Veranstaltungen wie diese werfen noch eimal ganz andere Blickwinkel auf die gezeigten Stücke. Diese mögen zwar aus der Vergangenheit stammen und sind zum Teil Repliken, doch erfährt man immer wieder neue und spannende Aspekte. Vor allem wenn so lebendig die Brücke zur Gegenwart geschlagen wird. Zwei Objekte haben gereicht, um einen Abend zu füllen, und darüber hinaus sind sie zum Einen in Erinnerung geblieben, zum anderen haben sie – für mich wenigstens – weitere Bedeutung erhalten, weniger ‚er‘ – funden, was manchmal etwas negativ klingen kann, als ‚ge‘-funden. Den Schlüsselanhänger von Frau Kluge-Pinsker habe ich übrigens noch einmal extra während eines Besuches bei ihr fotografiert, da ich diesen Gegenstand unbedingt zu Illustration im Blog dabeihaben wollte, sozusagen zur Untermauerung dieser Erinnerung. Und prompt habe ich diesen Gegenstand zu meiner Erinnerung neu erfunden. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für Gespräch!

Ach ja, wer das liest, ist natürlich nicht doof (naja, man weiß es nicht xD)

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Wer das „ließt“ xD

Meine Erinnerungen an den Abend habe ich auf Papier – ich schreibe meine Blogbeiträge gerne handschriftlich nieder – festgehalten. Es gibt mir mehr Spielraum zum Nachdenken als wenn ich es sofort in die Tastatur meines Laptop reinhauen würde… Mein Schreibblock war bei dieser Gelegenheit meinem Neffen in die Hände gefallen, der es ja sowieso für Wahnsinn hält, sowohl überhaupt freiwillig zu schreiben, als auch mit der Hand. Jedenfalls hatte er nichts Besseres zu tun, als einfach einmal seine eigenen Kommentare dazu hinzuzufügen – nämlich den Klassiker „Wer das ließt [sic!] ist doof“ sowie Bemerkungen, die jeder jugendliche Gamer, der etwas auf sich hält, beherrscht, lol xd, rofl, iksde. Ohne wirklich zu lesen (Oh Gott, auch noch lesen!), was ich dahingekritzelt habe, aber Hauptsache unqualifizierte Kommentare abgeben. So hat dieser Abend nicht nur Erinnerungen an die Veranstaltung selbst erzeugt, wo ich etwas über Nähkästchen und Steinköpfe erfahren habe, sondern zusätzliche hinzubekommen.

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