[Rezi/Fantasy-Young Adult] Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children

imageAutor: Ransom Riggs

Seiten: 352

Sprache: Englisch

Verlag: Quirk Books 2013

Deutscher Titel: Die Insel der besonderen Kinder

Status: beendet

 

Ich kam ja etwas unverhofft zu diesem Buch. Da meine Eltern in punkto Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke eher unkreativ veranlagt sind, schrieb ich im Dezember 2016 eine Liste. Diese führte Haruki Murakamis 1Q84 sowie Robert HarrisFatherland auf. So weit, so gut. Wahrscheinlich habe ich es der Geschäftstüchtigkeit des patenten Buchhändlers (siehe hier) zu verdanken, dass ich an meinem Geburtstag, der relativ kurz vor Weihnachten ist, ziemlich unverhofft Miss Peregrine vorfand. Der Titel war mir insoweit ein Begriff, als mir um die Zeit auf YouTube ständig Trailer zu einem Film dieses Namens empfohlen wurden, ich aber kein gesteigertes Interesse daran hatte, weil  das so ein bisschen im Harry Potter/Zauberschule/Dingens-Fahrwasser zu fahren schient. Aber da ich es nun einmal hatte. Geschenkter Gaul und so. Zuerst stand aber Murakami auf der Liste, worauf ich schon sehr lange gewartet hatte, dann widmete ich mich aber den Peculiar Children, Was ich besonders interessant fand, noch bevor ich mit dem lesen anfing, war das Cover. Es zeigte eines dieser schlecht retuschierten Vintage-Kuriositäten-Fotos, auf dem ein „schwebendes“ Mädchen zu sehen war. Das war schon einmal nicht schlecht und weckte meine Neugier.

Die Geschichte beginnt mit den Kindheitserinnerungen des Protagonisten Jacob an die fantastischen Fotos (darunter jenes schwebende Mädchen) seines Großvaters, welcher nicht minder fantastische Geschichten aus der Zeit des 2. Weltkriegs von seiner Flucht aus Polen vor den Deutschen und Monstern erzählte, die ihn auf Insel vor Wales führte, wo Kinder mit besonderen Fähigkeiten untergebracht waren. Mit nun 16 Jahren ist Jake freilich nicht mehr so wirklich vom Wahrheitsgehalt von Fotos und Geschichten überzeugt, hat aber weiterhin ein gutes Verhältnis zu seinem Großvater, der mit zunehmenden Altern augenscheinlich immer unter Verfolgungswahn leidet.  Die Geschichte setzt mit einem tragischen Unglück ein, das Jacob davon überzeugt, dass die fantastischen Geschichten und Fotos eventuell doch wahr sein könnten. Er begibt sich auf die Suche nach der Insel und jenen besonderen Kindern, die von einer Miss Peregrine behütet werden.

Schnell fand ich heraus, dass Miss Peregrine eher wenig mit Harry Potter und dem Zauberschulengenre zu tun hatte, weshalb ich mich bereitwilliger auf die Geschichte einlassen konnte. Generell stellen sich die Themen in Miss P. dunkler dar, als ich sie von einem Buch aus dem Young-Adult-Bereich vermutet hätte, nicht nur wegen der Dark-Fantasy-Elemente, sondern auch wegen der Auswirkungen dunkler historischer Ereignisse, wie dem Holocaust und 2. Weltkrieg. Heitere Momenten fehlen jedoch nicht, wenn der aus Florida stammende Jacob auf einer gottverlassenen Insel vor der walisischen Küste auf die Einheimischen mit ihrem unverständlichen Dialekt und merkwürdigen Sitten trifft. Aus diesem Grund lohnt es sich ja immer Bücher in der Originalsprache zu lesen, wenn man diese beherrscht. Der 16-jährige Jacob erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, eines lakonischen, etwas sarkastischen Teenagers, den seine Familiengeschichte auf eine unerwartete Weise einholt. Es fiel mir leicht, Jacob und seine Sicht der Welt sympathisch zu finden, er ist ein eher alltäglicher Typ, nicht unbedingt Material für einen strahlenden Helden, aber auch kein missverstandener 16-jähriger, der sich in seinem Weltschmerz suhlt.

Das Beste an Miss P. sind jedoch die zahlreichen Schwarzweiß-Bilder, um die der Autor die Geschichte gestrickt hat und dem Buch eine ganz besondere, morbide Atmosphäre geben, die es aus dem Young-Adult-Genre hervorstechen lassen. Nicht, dass ich besonders viel aus diesem Bereich lese, aber ich denke, dass der Anspruch von Miss P. Doch ein wenig höher liegt, gerade wegen der historischen Thematik, die die Handlung durchzieht und im zweiten Teil wahrscheinlich weiter ausgeführt wird. Denn das Buch endet nämlich mit einem Cliffhanger, und am Ende ist ein Interview mit dem Autor zu lesen (welches wirklich interessant ist), das die Fortsetzung anspricht. Eine Leseprobe aus dem zweiten Teil gibt es natürlich auch.

Ob ich mir den Film ansehe, weiß ich nicht. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie die Umsetzung ohne die Bilder als Illustration und atmosphärische Elemente funktioniert, hinzu befürchte ich ja, dass die düstere Thematik etwas zu weichgespült werden könnte. Und warum auf dem Filmposter eine Frau mit Armbrust zu sehen ist, frage ich mich ebenso, jedenfalls kam im Buch niemand mit Armbrust vor. Ich schätze, dass ich die Fortsetzung – irgendwann – lesen werde. Wobei ich das bei „Die Auserwählten des Labyrinths“ zwar auch wollte, aber immer noch nicht dazu gekommen bin. Davon abgesehen muss noch den Stapel unrezensierter Bücher abbauen. Cliffhanger hin oder her, ich lese Miss P. auch so immer wieder gerne.

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