After Work im Schloss – Wie wir irdische Grenzen überwinden

Am 30. November 2017 fand an einem regnerischen Abend die letzte After-Work-Veranstaltung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum im Kurfürstlichen Schloss statt. Für mich waren diese Events die einzigen Gelegenheiten gewesen, noch einmal letzte Blicke in das RGZM im Schloss zu werfen – wenigstens in den zweiten Stock, wo sich das Frühe Mittelalter und die Intervention Codes der Macht efanden. Von der ich gar nicht genug bekommen sollte und mich letzten Endes dazu verlockt hatte, mich über meine geliebte Römerzeit hinaus fürs frühe Mittelalter zu interessieren. Nicht, dass ich diesen Bereich je ignoriert hätte, aber es hatte doch am zündenden Funken gefehlt, bis die Chlodwig-Intervention kam. Dazu aber später mehr. Ich hatte keine Veranstaltung verpasst und fand es sehr schade, dass diese die letzte im Schloss sein würde. Diesmal nahm ich wieder meine Mitbewohnerin sowie ihren Freund mit, welcher aus Österreich nach Mainz zu Besuch gekommen war. Das Thema dieser Veranstaltung lautete „Wie wir irdische Grenzen überwinden“ und wurde bei Wein und Knabbereien anhand zweier Exponate von Frau Kluge-Pinsker erläutert.

 

Die erste Station war eine Silberschale, die Replik einer Grabbeigabe aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. aus dem antiken Friedhof von Parabiago in der Nähe von Mailand, welche die Göttin Kybele und ihren Gefährten Attis in einer Löwenquadriga zeigt.. Diese Silberschale sollte den sozialen Status des Verstorbenen bei der Beisetzung darstellen. Der Kult der Kybele stammte ursprünglich aus Phrygien (heutige Türkei) und die Göttin fand schließlich als Magna Mater Eingang in den römischen Pantheon. Ein Isis-/Magna-Mater-Heiligtum befindet sich übrigens in Mainz, das bei Aushubarbeiten zur heutigen Römerpassage gefunden und mit in das Einkaufszentrum integriert wurde, quasi ebenfalls über seine ursprüngliche Bedeutung hinaus hinweggetragen wurde.

 

Das zweite Ausstellungsstück, das seine ursprüngliche irdische Bestimmung überwand, ist die Cathedra Petri, ursprünglich ein Thron, der für Karl den Kahlen gebaut wurde. Schließlich kam der thron nach Rom, wo der Thron mit Elfenbeintafeln besetzt wurde, welch die zwölf Taten des Herkules und sechs Fabel wesen zeigen. Dem Thron wurde ab dem Mittelalter die Bezeichnung „Cathedra Petri“ zugeschrieben und als Berührungsreliquie verwendet. Schließlich wurde der Thron aufgrund von Beschädigungen und Zweifeln an der Echtheit in ein Stuhlreliquiar eingeschlossen, welches zum Symbol des Papstes als Nachfolger Petri wurde. Eine Replik diente dem Volk schließlich als Reliquie, die bald als Original galt und deshalb wieder entfernt wurde. 1974 stellte das RGZM Kopien der Cathedra her, um sie in der Dauerausstellung des RGZM zu zeigen, welche im Kurfürstlichen Schloss die letzten 20 Jahre als Wissenschaftsausstellung diente.

 

Von der Übernahme von kleinasiatischen Gottheiten durch die Römer und griechisch-römischer Sagen ins Christentum bis zur Umdeutung des Throns als Reliquie leitete Frau Kluge-Pnsker zum Umzug des RGZM über, von der reinen Wissenschaftsausstellung zur Präsentation der Bedürfnisse von Menschen, welche 80000 Jahre Menschheitsgeschichte umfasst. Der Besuch aus Österreich war begeistert und ich nutzte die Chance ihm die „Codes der Macht“ zu zeigen, an diesem Abend zum letzten Mal zugänglich war. Es war schon ein bisschen traurig, da ich mir die Intervention so oft angesehen hatte, bis ich sie fast auswendig kannte.

 

Das Projekt hatte mich ja so fasziniert, seit ich zum ersten Mal das „Wahlplakat“ während des Wahlkampfes 2014 gesehen hatte und ich SOFORT den freundlichen jungen Mann mit dem Schwert zu meinem König gewählt hätte. Demokratie ist ja eh überbewertet. Es war wirklich schade, dass die After Work-Veranstaltung im Schloss zu ihrem Ende gekommen war, auch wenn das Ambiente nicht ganz so cool und modern wie im Schifffahrtsmuseum war.

 

Für mich hatte gerade diese etwas altmodische Atmosphäre seinen ganz eigenen Reiz und war stets den Abstecher bei einem Nachmittagsspaziergang wert, fast schon ein bisschen wie ein zweites Wohnzimmer.

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Tage der Offenen Werkstätten im Römisch-Germanischen Zentralmuseum 17./18. November 2017

Hier sollte es entlanggehen, hatte ich aber nicht so ganz mitbekommen ^^*

Ich hatte eine Einladung zur Presseführung zum Tag der Offenen Werkstätten im RGZM, über das ich schon oft und gerne berichtet habe, bekommen. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen, nicht nur was ich in den den Laboratorien und Forschungswerkstätten zu sehen bekommen, würde sondern auch auf meine ‚Kollegen‘ von der professionellen Berichterstattung. Samstagvormittag radelte ich also hin und lief erst einmal prompt in die falsche Richtung, nämlich in den Museumsshop, wo das Kinderprogramm stattfand, wurde aber dann in die richtige Richtung gelotst.

Über die Forschungs- und Restaurierungswerkstätten hatte ich ehrlich gesagt keine genaue Vorstellungen. Zwar hatte ich das flache Gebäude neben dem Schloss bzw. Museum schon irgendwie wahrgenommen, aber damit nicht viel verbunden, außer, dass es eine Bibliothek gab. Jedenfalls stieg bei mir die Spannung, als ich mit einigen anderen Vertretern, die mit ihrer Ausstattung, Kamera, Tonaufnahmegeräte, Notizblöcke unglaublich professionell wirkten, während ich nur mit Smartphone bewaffnet war. Einen Schreibblock hatte ich zwar auch dabei, aber ich kam mir doch etwas, naja, exotisch vor. Jedenfalls erhielt jeder von uns eine Pressemappe und dann ging es auch schon los.

Geleitet wurde die Führung vom Direktor der Werkstätte, Dr. Markus Egg, der uns an jeder Station die Funktion und Arbeitsweise der einzelnen Bereiche erklärte, mit Unterstützung der jeweiligen Mitarbeiter, mit viel Geduld für die anwesende Pressemeute, deren Verhalten für mich beinahe noch spannender war, als die gezeigten Bereich der Werkstätten. Teilweise war ich von dem Gerangel um den freien und besten Blick auf Gerätschaften und Objekte abgelenkt, und von Fragen, die ich wahrscheinlich so nicht gestellt hätte.

Aber gut, als Vertreter eines Senders oder einer Zeitung hat man wohl seinen Fokus und ein bestimmte Klientel zu bedienen, während ich mir die Rosinen herauspicken kann, die mir selbst am besten schmeckten.

Pressebelagerung
„Können Sie das noch einmal so halten?“

Pressebelagerung Pt. II

Natürlich war die Führung als solche hochinteressant, zudem findet der Tag der Offenen Werkstätten nur alle zwei Jahre statt. Hätte man mich ‚ungeführt‘ durch die Werkstätten gelassen, so hätte ich mich wohl ziemlich verzettelt. Bei dem Begriff Werkstätten drängt sich einem doch immer noch Bild von Handwerksarbeit auf, Archäologen, die ein ausgegrabenes Fundstück gewissenhaft zusammenpuzzeln. Das ist es freilich immer noch, doch wurde mir erst bei dieser Führung so richtig bewusst, wie viel mehr dahinter steckt, wie der Einsatz von Röntgengeräten, Materialanalysegeräten, Computertomographen und 3D-Druckern, etc. Die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen stellte sich ebenso vielseitig heraus, mit den verschiedenen Sparten wie Geologie, Archäometrie, Biologie usw.

Zunächst klassisch…

Scherben mit Gartenzwerg
Überreste von Kleidung/Schuhen

So wie man es sich vorstellt

und mit High-Tech

Mit Röntgenbildern
Computertomografie

3D-Darstellung

Die Berufsfelder der Werkstattmitarbeiter sind ähnlich breit gefächert, neben klassisch ausgebildeten Restauratoren finden sich Mitarbeiter mit beruflichen Hintergründen wie Zahntechniker, Goldschmiede und Büchsenmacher. Die Mitarbeiter erklärten in den einzelnen Bereichen sehr geduldig und ausführlich ihre Arbeitsweise und Geräte, Nachfragen beantworteten sie ebenso. Trotz des Gedränges von Pressemenschen, die zusätzlich Objekte und Geräte für Fotos präsentiert haben wollten.

Mir war es zunächst erst gar nicht so bewusst gewesen, dass ’normale‘ Besucher erst gar nicht fotografieren durften, was für meinen angeborenen Drang (das asiatische Klick-Gen xD) alle Mögliche für die Nachwelt festzuhalten die Katastrophe wäre. Eine Abteilung war interessanter als die andere, ich hätte bestimmt für jede einzelne einen Blogbeitrag schreiben können. Erst im Einzelnen betrachtet fiel mir auf, wie vielfältig und vernetzt sich die Arbeit hinter den Kulissen gestaltet. So gab und gibt es internationale Kooperationen, wie mit Ägyptischen Museum in Kairo, wo das RGZM an Restaurierungsprojekten an den Goldblechen und der goldenen Totenmaske aus dem Grab des Tut-Ench-Amun beteiligt war, sowie an Schmuckstücken des Schatzes von Preslav aus dem 10. Jahrhundert.

Ebenso ist das RGZM an Restaurierungsarbeiten am Wikingerschiff von Oseberg beteiligt In der Holzkonservation hat sich durch die in Mainz gefundenen römischen Patrouillenschiffe eine besonders gefragte Expertise erworben (siehe „Ich und das Holz“) und besonders begeisterte Mitarbeiter, so dass bei diesem Rundgang die Holzkonservierung vorgestellt wurde. Mich hatte es sehr gefreut, Herrn Wittköpper wiederzutreffen, welcher seinen Arbeitsbereich nicht nur wieder einmal enthusiastisch, sondern auch als treuer Mainz-05-Fan im Fußballtrikot und der UEFA-Kapp (der 11.11. war gerade eine Woche her) präsentierte.

Das meiste war mir schon durch die After-Work-Veranstaltung zur Holzkonservierung bekannt, doch es war mir wieder eine Freude den Ausführungen zuzuhören. Überhaupt wussten die Mitarbeiter und Studenten so ausführlich und interessant zu erzählen, dass zum Ende der Führung die Zeit knapp wurde und einzelne Bereiche nur angerissen werden konnten, die eigentlicht mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Andererseits war ich bis zum Anschlag voll mit Informationen und Eindrücken, und der Akku meines iPhones machte allmählich schlapp. Nachdem die Führung mit dem Fotostudio als letzter Station beendet war, machte ich mich zunächst auf den Weg nach Hause – ich wohne ja nur um die Ecke – um mich auszuruhen, Handy aufzuladen und noch das Isis-Magna-Mater-Heiligtum in der Römerpassage aufzusuchen, um dem Vortrag über Fluchtäfelchen zuzuhören und selbst eins herzustellen (ich habe allerdings niemanden verflucht)Dazu aber mehr in einem eigenen Blogeintrag. Nach diesem Abstecher begab ich mich wieder zurück ins RGZM, um mir die Stationen anzuschauen, die bei der Führung zu kurz gekommen waren und mich persönlich interessierten.

Ich sah mir zunächst die Kolorierung an, witzigerweise an der Kopie eines Keramikgefäßes, das aus Ausgrabungen (Vicus und Gräberfeld Auf Esch) in meinem Heimatort Groß-Gerau stammte und ließ mir erklären wie archäologische Illustrationen gefertigt werden.Mich freute als Hobbyzeichnerin besonders, dass Handzeichnungen immer noch einen hohen Stellenwert genießen. Zwar wird weniger Wert auf Kreativität gelegt, doch ich mag die ganz eigene Ästhetik dieser Zeichnungen.

Kurz vor Ende der Veranstaltung schaute ich noch einmal bei der Edelmetallkonservierung vorbei, wo der Preslav-Schmuck gezeigt wurde. Eigentlich wollte ich ja die Mitarbeiter in Ruhe lassen, da sie den Tag über sowieso schon genug erzählt haben mussten und ich alles Notwendige schon in der Presseführung gehört hatte. Aber sie waren dennoch unermüdlich noch offene Fragen zu klären und zu erzählen, wie sie den Tag erlebten hatten, was ich im Übrigen fast noch spannender fand. So von einem kuriosen Besucher, der nur wissen wollte, in welcher Tiefe der Schatz gelegen hatte und nach der Auskunft gleich wieder verschwand. Es wäre wohl ebenfalls sehr spannend gewesen, die Besucher zu beobachten, wie sie auf die gezeigten Objekte und Geräte reagieren – was wohl in ein weiteres Mammutprojekt fürs Blog ausgeartet wäre.

Die Herkunft
Der Preslav-Schatz
Ich würd’s tragen

So ging der erste Tag der Veranstaltung zu Ende, aber ich war fürs Wochenende noch lange nicht fertig. Ich hatte mir nämlich vorgenommen, am Sonntag das Kinderprogramm anzuschauen, nach der Mainzer Buchmesse und einem Nachhilfetermin, den ich noch zu absolvieren hatte. Das Wochenende war also fest verplant. Aber was tut man als Blogger nicht alles um seine Neugier zu befriedigen und das auch noch für die Nachwelt festzuhalten. Buchmesse (siehe hier) und Arbeit brachte ich glücklich hinter mich, nun war Zeit für etwas Spaß für Kinder, kleine wie auch für ein etwas größeres.

Das Kinderprogramm fand im Museumsshop des Schlosses statt, wie ich am Tag zuvor mehr durch einen Irrtum herausgefunden hatte. Ich traf dort ein, als ein ganzer Schwung Kinder den Raum verlassen hatte und ich so ziemlich die einzige Person zum Bespaßen war. Das war allerdings auch gar nicht so schlecht, da ich mich mit den Mitarbeitern ausgiebig über mein Interesse an den Projekten des RGZM unterhalten konnte, während ich nebenbei einen Keramikfisch zusammenklebte. Als ich für einen Augenblick allein war, kam es, wie es kommen musste, es kamen nämlich Kinder und ich als einzige Erwachsene, die gerade pseudokompetent am Zusammenkleben war, musste als Anleiterin herhalten. Doch bekanntlich wächst man ja mit seinen Aufgaben. Es machte Spaß und als ich den Fisch schließlich erfolgreich fertiggeklebt hatte, wollte ich schon fragen, wann ich denn morgen anfangen könnte.

Erstmal Scherben
Immer schön am Rand entlang
Tadaaa! Meisterwerk

Als schließlich wieder tatsächliche Mitarbeiter übernommen hatten, schaute ich mir am Tisch gegenüber an, wie man Funde in Scherbenform abmaß und bestimmte. Die Kinder und deren Eltern machten begeistert mit, vor allem als ein Vater herausfand, welch tollen Unsinn man mit den Werkzeugen anstellen konnte, es ließen sich großartig Silhouetten von Nasen, Brillen und Fingern abmessen. Eine Mutter hingegen nahm die Angelegenheit etwas zu ernst und hielt ihren Sprössling zu genauem Arbeiten an. Ich war ja kurz davor zu sagen, dass das Kind doch keine Noten dafür bekommt…Nun gut, es hat ja jeder seine Prioritäten, aber mir gefiel die Variante Spaßhaben doch besser.

 

Spiel- ähm Werkzeug
Dokumentation
Tabelle zur Farbbestimmung Meisterwerk

Bevor ich den Heimweg antrat – das Wochenende begann seinen Tribut zu fordern – sah ich in einen anliegenden dunklen Raum, wo es um das Umzugsprojekt „Auf dem Weg ins Neue Museum“ ging und führte eine angeregtes Gespräch mit der Mitarbeiterin über den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Was das Schloss angeht, bin ich doch sehr voreingenommen, da ich es für eine schöne Umgebung für ein archäologisches Museum halte und das altmodische Flair sehr mochte, aber auch für zeitgemäße Umsetzungen wie das Chlodwig-Projekt bin. Ich denke, dass die Verbindung zwischen Altem und Neuem beim Landesmuseum gut gelungen ist, ebenso beim Schifffahrtsmuseum, ob der Neubau eben nur ein steriler moderner Klotz sein wird oder ob es gelingt ein gewisses Flair zu verbreiten, wird sich noch zeigen müssen.
Damit ging ein wirklich sehr abwechslungsreiches Wochenende zu Ende, mein Anspruch alles mitzunehmen, was es zu erleben gab, hatte sich gelohnt. Ich habe bei dieser Veranstaltung tolle Einblicke hinter die Kulissen des RGZM gewonnen, was nicht zuletzt den engagierten Mitarbeitern aller Bereiche verdanken war.

Zum Schluss noch einige Impressionen aus meinen 179 Fotos, die ich während dieses Wochenendes gemacht hatte, es fiel mir wirklich schwer, eine Auswahl zu treffen – was nicht zuletzt dazu beigetragen hatte, dass es mit dem Beitrag so lange gedauert hatte:

Scan für die 3D-Darstellung
 

Auf dem Monitor
Weiterbearbeitung am PC
Auch sehr klassisch
Puzzlearbeit Level 9000
Fast schon Kunst

Links:

Website des Römisch-Germanischen Zentralmuseums

Facebook

[Im Museum] Work In Progress im Schifffahrtsmuseum – Virtuelle Realitäten, Supertanker, Spielkinder, Playmobil und Playstations.

Kaum war die eine After-Work-Veranstaltung zu Ende, schon kam die weitere im Schifffahrtsmuseum in der folgenden Woche. Bloggerprobleme können schon heftig sein… Jedenfalls hatte ich schon meine Mitbewohner rekrutiert – für den neuen Mitbewohner das ‚erste Mal‘ und prompt kamen Fragen wie ‚Gibt’s da einen Dresscode‘, da er sich wohl eine elitäre Veranstaltung für Büroangestellte in Anzug und Kostüm darunter vorstellte. Nein, gibt es natürlich nicht, aber anscheinend hatte der Begriff ‚After Work‘ diese Assoziation ausgelöst und ich sagte nur, dass er hingehen konnte, wie er wollte. Überzeugt war er nicht, die Neugierde allerdings war doch groß. Als wir schließlich an diesem Donnerstagabend ankamen (die Mitbewohnerin würde direkt von der Arbeit kommen), war ich wirklich positiv überrascht, dass sich eine Menge Leute eingefunden hatten, fast alle Stehtische waren besetzt und weitere Besucher schauten sich im Museum um. Die nächste Überraschung war, dass mein Mitbewohner bekannte Gesichter traf, so dass hoffentlich alle Bedenken, dass dies ein hochformeller Anlass sei, zerstreut waren. Eingeläutet wurde der Abend mit Prosecco und Wein. Ja, schon wieder, aber meine Güte, wenn man dort welchen trinken kann…und ich hatte jetzt endlich Gelegenheit, etwas vom Angebot des Weinhaus Michel zu probieren, was dort schon seit der ersten After-Work-Veranstaltung verkauft wurde und immer so toll präsentiert wird.

Meine Mitbewohnerin brachte noch eine Kollegin mit und wir verbrachten eine so nette Runde am Stehtisch, dass wir beinahe die heutige Führung vergaßen. Dieses Mal fand weniger eine Führung statt, mehr eine Präsentation, die von Herrn Kimmel, Leiter der Abteilung Bildung und Kommunikation im RGZM eingeleitet wurde, wonach die Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen zu Wort kamen und die Bestandteile des Projekts Mixed Reality Open Lab vorstellten, welches in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wissensmedien Tübingen und der Hochschule Mainz stattfindet.

Am Beispiel eines römischen „Supertankers“, dem Wrack von La Madrague in Frankreich, wurde gezeigt, mit welchen Medien die Objekte des Schifffahrtsmuseums dem Publikum künftig zugänglich gemacht werden sollten. Zum einen natürlich durch ein Modell als Anschauungsobjekt, zum anderen durch Augmented Reality in Form einer Oculus-Rift-VR-Brille. Gleichzeit findet eine barrierefreie Umsetzung statt, z.B. mit Stationen für Blinde. Das Highlight war jedenfalls die VR-Brille. Ich hatte noch nie eine aufgehabt, und so war das Erlebnis ziemlich aufregend. Zu sehen bekam ich ein römisches Heerlager und wie es ist, auf einem römischen Kriegsschiff zu stehen. Das hat schon einmal einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie der Blick in ein Schiff wie das La-Madrague-Wrack gestaltet werden könnte. Nicht nur anhand eines Modells, wie wir es an diesem Abend zu sehen bekamen, sondern auch in der Virtuellen Realität.

Nach der Vorführung sorgte vor allem der Mitmachbereich für Kinder bei den Kollegen (ein weiterer war noch dazugekommen) meiner Mitbewohnerin für sehr viel gute Laune. Dort können nämlich nicht nur Kinder Spaß haben, sondern auch etwas größere Kinder, wie sich herausstellte. Die Würfel- und Brettspiele und das Knoten von Schiffstauen hatte es ihnen besonders angetan, während ich wieder einmal die Playmobilsammlung anhimmelte. Die Jungs in der Runde waren am meisten von dem Bolzengeschütz und den Kriegsschiffen angetan, sie hatten allerdings mehr Krieg erwartet und fanden Handelsschiffe eher langweilig, ganz egal ob sie nun 10.000 Amphoren Wein transportieren konnten oder nicht.

Im Anschluss an die Veranstaltung ging es mit uns noch zu einem Absacker in den Domsgickel, quasi zur After-After-Work. Unterwegs kamen wir auf weitere Ideen, wie man eine solche Veranstaltung aufpeppen könnte. Inspiriert war ich durch ein Kinoplakat, das Stripper und ‚heiße Männermodels‘ für die Ladies‘ Night beim Cinestar versprach, während die Herren auf Playstation und Strategiegames wie Age of Empires setzten. Ich denke mal, dass früher römische Damen sicher nichts gegen gutaussehende Sklaven hatten, die ihnen den Wein reichten, während sich die Männer über Politik und Krieg ausließen.

 

Diesmal hatte es mehr Besucher als bei den ersten Veranstaltungen gegeben, was ich sehr erfreulich fand. Dadurch, dass es weniger eine Führung als eine Vorführung von Work in Progress für zukünftige Projekte gab, inklusive der Vorstellung von beteiligten Mitarbeitern, hatte ich hatte den Eindruck, dass es sich, nun ja, mehr um eine Art Prestigeveranstaltung handelte. Ich meine das nicht negativ, schließlich ist es nie verkehrt, Projekte vorzustellen und um Interesse zu werben, vor allem wenn interdisziplinär gearbeitet wird und das Interessenten aus völlig anderen Bereichen anlockt. Im Grunde mache ich ja ähnliches über das Blog, allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Atmosphäre ein wenig anders als bei den vorherigen Veranstaltungen war, eher ‚offizieller‘.

Wichtiger war jedoch, dass meine Begleiter viel Spaß im Schifffahrtsmuseum hatten, über das sie vorher kaum mehr wussten, als das es existiert, unbekannt war z.B., dass es freien Eintritt gibt. Da ich dieses Museum ebenfalls sehr gerne mag, hat mich das natürlich mehr als gefreut, dass wir alle einen unterhaltsamen Abend dort verbracht hatten.

Links

Museum für Antike Schifffahrt – Facebook

Römisch-Germanisches Zentralmuseum – Facebook

After Work im Museum