[Rezension] Der Römische Wolf

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Autor: Perdita Peschel

Seiten: 364 Seiten

Sprache: Deutsch

Verlag: Rediroma-Verlag

Status: beendet

 

Ich muss gestehen, dass ich kein besonders großer Fan von historischen Romanen bin, selbst wenn es um meine geliebte Römerzeit geht und besitze gerade mal zwei oder drei Bücher aus dem Genre. Ansonsten lese ich tatsächlich lieber Sachbücher darüber. Vermutlich finde ich Sachbücher ‚realistischer‘, auch wenn es schön ist, wenn Autoren versuchen, in die Antike oder andere Zeiten abzutauchen oder sich in die Menschen von damals hineinzuversetzen. So gut ein Roman recherchiert und geschrieben sein mag, ich kann mich nicht immer damit anfreunden, wenn sich dann auch noch grundlegende Probleme zeigen, wird es dann richtig schwierig.

Der Roman „Der Römische Wolf“ fiel mir während einer meiner Ehrenamtseinsätze bei der Initiative Römisches Mainz im Isis- und-Mater-Magna-Heiligtum in der Römerpassage Mainz in die Hände. Die Autorin hatte ihr Werk (zwei Fortsetzungen sollen folgen) als Geschenk an uns „Experten“ geschickt und um Lektüre und Rückmeldung gebeten, eventuell mit der Möglichkeit, das Buch hier verkaufen zu können. Da ich ja immer neuen  Lesestoff gebrauchen kann, nahm ich mich des Buches an und war gespannt, was mich erwartete.

Im Vorwort erzählt die Autorin, was sie bewogen hatte, die (fiktive) Lebensgeschichte von Marcus Agrippa Postumus, einem Enkel des Kaisers Augustus und nach Adoption dessen potenzieller Nachfolger, zu erzählen.  Dieser wurde im Alter von 26 Jahren kurz nach dem Tod von Augustus ermordet, die römischen Geschichtsschreiber überliefern ein nur knappes und nicht sehr schmeichelhaftes Bild – was aber durchaus üblich war, um Personen zu diskreditieren, die bei aktuellen Herrschern in Ungnade gefallen waren. Soweit, so gut. Dass Autoren versuchen, sich in historische Persönlichkeiten hineinzuversetzen ist ja nichts Neues, ob es gelingt, bleibt natürlich offen, wenn diese keine Aufzeichnungen für die Nachwelt hinterlegt haben und fragen kann man sie auch nicht mehr.  Also bleibt  der Lesespaß für ein Urteil.

Marcus Agrippa kommt  im Alter von 19 Jahren auf ein Landgut seines verstorbenen Vaters in der Nähe von Pompeji. Launisch und jähzornig, aber auch voller Ehrgeiz versucht er die Erträge des Gutes zu steigern und gerät in einen Strudel von Ereignissen und Begegnungen am Fuße des Vesuvs, die sein Leben grundlegend ändern.  Diese Ereignisse beginnen mit dem Sklaven Clemens auf jenem Landgut und Cassius Chaerea, einem jungen Legionär aus dem nahegelegenen Pompeji, die beide historisch belegt sind. Ersterer war tatsächlich ein Sklave des Marcus Agrippa, der nach dessen Tod eine Rebellion anführte und sich als Agrippa ausgegeben haben soll, während Cassius Chaerea unter Augustus‘ Großneffe Germanicus als Centurio diente und später als Prätorianertribun den Kaiser Caligula ermordete, aber keine weitere Verbindung mit Agrippa Postumus zu haben scheint.

Aber wie gesagt, künstlerische Freiheiten sind ja nicht schlecht…Nun gut, ich war gespannt, was mich erwartete und das waren vor allem unglaublich viele Rechtschreib- , Tempus- und Grammatikfehler. Dabei blieb es leider nicht, denn der sowohl der Ausdruck als auch die Charakterbeschreibungen ließen sehr zu wünschen übrig und ich dachte, was ist das für ein Verlag, der das durchgehen lässt. Also bemühte ich die Hilfe des Internets und fand heraus, dass der Rediroma-Verlag ein Verlag für Selbstverleger ist mit lachhaft niedrigen Preisen für das Lektorat. Es ist allgemein bekannt, dass heutzutage Lektoren nicht besonders gut bezahlt werden, aber ich fragte mich, wer für 50 Cent pro Seite eine gute und gründliche Arbeit erwarten kann…

Jedenfalls schien mir, als ob hier ganz auf das Korrekturlesen verzichtet wurde, vom Ausdruck, Sprache und der Charakter- und Storyentwicklung ganz zu schweigen. Ich weiß, dass es für Autoren schwer ist, überhaupt von Verlagen beachtet zu werden und der Weg zu Selbstverlag der einfachste scheint. Aber wie wir schon von Star Wars gelernt haben, ist der einfache, schnelle Weg der zur Dunklen Seite, besonders, wenn man hochmotiviert ist, sein Werk möglichst schnell unter die Leute zu bringen. Das ist verständlich, denn ich habe diesem Roman angemerkt, dass die Autorin mit viel Herzblut und Enthusiasmus geschrieben hat. Sie versucht, die Charakterentwicklung des Protagonisten zu schildern, wie er sich vom verwöhnten, jähzornigen Kaiserenkel zu einem mitfühlenden, mutigen jungen Mann mit aufrichtigem Charakter entwickelt, der sich damit Feinde, aber auch treue Freunde macht.

Leider ist die Beschreibung der Charaktere und ihrer Gedanken und Beweggründe sehr simpel gehalten, teilweise ziemlich mit der Brechstange, damit der Leser ja nicht übersieht, wieso die Figur so handelt und was sie denkt, und das wiederholt mit wenig Abwechslung im Ausdruck. Weniger wäre hier mehr gewesen, und wenn die Figuren wiederholt erröten, dann wird es allmählich etwas peinlich. Die meisten, die zu den Guten in der Geschichte gehören, sind unglaublich integer und verständnisvoll, sie brauchen nur ehrlich oder nachgiebig zu sein, und schon haben sie die Menschen in ihrer Umgebung für sich gewonnen, obwohl sie oft sehr naiv wirken. Genug Drama und Liebeswirren finden natürlich auch statt, die Geschichte endet mit einem Cliffhanger, da die Autorin bereits an zwei Fortsetzungen schreibt.

Auch wenn ich wahrscheinlich nicht zur Zielgruppe solcher Romane gehöre, die Geschichte hätte sicher Potenzial eine spannende und atmosphärische Trilogie zu werden. Allerdings reicht die Begeisterung der Autorin für ihre Hauptfigur nicht aus, um über die grundlegenden Mängel in Sprache, Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck hinwegzutrösten, wahrscheinlich fehlt es ihr hier an genereller Erfahrung im Verfassen von literarischen Texten. In einem Selbstverlag bekommt man zwar sein Werk schnell in die Öffentlichkeit, aber das auf Kosten der Qualität und ich kann mir gut vorstellen, dass es frustrierend ist, bei regulären Verlagen vergeblich Klinken putzen zu müssen. Aber selbst Bestseller haben oft Jahre und Jahrzehnte von vergeblichen Anläufe und zig Überarbeitungen hinter sich, und manchmal das notwendige Quentchen Glück.  Wie aber schon gesagt, zunächst muss meiner Ansicht nach die Basis stimmen, was ich aber in diesem Band nicht gegeben sehe, um geschichtsinteressierte Leser anzusprechen.

Dennoch soll diese Kritik kein Verriss sein, sondern auf Probleme hinweisen, die man als Autor mit Selbstverlagen und eher wenig Erfahrung (ich nehme das einfach mal so an) haben kann. Wie gesagt, mit einer guten Korrektur und mehr Übung im Ausdruck wäre daraus sicher eine ansprechende Lektüre geworden, bei der sich die 15 Euro lohnen würden.

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[Rezension] Perry Rhodan – Das größte Abenteuer

PerryAutor: Andreas Eschbach

Seiten: 848

Sprache: Deutsch

Verlag: Argon / Fischer Tor

Status: beendet

Zufällig (mal wieder?) kurz vor dem 50jährigen Jubiläum der Mondlandung am 21. Juli 1969 hatte ich endlich – meiner Bibliothek sei Dank – die  Möglichkeit endlich die  Biographie des wirklich ersten Menschen auf Mond zu lesen. Zumindest in einem anderen Universum ist es Perry Rhodan, der am 19. Juni 1971 auf dem Mond landete, die Erde vor dem Atomkrieg rettete und schließlich das Weltall eroberte.

Perry Rhodan ist die älteste und größte Science Fiction-Heftserie der Welt, die seit 1961 in mehreren Auflagen erscheint . Es klingt total unbescheiden, ist aber so. Und bei Heftserien denkt man erst an Groschenromane, billige Arzt- und reißerische Westerngeschichten, oder kitschige Romantik vom Bahnhofskiosk. Also leichte Lektüre ohne Anspruch. Kann teilweise so sein, aber meistens ist es doch etwas anders als man denkt. Vor allem, da die Lektüre von Heftromanen in meiner Familie schon Tradition hat. Mein Opa hat wahnsinnig gerne Jerry Cotton-Heftchen gelesen, neben anspruchsvollerem Lesestoff. Mein Vater hat gerne jene Westernheftchen gelesen und ich habe mit Biene Maja, Micky Maus, Conny, Captain Future und anderen Comicheftchen angefangen. Als ich flüssiger lesen konnte, mussten erst einmal die Jerry Cotton- und Westernheftchen dran glauben, obwohl das eigentlich keine Kinderlektüre war, War mir aber egal. Es waren Buchstaben und spannende Geschichten. Ich habe so einiges gelesen, was überhaupt nicht für Kinder geeignet war, z.B. Stephen Kings Shining, wonach ich mich weder ins Bad noch in den Keller traute (mittlerweile kann ich aber wieder diese Orte betreten).

Eines schönen Tages, viele Jahre später, ließ der damalige Freund meiner Schwester ein paar Perry Rhodan-Heftchen bei uns liegen. Ich lag mit einer Nebenhöhlenentzündung im Bett und ich brauchte was zu lesen. Also nahm ich mir die Hefte vor. Eines musste die 5. Auflage gewesen sein, ich erinnere mich sogar noch ziemlich genau, dass es um den Besuch Perry Rhodans auf der Welt Pröhndome ging, das war um die 700er Hefte herum. Jedenfalls, es war um mich geschehen – ich fing an die Erstauflage zu lesen, dann lieh ich mir die Silberbände aus. Pausen habe ich auch immer wieder gemacht (wie jetzt gerade), dann begann ich parallel zur Erstauflage mit Neo und verschlang (und verschlinge immer wieder gerne) abgeschlossene Romanzyklen wie Andromeda und Odyssee. Bevor es mich wieder dahin verschlägt, komme ich doch lieber auf das eigentliche Thema zurück. Nämlich den fiktiv-biografischen Roman über ‚unseren Mann im All‘, nämlich den werten Perry selbst, dessen Unterteil auch ganz unbescheiden „Das größte Abenteuer heißt“. Ist es nämlich auch.

Eingerahmt ist die Lebensgeschichte Perry Rhodan in das entscheidende Ereignis der Weltgeschichte des PR-Universums, nämlich die Gründung der Dritten Macht durch ihn selbst, um die Menschheit vor einem Atomkrieg zu bewahren, was zunächst einmal ein wenig anders verläuft als gedacht. Geschildert wird dieser PR-historische Rahmen durch einen langjährigen Weggfährten des Ersten Terraners, Boten von Thoregon, Ritter der Tiefe und was Perry sonst noch alles an Rollen innehatte. Dass dem Helden mit Vorfahren aus Bayern etwas Besonderes anhaftet, deutet schon an, welche Rolle in den Weiten des Kosmos ihm in der Zukunft beschieden sein wird. Er gerät in bedeutende Ereignisse der Weltgeschichte, natürlich noch sehr nichtsahnend und manchmal etwas naiv, wie es mir an einigen Stellen vorkam, aber immer sich selbst treu, bis er schließlich jenen schicksalhaften Flug zum Mond im Jahre 1971 antritt, nachdem die erste Mondmission gescheitert ist. Diese Treue zu sich selbst und seinen Idealen von einer besseren Welt prädestinieren Perry sozusagen als Auserwählten und ich denke, dass die Nähe zu Karl Mays Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi nicht abwegig ist. Im Gegensatz zu Mays Alter Egos ist Perry allerdings nicht ganz so überpowert, wie man heute sagt, er wirkt bescheidener und fehlerhafter. Aber der Idealismus und die Treue zu ihren Überzeugungen besitzen alle diese Figuren. Wenn man die Erstauflage liest, oder einige Romanreihen, verleihen die verschiedenen Stamm- und Gastautoren Perry sehr viele Facetten, die stets interessant zu lesen sind, so dass die konsistente Schilderung über 848 Seiten etwas gewöhnungsbedürftig war, aber letzten Endes natürlich zur Schlüssigkeit beigetragen hat. Überhaupt hat mir der Stil von Andreas Eschbach, der als gelegentlicher Gastautor in der Heftserie mit dem Universum vertraut ist, ausgesprochen gut gefallen. Perry dient bis zu einem gewissen Zeitpunkt als unfreiwilliger Reiseführer durch die historischen Ereignisse (auch die vor seiner Geburt) bis zu jenem Mondflug, womit man als Leser sehr unterhaltsame und amüsante, aber nie alberne Lektionen in Sachen Geschichte des 20. Jahrhunderts bis 1971 erhält, mit dem Blick aus dem 57. Jahrhundert. Neben namhaften Persönlichkeiten vor allem der amerikanischen Geschichte trifft Perry auf seine zukünftigen Weggefährten, unter anderem seinem besten Freund Reginald Bull, was mich als gestandene PR-Leserin besonders gefreut hat, jedoch für Erstleser sicher auch interessant ist.

Überhaupt denke ich, dass dieses „größte Abenteuer“ auch für Nichtkenner eine schöne Lektüre ist, ich glaube, ich als Fan von Alternativer Geschichte, hätte daran auch eine große Freude gehabt. Perrys Biographie mündet in die Ereignisse, die den ersten Zyklus der Erstauflage, Die Dritte Macht, einleiten. Dieser Teil wirkt auf mich etwas gedrängt, das kann aber auch daran liegen, dass ich diesen Teil bereits kenne und sozusagen ein Cliffhanger ist, also von meiner Seite eher Jammern auf hohem Niveau. Ich kann mir jedenfalls denken, dass dieser Teil Lust auf mehr macht, z.B. mit den Silberbänden anzufängen, die die Erstauflage seit ihrem Beginn zusammenfassen und mir schon manche schlaflose Nächte bereiteten, da ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen, bis der Morgen graute. Und ich muss gestehen, dass ich nicht übel Lust gehabt hätte, gleich mal wieder anzufangen, aber leider ist die hiesige Bibliothek nicht sehr gut mit Silberbänden ausgestattet. Aber ich muss wirklich mal wieder mit meinem Perry anfangen, ich habe ihn sträflich vernachlässigt!

 

[Rezension] Star Wars: Episode 1 – Die Dunkle Bedrohung

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Autor: Terry Brooks

Originaltitel: Star Wars Episode 1 – The Phantom Menace

Seiten: 320

Sprache: Deutsch

Verlag: Blanvalet 1999

Status: beendet

 

Heute ist es genau zwanzig Jahre her, dass mit Die Dunkle Bedrohung, oder auch als The Phantom Menace, der erste Film der Prequel-Trilogie der Star Wars-Saga in die Kinos kam. Zufälligerweise hatte ich mir ein paar Tage zuvor die Romane der Prequel-Trilogie aus der Bibliothek ausgeliehen, aber da es auch der Wille der Macht sein könnte (es gibt eben keine Zufälle laut gewisser Jedi-Meister), will ich das mal gelten lassen. Und das hat mich motiviert, aus meinem Bloggerloch wieder hervorzukriechen.

Obwohl ich Star Wars-Fan bin, war dies das erste Mal, dass ich einen der Romane zu den Filmen gelesen hatte. Oder überhaupt einen Roman, der zum Film geschrieben wurde.
Sicherlich hatte ich den einen oder anderen Roman schon gelesen, die gehörten allerdings zum Expanded Universe, das leider seit der Disney-Übernahme als „Legends“ abgestuft wurde. Darüber hinaus schwankt die Qualität erheblich, die von den verschiedenen Autoren abhing und was sie daraus machten. Dadurch entstanden einige Widersprüche und oft genug war George Lucas von einigen Einfällen nicht sehr begeistert. Wie dem auch sei, es gibt einige sehr gute Romane und einige durchschnittliche und einige ziemlich schlechte. Ich weiß noch, dass ich vor einigen Jahren den Episode-1-Roman in der Hand hatte und darin herumblätterte, was mich abschreckte, war die deutsche Übersetzung „Kapselrennen“, was in der deutschen Synchronisation „Podrennen“ hieß. Es gibt so einige Begriffe aus Star Wars-Roman, deren deutsche Übersetzung mir jedes Mal die Haare aufstellen lässt, wie „Düsenschlitten“ etwa (ich weiß immer noch nicht, was ich mir darunter vorstellen soll) – oder „Sturmtruppler“. Arrrghs.

Doch damit will ich mich gar nicht weiter aufhalten. Ich rege mich sonst nur wieder auf. Es geht ja um Die Dunkle Bedrohung. Dieser erste Prequelfilm löste den ersten Aufschrei unter vielen Star Wars-Fans aus, George Lucas hätte die Originaltrilogie geschändet, die Kindheit dieser Fans vergewaltigt und so weiter. Zum Glück war im Jahr 1999 an Shitstorms und Beleidigungen der Schauspieler auf deren Instagramkonten noch nicht zu denken, aber die Reaktionen war gelinde gesagt heftig. Auch ich war eher skeptisch, fühlte mich aber nicht so persönlich beleidigt, da ich damals Star Wars zwar mochte, aber noch nicht so der Nerd wie heute war, so dass mich einige Jahre Star Wars-Romane überhaupt nicht interessieren. Die Prequeltrilogie habe ich übrigens sehr liebgewonnen, ich bevorzuge sie sogar vor der Originaltrilogie, obwohl ich mit dieser aufgewachsen war.

Der Roman wurde von Terry Brooks verfasst, welcher auch als Autor des Shannara-Zyklus bekannt ist. Zwar habe ich diese Bücher nie gelesen, aber habe schon sehr gerne die Serie gesehen, welche so ein bisschen mein Guilty Pleasure ist. Vielleicht hole ich die Shannarabücher irgendwann einmal nach. Doch nun zum eigentlichen Thema: Wer den Film kennt, wird von der Handlung natürlich wenig überrascht und kann keine großartigen Offenbarungen erwarten. Die Jedi Qui-Gon Jinn und Obi Wan Kenobi entdecken einen machtbegabten Jungen namens Anakin Skywalker, den man später (oder vielmehr früher) als Darth Vader kennt.  Dieser Film bildet den Auftakt zur Geschichte von Aufstieg und Fall des Auserwählten, der die Macht wieder ins Gleichgewicht bringen soll.  Allerdings fand ich es sehr schön, dass die Gedankenwelt der Protagonisten geschildert wird, was im Film oft nur schwer gezeigt werden kann. Oder Szenen, die zu einer Handlung erst hinführten oder erweiterte Dialoge. Bei einigen habe ich gedacht, dass sie wirklich gut in den Film gepasst hätten, um eventuell Gefühle und Motivationen zu vertiefen. Etwa Anakins Begegnung mit dem Raumpiloten, der ihm eine Zukunft als Pilot prophezeit oder wie er darauf reagiert, dass die Dienerin Padmé, die er so verehrt, eigentlich Amidala, die Königin von Naboo ist. Auch auf die Beziehung von Qui-Gon Jinn, Anakins Entdecker, und dessen Padawanschüler Obi-Wan, Anakins späterem Meister geht das Buch näher ein, was ich sehr spannend fand, wie viele andere Details. Dem Autor gelingt es gut, die Atmosphäre einzufangen, sei es auf Coruscant, Tatooine oder Naboo, da merkt man ihm schon den schwärmerischen Tolkien-Fan an. Ich hätte mir gewünscht, dass man ihm mehr Raum als 320 Seiten gelassen hätte, um eingehender auf die Protagonisten und deren Beziehung zueinander eingehen zu können oder Szenen detaillierter auszufeilen. Ich glaube, das hätte eine wirklich atmosphärisch dichte Erzählung werden können, doch anscheinend sind die Autoren an einen gewissen Rahmen gebunden und können nur selten Zeit auf Recherche und In-Universe-Zusammenhänge verwenden. Was sehr schade ist. Es bleibt bei mir nach der Lektüre gut geschriebener Star Wars-Romanen immer der Wunsch nach mehr zurück. So wie auch bei diesem, denn es gab schon einige Momente, die ich sehr ergreifend beschrieben fand, wie etwa Anakins Abschied von seiner Mutter. Wie gesagt, ich kenne ja die Handlung und die Charaktere, doch war das (leider zu kurze) Buch spannend zu lesen und ich fand es sehr nett, dass im Mittelteil Bilder aus dem Film zu finden waren. Manchmal stimmte der Kontext nicht ganz, doch es störte mich nicht, eigentlich finde ich das immer amüsant. Nun bin ich auf die Romanfassung von Angriff der Klonkrieger gespannt, welcher von einem anderen Autor, einem R.A. Salvatore, verfasst wurde.

Die Episode1-Kanne gab es damals übrigens bei einer bekannten Pizzakette, wenn man sich 1,5 Liter Cola bestellt hat. Diese fand ich zu meiner Überraschung im Keller meiner Eltern, die von Star Wars einfach überhaupt keine Ahnung haben. Keine Frage, dass ich mir diesen Merchandise-Schatz sofort unter den Nagel gerissen habe und meiner Sammlung hinzufügte.

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[Rezi/Fantasy-Young Adult] Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children

imageAutor: Ransom Riggs

Seiten: 352

Sprache: Englisch

Verlag: Quirk Books 2013

Deutscher Titel: Die Insel der besonderen Kinder

Status: beendet

 

Ich kam ja etwas unverhofft zu diesem Buch. Da meine Eltern in punkto Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke eher unkreativ veranlagt sind, schrieb ich im Dezember 2016 eine Liste. Diese führte Haruki Murakamis 1Q84 sowie Robert HarrisFatherland auf. So weit, so gut. Wahrscheinlich habe ich es der Geschäftstüchtigkeit des patenten Buchhändlers (siehe hier) zu verdanken, dass ich an meinem Geburtstag, der relativ kurz vor Weihnachten ist, ziemlich unverhofft Miss Peregrine vorfand. Der Titel war mir insoweit ein Begriff, als mir um die Zeit auf YouTube ständig Trailer zu einem Film dieses Namens empfohlen wurden, ich aber kein gesteigertes Interesse daran hatte, weil  das so ein bisschen im Harry Potter/Zauberschule/Dingens-Fahrwasser zu fahren schient. Aber da ich es nun einmal hatte. Geschenkter Gaul und so. Zuerst stand aber Murakami auf der Liste, worauf ich schon sehr lange gewartet hatte, dann widmete ich mich aber den Peculiar Children, Was ich besonders interessant fand, noch bevor ich mit dem lesen anfing, war das Cover. Es zeigte eines dieser schlecht retuschierten Vintage-Kuriositäten-Fotos, auf dem ein „schwebendes“ Mädchen zu sehen war. Das war schon einmal nicht schlecht und weckte meine Neugier.

Die Geschichte beginnt mit den Kindheitserinnerungen des Protagonisten Jacob an die fantastischen Fotos (darunter jenes schwebende Mädchen) seines Großvaters, welcher nicht minder fantastische Geschichten aus der Zeit des 2. Weltkriegs von seiner Flucht aus Polen vor den Deutschen und Monstern erzählte, die ihn auf Insel vor Wales führte, wo Kinder mit besonderen Fähigkeiten untergebracht waren. Mit nun 16 Jahren ist Jake freilich nicht mehr so wirklich vom Wahrheitsgehalt von Fotos und Geschichten überzeugt, hat aber weiterhin ein gutes Verhältnis zu seinem Großvater, der mit zunehmenden Altern augenscheinlich immer unter Verfolgungswahn leidet.  Die Geschichte setzt mit einem tragischen Unglück ein, das Jacob davon überzeugt, dass die fantastischen Geschichten und Fotos eventuell doch wahr sein könnten. Er begibt sich auf die Suche nach der Insel und jenen besonderen Kindern, die von einer Miss Peregrine behütet werden.

Schnell fand ich heraus, dass Miss Peregrine eher wenig mit Harry Potter und dem Zauberschulengenre zu tun hatte, weshalb ich mich bereitwilliger auf die Geschichte einlassen konnte. Generell stellen sich die Themen in Miss P. dunkler dar, als ich sie von einem Buch aus dem Young-Adult-Bereich vermutet hätte, nicht nur wegen der Dark-Fantasy-Elemente, sondern auch wegen der Auswirkungen dunkler historischer Ereignisse, wie dem Holocaust und 2. Weltkrieg. Heitere Momenten fehlen jedoch nicht, wenn der aus Florida stammende Jacob auf einer gottverlassenen Insel vor der walisischen Küste auf die Einheimischen mit ihrem unverständlichen Dialekt und merkwürdigen Sitten trifft. Aus diesem Grund lohnt es sich ja immer Bücher in der Originalsprache zu lesen, wenn man diese beherrscht. Der 16-jährige Jacob erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, eines lakonischen, etwas sarkastischen Teenagers, den seine Familiengeschichte auf eine unerwartete Weise einholt. Es fiel mir leicht, Jacob und seine Sicht der Welt sympathisch zu finden, er ist ein eher alltäglicher Typ, nicht unbedingt Material für einen strahlenden Helden, aber auch kein missverstandener 16-jähriger, der sich in seinem Weltschmerz suhlt.

Das Beste an Miss P. sind jedoch die zahlreichen Schwarzweiß-Bilder, um die der Autor die Geschichte gestrickt hat und dem Buch eine ganz besondere, morbide Atmosphäre geben, die es aus dem Young-Adult-Genre hervorstechen lassen. Nicht, dass ich besonders viel aus diesem Bereich lese, aber ich denke, dass der Anspruch von Miss P. Doch ein wenig höher liegt, gerade wegen der historischen Thematik, die die Handlung durchzieht und im zweiten Teil wahrscheinlich weiter ausgeführt wird. Denn das Buch endet nämlich mit einem Cliffhanger, und am Ende ist ein Interview mit dem Autor zu lesen (welches wirklich interessant ist), das die Fortsetzung anspricht. Eine Leseprobe aus dem zweiten Teil gibt es natürlich auch.

Ob ich mir den Film ansehe, weiß ich nicht. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie die Umsetzung ohne die Bilder als Illustration und atmosphärische Elemente funktioniert, hinzu befürchte ich ja, dass die düstere Thematik etwas zu weichgespült werden könnte. Und warum auf dem Filmposter eine Frau mit Armbrust zu sehen ist, frage ich mich ebenso, jedenfalls kam im Buch niemand mit Armbrust vor. Ich schätze, dass ich die Fortsetzung – irgendwann – lesen werde. Wobei ich das bei „Die Auserwählten des Labyrinths“ zwar auch wollte, aber immer noch nicht dazu gekommen bin. Davon abgesehen muss noch den Stapel unrezensierter Bücher abbauen. Cliffhanger hin oder her, ich lese Miss P. auch so immer wieder gerne.

[Rezension/Sci-Fi] Alfred Bester – The Stars My Destination

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Autor: Alfred Bester

Erstausgabe: 1956

Seiten: 240

Sprache: Englisch

Status: (Mehrfach) gelesen

Verlag: Gollancz, 2010

 

„The Stars“  spielt in einer Zukunft, in der die Menscheit das Sonnensystem kolonisiert und eine neue Form der Fortbbewegung, das Jaunten, entdeckt hat. Die Teleportation durch Willenskraft bringt große gesellschaftliche Umbrüche mit sich, welche sich zu einem Konflikt zwischen den Kolonisten und Bewohnern der Erde entwickeln. Der tumbe Gulliver Foyle ist der einzige Überlebende eines havarierten Raumfrachters, wofür er bereits seit 170 Tagen kämpft, als Rettung in greifbarer Nähe scheint. Seine Mühen, auf sich aufmerksam zu machen, werden ignoriert, so dass Foyle über sich selbst hinauswächst, um seinen Rachefeldzug gegen ‚Vorga‘ und den allmächtigen Presteign-Clan zu führen, der an den Grafen von Monte Christo erinnert. Wie für seinen Namensvetter aus Gullivers Reisen beginnt für ihn eine Odysee, durch alle Schichten der menschlichen Gesellschaft, durchs All und durch sich selbst.

Ich hatte vorher noch nie etwas von Alfred Bester gehört, obwohl ich meinte, mich mit klassischen Science-Fiction-Autoren auszukennen, die üblichen Verdächtigen eben, Philip K. Dick, Robert Henlein, Isaac Asimov und dergleichen. In Neil Gaimans Nachwort zum Roman erfuhr ich, dass Bester für Superman- und Green Lantern-Comics schrieb, und „The Stars“ als wichtiger, wenn nicht der Einfluss für das Cyberpunkt-Genre gilt. Zu Bester kam ich über Stephen King, sein Name wurde als Einfluss für mehrere Romane Kings genannt und wie es beim Lesen von Wikis so passiert, verrannte ich mich über Links und Querweise zu Bester, so dass ich beschloss mir einfach „The Stars“ zuzulegen. Das Gute daran war, dass ich außer den Hinweisen im King-Wiki schlichtweg keine Ahnung hatte, was auf mich zukommen würde und total unvoreingenommen lesen konnte. Ich mag ja sowieso Science-Fiction aus den 1950er/60er Jahren. So wirkte einiges, was Technologie betraf, IMG_6599ziemlich kurios – z.B. werden Nachrichten über teleportierende Boten übermittelt – andererseits traf ich auf ein hyperfuturistisches Setting mit fantastischen und metaphysischen Elementen, zum Glück ohne zuviel Technobabble. King muss wohl seine Vorliebe für Spiel mit der Typographie und Illustrationen bei Bester entdeckt haben.

 

Weiterhin es wäre interessant zu erfahren, inwieweit das Bester’sche Jaunten und die Telepathie sowohl Perry Rhodans Mutanten und Star Trek beeinflusst haben. Jedenfalls halte ich es für ziemlich wahrscheinlich. Wie eigentlich bei jedem Science-Fiction-Roman dieser Zeit sind die gesellschaftlichen Hintergründe die spannendsten Aspekte. Das Jaunten verändert die menschliche Gesellschaft grundlegend. Den Menschen steht die Welt offen, man kann in verschiedenen Zeitzonen hintereinander Silvester feiern, man arbeitet in Grönland und macht in New York seine Mittagspause, oder folgt dem Morgen rund um den Globus. Altmodische Fortbewegungsmittel wie Fahrräder, Autos und Züge, vom Zufußgehen ganz zu schweigen, gelten als Statussymbole von Superreichen. Diese globale Gesellschaft ist durch die uneingeschränkte Mobilität ethnisch durchmischt, doch die Schattenseiten sind erheblich.  Krankheiten und Plagen verbreiten sich nahezu ungehemmt über den Erdball, ebenso ermöglicht das Jaunten der Kriminalität grenzenlose Möglichkeiten, besonders was Einbrüche und Vergewaltigungen angeht. Die Reichen schotten sich hermetisch ab, Frauen bleibt als einziger Schutz die purdah, den Rückzug aus der Öffentlichkeit ins abgeschirmte, fensterlose Private.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Besters 26. Jahrhundert eine Dystopie ist. Eine strahlende, optimistische Zukunft ist es freilich nicht, aber so richtig hoffnungslos am Abgrund stehen sehe ich die Erde und das Sonnensystem in diesem Universum nicht. Zweifellos muss diese Gesellschaft ihren Weg zwischen der Beherrschung übernatürlicher Fähigkeiten und der Eroberung des Weltalls finden. Das findet nicht ohne Konflikte und Verlierer statt, es gibt weder die Guten noch die Bösen in „The Stars“, wie man am Protagonisten Gully Foyle selbst sieht. Während des Lesens, selbst beim zweiten oder dritten Mal, war ich mir nie sicher, ob seine Beweggründe einfach nur dumm und egoistisch sind oder vielleicht einem höheren Zweck dienten oder ob nur die Gesellschaft an allem Schuld ist. Wahrscheinlich wird es wohl nie eindeutig zu klären  sein, aber das macht ja den Reiz aus, Bücher mehrfach zu lesen und immer neue Perspektiven zu finden, die sich vielleicht widersprechen. Für mich war es eine gute Entscheidung meiner Neugier zu folgen und ein solch kleines feines Stück Science-Fiction zu finden.

[Messebericht] Mainzer Buchmesse 2017

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Nachdem ich für die Frankfurter Buchmesse einen ganzen Tag brauchte, um auch nur einen Bruchteil des ganzen Angebots zu sehen (und davon völlig erschlagen wurde), ging es auf der Mainzer Buchmesse am 17. und 18. November 2017  erheblich beschaulicher zur. Die knapp anderthalb Stunden, die ich dort zwischen Tür und Angel verbrachte, hatten beinahe ausgereicht. Aber nur beinahe. Selbst nach den megalomanischen Ausmaßen der Frankfurter Buchmesse (ich drücke mich sehr erfolgreich vor dem Bericht) , gab es viel mehr zu sehen, als dass die anderthalb Stunden ausgereicht hätten. Ich hatte sonntags einen Nachhilfetermin einschieben müssen (der junge Mann hatte am eigentlichen Termin seine Lateinbücher in der Schule vergessen) und wollte noch einmal zum Tag der Offenen Werkstätten im Römisch-Germanischen Zentralmuseum (worüber ich auch noch schreiben werde), wo ich zwar schon tags vorher war, aber ich wollte mir das Kinderprogramm anschauen. Dazu aber mehr im entsprechenden Blogbeitrag.

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So fuhr ich an diesem windigen Sonntagmittag zum Rathaus, wo ich in der ganzen Zeit, die ich in Mainz wohne, noch nie gewesen war. Nun, das Gebäude an sich hatte mich nie gereizt, ganz besonders, wenn es gegen den Mainzer Dom, St. Stephan, Landesmuseum und das Kurfürstliche Schloss nicht einmal ansatzweise anstinken kann. Es funktioniert eher nach dem Motto „Nicht schön, aber selten“  und versprüht 70er-Jahre-Flair, wo es vermutlich einmal toll und modern gefunden wurde. Aber gut, Brutalismus wird heute auch im Museum gezeigt und das Rathaus ist ein Mainzer Markenzeichen, das man auf seine Weise lieb gewinnt. Irgendwie.

Also wagte ich mich in das Innere des Markenzeichens, vor allem weil es innen warm und draußen kalt war. IMG_5125Trotz der bescheidenen Ausmaße (wahrscheinlich ist sogar die Minipressenmesse größer), versprühte diese Veranstaltung auch eine Art Messeflair, nur nicht ganz so kosmopolitisch, aber dafür mit mehr Kindern. Die Aussteller waren vor allem kleinere Verlage aus der Region sowie Kunstdruckhandwerk, da durfte ein Stand vom Gutenberg-Museum natürlich nicht fehlen. Ich entledigte mich meiner Jacken, schlenderte herum, darauf gespannt, wo es mich als erstes hintreiben würde. Das war der Stand eines Verlages (jüli-Verlag Mainz), der Zeichungen und Aquarelle in Postkartenform vor allem aus Mainz feilbot. Die Dame, die Verlgersgattin offenbar, war in der Hinsicht Informationen an an arglose Passanten zu bringen, nicht gerade schüchtern und vor allem geschäftstüchtig.

Wenigstens kam sie nicht mit einem „Duuuu juuu laik sriller!!??“ an, wie es mir auf der FBM widerfahren war, als ich nicht gleich auf „Mögen Sie Sriller???!!!!'“ reagiert hatte. Die Postkarten und sonstigen Illustrationen waren wirklich sehr hübsch, die Idee originell, zum Kaufen haben sich mich allerdings nicht so arg gereizt. Wie es sich für eine interessierte Bloggerin gehört, wollte ich (und tat es auch) fragen, ob ich Fotos machen könne, worauf ich ein energisches „Nein!“ zu hören bekam. Die Erklärung, dass ich die Fotos für mein Blog machen wollte, verunsicherte die Dame immerhin so sehr , dass sie den Gatten fragte. Beide Herrschaften waren schon etwas älter und vermutlich noch nicht so mit den Gepflogenheiten des Internets vertraut, aber er meinte, dass es okay sei, während sie noch skeptisch schien, obwohl ich versichert, dass der Verlagsname selbstverständlich genannt würde. Willkommen im Neuland!

Ganz anders sah das freilich am Stand von Pengboom Society (pengboom.de) aus, wo die Zeichner/Autoren persönlich vor Ort waren, um ihre Werke zu präsentieren und es entwickelt sich ein wirkliches nettes und angeregtes Gespräch über deren Comics. IMG_5132Ich bin leider nicht die eifrigste Comicleserin, ich versage kontinuierlich beim Sammeln von Manga, auch wenn sie noch so interessant sind, so dass es meist bei One Shots wie von Jiro Taniguchi bleibt. Dass ich die Clone Wars-Sonderbände komplett habe, ist mir bis heute noch ein Rätsel… Bei Pengboom hatte mich zunächst ein historischer Comic namens „Das größte Fest der Welt“ angelockt, welches von den Abenteuern dreier Kinder bei der Kaiserkrönung 1742 in Frankfurt erzählt. Wie ich später herausfand, ist dieser Comic der Start einer hauseigenen Comicreihe mit dem Jungen Museum in Frankfurt und dem Zwerchfellverlag. Neben der Zeichnerin von „Das größte Fest der Welt“, stellten die beiden Zeichner von Pengboom Society ihre Werke vor, zum einen den Webcomic „A House Divided“, wo es die Vorgeschichte als Druckerzeugnis gab und „Kletschmore“, die es beide im Internet auf Englisch zu lesen gibt. IMG_5133Da ich bei Webcomics ausdauernder bin und solche sehr leicht zum Prokrastinieren im Internet verleiteten anstatt fleißig im Blog zu schreiben, habe ich mir in der Zwischenzeit „A House Divided“ durchgelesen und warte nun gespannt, wie es weitergeht. Ich habe mich wirklich sehr angeregt mit den Autoren unterhalten und neben einer sehr schönen Autogrammkarte wurden natürlich meine Fotowünsche mehr als bereitwillig erfüllt. Danke fürs „authentische“ Posieren“  ^^. Hier merkte man man den Generationenunterschied. Wo ich zuvor noch ein brüskes „Nein“ bekam, war es hier kein Frage, das Web ist schließlich selbst ein Medium zur Veröffentlichung. Der Unterschied in den Reaktionen war jedenfalls bemerkenswert.

Wie es sich für Mainz gehörte, war auch das Gutenberg-Museum vertreten und ich musste einfach die Gelegenheit nutzen, mir endlich einmal ein Mainzelmännchen handzudrucken. IMG_5137Und dass wo ich doch schon so lange in Mainz wohne, seufz. Nun fehlt nur noch ein Ablassbrief, ich hoffe sehr auf eine weitere Gelegenheit, mir die Freisprechung von meinen Sünden doch noch irgendwann zuzulegen. Nach dieser kleinen Pause fielen mir besonders schön mit Aquarellen gestaltete Buchumschläge und Leporellogeschichten ins Auge. Beim näheren Blick in die Bücher entdeckte ich, dass es ebenfalls Illustrationen gab. Im Gespräch fand ich heraus, dass der Verlag (Wind und Sterne Verlag)sowohl Wert auf die Illustrationen als auch auf gebundene Bücher legt, und diese günstig anzubieten. Eine Idee, die ich sehr unterstützenswert finde. Im Angebot war nichts dabei, was mich persönlich interessiert hätte (lag u.a. wahrscheinlich am Zeitdruck), doch mir kam die Idee, einen der Krimis meiner Mutter als Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Für knapp 15 Euro ein gebundenes Buch mit einem hübschen Umschlag und Illustrationen zu erwerben, war schon toll. Wenn meine Mutter das Buch durchgelesen hat, werde ich es mir gewiss einmal zu Gemüte führen. Wahrscheinlich hätte ich mir Stundenlang das Angebot ansehen können, doch die Zeit wurde knapp.

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Als nächstes zog ein Stand ( Brighton Verlag ) meine Aufmerksamkeit auf sich, bei dem es augenscheinlich um Fantasy und Historisches ging. Die Cover waren teils Fotografien, teils gezeichnet, was mich an Manga- oder Graphic-Novel-Einbände erinnerte, was sie aber nicht waren, sondern Romane aus den eben erwähnten Bereichen. Ich fand die Gestaltung des Standes mit ‚Goldmünzen‘ sehr hübsch und fürs Genre sehr passen. Was mich hier besonders faszinierte, war ein Ausmalbuch für Erwachsene zu einer Romanreihe aus dem Verlagsangebot, in dem man sowohl die Figuren ausmalen als auch Textpassagen aus den Romanen lesen konnte. Ich weiß zwar nicht, ob ich die Bücher interessant genug finde, um sie selbst zu lesen,  aber mag das Konzept sehr.

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Meine letzte Station war ein Verlag (Mini-Verlag Meisterburg), der Kinderbücher zu eher ’schwierigen‘ Themen (z.B. Schlaganfall beim Opa und Pflegeheim) und für mich als Nachhilfelehrerin interessante Bücher zum Lesenlernen anbot. IMG_5141Ich kam mit der Autorin des Leselernbuches ins Gespräch, da ich eine Grundschülerin mit Leseproblemen betreue und entschloss mich eines der Bücher auszuprobieren, wo übers Basteln zum Lesen angeregt werden soll. Die Zeit drängte, schließlich hatte ich noch vor zu arbeiten und wollte noch ins Römisch-Germanische Zentralmuseum. Soviel Stress an einem Sonntag, aber ich wollte es so. Allerdings musste eine kleine Stärkung sein. Die Auswahl an dem Büffet mit hausgemachtem Kuchen, belegten Brötchen und orientalischen Snacks war zu überwältigend, so dass ich bei einem schnöden Käse-Schinken-Brötchen beließ, weil es am schnellsten ging. Gerne hätte ich mich noch eingehender umgesehen und an der Lesung von Pengboom teilgenommen, was allerdings bei meinem Zeitplan für diesen Tag nicht mehr drin war. Trotzdem war ich mit dem Besuch dieser Messe zufrieden und hatte ein paar schöne wie amüsante Eindrücke gesammelt, besonders, was der Umgang mit dem Internet anging.

[Rezension] Reiter ohne Heimat

IMG_3661Titel:
Reiter ohne Heimat
[De hjemlose ryttere]
Seiten:
190
Autor:
Bernhard Stokke
Verlag:
Franz Schneider Verlag, Berlin und Leipzig, 1939
Genre:
Jugendbuch/Heimat

 

Ich kann ja einfach nicht an schönen alten Bücher vorbeigehen. So wie letztens wieder geschehen. Jemand ließ zwei alte Readers Digest-Bände und Reiter ohne HeiIMG_3668mat bei mir im Treppen frei und so musste ich bei Letzterem zugreifen. Allein die goldgeprägte Frakturschrift hätte mich nicht widerstehen lassen können und es ging dem Titel nach wohl um ein Pferdeabenteuer. Beim Blick ins Buch erwarteten mich zwei schöne schlichte Zeichnungen, ich vermute mal, dass es Tuschezeichnungen sind. Im Zeitalter von günstigen Taschenbüchern findet man ja sowas eher selten, und wenn, muss man für gebundene und gut gestaltete Bücher doch tiefer in die Tasche greifen. Davon abgesehen haben alte Bücher für mich ihren ganz eigenen Charme, sei es Frakturschrift (ja, ich kann die noch lesen), Goldprägungen und der Geruch von vergilbtem Papier.

Die Geschichte ist im Grunde schnell erzählt. Der Hof des verstorbenen Vaters von Kaare und Tor steht kurz davor, vom Eigentümer abgerissen zu werden, die Familie, zu der die Mutter und eine jüngere Schwester gehören, muss das Grundstück verlassen. Die Jungen verdingen sich für den Sommer als Hüter der Pferdeherden auf den Fjälls [sic!], um so Geld für die Familie zu verdienen. Eine wichtige Rolle spielt hier der junge Hengst Rauen, auf den IMG_3669sie besonders aufpassen müssen, wollen sie je wieder auf ihren Hof zurückkehren. Der Roman schildert nun die Abenteuer, mit denen sich die Brüder auf sich allein gestellt in der rauen Welt der norwegischen Gebirge konfrontiert sehen, ob es die Unbillen der Natur sind, ein geheimnisvoller Reiter oder die unsichtbaren Gefahren, die den Pferden zum Verhängnis werden können. Was mir besonders gefallen hatte, war die blumige, lebendige Schilderung der Natur, die immer wieder auch ins Schwärmerische abdriftet, doch das tat dem Lesespaß keinen Abbruch. Eher im Gegenteil, erinnerte sie mich doch an die alten Jugendbücher, die ich noch von meinen Großeltern kannte, von den Abenteuern eines Jungen namens Horst, der in einem Forsthaus aufwuchs und schließlich selbst Förster wurde, wenn ich mich richtig erinnere. Dann erinnere ich mich noch an ein Buch namens Der graue Hengst, der von Mustangs handelte. Es waren jedenfalls so tolle Bücher, die ich immer wieder gern las, da die Schilderungen der Natur so ungemein fesselnd und lebendig waren…

Aber zurück zu Reiter ohne Heimat. Zu welcher Zeit die Geschichte spielte, war zunächst nicht so einfach einzuschätzen, auch wenn aufgrund des Alters des Buches klar war, dass es wohl nicht später als die 1930er oder -40er Jahre sein konnten.Es gab zwar Eisenbahn und Draht, aber erst gegen Schluss wird elektrisches Licht erwähnt, so dass es wohl kaum später als die 1920er sein könnten. Es war nichtsdestoweniger spannend, die Geschichte unter dem Aspekt zu lesen, wie die Menschen ohne Autos und Telefon, geschweige Handy ausgekommen sind, und das „einfache Leben“ scheint beinahe reizvoller zu sein. Kaare und Tor müssen ständig an ihre Grenzen gehen, um ihrer verantwortungsvollen Arbeit gerecht zu werden, wenn schließlich auch ihre Existenz davon abhängt. Dies wird allerdings ohne zu viel Moralisierung geschildert, es scheint – auch im Hinblick auf die Zeit – selbstverständlich zu sein, selbst wenn die Brüder erst 14 und 17 Jahre alt sind. Bei Pferdeabenteuern denkt man heute eher an Mädchen, die im Pferd ihren Seelenverwandten finden oder so ähnlich, doch auch Jungs mögen Pferde, wenn auch auf eine andere Weise. Hier steht die Harmonie von Mensch und Tier nicht so sehr im Vordergrund wie die Existenz der Familie, die ganz allein vom Wohl des rotes Hengstes Rauen und der restlichen Herde abhängt.

Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass Bernhard Stokke (1896 – 1979) ein norwegischer Grundschullehrer/-rektor war und neben zwölf Jugendbüchern auch Textbücher verfasste oder herausgab. Nicht verwunderlich, dass sich diese Bücher mit Geschichte und Geographie befassten, die Liebe zur norwegischen Natur ist schon in diesem einen Buch deutlich spürbar, ganz gleich wie schwärmerisch und altmodisch sie herüberkommen mag. Ich finde so etwas toll und die einfachen, aber nichtsdestoweniger spannenden Abenteuer von Kaare und Tor versetzten mich wirklich in eine nostalgische Stimmung, so dass ich es wirklich nicht bereut habe, dieses kleine aber feine Büchlein mitzunehmen.

 

[Messebericht] Die Mainzer Minipressen-Messe 2017

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Ich komme mir nun sehr bloggermäßig vor, denn ich war auf einer Messe. Nämlich auf der 24. Internationalen Buchmesse der Kleinverlage und Handpresse in Mainz. Klingt cool, ist es auch. Diese Minipressen- und Kleinverlagemesse in Mainz findet alle zwei Jahre statt, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch nie dorthin geschafft hatte, seit ich in der schönen rheinlandpfälzischen Hauptstadt wohne, wo es auch sehr passend ist, dass dort eine solche Messe stattfindet.IMG_2898 Ich wusste zwar, dass sie jetzt irgendwann stattfand, aber hatte die Veranstaltung nicht auf dem Schirm. Bis es letzten Samstag regnete und ich beschloss einen kurzen Spaziergang am Rheinufer entlang zu machen (mit Schirm), wo mir auf Höhe der Rheingoldhalle das Plakat der Messe entgegenprangte und mir dazu noch freien Eintritt in selbige verhieß. Gesagt getan, ging ich also dorthin und machte in der Lobby eine kurze Runde. Im Gegensatz zu einer großen Buchmesse natürlich angenehm überschaubar, und weil es ja auch um Druckerzeugnisse etc. aller Arten ging, auch einen Tick künstlerischer und „bunter“, wie man heute gerne sagt. Besucher waren eher spärlich gesät, und ich hatte den Eindruck, dass einige auch nur vor dem Regen geflohen waren. Da ich allerdings nicht so lange unterwegs sein wollte, nahm ich mir vor, am nächsten Tag wieder zu kommen, um mich ein bisschen genauer umzusehen und ein paar Impressionen fürs Blog einzufangen. Gesagt getan, ich schnappte mir meine Mitbewohnerin, machte Speicherplatz in der Fotogalerie meines iPhones frei und wir zogen los.

Dieses Mal waren deutlich mehr Besucher dort als am Tag vorher, aber es war nicht unangenehm voll und die Atmosphäre entspannt. IMG_2904Ein bisschen nervös war ich schon, da ich diesmal nicht über ein Buch berichten wollte, sondern über eine Messe mit vielen, vielen Büchern und Druckerzeugnissen. So klein wie sie auch sein mochte, die Auswahl war trotzdem groß genug und ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Also, erst einmal Foto gemacht, sinnigerweise von dem Stand, der die Herstellung von handgeschöpftem Papier präsentierte, dann von handdekoriertem Papier und Grafiken. Soweit, so gut

Weiter ging es nun zu den Verlagen, wo ich auch erst einmal ratlos war, wo und wie ich anfangen sollte, wenn es doch so viel interessantes zu sehen und zu lesen gab. Glücklicherweise kam ich mit den sympathischen Mädels vom piepmatz Verlag ins IMG_2901Gespräch – an dieser Stelle auch vielen Dank für die Einstiegshilfe übrigens-  und schon hatte ich was, das ich tatsächlich präsentierenswert fand. Beinahe hätte ich sogar Guten Tag, Tod mein Name. Der Tod von Kerstin Jordan gekauft, aber meine Bargeldvorräte waren dann dIMG_2902och zu knapp… Was ja auch das blöde an letzten Messetagen ist, wo die Aussteller ihre Auslagen nochmal günstiger unters Volk werfen. Wie dem auch sei, ab da flutschte es. Ich sah mir einfach das näher an, was mir ins Auge stach, machte ein Foto und/oder unterhielt mich mit den Ausstellern darüber.

Das nächste bemerkenswerte Werk stammte aus der edition Tollwurstregen, die handgezeichnete und -geschriebene sowie selbstgebundene Hefte und Büchlein präsentierte, nämlich alte, aber neu zusammengefügte Erika-Romane. Nicht IMG_2905nur was das Titelbild betrifft, sondern auch der Text wurde neu zusammengestellt, so dass aus einem kitschigen Heftchenroman von Anno dunnemals eine völlig neue Geschichte entstand. Die vergilbten Blätter taten auch nochmals das ihrige zur der neu entstandenen Vintage-Skurrilität.

Weiter ging es mit der Lesung von Der schreckliche Feuerbach aus der Edition Groschengrab, vorgetragen vom Autor Daniel Boente. Da wir leider ein paar Minuten zu spät kamen, hatten meine Mitbewohnerin und ich keine Ahnung, worum es ging, aber der lebendige und mitreißende Vortrag des Autors machte das Defizit wett, so dass wir uns aus den Geschichten um Zugsalbe, Bettler vs. Prediger vor dem Supermarkt, Echsenmenschen und auf Oberschenkel genähte Knöpfe allmählich ein Bild davon machen. Leider sind solche Häppchen ja nie befriedigend (denn die ZuhIMG_2910örer sollen das Buch schließlich kaufen), aber es hatte auf jeden Fall Spaß gemacht zuzuhören. Was mich über Vortrag und Geschichte hinaus extrem angesprochen hatte, war das Buchdesign und ich fand später am Stand heraus, dass es auch Illustration von einer Künstlerin namens Nadja Schüller-Ost (www.n-s-o.net) dazu gab, die anscheinend häufiger für den Verlag arbeitet. Wie auch zu einem anderen Roman des selben Autor mit dem wunderbaren Titel Unbehagen in Bad Sodom, war aber nicht dazu gekommen, einen näheren Blick darauf zu werfen.

Als nächstes ging es zu dem Stand des Ammianus-Verlages, der mir schon ein Begriff von den historischen Römerromanen war, die im Isis-/Magna Mater-Heiligtum in Mainz verkauft werden. IMG_2907Ich fand den Zufall extrem witzig, dass am Stand Kochbücher für römische Speisen gezeigt wurden, nachdem ich an diesem Mittag Gewürzbrot nach römischem Rezept gebacken hatte, so dass die Dame am Stand und ich erst einmal eine Runde über die Gerichte fachsimpelten, die wir bereits schon ausprobiert hatten. Es war natürlich verführerisch, gleich mal Der Geschmack des Weltreichs von Michael Kuhn einzupacken, aber es gab dann auch wieder so viele andere, die mich interessiert hätte, wie etwa die Römerromane über die Abenteuer der römischen Offiziere Marcus und Sextus Valerius oder der wirklich total niedlich klingende Katzenkrimi Murilega – Die Legionärskatze von Manu Wirtz. So musste es aber erst mal beim Foto bleiben, und kaufen kann ich es mir ja immer noch. Wie so vieles…seufz…

Zwischen Esoterik, Ratgebern wie man eine Biografie schreibt – oder schreiben lässt (aha ?), Kunsthandwerk, das im weitesten Sinne mit Druckerzeugnissen zu hat, Büchern über besondere Mainzer Alltagshelden und Mainz, wie es sich natürlich für den Veranstaltungsort gehört, fand ich meinen Weg IMG_2906zum Stand des Cass-Verlages, dessen Schwerpunkt auf japanischer Literatur liegt. Ausnahme war allerdings das Werk von Ae-Ran Kim, einer vielgepriesenen koreanischen Nachwuchautorin, von der der Herr am Stand total begeistert berichtete, zumal als ich ihm mitteilte, dass meine Mutter aus Korea stammt. Darüber entspann sich ein weiteres Gespräch über gemischte Kinder, er ist mit einer Japanerin verheiratet und dem Erlernen der jeweiligen Sprache. IMG_2908Auch hier wieder bettelten mich die Bücher an, dass sie gern von mir mitgenommen worden wären, doch mit zwölf Euro Bargeld im Portemonaie kommt man eben an einem letzten Messetag nicht weit. Die Leseproben aus Frau Kims Werken, die es auf der Verlagsseite online gibt, werde ich mir jedoch auch zu Gemüte führen.

 

Letzte Station war schließlich im Papier- und Handpressenbereich der Stand der Liechtensteiner Kunstwerkstätten Hans-Peter Leibold, die nicht nur Blüten in Papier presste, sondern auch Geld. Richtiges Geld. Genauer gesagt zerschredderte Euroschnipsel. IMG_2914Da sich das kleine aber feine Fürstentum für seine Geldgeschäfte einen Namen gemacht, ein Produkt mit Augenzwinkern, vielleicht auch ein bisschen nach dem Motto ‚Wer kann, der darf‘, aber ich fand’s super.  (Natürlich gab es dort nicht nur gepresstes Geld, sondern auch allerlei andere schöne Druck- und Grafikerzeugnisse, die ich seufzend dort lassen musste). Da ich über meine Arbeit mit Liechtenstein eine Weile auch geschäftlich zu tun hatte, hatte ich mich doch schon sehr in den Dialekt und das Land verliebt, obwohl ich noch nie persönlich da war und konnte mich nun mit einem leibhaftigen Einheimischen darüber unterhalten. Mein inneres Liechtenstein-Fangirl hat es extrem gefeiert und ich muss da echt mal hin.  Viele Grüße an Herrn Leibold an dieser Stelle, es hat mich wirklich sehr gefreut, wie auch an die anderen Damen und Herren, mit denen ich mich gut unterhalten habe.

Das war schließlich auch der Abschluss meines Minipressenmesse-Besuchs, der mir viel Spaß gemacht hatte. Mir gefiel vor allem die familiäre, und vor allem stressfreie Atmosphäre, obwohl ich sicher noch einiges Sehenswertes verpasst habe. Aber dann übernächstes Jahr gerne wieder.

Links
(Ich bekomme nichts dafür, aber finde, dass man sich die Seiten durchaus anschauen sollte)

Mainzer Minipressen-Messe

piepmatz Verlag

edition Tollwurstregen

Edition Groschengrab

Ammanius-Verlag

cass verlag

Kunstwerkstätten Hans-Peter Leibold

 

[Rezension] Die Auserwählten im Labyrinth

Autor: James Dashner

Verlag: Carlsen Verlag

Erscheinungsjahr:

Seitenzahl: 490

Lesestatus: beendet

 

Der 16-jährige Thomas findet sich ohne Erinnerung an sein früheres Leben auf der „Lichtung“, einem Ort inmitten eines gewaltigen Labyrinthes. Aus diesem scheinen auch die anderen Jungen, die dort schon leben, seit langer Zeit keinen Ausweg zu finden, dazu lauern zwischen den gewaltigen Mauern tödliche Gefahren. Seine Ankunft stellt das Leben der Einwohner auf den Kopf, und schließlich auch ein unerwarteter, weitere Ankömmling, der sie mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, die alles verändern könnte.

Ich hatte bereits von der Verfilmung von The Maze Runner gehört, allerdings eher wenig Beachtung geschenkt, da mich Verfilmungen von Jugendbüchern – oder Young Adult Novels, wenn’s cooler klingen soll – im Fahrwasser von Tribute von Panem und Die Bestimmung nicht sehr interessieren. Von den Büchern selbst ganz zu schweigen. An Die Auserwählten war nun anders, dass es sich diesmal um eine Gemeinschaft von Jungen drehte, anstelle einer tapferen Kickass-Heldin, die sich zur Hoffnung einer dystopischen Gesellschaft für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzt, inklusive ihrer Beziehungsdramen. Gestern sah ich also im Bücherregal meines Neffen Die Auserwählten und beschloss, mal kurz reinzuschauen. Und wie es sich für solche Vorsätze gehört, habe ich an diesem Samstagnachmittag gleich alle 490 Seiten durchgelesen. Das Buch ist tatsächlich spannender Lesestoff, der auch nicht mehr so junge Leser fesseln kann. Das dystopische Setting kommt ansprechend atmosphärisch herüber, die Ungewissheit der Jungen über ihre Lage, die Unsicherheit, wer sie überhaupt sind und weshalb sie hierher verfrachtet wurden, schildert der Autor sehr anschaulich. Mit der Hauptfigur Thomas erforscht der Leser die Konflikte innerhalb der Bewohner der Lichtung und die Geheimnisse und Schrecken des Labyrinthes, bis sich allmählich klär, was dieses Labyrinth darstellt.

Die Erzählung kommt schnörkellos daher, tut aber der lebendigen Schilderung der Atmosphäre und der Beziehungen zwischen den Jungen keinen Abbruch. Dies unterstreicht eher, dass es sich um Teenager handelt, die trotz der gewachsenen Gemeinschaft ihr Stellung immer noch halten und erkämpfen müssen, und das Leben (und Sterben) keinesfalls idyllisch ist, selbst wenn sie sich scheinbar damit abgefunden haben. Das Buch endet mit nur einer halben Auflösung des Rätsels, immerhin gibt es noch zwei Folgebände.

Nach meinem Reinfall mit Die Drachenreiter Seiner Majestät (eventuell berichte ich mal davon) hat Die Auserwählten im Labyrinth das Jugendbuch-Genre doch ein wenig rehabilitiert, ebenso wie Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children, wo hoffentlich bald auch die Rezi dazu folgt 😉 Mir hat gut gefallen, dass hier erst einmal auf Romantik, Erste Liebe, blabla, verzichtet wurde, denn von einem Abenteuerroman erwarte ich erst einmal Abenteuer – Herzschmerz und Liebesdrama indes nur sparsam. Mit Heldinnen wie Katniss Everdeen und der Dame aus Die Bestimmung (Keine Ahnung wie die heißt) und ihren fantastischen Kickass-Kampfsport-Skills, die für weibliche Helden gerade so modern sind, kann ich mich nur schwer anfreunden. Thomas, und auch die anderen Protagonisten, kommen hingegen sehr menschlich und wie typische Teenager herüber. Es sind Jungs, wie man ihnen überall begegnen kann, mit ihrem Imponiergehabe, dummen Sprüchen, ihren scheinbaren Stärken und ihren Schwächen, die sie versuchen zu verbergen.

Ich denke, dass Die Auserwählten im Labyrinth eine kurzweilige Lektüre für Jugendliche beiderlei Geschlechts bietet. Angenehm war auch, dass ich nicht den Eindruck hatte, hier würde dem Leser ein moralischer oder politisch korrekter Zeigefinger untergeschoben, wie er oft in US-amerikanischer Jugendliteratur (von Filmen und Serien ganz zu schweigen) üblich ist. Jedenfalls eine sehr positive Überraschung. Die Übersetzung wirkte auch sehr gelungen, bis auf einen Ausrutscher, wo  Nightmare (Albtraum) mit Nachtmahr übersetzt wurde. Aber das war wirklich das Einzige, wo ich die Stirn runzeln musste. Ob ich die Reihe weiterlese – ich bin halt nun doch ein bisschen neugierig – muss ich mir noch überlegen.

P.S.

Endlich wieder eine Rezi von mir nach langer Zeit, obwohl der Stapel bereits gelesener Bücher doch so hoch ist. Ich gelobe Besserung, nachdem ich nun mit etwas leichterer Lektüre wieder reingefunden habe.

[Neuer Lesestoff] Überraschende Bücher zum Geburtstag

f3614229-774e-436b-8fb6-3ba2546f03e4Zum Geburtstag bin ich sowohl dank Wunschzettel als auch überraschend reichlich mit Lesestoff bedacht worden – und wieder vieeeeel Material, von dem ich gar nicht weiß, wann ich es hier im Blog besprechen kann. Aber trotzdem, ich habe mich sehr gefreut.

Auf meinen Stapel haben sich dazu gesellt:

Wolf Haas – Auferstehung der Toten (Rowohl Taschenbuchverlag)
Ein amerikanisches Touristenehepaar wird tiefgefroren im Sessellift gefunden, tot natürlich..Ein Krimi aus Zell am See, den ich mir vermutlich nicht selbst gekauft hätte, aber die Beschreibung liest sich schon mal gut, ich mag langsame Provinzler, die Ermittler zur Verzweiflung treiben. Ein Geschenk von meiner österreichischen Mitbewohnerin.

Haruki Murakami – 1Q84 (Vintage Books, London)
Mutters patenter Buchhändler hat die Trilogie auf Englisch bestellt, was mir aber recht ist, die englische Übersetzung soll sowieso besser sein, bei ZON meinte ein Kommentator, dass die deutsche Übersetzung sich auf Rosamunde Pilcher-Niveau bewege. Das kann ich freilich nicht beurteilen, da ich noch keine Pilcher-Romane gelesen habe (man soll ja auch niemals nie sagen) und ich habe keine sechs Jahre Zeit erst schnell japanisch auf Literaturniveau zu lernen

Robert Harris – Fatherland (Arrow Books, London)
Ich bin gespannt und mir gefällt das Cover ausnehmen gut, die Verfilmung mit Rutger Hauer (obwohl es böse ist, er sieht in der Uniform unglaublich gut aus) sollte ich mir auch mal wieder zu Gemüte führen.

Ransom Riggs – Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children (Quirk Books, Philadelphia)
Wieso, weshalb und warum der patente Buchhändler meiner Mutter dieses Buch unterjubelte, konnte sie mir nicht erklären. (Zitat: „Das Buch hast Du Dir aber nicht gewünscht, oder?“)

Damit ich jeweils drei Bücher bekomme? Weil es irgendwie angesagt ist und es einen Film dazu gibt? Weil der patente Buchhändler nicht nur patent, sondern auch geschäftstüchtig ist?  Fragen über Fragen, aber einem geschenkten Gaul schaut man bekannterweise nicht ins Maul. Ich habe auch keine richtige Ahnung, worum es überhaupt geht…außer um ein Heim für besondere Kinder und auf dem Cover schwebt ein Mädchen über dem Boden. Ich werde es herausfinden und freue mich über die Überraschung.