Tage der Offenen Werkstätten im Römisch-Germanischen Zentralmuseum 17./18. November 2017

Hier sollte es entlanggehen, hatte ich aber nicht so ganz mitbekommen ^^*

Ich hatte eine Einladung zur Presseführung zum Tag der Offenen Werkstätten im RGZM, über das ich schon oft und gerne berichtet habe, bekommen. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen, nicht nur was ich in den den Laboratorien und Forschungswerkstätten zu sehen bekommen, würde sondern auch auf meine ‚Kollegen‘ von der professionellen Berichterstattung. Samstagvormittag radelte ich also hin und lief erst einmal prompt in die falsche Richtung, nämlich in den Museumsshop, wo das Kinderprogramm stattfand, wurde aber dann in die richtige Richtung gelotst.

Über die Forschungs- und Restaurierungswerkstätten hatte ich ehrlich gesagt keine genaue Vorstellungen. Zwar hatte ich das flache Gebäude neben dem Schloss bzw. Museum schon irgendwie wahrgenommen, aber damit nicht viel verbunden, außer, dass es eine Bibliothek gab. Jedenfalls stieg bei mir die Spannung, als ich mit einigen anderen Vertretern, die mit ihrer Ausstattung, Kamera, Tonaufnahmegeräte, Notizblöcke unglaublich professionell wirkten, während ich nur mit Smartphone bewaffnet war. Einen Schreibblock hatte ich zwar auch dabei, aber ich kam mir doch etwas, naja, exotisch vor. Jedenfalls erhielt jeder von uns eine Pressemappe und dann ging es auch schon los.

Geleitet wurde die Führung vom Direktor der Werkstätte, Dr. Markus Egg, der uns an jeder Station die Funktion und Arbeitsweise der einzelnen Bereiche erklärte, mit Unterstützung der jeweiligen Mitarbeiter, mit viel Geduld für die anwesende Pressemeute, deren Verhalten für mich beinahe noch spannender war, als die gezeigten Bereich der Werkstätten. Teilweise war ich von dem Gerangel um den freien und besten Blick auf Gerätschaften und Objekte abgelenkt, und von Fragen, die ich wahrscheinlich so nicht gestellt hätte.

Aber gut, als Vertreter eines Senders oder einer Zeitung hat man wohl seinen Fokus und ein bestimmte Klientel zu bedienen, während ich mir die Rosinen herauspicken kann, die mir selbst am besten schmeckten.

Pressebelagerung
„Können Sie das noch einmal so halten?“

Pressebelagerung Pt. II

Natürlich war die Führung als solche hochinteressant, zudem findet der Tag der Offenen Werkstätten nur alle zwei Jahre statt. Hätte man mich ‚ungeführt‘ durch die Werkstätten gelassen, so hätte ich mich wohl ziemlich verzettelt. Bei dem Begriff Werkstätten drängt sich einem doch immer noch Bild von Handwerksarbeit auf, Archäologen, die ein ausgegrabenes Fundstück gewissenhaft zusammenpuzzeln. Das ist es freilich immer noch, doch wurde mir erst bei dieser Führung so richtig bewusst, wie viel mehr dahinter steckt, wie der Einsatz von Röntgengeräten, Materialanalysegeräten, Computertomographen und 3D-Druckern, etc. Die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen stellte sich ebenso vielseitig heraus, mit den verschiedenen Sparten wie Geologie, Archäometrie, Biologie usw.

Zunächst klassisch…

Scherben mit Gartenzwerg
Überreste von Kleidung/Schuhen

So wie man es sich vorstellt

und mit High-Tech

Mit Röntgenbildern
Computertomografie

3D-Darstellung

Die Berufsfelder der Werkstattmitarbeiter sind ähnlich breit gefächert, neben klassisch ausgebildeten Restauratoren finden sich Mitarbeiter mit beruflichen Hintergründen wie Zahntechniker, Goldschmiede und Büchsenmacher. Die Mitarbeiter erklärten in den einzelnen Bereichen sehr geduldig und ausführlich ihre Arbeitsweise und Geräte, Nachfragen beantworteten sie ebenso. Trotz des Gedränges von Pressemenschen, die zusätzlich Objekte und Geräte für Fotos präsentiert haben wollten.

Mir war es zunächst erst gar nicht so bewusst gewesen, dass ’normale‘ Besucher erst gar nicht fotografieren durften, was für meinen angeborenen Drang (das asiatische Klick-Gen xD) alle Mögliche für die Nachwelt festzuhalten die Katastrophe wäre. Eine Abteilung war interessanter als die andere, ich hätte bestimmt für jede einzelne einen Blogbeitrag schreiben können. Erst im Einzelnen betrachtet fiel mir auf, wie vielfältig und vernetzt sich die Arbeit hinter den Kulissen gestaltet. So gab und gibt es internationale Kooperationen, wie mit Ägyptischen Museum in Kairo, wo das RGZM an Restaurierungsprojekten an den Goldblechen und der goldenen Totenmaske aus dem Grab des Tut-Ench-Amun beteiligt war, sowie an Schmuckstücken des Schatzes von Preslav aus dem 10. Jahrhundert.

Ebenso ist das RGZM an Restaurierungsarbeiten am Wikingerschiff von Oseberg beteiligt In der Holzkonservation hat sich durch die in Mainz gefundenen römischen Patrouillenschiffe eine besonders gefragte Expertise erworben (siehe „Ich und das Holz“) und besonders begeisterte Mitarbeiter, so dass bei diesem Rundgang die Holzkonservierung vorgestellt wurde. Mich hatte es sehr gefreut, Herrn Wittköpper wiederzutreffen, welcher seinen Arbeitsbereich nicht nur wieder einmal enthusiastisch, sondern auch als treuer Mainz-05-Fan im Fußballtrikot und der UEFA-Kapp (der 11.11. war gerade eine Woche her) präsentierte.

Das meiste war mir schon durch die After-Work-Veranstaltung zur Holzkonservierung bekannt, doch es war mir wieder eine Freude den Ausführungen zuzuhören. Überhaupt wussten die Mitarbeiter und Studenten so ausführlich und interessant zu erzählen, dass zum Ende der Führung die Zeit knapp wurde und einzelne Bereiche nur angerissen werden konnten, die eigentlicht mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Andererseits war ich bis zum Anschlag voll mit Informationen und Eindrücken, und der Akku meines iPhones machte allmählich schlapp. Nachdem die Führung mit dem Fotostudio als letzter Station beendet war, machte ich mich zunächst auf den Weg nach Hause – ich wohne ja nur um die Ecke – um mich auszuruhen, Handy aufzuladen und noch das Isis-Magna-Mater-Heiligtum in der Römerpassage aufzusuchen, um dem Vortrag über Fluchtäfelchen zuzuhören und selbst eins herzustellen (ich habe allerdings niemanden verflucht)Dazu aber mehr in einem eigenen Blogeintrag. Nach diesem Abstecher begab ich mich wieder zurück ins RGZM, um mir die Stationen anzuschauen, die bei der Führung zu kurz gekommen waren und mich persönlich interessierten.

Ich sah mir zunächst die Kolorierung an, witzigerweise an der Kopie eines Keramikgefäßes, das aus Ausgrabungen (Vicus und Gräberfeld Auf Esch) in meinem Heimatort Groß-Gerau stammte und ließ mir erklären wie archäologische Illustrationen gefertigt werden.Mich freute als Hobbyzeichnerin besonders, dass Handzeichnungen immer noch einen hohen Stellenwert genießen. Zwar wird weniger Wert auf Kreativität gelegt, doch ich mag die ganz eigene Ästhetik dieser Zeichnungen.

Kurz vor Ende der Veranstaltung schaute ich noch einmal bei der Edelmetallkonservierung vorbei, wo der Preslav-Schmuck gezeigt wurde. Eigentlich wollte ich ja die Mitarbeiter in Ruhe lassen, da sie den Tag über sowieso schon genug erzählt haben mussten und ich alles Notwendige schon in der Presseführung gehört hatte. Aber sie waren dennoch unermüdlich noch offene Fragen zu klären und zu erzählen, wie sie den Tag erlebten hatten, was ich im Übrigen fast noch spannender fand. So von einem kuriosen Besucher, der nur wissen wollte, in welcher Tiefe der Schatz gelegen hatte und nach der Auskunft gleich wieder verschwand. Es wäre wohl ebenfalls sehr spannend gewesen, die Besucher zu beobachten, wie sie auf die gezeigten Objekte und Geräte reagieren – was wohl in ein weiteres Mammutprojekt fürs Blog ausgeartet wäre.

Die Herkunft
Der Preslav-Schatz
Ich würd’s tragen

So ging der erste Tag der Veranstaltung zu Ende, aber ich war fürs Wochenende noch lange nicht fertig. Ich hatte mir nämlich vorgenommen, am Sonntag das Kinderprogramm anzuschauen, nach der Mainzer Buchmesse und einem Nachhilfetermin, den ich noch zu absolvieren hatte. Das Wochenende war also fest verplant. Aber was tut man als Blogger nicht alles um seine Neugier zu befriedigen und das auch noch für die Nachwelt festzuhalten. Buchmesse (siehe hier) und Arbeit brachte ich glücklich hinter mich, nun war Zeit für etwas Spaß für Kinder, kleine wie auch für ein etwas größeres.

Das Kinderprogramm fand im Museumsshop des Schlosses statt, wie ich am Tag zuvor mehr durch einen Irrtum herausgefunden hatte. Ich traf dort ein, als ein ganzer Schwung Kinder den Raum verlassen hatte und ich so ziemlich die einzige Person zum Bespaßen war. Das war allerdings auch gar nicht so schlecht, da ich mich mit den Mitarbeitern ausgiebig über mein Interesse an den Projekten des RGZM unterhalten konnte, während ich nebenbei einen Keramikfisch zusammenklebte. Als ich für einen Augenblick allein war, kam es, wie es kommen musste, es kamen nämlich Kinder und ich als einzige Erwachsene, die gerade pseudokompetent am Zusammenkleben war, musste als Anleiterin herhalten. Doch bekanntlich wächst man ja mit seinen Aufgaben. Es machte Spaß und als ich den Fisch schließlich erfolgreich fertiggeklebt hatte, wollte ich schon fragen, wann ich denn morgen anfangen könnte.

Erstmal Scherben
Immer schön am Rand entlang
Tadaaa! Meisterwerk

Als schließlich wieder tatsächliche Mitarbeiter übernommen hatten, schaute ich mir am Tisch gegenüber an, wie man Funde in Scherbenform abmaß und bestimmte. Die Kinder und deren Eltern machten begeistert mit, vor allem als ein Vater herausfand, welch tollen Unsinn man mit den Werkzeugen anstellen konnte, es ließen sich großartig Silhouetten von Nasen, Brillen und Fingern abmessen. Eine Mutter hingegen nahm die Angelegenheit etwas zu ernst und hielt ihren Sprössling zu genauem Arbeiten an. Ich war ja kurz davor zu sagen, dass das Kind doch keine Noten dafür bekommt…Nun gut, es hat ja jeder seine Prioritäten, aber mir gefiel die Variante Spaßhaben doch besser.

 

Spiel- ähm Werkzeug
Dokumentation
Tabelle zur Farbbestimmung Meisterwerk

Bevor ich den Heimweg antrat – das Wochenende begann seinen Tribut zu fordern – sah ich in einen anliegenden dunklen Raum, wo es um das Umzugsprojekt „Auf dem Weg ins Neue Museum“ ging und führte eine angeregtes Gespräch mit der Mitarbeiterin über den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Was das Schloss angeht, bin ich doch sehr voreingenommen, da ich es für eine schöne Umgebung für ein archäologisches Museum halte und das altmodische Flair sehr mochte, aber auch für zeitgemäße Umsetzungen wie das Chlodwig-Projekt bin. Ich denke, dass die Verbindung zwischen Altem und Neuem beim Landesmuseum gut gelungen ist, ebenso beim Schifffahrtsmuseum, ob der Neubau eben nur ein steriler moderner Klotz sein wird oder ob es gelingt ein gewisses Flair zu verbreiten, wird sich noch zeigen müssen.
Damit ging ein wirklich sehr abwechslungsreiches Wochenende zu Ende, mein Anspruch alles mitzunehmen, was es zu erleben gab, hatte sich gelohnt. Ich habe bei dieser Veranstaltung tolle Einblicke hinter die Kulissen des RGZM gewonnen, was nicht zuletzt den engagierten Mitarbeitern aller Bereiche verdanken war.

Zum Schluss noch einige Impressionen aus meinen 179 Fotos, die ich während dieses Wochenendes gemacht hatte, es fiel mir wirklich schwer, eine Auswahl zu treffen – was nicht zuletzt dazu beigetragen hatte, dass es mit dem Beitrag so lange gedauert hatte:

Scan für die 3D-Darstellung
 

Auf dem Monitor
Weiterbearbeitung am PC
Auch sehr klassisch
Puzzlearbeit Level 9000
Fast schon Kunst

Links:

Website des Römisch-Germanischen Zentralmuseums

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