[Rezension] Die Auserwählten im Labyrinth

Autor: James Dashner

Verlag: Carlsen Verlag

Erscheinungsjahr:

Seitenzahl: 490

Lesestatus: beendet

 

Der 16-jährige Thomas findet sich ohne Erinnerung an sein früheres Leben auf der „Lichtung“, einem Ort inmitten eines gewaltigen Labyrinthes. Aus diesem scheinen auch die anderen Jungen, die dort schon leben, seit langer Zeit keinen Ausweg zu finden, dazu lauern zwischen den gewaltigen Mauern tödliche Gefahren. Seine Ankunft stellt das Leben der Einwohner auf den Kopf, und schließlich auch ein unerwarteter, weitere Ankömmling, der sie mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, die alles verändern könnte.

Ich hatte bereits von der Verfilmung von The Maze Runner gehört, allerdings eher wenig Beachtung geschenkt, da mich Verfilmungen von Jugendbüchern – oder Young Adult Novels, wenn’s cooler klingen soll – im Fahrwasser von Tribute von Panem und Die Bestimmung nicht sehr interessieren. Von den Büchern selbst ganz zu schweigen. An Die Auserwählten war nun anders, dass es sich diesmal um eine Gemeinschaft von Jungen drehte, anstelle einer tapferen Kickass-Heldin, die sich zur Hoffnung einer dystopischen Gesellschaft für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzt, inklusive ihrer Beziehungsdramen. Gestern sah ich also im Bücherregal meines Neffen Die Auserwählten und beschloss, mal kurz reinzuschauen. Und wie es sich für solche Vorsätze gehört, habe ich an diesem Samstagnachmittag gleich alle 490 Seiten durchgelesen. Das Buch ist tatsächlich spannender Lesestoff, der auch nicht mehr so junge Leser fesseln kann. Das dystopische Setting kommt ansprechend atmosphärisch herüber, die Ungewissheit der Jungen über ihre Lage, die Unsicherheit, wer sie überhaupt sind und weshalb sie hierher verfrachtet wurden, schildert der Autor sehr anschaulich. Mit der Hauptfigur Thomas erforscht der Leser die Konflikte innerhalb der Bewohner der Lichtung und die Geheimnisse und Schrecken des Labyrinthes, bis sich allmählich klär, was dieses Labyrinth darstellt.

Die Erzählung kommt schnörkellos daher, tut aber der lebendigen Schilderung der Atmosphäre und der Beziehungen zwischen den Jungen keinen Abbruch. Dies unterstreicht eher, dass es sich um Teenager handelt, die trotz der gewachsenen Gemeinschaft ihr Stellung immer noch halten und erkämpfen müssen, und das Leben (und Sterben) keinesfalls idyllisch ist, selbst wenn sie sich scheinbar damit abgefunden haben. Das Buch endet mit nur einer halben Auflösung des Rätsels, immerhin gibt es noch zwei Folgebände.

Nach meinem Reinfall mit Die Drachenreiter Seiner Majestät (eventuell berichte ich mal davon) hat Die Auserwählten im Labyrinth das Jugendbuch-Genre doch ein wenig rehabilitiert, ebenso wie Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children, wo hoffentlich bald auch die Rezi dazu folgt 😉 Mir hat gut gefallen, dass hier erst einmal auf Romantik, Erste Liebe, blabla, verzichtet wurde, denn von einem Abenteuerroman erwarte ich erst einmal Abenteuer – Herzschmerz und Liebesdrama indes nur sparsam. Mit Heldinnen wie Katniss Everdeen und der Dame aus Die Bestimmung (Keine Ahnung wie die heißt) und ihren fantastischen Kickass-Kampfsport-Skills, die für weibliche Helden gerade so modern sind, kann ich mich nur schwer anfreunden. Thomas, und auch die anderen Protagonisten, kommen hingegen sehr menschlich und wie typische Teenager herüber. Es sind Jungs, wie man ihnen überall begegnen kann, mit ihrem Imponiergehabe, dummen Sprüchen, ihren scheinbaren Stärken und ihren Schwächen, die sie versuchen zu verbergen.

Ich denke, dass Die Auserwählten im Labyrinth eine kurzweilige Lektüre für Jugendliche beiderlei Geschlechts bietet. Angenehm war auch, dass ich nicht den Eindruck hatte, hier würde dem Leser ein moralischer oder politisch korrekter Zeigefinger untergeschoben, wie er oft in US-amerikanischer Jugendliteratur (von Filmen und Serien ganz zu schweigen) üblich ist. Jedenfalls eine sehr positive Überraschung. Die Übersetzung wirkte auch sehr gelungen, bis auf einen Ausrutscher, wo  Nightmare (Albtraum) mit Nachtmahr übersetzt wurde. Aber das war wirklich das Einzige, wo ich die Stirn runzeln musste. Ob ich die Reihe weiterlese – ich bin halt nun doch ein bisschen neugierig – muss ich mir noch überlegen.

P.S.

Endlich wieder eine Rezi von mir nach langer Zeit, obwohl der Stapel bereits gelesener Bücher doch so hoch ist. Ich gelobe Besserung, nachdem ich nun mit etwas leichterer Lektüre wieder reingefunden habe.

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