[Rezension] Der Römische Wolf

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Autor: Perdita Peschel

Seiten: 364 Seiten

Sprache: Deutsch

Verlag: Rediroma-Verlag

Status: beendet

 

Ich muss gestehen, dass ich kein besonders großer Fan von historischen Romanen bin, selbst wenn es um meine geliebte Römerzeit geht und besitze gerade mal zwei oder drei Bücher aus dem Genre. Ansonsten lese ich tatsächlich lieber Sachbücher darüber. Vermutlich finde ich Sachbücher ‚realistischer‘, auch wenn es schön ist, wenn Autoren versuchen, in die Antike oder andere Zeiten abzutauchen oder sich in die Menschen von damals hineinzuversetzen. So gut ein Roman recherchiert und geschrieben sein mag, ich kann mich nicht immer damit anfreunden, wenn sich dann auch noch grundlegende Probleme zeigen, wird es dann richtig schwierig.

Der Roman „Der Römische Wolf“ fiel mir während einer meiner Ehrenamtseinsätze bei der Initiative Römisches Mainz im Isis- und-Mater-Magna-Heiligtum in der Römerpassage Mainz in die Hände. Die Autorin hatte ihr Werk (zwei Fortsetzungen sollen folgen) als Geschenk an uns „Experten“ geschickt und um Lektüre und Rückmeldung gebeten, eventuell mit der Möglichkeit, das Buch hier verkaufen zu können. Da ich ja immer neuen  Lesestoff gebrauchen kann, nahm ich mich des Buches an und war gespannt, was mich erwartete.

Im Vorwort erzählt die Autorin, was sie bewogen hatte, die (fiktive) Lebensgeschichte von Marcus Agrippa Postumus, einem Enkel des Kaisers Augustus und nach Adoption dessen potenzieller Nachfolger, zu erzählen.  Dieser wurde im Alter von 26 Jahren kurz nach dem Tod von Augustus ermordet, die römischen Geschichtsschreiber überliefern ein nur knappes und nicht sehr schmeichelhaftes Bild – was aber durchaus üblich war, um Personen zu diskreditieren, die bei aktuellen Herrschern in Ungnade gefallen waren. Soweit, so gut. Dass Autoren versuchen, sich in historische Persönlichkeiten hineinzuversetzen ist ja nichts Neues, ob es gelingt, bleibt natürlich offen, wenn diese keine Aufzeichnungen für die Nachwelt hinterlegt haben und fragen kann man sie auch nicht mehr.  Also bleibt  der Lesespaß für ein Urteil.

Marcus Agrippa kommt  im Alter von 19 Jahren auf ein Landgut seines verstorbenen Vaters in der Nähe von Pompeji. Launisch und jähzornig, aber auch voller Ehrgeiz versucht er die Erträge des Gutes zu steigern und gerät in einen Strudel von Ereignissen und Begegnungen am Fuße des Vesuvs, die sein Leben grundlegend ändern.  Diese Ereignisse beginnen mit dem Sklaven Clemens auf jenem Landgut und Cassius Chaerea, einem jungen Legionär aus dem nahegelegenen Pompeji, die beide historisch belegt sind. Ersterer war tatsächlich ein Sklave des Marcus Agrippa, der nach dessen Tod eine Rebellion anführte und sich als Agrippa ausgegeben haben soll, während Cassius Chaerea unter Augustus‘ Großneffe Germanicus als Centurio diente und später als Prätorianertribun den Kaiser Caligula ermordete, aber keine weitere Verbindung mit Agrippa Postumus zu haben scheint.

Aber wie gesagt, künstlerische Freiheiten sind ja nicht schlecht…Nun gut, ich war gespannt, was mich erwartete und das waren vor allem unglaublich viele Rechtschreib- , Tempus- und Grammatikfehler. Dabei blieb es leider nicht, denn der sowohl der Ausdruck als auch die Charakterbeschreibungen ließen sehr zu wünschen übrig und ich dachte, was ist das für ein Verlag, der das durchgehen lässt. Also bemühte ich die Hilfe des Internets und fand heraus, dass der Rediroma-Verlag ein Verlag für Selbstverleger ist mit lachhaft niedrigen Preisen für das Lektorat. Es ist allgemein bekannt, dass heutzutage Lektoren nicht besonders gut bezahlt werden, aber ich fragte mich, wer für 50 Cent pro Seite eine gute und gründliche Arbeit erwarten kann…

Jedenfalls schien mir, als ob hier ganz auf das Korrekturlesen verzichtet wurde, vom Ausdruck, Sprache und der Charakter- und Storyentwicklung ganz zu schweigen. Ich weiß, dass es für Autoren schwer ist, überhaupt von Verlagen beachtet zu werden und der Weg zu Selbstverlag der einfachste scheint. Aber wie wir schon von Star Wars gelernt haben, ist der einfache, schnelle Weg der zur Dunklen Seite, besonders, wenn man hochmotiviert ist, sein Werk möglichst schnell unter die Leute zu bringen. Das ist verständlich, denn ich habe diesem Roman angemerkt, dass die Autorin mit viel Herzblut und Enthusiasmus geschrieben hat. Sie versucht, die Charakterentwicklung des Protagonisten zu schildern, wie er sich vom verwöhnten, jähzornigen Kaiserenkel zu einem mitfühlenden, mutigen jungen Mann mit aufrichtigem Charakter entwickelt, der sich damit Feinde, aber auch treue Freunde macht.

Leider ist die Beschreibung der Charaktere und ihrer Gedanken und Beweggründe sehr simpel gehalten, teilweise ziemlich mit der Brechstange, damit der Leser ja nicht übersieht, wieso die Figur so handelt und was sie denkt, und das wiederholt mit wenig Abwechslung im Ausdruck. Weniger wäre hier mehr gewesen, und wenn die Figuren wiederholt erröten, dann wird es allmählich etwas peinlich. Die meisten, die zu den Guten in der Geschichte gehören, sind unglaublich integer und verständnisvoll, sie brauchen nur ehrlich oder nachgiebig zu sein, und schon haben sie die Menschen in ihrer Umgebung für sich gewonnen, obwohl sie oft sehr naiv wirken. Genug Drama und Liebeswirren finden natürlich auch statt, die Geschichte endet mit einem Cliffhanger, da die Autorin bereits an zwei Fortsetzungen schreibt.

Auch wenn ich wahrscheinlich nicht zur Zielgruppe solcher Romane gehöre, die Geschichte hätte sicher Potenzial eine spannende und atmosphärische Trilogie zu werden. Allerdings reicht die Begeisterung der Autorin für ihre Hauptfigur nicht aus, um über die grundlegenden Mängel in Sprache, Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck hinwegzutrösten, wahrscheinlich fehlt es ihr hier an genereller Erfahrung im Verfassen von literarischen Texten. In einem Selbstverlag bekommt man zwar sein Werk schnell in die Öffentlichkeit, aber das auf Kosten der Qualität und ich kann mir gut vorstellen, dass es frustrierend ist, bei regulären Verlagen vergeblich Klinken putzen zu müssen. Aber selbst Bestseller haben oft Jahre und Jahrzehnte von vergeblichen Anläufe und zig Überarbeitungen hinter sich, und manchmal das notwendige Quentchen Glück.  Wie aber schon gesagt, zunächst muss meiner Ansicht nach die Basis stimmen, was ich aber in diesem Band nicht gegeben sehe, um geschichtsinteressierte Leser anzusprechen.

Dennoch soll diese Kritik kein Verriss sein, sondern auf Probleme hinweisen, die man als Autor mit Selbstverlagen und eher wenig Erfahrung (ich nehme das einfach mal so an) haben kann. Wie gesagt, mit einer guten Korrektur und mehr Übung im Ausdruck wäre daraus sicher eine ansprechende Lektüre geworden, bei der sich die 15 Euro lohnen würden.

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[Rezension] Perry Rhodan – Das größte Abenteuer

PerryAutor: Andreas Eschbach

Seiten: 848

Sprache: Deutsch

Verlag: Argon / Fischer Tor

Status: beendet

Zufällig (mal wieder?) kurz vor dem 50jährigen Jubiläum der Mondlandung am 21. Juli 1969 hatte ich endlich – meiner Bibliothek sei Dank – die  Möglichkeit endlich die  Biographie des wirklich ersten Menschen auf Mond zu lesen. Zumindest in einem anderen Universum ist es Perry Rhodan, der am 19. Juni 1971 auf dem Mond landete, die Erde vor dem Atomkrieg rettete und schließlich das Weltall eroberte.

Perry Rhodan ist die älteste und größte Science Fiction-Heftserie der Welt, die seit 1961 in mehreren Auflagen erscheint . Es klingt total unbescheiden, ist aber so. Und bei Heftserien denkt man erst an Groschenromane, billige Arzt- und reißerische Westerngeschichten, oder kitschige Romantik vom Bahnhofskiosk. Also leichte Lektüre ohne Anspruch. Kann teilweise so sein, aber meistens ist es doch etwas anders als man denkt. Vor allem, da die Lektüre von Heftromanen in meiner Familie schon Tradition hat. Mein Opa hat wahnsinnig gerne Jerry Cotton-Heftchen gelesen, neben anspruchsvollerem Lesestoff. Mein Vater hat gerne jene Westernheftchen gelesen und ich habe mit Biene Maja, Micky Maus, Conny, Captain Future und anderen Comicheftchen angefangen. Als ich flüssiger lesen konnte, mussten erst einmal die Jerry Cotton- und Westernheftchen dran glauben, obwohl das eigentlich keine Kinderlektüre war, War mir aber egal. Es waren Buchstaben und spannende Geschichten. Ich habe so einiges gelesen, was überhaupt nicht für Kinder geeignet war, z.B. Stephen Kings Shining, wonach ich mich weder ins Bad noch in den Keller traute (mittlerweile kann ich aber wieder diese Orte betreten).

Eines schönen Tages, viele Jahre später, ließ der damalige Freund meiner Schwester ein paar Perry Rhodan-Heftchen bei uns liegen. Ich lag mit einer Nebenhöhlenentzündung im Bett und ich brauchte was zu lesen. Also nahm ich mir die Hefte vor. Eines musste die 5. Auflage gewesen sein, ich erinnere mich sogar noch ziemlich genau, dass es um den Besuch Perry Rhodans auf der Welt Pröhndome ging, das war um die 700er Hefte herum. Jedenfalls, es war um mich geschehen – ich fing an die Erstauflage zu lesen, dann lieh ich mir die Silberbände aus. Pausen habe ich auch immer wieder gemacht (wie jetzt gerade), dann begann ich parallel zur Erstauflage mit Neo und verschlang (und verschlinge immer wieder gerne) abgeschlossene Romanzyklen wie Andromeda und Odyssee. Bevor es mich wieder dahin verschlägt, komme ich doch lieber auf das eigentliche Thema zurück. Nämlich den fiktiv-biografischen Roman über ‚unseren Mann im All‘, nämlich den werten Perry selbst, dessen Unterteil auch ganz unbescheiden „Das größte Abenteuer heißt“. Ist es nämlich auch.

Eingerahmt ist die Lebensgeschichte Perry Rhodan in das entscheidende Ereignis der Weltgeschichte des PR-Universums, nämlich die Gründung der Dritten Macht durch ihn selbst, um die Menschheit vor einem Atomkrieg zu bewahren, was zunächst einmal ein wenig anders verläuft als gedacht. Geschildert wird dieser PR-historische Rahmen durch einen langjährigen Weggfährten des Ersten Terraners, Boten von Thoregon, Ritter der Tiefe und was Perry sonst noch alles an Rollen innehatte. Dass dem Helden mit Vorfahren aus Bayern etwas Besonderes anhaftet, deutet schon an, welche Rolle in den Weiten des Kosmos ihm in der Zukunft beschieden sein wird. Er gerät in bedeutende Ereignisse der Weltgeschichte, natürlich noch sehr nichtsahnend und manchmal etwas naiv, wie es mir an einigen Stellen vorkam, aber immer sich selbst treu, bis er schließlich jenen schicksalhaften Flug zum Mond im Jahre 1971 antritt, nachdem die erste Mondmission gescheitert ist. Diese Treue zu sich selbst und seinen Idealen von einer besseren Welt prädestinieren Perry sozusagen als Auserwählten und ich denke, dass die Nähe zu Karl Mays Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi nicht abwegig ist. Im Gegensatz zu Mays Alter Egos ist Perry allerdings nicht ganz so überpowert, wie man heute sagt, er wirkt bescheidener und fehlerhafter. Aber der Idealismus und die Treue zu ihren Überzeugungen besitzen alle diese Figuren. Wenn man die Erstauflage liest, oder einige Romanreihen, verleihen die verschiedenen Stamm- und Gastautoren Perry sehr viele Facetten, die stets interessant zu lesen sind, so dass die konsistente Schilderung über 848 Seiten etwas gewöhnungsbedürftig war, aber letzten Endes natürlich zur Schlüssigkeit beigetragen hat. Überhaupt hat mir der Stil von Andreas Eschbach, der als gelegentlicher Gastautor in der Heftserie mit dem Universum vertraut ist, ausgesprochen gut gefallen. Perry dient bis zu einem gewissen Zeitpunkt als unfreiwilliger Reiseführer durch die historischen Ereignisse (auch die vor seiner Geburt) bis zu jenem Mondflug, womit man als Leser sehr unterhaltsame und amüsante, aber nie alberne Lektionen in Sachen Geschichte des 20. Jahrhunderts bis 1971 erhält, mit dem Blick aus dem 57. Jahrhundert. Neben namhaften Persönlichkeiten vor allem der amerikanischen Geschichte trifft Perry auf seine zukünftigen Weggefährten, unter anderem seinem besten Freund Reginald Bull, was mich als gestandene PR-Leserin besonders gefreut hat, jedoch für Erstleser sicher auch interessant ist.

Überhaupt denke ich, dass dieses „größte Abenteuer“ auch für Nichtkenner eine schöne Lektüre ist, ich glaube, ich als Fan von Alternativer Geschichte, hätte daran auch eine große Freude gehabt. Perrys Biographie mündet in die Ereignisse, die den ersten Zyklus der Erstauflage, Die Dritte Macht, einleiten. Dieser Teil wirkt auf mich etwas gedrängt, das kann aber auch daran liegen, dass ich diesen Teil bereits kenne und sozusagen ein Cliffhanger ist, also von meiner Seite eher Jammern auf hohem Niveau. Ich kann mir jedenfalls denken, dass dieser Teil Lust auf mehr macht, z.B. mit den Silberbänden anzufängen, die die Erstauflage seit ihrem Beginn zusammenfassen und mir schon manche schlaflose Nächte bereiteten, da ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen, bis der Morgen graute. Und ich muss gestehen, dass ich nicht übel Lust gehabt hätte, gleich mal wieder anzufangen, aber leider ist die hiesige Bibliothek nicht sehr gut mit Silberbänden ausgestattet. Aber ich muss wirklich mal wieder mit meinem Perry anfangen, ich habe ihn sträflich vernachlässigt!

 

[Rezi/Fantasy-Young Adult] Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children

imageAutor: Ransom Riggs

Seiten: 352

Sprache: Englisch

Verlag: Quirk Books 2013

Deutscher Titel: Die Insel der besonderen Kinder

Status: beendet

 

Ich kam ja etwas unverhofft zu diesem Buch. Da meine Eltern in punkto Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke eher unkreativ veranlagt sind, schrieb ich im Dezember 2016 eine Liste. Diese führte Haruki Murakamis 1Q84 sowie Robert HarrisFatherland auf. So weit, so gut. Wahrscheinlich habe ich es der Geschäftstüchtigkeit des patenten Buchhändlers (siehe hier) zu verdanken, dass ich an meinem Geburtstag, der relativ kurz vor Weihnachten ist, ziemlich unverhofft Miss Peregrine vorfand. Der Titel war mir insoweit ein Begriff, als mir um die Zeit auf YouTube ständig Trailer zu einem Film dieses Namens empfohlen wurden, ich aber kein gesteigertes Interesse daran hatte, weil  das so ein bisschen im Harry Potter/Zauberschule/Dingens-Fahrwasser zu fahren schient. Aber da ich es nun einmal hatte. Geschenkter Gaul und so. Zuerst stand aber Murakami auf der Liste, worauf ich schon sehr lange gewartet hatte, dann widmete ich mich aber den Peculiar Children, Was ich besonders interessant fand, noch bevor ich mit dem lesen anfing, war das Cover. Es zeigte eines dieser schlecht retuschierten Vintage-Kuriositäten-Fotos, auf dem ein „schwebendes“ Mädchen zu sehen war. Das war schon einmal nicht schlecht und weckte meine Neugier.

Die Geschichte beginnt mit den Kindheitserinnerungen des Protagonisten Jacob an die fantastischen Fotos (darunter jenes schwebende Mädchen) seines Großvaters, welcher nicht minder fantastische Geschichten aus der Zeit des 2. Weltkriegs von seiner Flucht aus Polen vor den Deutschen und Monstern erzählte, die ihn auf Insel vor Wales führte, wo Kinder mit besonderen Fähigkeiten untergebracht waren. Mit nun 16 Jahren ist Jake freilich nicht mehr so wirklich vom Wahrheitsgehalt von Fotos und Geschichten überzeugt, hat aber weiterhin ein gutes Verhältnis zu seinem Großvater, der mit zunehmenden Altern augenscheinlich immer unter Verfolgungswahn leidet.  Die Geschichte setzt mit einem tragischen Unglück ein, das Jacob davon überzeugt, dass die fantastischen Geschichten und Fotos eventuell doch wahr sein könnten. Er begibt sich auf die Suche nach der Insel und jenen besonderen Kindern, die von einer Miss Peregrine behütet werden.

Schnell fand ich heraus, dass Miss Peregrine eher wenig mit Harry Potter und dem Zauberschulengenre zu tun hatte, weshalb ich mich bereitwilliger auf die Geschichte einlassen konnte. Generell stellen sich die Themen in Miss P. dunkler dar, als ich sie von einem Buch aus dem Young-Adult-Bereich vermutet hätte, nicht nur wegen der Dark-Fantasy-Elemente, sondern auch wegen der Auswirkungen dunkler historischer Ereignisse, wie dem Holocaust und 2. Weltkrieg. Heitere Momenten fehlen jedoch nicht, wenn der aus Florida stammende Jacob auf einer gottverlassenen Insel vor der walisischen Küste auf die Einheimischen mit ihrem unverständlichen Dialekt und merkwürdigen Sitten trifft. Aus diesem Grund lohnt es sich ja immer Bücher in der Originalsprache zu lesen, wenn man diese beherrscht. Der 16-jährige Jacob erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, eines lakonischen, etwas sarkastischen Teenagers, den seine Familiengeschichte auf eine unerwartete Weise einholt. Es fiel mir leicht, Jacob und seine Sicht der Welt sympathisch zu finden, er ist ein eher alltäglicher Typ, nicht unbedingt Material für einen strahlenden Helden, aber auch kein missverstandener 16-jähriger, der sich in seinem Weltschmerz suhlt.

Das Beste an Miss P. sind jedoch die zahlreichen Schwarzweiß-Bilder, um die der Autor die Geschichte gestrickt hat und dem Buch eine ganz besondere, morbide Atmosphäre geben, die es aus dem Young-Adult-Genre hervorstechen lassen. Nicht, dass ich besonders viel aus diesem Bereich lese, aber ich denke, dass der Anspruch von Miss P. Doch ein wenig höher liegt, gerade wegen der historischen Thematik, die die Handlung durchzieht und im zweiten Teil wahrscheinlich weiter ausgeführt wird. Denn das Buch endet nämlich mit einem Cliffhanger, und am Ende ist ein Interview mit dem Autor zu lesen (welches wirklich interessant ist), das die Fortsetzung anspricht. Eine Leseprobe aus dem zweiten Teil gibt es natürlich auch.

Ob ich mir den Film ansehe, weiß ich nicht. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie die Umsetzung ohne die Bilder als Illustration und atmosphärische Elemente funktioniert, hinzu befürchte ich ja, dass die düstere Thematik etwas zu weichgespült werden könnte. Und warum auf dem Filmposter eine Frau mit Armbrust zu sehen ist, frage ich mich ebenso, jedenfalls kam im Buch niemand mit Armbrust vor. Ich schätze, dass ich die Fortsetzung – irgendwann – lesen werde. Wobei ich das bei „Die Auserwählten des Labyrinths“ zwar auch wollte, aber immer noch nicht dazu gekommen bin. Davon abgesehen muss noch den Stapel unrezensierter Bücher abbauen. Cliffhanger hin oder her, ich lese Miss P. auch so immer wieder gerne.

[Vermischtes] The Wunschzettel Menace

13882225_1336670319677303_2330475244955268818_nEs ist der 2. Advent, ich sitze bei Stollen (hausgemacht, aber nicht von mir), Cappuccino und Kaminfeuer im Wintergarten bei meinen Eltern und bald drohen mein Geburtstag und Weihnachten. Was bedeutet, dass ich meinen lieben Erzeugern einen Wunschzettel schreiben muss, weil ich sonst Geld und Socken bekomme. Ist zwar beides nicht schlecht, aber Weihnachtsstimmung geht doch anders. Also schreibe ich meinenWunschzettel, der sich letztes Jahr schon bewährt hat und auch für eine kuriose Begegnung zwischen meiner Mutter und einer ungläubigen Buchhändlerin sorgte. Die Geschichte kriege ich bei jedem Besuch zu hören, wie jene Dame nicht glauben konnte, dass es der werte Mr. Doescher wagte, Shakespeares Blankreime für eine Star Wars-Hommage zu missbrauchen.

Jedenfalls ist dieses Jahr Shakespeares Star Wars Part the First, Second and Third dran, also The Phantom of the Menace, The Clone Army Attacketh und Tragedy of the Sith’s Revenge. Außerdem  habe ich noch Fatherland von Robert Harris aufgeschrieben, was nicht nur daran liegt, dass ich gerade wieder The Man In The High Castle lese und langsam denke, dass das Buch tatsächlich viel besser als die Serie ist. Obwohl die Serie an sich gut ist, aber leider nicht mehr viel mit der Vorlage gemeinsam hat und die zweite Staffel eine reine High Castle-Fanfiction ist. Was mich daran erinnert, dass bald Rogue One anläuft und ich wahrscheinlich nur reingehe, um motzen zu können xD

Aber ich habe ja noch was auf dem Wunschzettel stehen, nämlich Haruki Murakamis 1Q84. Ich liebe ja sowieso schon Norwegian Wood, Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt und Mr. Aufziehvogel. Prompt las meine Mutter, welche sich noch über meine Handschrift beschwerte, IQ84, und meinte so: „Ist der geistig behindert?“

Manchmal glaube ich wirklich in der hessischen Version von Familie Heinz Becker gelandet zu sein. Nun ja, Vorweihnachtszeit ist reine Nervensache ^^

In diesem Sinne, einen schönen zweiten Advent 😀

P.S.

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Zur Zeit lese ich noch Wilhelm Hauffs Lichtenstein, einen historischer Ritterroman, den ich vom Trödel eigentlich auch nur wegen des schönen Umschlags mitgenommen habe. Doch es ist wirklich eine schöne Geschichte, ein Romanze, hat aber nichts mit modernen Historienromanen zu tun – von mittelalterlichen Frauenberufen wie Wanderhuren, Hebammen, Heilerinnen, Seidenstickerinnen und Blood, Sex & Violence à la George R.R. Martins A Song of Ice and Fire  (obwohl ich die sehr mag) werde ich Gottseidank verschont.

 

[Rezension]Parrot und Olivier in Amerika

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Autor: Peter Carey

Verlag: S. Fischer Verlag

Erscheinungsjahr: 2010

Seiten: 556

Lesestatus: beendet

 

 

Ich wühlte eher zum Zeitvertreib (musste mal wieder auf den Zug warten) in der Büchergrabbelkiste eines kleinen Kaufhauses meines Heimatkaffs herum und fand den Titel ziemlich witzig, welcher mich veranlasste, die Inhaltsangabe auf der Hinterseite des Buches zu lesen. Historisches interessiert mich ja sowieso immer und die Erlebnisse ungleicher Paare sind meistens ziemlich spannend. Dazu hieß es noch, dass „alle Kehlmänner erblassen müssten„. Nun ja, ich mochte Die Vermessung der Welt sehr gerne und war neugierig, ob diese steile Behauptung auch stimmte.  Dann blätterte ich noch ein wenig drin herum, um mir einen kleinen Eindruck zu verschaffen und mit 2,99 Euro  für ein Mängelexemplar kann man wirklich nicht viel falsch machen. Außerdem mag ich Bücher mit Patina.

Die beiden Protagonisten sind Olivier, ein junger französischer Adliger, dessen Eltern die Französische Revolution überlebten,  und sein englischer Diener/Aufpasser/Freund Parrot, die ihre von Anfang an ineinander verwobene Geschichte aus der eigenen Perspektive von der Kindheit bis zu ihrem Zusammentreffen erzählen, teils linear, teils in Retrospektive, von der Französischen Revolution bis zur Julirevolution. Die Schauplätze reichen von Frankreich und England bis nach Brasilien, Australien und schließlich Amerika. Weder Olivier, welcher das amerikanische Gefängniswesen studieren soll,  noch Parrot sind zu Beginn ihrer Reise nach Amerika anfangs voneinander begeistert, denn weder Unternehmung noch Arbeitsverhältnis erfolgten auf freiwilliger Basis.  Ihre Beziehung ist von Vorurteilen, Missverständnissen und Eifersüchteleien geprägt, und das Zusammentreffenen mit den Amerikanern und ihren kuriosen gesellschaftlichen wie politischen Sitten sorgt für zusätzliche Spannungen, aber auch für eine Annäherung der beiden so unterschiedlichen Persönlichkeiten.

Die Geschichte ist aus dem Blickwinkel der beiden Protagonisten erzählt, Olivier wendet sich hier oft an den Leser selbst oder berichtet in Briefen an seine Mutter von seinen Erlebnissen (wo sich hin und wieder auch Parrot einschleicht). Da Parrot seine Kapitel in Rückblenden von seiner Jugend erzählt (er ist zum Reisezeitpunkt beinahe fünfzig Jahre alt, Olivier hingegen Anfang oder Mitte Zwanzig), fiel es mir manchmal schwer einzuschätzen, wie alt er nun ist, und was eigentlich wann geschieht, nach vollendeter Lektüre machte es schließlich Sinn, aber ich musste ab und zu nochmals zurückblättern. Mir gefiel der blumige, leicht historisierende Schreibstil und die Verwunderung der beiden Amerikareisenden über die Menschen und Dinge, die ihnen in der Neuen Welt widerfahren sind. Die Anspielungen auf die heutige USA sind nicht zu überlesen, aber zum Glück auch mit einem Augenzwinkern geschrieben. Der Autor nennt Alexis de Tocquevilles Buch Über die Demokratie in Amerika als seine Inspirationsquelle (wohl auch teilweise für Olivier und dessen geplantes Buch), ich kenne leider weder den Verfasser noch das Werk, doch sicher werde ich mir das auch einmal zu Gemüte führen.

Was den Vergleich mit Kehlmanns Vermessung betrifft…da kommt Parrot und Olivier nun doch nicht heran, höchstens als Vermessung light und mit mehr Seiten. Es ist ein heiteres feinsinniges Werk, das sowohl für ein paar Lacher gut ist und nette Bosheiten verteilt, von brüllender Komik konnte ich aber nichts entdecken, was auch besser so war. Insgesamt war Parrot und Olivier eine  leichtherzige und amüsante historische Lektüre, die ich an einem verregneten Sonntagnachmittag in einem Rutsch durchlesen konnte.

Wer Freude an einem historischen Roman hat, der sich mal nicht um eine von  Liebesdramen gebeutelte Heldin (die dem titelgebenden mittelalterlichen/prä-industriellen Beruf nachgeht) dreht, sondern an intelligenterer Unterhaltung, die sich selbst nicht zu ernst nimmt. Auch wenn’s nicht Kehlmann ist.

Neuer alter Lesestoff (Juni 2016)

Weil ich beim Einkaufen noch etwas vergessen hatte, musste ich erneut am Trödelladen in der Straße vorbei und konnte diesmal dem Lockruf der alten Bücher nicht widerstehen, die in der Ladeneinfahrt zur Mitnahme standen. Die Auswahl bestand zumeist aus Ganghofer-Romanen, Pearl S. Buck, einem Eheberatungsbuch von 1965, verfasst von einem Gynäkologen und einem Juristen, Die Kleine Miss von einer Frances Burnett und anderen Büchern, auf die ich aber keinen so genauen Blick warf.

Die Ganghoferbücher hatten es mir am meisten angetan – ich mag Frakturschrift und ich stamme aus einer Jägerfamilie. Ich glaube zumindest, dass ich in der Büchersammlung meines Opas mal ein oder zwei Blicke in Ganghofer-Romane geworfen hatte und mir die blumigen Schilderungen gefielen.

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Hier gab es nun mehrere und mir gefiel der Einband von Das Schweigen im Walde (30er oder 40er Jahre?) am besten, in Jagdgrün, auf eine goldene Dame auf einer Art Einhornreh prangte.

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Dann fiel mein Blick noch auf einen weiteren schönen Umschlag, der zu einem Werk namens Lichtenstein von Wilhelm Hauff gehörte, dem Umschlagtext zufolge ein romantischer Ritterroman, allerdings „für den modernen Lesergeschmack“ (von 1949) hergerichtet. Naja, schade eigentlich. Nach einigem Hin- und Herüberlegen beschloss ich dann, dass diese beiden Bücher mit zu mir nach Hause sollte, auch schon aus rein dekorativen Gründen. Lesen werde ich sie natürlich auch.

 

 

Beides fällt wohl unter das Thema Romantik und Heimatliteratur, aber das muss ja nicht prinzipiell was schlechtes sein – ich habe auch dank der umfassenden Bibliothek meines Großvater leidenschaftlich gerne Karl May gelesen.