[Rezension] Reiter ohne Heimat

IMG_3661Titel:
Reiter ohne Heimat
[De hjemlose ryttere]
Seiten:
190
Autor:
Bernhard Stokke
Verlag:
Franz Schneider Verlag, Berlin und Leipzig, 1939
Genre:
Jugendbuch/Heimat

 

Ich kann ja einfach nicht an schönen alten Bücher vorbeigehen. So wie letztens wieder geschehen. Jemand ließ zwei alte Readers Digest-Bände und Reiter ohne HeiIMG_3668mat bei mir im Treppen frei und so musste ich bei Letzterem zugreifen. Allein die goldgeprägte Frakturschrift hätte mich nicht widerstehen lassen können und es ging dem Titel nach wohl um ein Pferdeabenteuer. Beim Blick ins Buch erwarteten mich zwei schöne schlichte Zeichnungen, ich vermute mal, dass es Tuschezeichnungen sind. Im Zeitalter von günstigen Taschenbüchern findet man ja sowas eher selten, und wenn, muss man für gebundene und gut gestaltete Bücher doch tiefer in die Tasche greifen. Davon abgesehen haben alte Bücher für mich ihren ganz eigenen Charme, sei es Frakturschrift (ja, ich kann die noch lesen), Goldprägungen und der Geruch von vergilbtem Papier.

Die Geschichte ist im Grunde schnell erzählt. Der Hof des verstorbenen Vaters von Kaare und Tor steht kurz davor, vom Eigentümer abgerissen zu werden, die Familie, zu der die Mutter und eine jüngere Schwester gehören, muss das Grundstück verlassen. Die Jungen verdingen sich für den Sommer als Hüter der Pferdeherden auf den Fjälls [sic!], um so Geld für die Familie zu verdienen. Eine wichtige Rolle spielt hier der junge Hengst Rauen, auf den IMG_3669sie besonders aufpassen müssen, wollen sie je wieder auf ihren Hof zurückkehren. Der Roman schildert nun die Abenteuer, mit denen sich die Brüder auf sich allein gestellt in der rauen Welt der norwegischen Gebirge konfrontiert sehen, ob es die Unbillen der Natur sind, ein geheimnisvoller Reiter oder die unsichtbaren Gefahren, die den Pferden zum Verhängnis werden können. Was mir besonders gefallen hatte, war die blumige, lebendige Schilderung der Natur, die immer wieder auch ins Schwärmerische abdriftet, doch das tat dem Lesespaß keinen Abbruch. Eher im Gegenteil, erinnerte sie mich doch an die alten Jugendbücher, die ich noch von meinen Großeltern kannte, von den Abenteuern eines Jungen namens Horst, der in einem Forsthaus aufwuchs und schließlich selbst Förster wurde, wenn ich mich richtig erinnere. Dann erinnere ich mich noch an ein Buch namens Der graue Hengst, der von Mustangs handelte. Es waren jedenfalls so tolle Bücher, die ich immer wieder gern las, da die Schilderungen der Natur so ungemein fesselnd und lebendig waren…

Aber zurück zu Reiter ohne Heimat. Zu welcher Zeit die Geschichte spielte, war zunächst nicht so einfach einzuschätzen, auch wenn aufgrund des Alters des Buches klar war, dass es wohl nicht später als die 1930er oder -40er Jahre sein konnten.Es gab zwar Eisenbahn und Draht, aber erst gegen Schluss wird elektrisches Licht erwähnt, so dass es wohl kaum später als die 1920er sein könnten. Es war nichtsdestoweniger spannend, die Geschichte unter dem Aspekt zu lesen, wie die Menschen ohne Autos und Telefon, geschweige Handy ausgekommen sind, und das „einfache Leben“ scheint beinahe reizvoller zu sein. Kaare und Tor müssen ständig an ihre Grenzen gehen, um ihrer verantwortungsvollen Arbeit gerecht zu werden, wenn schließlich auch ihre Existenz davon abhängt. Dies wird allerdings ohne zu viel Moralisierung geschildert, es scheint – auch im Hinblick auf die Zeit – selbstverständlich zu sein, selbst wenn die Brüder erst 14 und 17 Jahre alt sind. Bei Pferdeabenteuern denkt man heute eher an Mädchen, die im Pferd ihren Seelenverwandten finden oder so ähnlich, doch auch Jungs mögen Pferde, wenn auch auf eine andere Weise. Hier steht die Harmonie von Mensch und Tier nicht so sehr im Vordergrund wie die Existenz der Familie, die ganz allein vom Wohl des rotes Hengstes Rauen und der restlichen Herde abhängt.

Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass Bernhard Stokke (1896 – 1979) ein norwegischer Grundschullehrer/-rektor war und neben zwölf Jugendbüchern auch Textbücher verfasste oder herausgab. Nicht verwunderlich, dass sich diese Bücher mit Geschichte und Geographie befassten, die Liebe zur norwegischen Natur ist schon in diesem einen Buch deutlich spürbar, ganz gleich wie schwärmerisch und altmodisch sie herüberkommen mag. Ich finde so etwas toll und die einfachen, aber nichtsdestoweniger spannenden Abenteuer von Kaare und Tor versetzten mich wirklich in eine nostalgische Stimmung, so dass ich es wirklich nicht bereut habe, dieses kleine aber feine Büchlein mitzunehmen.

 

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[Schreiben/Bericht] Schreibwerkstatt Römerzeit in Mainz

Ich schreibe ja meistens über Bücher und Serien, doch konsumiere ich nicht nur, sondern bringe auch Selbstgeschriebenes zu Papier, oder vielmehr in ein Textverarbeitungs-Dokument auf meinem Laptop. Allerdings habe ich hier noch nichts dergleichen veröffentlicht, und ich glaube, das kann noch ein bisschen dauern, bis ich mich das wirklich traue. Aber heute wage ich mich ein Stück weiter vor, da ich Anfang August an einer Schreibwerkstatt teilnahm, die zwei meiner Lieblingsinteressen vereinigt.

Mein Weg durch Mainz führt mich regelmäßig durch die Römerpassage, einem Einkaufszentrum, dass sich dadurch auszeichnet, dass beim Bau die Überreste eines Heiligtums der Isis bzw. Magna Mater gefunden wurde. Man entschied sich glücklicherweise, die Fundstelle in das Gebäude zu integrieren und ein kleines Museum zu errichten, das ich immer wieder gerne besuche. Gelegentlich finden sich Aushänge, die z.B. zu Führungen zu Grabungsstellen einladen, und wie neulich zu einer Schreibwerkstatt über die Römerzeit in der Steinhalle des Landesmuseums Mainz. IMG_3093Es ging laut Aushang um „Lebensgeschichten aus dem römischen Mainz durch kreatives Schreiben entdecken“ Dazu lockte ein freier Eintritt, wer sich rechtzeitig anmeldete. Ich konnte nicht anders als mich flugs anzumelden. Römerzeit und Schreiben! Zwei Dinge, die ich liebe. Seit den farbenprächtigen Technicolorfilmen wie Ben Hur oder Quo Vadis, die ich meiner Kindheit oft schaute, bin ich von den Römern fasziniert. Ich fand die Römer immer viel toller als die armen unterdrückten Juden und Christen. Mein Großvater förderte mein Interesse sehr, wir fuhren z.B. zur Saalburg, und ich bekam dicke Wälzer zur römischen Geschichte geschenkt. In der Mittelstufe schrieb ich bereits kleine Geschichten, die zur Römerzeit spielten, in extra dafür gekaufte Schulhefte. Und nun, da ich seit acht Jahren in Mainz wohne, lebe ich ja quasi in meinem persönlichen Römerparadies. Neben dem Isis/Magna-Mater-Heiligtum bin ich eine eifrige Besucherin des Römisch-Germanischen Zentralmuseums im Schloss (leider wegen Umzugs geschlossen) und des Museums für Antike Schifffahrt und genieße generell, dass man hier in Mainz immer noch auf soviele Zeugnisse des alten Mogontiacum treffen kann.

Gesagt, getan, ich meldete mich und fand mich am 6. August mit anderen interessierten Menschen aller Altersstufen im Landesmuseum wieder. Veranstaltet wurde die Schreibwerkstatt von der Master-Studentin Laura Löser vom Institut für Archäologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg als Teil ihrer Masterarbeit. Ziel der Werkstatt war es, sich übers Schreiben dem Leben im römischen Mainz zu nähern. IMG_3157Hierfür fand sich unser Grüppchen in der Steinhalle des Landesmuseums bzw. Landtages ein, wo verschiedene Steindenkmäler aus der Römerzeit zu sehen sind, neben dem Dativius-Victor-Bogen Grabsteine von römischen Soldaten und Offizieren, sowie Zivilisten wie Beamten, einheimischen Kaufleuten und auch der Grabstein eines kleinen Mädchens. In der ersten Hälfte der Werkstatt stellte uns Frau Löser ausgewählte Grabsteine vor. Hier bekamen wir die ersten Eindrücke über die Personen, über ihre Lebensumstände und die Zeit in der sie lebten, geschildert und wir konnten natürlich auch Fragen dazu stellen. Hier begannen schon bei mir im Hinterkopf die ersten Ideen zu rattern, und mich beschlich eine leise Panik, als ich aufs Handout mit den Übersetzungen zu den Grabsteinen und den Schreibimpulsen sah. Worüber sollte ich bei der Auswahl bloß schreiben und dafür reicht doch sicher die Zeit nicht…Außerdem hätte ich noch stundenlang Frau Lösers Ausführungen zuhören können, zwar bin ich bestimmt kein Neuling in römischer Geschichte, aber erfuhr noch viele andere spannende Details, die mir bislang noch unbekannt waren. Nach einer dreiviertel Stunde war es soweit, und wir sollten loslegen – nicht mit Papyrus oder Wachstafel, sondern mit Klemmbrett und Kuli bewaffnet hatten wir etwa noch einmal so viel Zeit, etwas zu Papier zu bringen.IMG_3182 Ich musste mich also entscheiden. Nach kurzem Überlegen kehrte ich zu der Idee zurück, die ich am spannendsten fand, nämlich einige der Personen und Lebensgeschichten zu vereinen. So entstand der Brief des Scharfrichters Publius Urvinus an seinen Cousin (der den Grabstein errichtet hatte), der speziell nach Mogontiacum in den Stab des Oberbefehlshabers abkommandiert worden war:

„Publius Urvinus an seinen Cousin Marcus.

Mein lieber Marcus, ich hoffe dieser Brief erreicht dich bei guter Gesundheit. Ich bin nun seit zwei Monaten in Mogontiacum am Rhein, es ist Sommer und die Gegend angenehm, doch ich habe bislang kaum freie Zeit gehabt. Hier funktioniert nichts, ich muss ständig improvisieren, weder Vorgesetzte noch Untergebene halten sich an Dienstwege. Das Einzige, was gut funktioniert, ist das Verbrechen. Was habe ich falsch gemacht, dass die Götter mich so strafen? Ich schlafe schlecht und habe noch mehr graue Haare bekommen. Wenn Fulvia mich so sieht, wird sie mich bestimmt nicht mehr heiraten wollen. Morgen werde ich wohl ein Opfer bringen, damit sie mir gewogen bleibt. Doch ich schweife ab. Die Einheimischen scheinen sich recht schnell an unsere Art zu leben und zu kleiden gewöhnt zu haben, ich bekomme fast alles, was ich von zuhause gewohnt bin, die Kaufleute wissen, womit sie gute Geschäfte machen können, wenn 10.000 Römer stationiert sind.

Und wie ich schon oben erwähnte, die Menschen sind hier genauso schlecht und hinterhältig wie in Forum Fulvii, Rom oder Vindonissa. Wenigstens stimmt mein Gehalt, doch bin ich mir nicht sicher, ob es angemessen für die Mühe ist und die Nerven, die mich der Aufbau einer gut funktionierenden Verwaltung kostet. Gerade gestern haben wir einen Sklaven aus dem Main gefischt, der seinen Herrn, den Freigelassenen Iucundus erschlagen hat. Wie es aussieht, aus Zorn darüber, dass Iucundus die Freiheit geschenkt wurde, und nicht ihm, wie dessen ehemaliger Herr M. Terentius aussagte.

Publius Urvinus

Publius Urvinus, Scharfrichter

Damit sollte die Angelegenheit rasch erledigt sein, doch kommen täglich neue Fälle von Mord und Diebstahl hinzu. Ich vermisse meine alte Stelle in Vindonissa sehr, dort hatte noch alles seine Ordnung. Es sollte mich ja schmeicheln, dass ich auserwählt wurde, um an diesem Standort für Recht und Ordnung zu sorgen, und ich weiß, dass die Götter den Schweiß vor den Olymp gesetzt haben, doch eher versinke ich in einem Meer von Schweiß (von den grauen Haaren ganz zu schweigen), bevor hier auch nur ansatzweise Ordnung in diesen unzivilisierten Ort kommt. Dennoch versuche ich zuversichtlich zu und möchte dich nicht länger mit meinem Gejammer belästigen. Richte Fulvia meine besten Grüße aus, aber erzähle ihr bitte nichts von den Mühen und den grauen Haaren.Dein Publius.“

Zum Ende der Schreibphase bekamen wir die Gelegenheit, unsere Werke vorzutragen, die ich neben vier anderen Teilnehmern ebenfalls nutzte. Ich war etwas aufgeregt, wie wohl jeder, hatte ich doch noch nie etwas aus meiner eigenen Feder in der Öffentlichkeit vorgetragen, auch wenn es nur knapp eineinviertel Seiten waren. IMG_3272[1]Es lief jedenfalls besser als gedacht und war auch ein wenig stolz auf mich. Das Ziel der Veranstaltung, sich römischen Lebenswelten übers kreative Schreiben zu nähern und im Gedächtnis zu behalten, war aus meiner Sicht mehr als erreicht. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, daran teilgenommen zu haben und etwas zu der Masterarbeit, in der unsere Texte veröffentlicht werden, etwas beitragen zu können. Für neue Konzepte, die den Umgang mit Geschichte spannend und anschaulich machen, bin ich ja sowieso immer zu haben, wie zum Beispiel das Projekt Codes der Macht, das auch im Römisch-Germanischen Zentralmuseum zu sehen und von dem ich immer noch restlos begeistert bin.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal für die tolle Veranstaltung und das nette Gespräch bedanken und wünsche Laura viel Erfolg für ihre Masterarbeit.

 

[Messebericht] Die Mainzer Minipressen-Messe 2017

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Ich komme mir nun sehr bloggermäßig vor, denn ich war auf einer Messe. Nämlich auf der 24. Internationalen Buchmesse der Kleinverlage und Handpresse in Mainz. Klingt cool, ist es auch. Diese Minipressen- und Kleinverlagemesse in Mainz findet alle zwei Jahre statt, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch nie dorthin geschafft hatte, seit ich in der schönen rheinlandpfälzischen Hauptstadt wohne, wo es auch sehr passend ist, dass dort eine solche Messe stattfindet.IMG_2898 Ich wusste zwar, dass sie jetzt irgendwann stattfand, aber hatte die Veranstaltung nicht auf dem Schirm. Bis es letzten Samstag regnete und ich beschloss einen kurzen Spaziergang am Rheinufer entlang zu machen (mit Schirm), wo mir auf Höhe der Rheingoldhalle das Plakat der Messe entgegenprangte und mir dazu noch freien Eintritt in selbige verhieß. Gesagt getan, ging ich also dorthin und machte in der Lobby eine kurze Runde. Im Gegensatz zu einer großen Buchmesse natürlich angenehm überschaubar, und weil es ja auch um Druckerzeugnisse etc. aller Arten ging, auch einen Tick künstlerischer und „bunter“, wie man heute gerne sagt. Besucher waren eher spärlich gesät, und ich hatte den Eindruck, dass einige auch nur vor dem Regen geflohen waren. Da ich allerdings nicht so lange unterwegs sein wollte, nahm ich mir vor, am nächsten Tag wieder zu kommen, um mich ein bisschen genauer umzusehen und ein paar Impressionen fürs Blog einzufangen. Gesagt getan, ich schnappte mir meine Mitbewohnerin, machte Speicherplatz in der Fotogalerie meines iPhones frei und wir zogen los.

Dieses Mal waren deutlich mehr Besucher dort als am Tag vorher, aber es war nicht unangenehm voll und die Atmosphäre entspannt. IMG_2904Ein bisschen nervös war ich schon, da ich diesmal nicht über ein Buch berichten wollte, sondern über eine Messe mit vielen, vielen Büchern und Druckerzeugnissen. So klein wie sie auch sein mochte, die Auswahl war trotzdem groß genug und ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Also, erst einmal Foto gemacht, sinnigerweise von dem Stand, der die Herstellung von handgeschöpftem Papier präsentierte, dann von handdekoriertem Papier und Grafiken. Soweit, so gut

Weiter ging es nun zu den Verlagen, wo ich auch erst einmal ratlos war, wo und wie ich anfangen sollte, wenn es doch so viel interessantes zu sehen und zu lesen gab. Glücklicherweise kam ich mit den sympathischen Mädels vom piepmatz Verlag ins IMG_2901Gespräch – an dieser Stelle auch vielen Dank für die Einstiegshilfe übrigens-  und schon hatte ich was, das ich tatsächlich präsentierenswert fand. Beinahe hätte ich sogar Guten Tag, Tod mein Name. Der Tod von Kerstin Jordan gekauft, aber meine Bargeldvorräte waren dann dIMG_2902och zu knapp… Was ja auch das blöde an letzten Messetagen ist, wo die Aussteller ihre Auslagen nochmal günstiger unters Volk werfen. Wie dem auch sei, ab da flutschte es. Ich sah mir einfach das näher an, was mir ins Auge stach, machte ein Foto und/oder unterhielt mich mit den Ausstellern darüber.

Das nächste bemerkenswerte Werk stammte aus der edition Tollwurstregen, die handgezeichnete und -geschriebene sowie selbstgebundene Hefte und Büchlein präsentierte, nämlich alte, aber neu zusammengefügte Erika-Romane. Nicht IMG_2905nur was das Titelbild betrifft, sondern auch der Text wurde neu zusammengestellt, so dass aus einem kitschigen Heftchenroman von Anno dunnemals eine völlig neue Geschichte entstand. Die vergilbten Blätter taten auch nochmals das ihrige zur der neu entstandenen Vintage-Skurrilität.

Weiter ging es mit der Lesung von Der schreckliche Feuerbach aus der Edition Groschengrab, vorgetragen vom Autor Daniel Boente. Da wir leider ein paar Minuten zu spät kamen, hatten meine Mitbewohnerin und ich keine Ahnung, worum es ging, aber der lebendige und mitreißende Vortrag des Autors machte das Defizit wett, so dass wir uns aus den Geschichten um Zugsalbe, Bettler vs. Prediger vor dem Supermarkt, Echsenmenschen und auf Oberschenkel genähte Knöpfe allmählich ein Bild davon machen. Leider sind solche Häppchen ja nie befriedigend (denn die ZuhIMG_2910örer sollen das Buch schließlich kaufen), aber es hatte auf jeden Fall Spaß gemacht zuzuhören. Was mich über Vortrag und Geschichte hinaus extrem angesprochen hatte, war das Buchdesign und ich fand später am Stand heraus, dass es auch Illustration von einer Künstlerin namens Nadja Schüller-Ost (www.n-s-o.net) dazu gab, die anscheinend häufiger für den Verlag arbeitet. Wie auch zu einem anderen Roman des selben Autor mit dem wunderbaren Titel Unbehagen in Bad Sodom, war aber nicht dazu gekommen, einen näheren Blick darauf zu werfen.

Als nächstes ging es zu dem Stand des Ammianus-Verlages, der mir schon ein Begriff von den historischen Römerromanen war, die im Isis-/Magna Mater-Heiligtum in Mainz verkauft werden. IMG_2907Ich fand den Zufall extrem witzig, dass am Stand Kochbücher für römische Speisen gezeigt wurden, nachdem ich an diesem Mittag Gewürzbrot nach römischem Rezept gebacken hatte, so dass die Dame am Stand und ich erst einmal eine Runde über die Gerichte fachsimpelten, die wir bereits schon ausprobiert hatten. Es war natürlich verführerisch, gleich mal Der Geschmack des Weltreichs von Michael Kuhn einzupacken, aber es gab dann auch wieder so viele andere, die mich interessiert hätte, wie etwa die Römerromane über die Abenteuer der römischen Offiziere Marcus und Sextus Valerius oder der wirklich total niedlich klingende Katzenkrimi Murilega – Die Legionärskatze von Manu Wirtz. So musste es aber erst mal beim Foto bleiben, und kaufen kann ich es mir ja immer noch. Wie so vieles…seufz…

Zwischen Esoterik, Ratgebern wie man eine Biografie schreibt – oder schreiben lässt (aha ?), Kunsthandwerk, das im weitesten Sinne mit Druckerzeugnissen zu hat, Büchern über besondere Mainzer Alltagshelden und Mainz, wie es sich natürlich für den Veranstaltungsort gehört, fand ich meinen Weg IMG_2906zum Stand des Cass-Verlages, dessen Schwerpunkt auf japanischer Literatur liegt. Ausnahme war allerdings das Werk von Ae-Ran Kim, einer vielgepriesenen koreanischen Nachwuchautorin, von der der Herr am Stand total begeistert berichtete, zumal als ich ihm mitteilte, dass meine Mutter aus Korea stammt. Darüber entspann sich ein weiteres Gespräch über gemischte Kinder, er ist mit einer Japanerin verheiratet und dem Erlernen der jeweiligen Sprache. IMG_2908Auch hier wieder bettelten mich die Bücher an, dass sie gern von mir mitgenommen worden wären, doch mit zwölf Euro Bargeld im Portemonaie kommt man eben an einem letzten Messetag nicht weit. Die Leseproben aus Frau Kims Werken, die es auf der Verlagsseite online gibt, werde ich mir jedoch auch zu Gemüte führen.

 

Letzte Station war schließlich im Papier- und Handpressenbereich der Stand der Liechtensteiner Kunstwerkstätten Hans-Peter Leibold, die nicht nur Blüten in Papier presste, sondern auch Geld. Richtiges Geld. Genauer gesagt zerschredderte Euroschnipsel. IMG_2914Da sich das kleine aber feine Fürstentum für seine Geldgeschäfte einen Namen gemacht, ein Produkt mit Augenzwinkern, vielleicht auch ein bisschen nach dem Motto ‚Wer kann, der darf‘, aber ich fand’s super.  (Natürlich gab es dort nicht nur gepresstes Geld, sondern auch allerlei andere schöne Druck- und Grafikerzeugnisse, die ich seufzend dort lassen musste). Da ich über meine Arbeit mit Liechtenstein eine Weile auch geschäftlich zu tun hatte, hatte ich mich doch schon sehr in den Dialekt und das Land verliebt, obwohl ich noch nie persönlich da war und konnte mich nun mit einem leibhaftigen Einheimischen darüber unterhalten. Mein inneres Liechtenstein-Fangirl hat es extrem gefeiert und ich muss da echt mal hin.  Viele Grüße an Herrn Leibold an dieser Stelle, es hat mich wirklich sehr gefreut, wie auch an die anderen Damen und Herren, mit denen ich mich gut unterhalten habe.

Das war schließlich auch der Abschluss meines Minipressenmesse-Besuchs, der mir viel Spaß gemacht hatte. Mir gefiel vor allem die familiäre, und vor allem stressfreie Atmosphäre, obwohl ich sicher noch einiges Sehenswertes verpasst habe. Aber dann übernächstes Jahr gerne wieder.

Links
(Ich bekomme nichts dafür, aber finde, dass man sich die Seiten durchaus anschauen sollte)

Mainzer Minipressen-Messe

piepmatz Verlag

edition Tollwurstregen

Edition Groschengrab

Ammanius-Verlag

cass verlag

Kunstwerkstätten Hans-Peter Leibold

 

[Rezension] Die Auserwählten im Labyrinth

Autor: James Dashner

Verlag: Carlsen Verlag

Erscheinungsjahr:

Seitenzahl: 490

Lesestatus: beendet

 

Der 16-jährige Thomas findet sich ohne Erinnerung an sein früheres Leben auf der „Lichtung“, einem Ort inmitten eines gewaltigen Labyrinthes. Aus diesem scheinen auch die anderen Jungen, die dort schon leben, seit langer Zeit keinen Ausweg zu finden, dazu lauern zwischen den gewaltigen Mauern tödliche Gefahren. Seine Ankunft stellt das Leben der Einwohner auf den Kopf, und schließlich auch ein unerwarteter, weitere Ankömmling, der sie mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, die alles verändern könnte.

Ich hatte bereits von der Verfilmung von The Maze Runner gehört, allerdings eher wenig Beachtung geschenkt, da mich Verfilmungen von Jugendbüchern – oder Young Adult Novels, wenn’s cooler klingen soll – im Fahrwasser von Tribute von Panem und Die Bestimmung nicht sehr interessieren. Von den Büchern selbst ganz zu schweigen. An Die Auserwählten war nun anders, dass es sich diesmal um eine Gemeinschaft von Jungen drehte, anstelle einer tapferen Kickass-Heldin, die sich zur Hoffnung einer dystopischen Gesellschaft für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzt, inklusive ihrer Beziehungsdramen. Gestern sah ich also im Bücherregal meines Neffen Die Auserwählten und beschloss, mal kurz reinzuschauen. Und wie es sich für solche Vorsätze gehört, habe ich an diesem Samstagnachmittag gleich alle 490 Seiten durchgelesen. Das Buch ist tatsächlich spannender Lesestoff, der auch nicht mehr so junge Leser fesseln kann. Das dystopische Setting kommt ansprechend atmosphärisch herüber, die Ungewissheit der Jungen über ihre Lage, die Unsicherheit, wer sie überhaupt sind und weshalb sie hierher verfrachtet wurden, schildert der Autor sehr anschaulich. Mit der Hauptfigur Thomas erforscht der Leser die Konflikte innerhalb der Bewohner der Lichtung und die Geheimnisse und Schrecken des Labyrinthes, bis sich allmählich klär, was dieses Labyrinth darstellt.

Die Erzählung kommt schnörkellos daher, tut aber der lebendigen Schilderung der Atmosphäre und der Beziehungen zwischen den Jungen keinen Abbruch. Dies unterstreicht eher, dass es sich um Teenager handelt, die trotz der gewachsenen Gemeinschaft ihr Stellung immer noch halten und erkämpfen müssen, und das Leben (und Sterben) keinesfalls idyllisch ist, selbst wenn sie sich scheinbar damit abgefunden haben. Das Buch endet mit nur einer halben Auflösung des Rätsels, immerhin gibt es noch zwei Folgebände.

Nach meinem Reinfall mit Die Drachenreiter Seiner Majestät (eventuell berichte ich mal davon) hat Die Auserwählten im Labyrinth das Jugendbuch-Genre doch ein wenig rehabilitiert, ebenso wie Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children, wo hoffentlich bald auch die Rezi dazu folgt 😉 Mir hat gut gefallen, dass hier erst einmal auf Romantik, Erste Liebe, blabla, verzichtet wurde, denn von einem Abenteuerroman erwarte ich erst einmal Abenteuer – Herzschmerz und Liebesdrama indes nur sparsam. Mit Heldinnen wie Katniss Everdeen und der Dame aus Die Bestimmung (Keine Ahnung wie die heißt) und ihren fantastischen Kickass-Kampfsport-Skills, die für weibliche Helden gerade so modern sind, kann ich mich nur schwer anfreunden. Thomas, und auch die anderen Protagonisten, kommen hingegen sehr menschlich und wie typische Teenager herüber. Es sind Jungs, wie man ihnen überall begegnen kann, mit ihrem Imponiergehabe, dummen Sprüchen, ihren scheinbaren Stärken und ihren Schwächen, die sie versuchen zu verbergen.

Ich denke, dass Die Auserwählten im Labyrinth eine kurzweilige Lektüre für Jugendliche beiderlei Geschlechts bietet. Angenehm war auch, dass ich nicht den Eindruck hatte, hier würde dem Leser ein moralischer oder politisch korrekter Zeigefinger untergeschoben, wie er oft in US-amerikanischer Jugendliteratur (von Filmen und Serien ganz zu schweigen) üblich ist. Jedenfalls eine sehr positive Überraschung. Die Übersetzung wirkte auch sehr gelungen, bis auf einen Ausrutscher, wo  Nightmare (Albtraum) mit Nachtmahr übersetzt wurde. Aber das war wirklich das Einzige, wo ich die Stirn runzeln musste. Ob ich die Reihe weiterlese – ich bin halt nun doch ein bisschen neugierig – muss ich mir noch überlegen.

P.S.

Endlich wieder eine Rezi von mir nach langer Zeit, obwohl der Stapel bereits gelesener Bücher doch so hoch ist. Ich gelobe Besserung, nachdem ich nun mit etwas leichterer Lektüre wieder reingefunden habe.

[Neuer Lesestoff] Überraschende Bücher zum Geburtstag

f3614229-774e-436b-8fb6-3ba2546f03e4Zum Geburtstag bin ich sowohl dank Wunschzettel als auch überraschend reichlich mit Lesestoff bedacht worden – und wieder vieeeeel Material, von dem ich gar nicht weiß, wann ich es hier im Blog besprechen kann. Aber trotzdem, ich habe mich sehr gefreut.

Auf meinen Stapel haben sich dazu gesellt:

Wolf Haas – Auferstehung der Toten (Rowohl Taschenbuchverlag)
Ein amerikanisches Touristenehepaar wird tiefgefroren im Sessellift gefunden, tot natürlich..Ein Krimi aus Zell am See, den ich mir vermutlich nicht selbst gekauft hätte, aber die Beschreibung liest sich schon mal gut, ich mag langsame Provinzler, die Ermittler zur Verzweiflung treiben. Ein Geschenk von meiner österreichischen Mitbewohnerin.

Haruki Murakami – 1Q84 (Vintage Books, London)
Mutters patenter Buchhändler hat die Trilogie auf Englisch bestellt, was mir aber recht ist, die englische Übersetzung soll sowieso besser sein, bei ZON meinte ein Kommentator, dass die deutsche Übersetzung sich auf Rosamunde Pilcher-Niveau bewege. Das kann ich freilich nicht beurteilen, da ich noch keine Pilcher-Romane gelesen habe (man soll ja auch niemals nie sagen) und ich habe keine sechs Jahre Zeit erst schnell japanisch auf Literaturniveau zu lernen

Robert Harris – Fatherland (Arrow Books, London)
Ich bin gespannt und mir gefällt das Cover ausnehmen gut, die Verfilmung mit Rutger Hauer (obwohl es böse ist, er sieht in der Uniform unglaublich gut aus) sollte ich mir auch mal wieder zu Gemüte führen.

Ransom Riggs – Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children (Quirk Books, Philadelphia)
Wieso, weshalb und warum der patente Buchhändler meiner Mutter dieses Buch unterjubelte, konnte sie mir nicht erklären. (Zitat: „Das Buch hast Du Dir aber nicht gewünscht, oder?“)

Damit ich jeweils drei Bücher bekomme? Weil es irgendwie angesagt ist und es einen Film dazu gibt? Weil der patente Buchhändler nicht nur patent, sondern auch geschäftstüchtig ist?  Fragen über Fragen, aber einem geschenkten Gaul schaut man bekannterweise nicht ins Maul. Ich habe auch keine richtige Ahnung, worum es überhaupt geht…außer um ein Heim für besondere Kinder und auf dem Cover schwebt ein Mädchen über dem Boden. Ich werde es herausfinden und freue mich über die Überraschung.

[Vermischtes] The Wunschzettel Menace

13882225_1336670319677303_2330475244955268818_nEs ist der 2. Advent, ich sitze bei Stollen (hausgemacht, aber nicht von mir), Cappuccino und Kaminfeuer im Wintergarten bei meinen Eltern und bald drohen mein Geburtstag und Weihnachten. Was bedeutet, dass ich meinen lieben Erzeugern einen Wunschzettel schreiben muss, weil ich sonst Geld und Socken bekomme. Ist zwar beides nicht schlecht, aber Weihnachtsstimmung geht doch anders. Also schreibe ich meinenWunschzettel, der sich letztes Jahr schon bewährt hat und auch für eine kuriose Begegnung zwischen meiner Mutter und einer ungläubigen Buchhändlerin sorgte. Die Geschichte kriege ich bei jedem Besuch zu hören, wie jene Dame nicht glauben konnte, dass es der werte Mr. Doescher wagte, Shakespeares Blankreime für eine Star Wars-Hommage zu missbrauchen.

Jedenfalls ist dieses Jahr Shakespeares Star Wars Part the First, Second and Third dran, also The Phantom of the Menace, The Clone Army Attacketh und Tragedy of the Sith’s Revenge. Außerdem  habe ich noch Fatherland von Robert Harris aufgeschrieben, was nicht nur daran liegt, dass ich gerade wieder The Man In The High Castle lese und langsam denke, dass das Buch tatsächlich viel besser als die Serie ist. Obwohl die Serie an sich gut ist, aber leider nicht mehr viel mit der Vorlage gemeinsam hat und die zweite Staffel eine reine High Castle-Fanfiction ist. Was mich daran erinnert, dass bald Rogue One anläuft und ich wahrscheinlich nur reingehe, um motzen zu können xD

Aber ich habe ja noch was auf dem Wunschzettel stehen, nämlich Haruki Murakamis 1Q84. Ich liebe ja sowieso schon Norwegian Wood, Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt und Mr. Aufziehvogel. Prompt las meine Mutter, welche sich noch über meine Handschrift beschwerte, IQ84, und meinte so: „Ist der geistig behindert?“

Manchmal glaube ich wirklich in der hessischen Version von Familie Heinz Becker gelandet zu sein. Nun ja, Vorweihnachtszeit ist reine Nervensache ^^

In diesem Sinne, einen schönen zweiten Advent 😀

P.S.

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Zur Zeit lese ich noch Wilhelm Hauffs Lichtenstein, einen historischer Ritterroman, den ich vom Trödel eigentlich auch nur wegen des schönen Umschlags mitgenommen habe. Doch es ist wirklich eine schöne Geschichte, ein Romanze, hat aber nichts mit modernen Historienromanen zu tun – von mittelalterlichen Frauenberufen wie Wanderhuren, Hebammen, Heilerinnen, Seidenstickerinnen und Blood, Sex & Violence à la George R.R. Martins A Song of Ice and Fire  (obwohl ich die sehr mag) werde ich Gottseidank verschont.

 

[Neues]Die Zeit fliegt!

Aaah, wie schnell die Zeit vergeht und ich mit Erschrecken festelle, dass ich seit Juli oder August hier gar nichts mehr geschrieben habe. Obwohl ich natürlich weiterhin fleißig Bücher lese, Serien und Filme schaue…

Bevor ich aber eine Rezension schreibe und/oder eine Review mache, hier eine kurze Übersicht, was ich mir in der Zwischenzeit zu Gemüte führ(t)e…

Bücher

Carlos Ruiz Zafòn – Der Schatten des Windes (beendet)

Entdeckte ich zufällig in Mutters Bücherregal und es klang ziemlich gut, auch wenn mir das Lobpreis von Elke Heidenreich die Zehennägel hochrollen ließ xD

Jane Austen/Seth Grahame-Smith – Pride & Prejudice & Zombies (Re-read/beendet)

Ich liebe ja das Original und noch lieber das echte Original, wo die Bennett-Schwestern sich nicht nur darum kümmern müssen, wie sie am besten unter die Haube zu bekommen sind, sondern auch noch um die Zombieplage, die England seit Jahren heimsucht.

Susannah Clarke – Jonathan Strange & Mr Norrell (Re-read/beendet)

Nachdem ich erfuhr, dass es für diese tolle Serie auch eine Buchvorlage gibt, musste ich mir diese sofort besorgen. Alternative History, Napoleonische Kriege, Zauberei (für erwachsene Menschen, zum Glück)…im Re-read noch besser als beim ersten Mal.

Alfred Bester – The Stars My Destination (Re-read/beendet)

Retro-Science Fiction, zu der ich auf Umwegen gekommen bin, hatte vorher noch nie etwas von diesem Schriftsteller gehört, doch der Sprung ins kalte Wasser hat sich gelohnt.

Philip K. Dick – The Man In The High Castle (Re-read/geplant)

Ich besorgte mir den Roman, nachdem ich von der Serie ziemlich begeistert war und wollte schon früh eine Rezi schreiben, mit Vergleich zur Serie, hatte mich allerdings erfolgreich davor gedrückt, denn ich befürchtete, dass eine halbe Diplomarbeit daraus wird. Naja, erst noch einmal lesen und dann weiter sehen.

Filme und Serien

Pride and Prejudice and Zombies

Wie beim Roman lässt der Titel ja nur Unsinn vermuten, aber ich steh ja auf sowas. Und Sam Riley 😀 Bislang der einzige aktuelle Film dieses Jahr, wenn ich es nicht schaffe mir Rogue One anzutun.

Hänsel & Gretel Witchhunters (extended Cut, zum x-ten Mal geschaut xD )

Whatever you do, don’t eat the fucking candy!“  Mit „Ich habe die Wassermelone getragen“ eines der besten Zitate der Filmgeschichte und voller Weisheit.

Drive (Japan, 2002)

Ein pedantischer Büroangestellter wird von Bankräubern gekidnappt, um in seinem Auto einen flüchtigen Komplizen zu verfolgen. Sie haben es sehr eilig, er fährt nicht schneller als 50 km/h und hält sich an jede Verkehrsregel. Man ahnt schon, dass es spannend und sehr absurd wird.

Cooties

Wer schon immer vermutete, dass Grundschüler kleine Monster sind, wird hier seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt sehen und viel Spaß dabei haben. Auch als Grundschullehrer.

Scouts vs. Zombies

Ich kann mit Zombiefilmen nur wenig anfangen, aber dafür mag ich Zombieparodien um so lieber, also auch wenn sich drei wackere Pfadfinder und eine Kellnerin gegen die Untoten behaupten müssen. Und noch besser, wenn es infantil und sehr geschmacklos wird.

Control

Filmbiografie über Ian Curtis, Frontmann von Joy Division. Habe ich eigentlich nur wegen Sam Riley (hat da auch selbst gesungen) geschaut, aber war auch so ein guter Film. Vermutlich werde ich jeden Joy Division-Fan damit auf die Palme bringen, dass die Covers besser als die Originalsongs klingen.

Sharknado 1 – 3

Vielleicht warte ich noch mit der Review, bis ich Sharknado 4 gesehen habe – doch auch die ersten drei Filme sind einfach göttlich.

Twin Peaks – Fire Walk With Me

Der Film zur Serie, quasi ein Sequel-Prequel, wie man heutzutage sagen würde, der das Leben und den Tod von Laura Palmer beleuchtet. Mit sehr hoher Stardichte und mindestens genauso abgefahren wie die Serie.

Preacher

Ich habe es immerhin bis zur dritten oder vierten Folge geschafft, aber begeistert bin ich immer noch nicht…

Deutschland 83

Kalter Krieg, Aufrüstung, DDR, Stasi, Spionage und Bhagwan…klang spannend und bislang (Folge 2) finde ich es echt interessant.

Twin Peaks (beendet)

Who killed Laura Palmer? Muss man eigentlich nicht viel dazu sagen, aber vielleicht doch David Lynch mögen, um diese Serie wahrhaftig schätzen zu können.

Das war es erst einmal zum Einstieg nach der Sommer (bzw. Herbst)pause, als nächstes folgt hoffentlich bald eine Rezi oder Review^^

 

 

[Serie] Preacher – Ein erster Eindruck

Preacher

Preacher ist die Adaption eines gleichnamigen Comics, als Serie u.a. von Seth Rogen für AMC entwickelt und läuft derzeit  Amazon Prime.

Ein Priester mit einer undurchsichtigen Vergangenheit hadert mit seiner Berufung und erfüllt lustlos seine Pflichten als Seelsorger eines kleinen texanischen Kaffs. Währenddessen rast eine seltsame Entität durchs All zur Erde, wo sie über die Welt verteilt Priester verschiedener Konfession befällt und zum Explodieren bringt. Schließlich fällt nach einem Blutbad in einem Privatjet ein trinkfester Vampir aus den Wolken und freundet sich mit dem Priester an, der von seiner wehrhaften Exfreundin aufgesucht wird…

Ich habe jetzt mal die ersten beiden Folgen von Preacher gesehen…und ich bin nach dem Hype, der im Vorfeld darum gemacht wurde, eher zwiegespalten. Mich hat schon einmal der Gedanke begeistert, dass Dominic Cooper (Avengers, Agent Carter und Abraham Lincoln Vampire Hunter), Joseph Gilgun und Ruth Negga (beide Misfits) in den Hauptrollen spielen und der Trailer sah vielversprechend aus. Auch wenn ich skurrile Kleinstadttypen mag und das alles zu einem texanischen Kaff  passt und Preacher und inbesondere Cassidy ziemlich cool (er ist halt Rudy als Vampir) sind, es fesselt mich noch nicht so richtig. Tatsächlich sind die Cassidy-Szenen am besten. Wirkt m.E.  trotz ausreichend Action und dem schwarzen Humor noch etwas zäh, aber vielleicht kommt’s ja noch. Ob der Comic zufriedenstellend umgesetzt wurde, kann ich nicht beurteilen, da ich ihn nicht kenne.

Vielleicht liegt’s auch daran, dass ich vorher Twin Peaks durchgesuchtet hab, und die Messlatte ist da schon arg hochgesetzt

 

 

 

[Rezension]Parrot und Olivier in Amerika

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Autor: Peter Carey

Verlag: S. Fischer Verlag

Erscheinungsjahr: 2010

Seiten: 556

Lesestatus: beendet

 

 

Ich wühlte eher zum Zeitvertreib (musste mal wieder auf den Zug warten) in der Büchergrabbelkiste eines kleinen Kaufhauses meines Heimatkaffs herum und fand den Titel ziemlich witzig, welcher mich veranlasste, die Inhaltsangabe auf der Hinterseite des Buches zu lesen. Historisches interessiert mich ja sowieso immer und die Erlebnisse ungleicher Paare sind meistens ziemlich spannend. Dazu hieß es noch, dass „alle Kehlmänner erblassen müssten„. Nun ja, ich mochte Die Vermessung der Welt sehr gerne und war neugierig, ob diese steile Behauptung auch stimmte.  Dann blätterte ich noch ein wenig drin herum, um mir einen kleinen Eindruck zu verschaffen und mit 2,99 Euro  für ein Mängelexemplar kann man wirklich nicht viel falsch machen. Außerdem mag ich Bücher mit Patina.

Die beiden Protagonisten sind Olivier, ein junger französischer Adliger, dessen Eltern die Französische Revolution überlebten,  und sein englischer Diener/Aufpasser/Freund Parrot, die ihre von Anfang an ineinander verwobene Geschichte aus der eigenen Perspektive von der Kindheit bis zu ihrem Zusammentreffen erzählen, teils linear, teils in Retrospektive, von der Französischen Revolution bis zur Julirevolution. Die Schauplätze reichen von Frankreich und England bis nach Brasilien, Australien und schließlich Amerika. Weder Olivier, welcher das amerikanische Gefängniswesen studieren soll,  noch Parrot sind zu Beginn ihrer Reise nach Amerika anfangs voneinander begeistert, denn weder Unternehmung noch Arbeitsverhältnis erfolgten auf freiwilliger Basis.  Ihre Beziehung ist von Vorurteilen, Missverständnissen und Eifersüchteleien geprägt, und das Zusammentreffenen mit den Amerikanern und ihren kuriosen gesellschaftlichen wie politischen Sitten sorgt für zusätzliche Spannungen, aber auch für eine Annäherung der beiden so unterschiedlichen Persönlichkeiten.

Die Geschichte ist aus dem Blickwinkel der beiden Protagonisten erzählt, Olivier wendet sich hier oft an den Leser selbst oder berichtet in Briefen an seine Mutter von seinen Erlebnissen (wo sich hin und wieder auch Parrot einschleicht). Da Parrot seine Kapitel in Rückblenden von seiner Jugend erzählt (er ist zum Reisezeitpunkt beinahe fünfzig Jahre alt, Olivier hingegen Anfang oder Mitte Zwanzig), fiel es mir manchmal schwer einzuschätzen, wie alt er nun ist, und was eigentlich wann geschieht, nach vollendeter Lektüre machte es schließlich Sinn, aber ich musste ab und zu nochmals zurückblättern. Mir gefiel der blumige, leicht historisierende Schreibstil und die Verwunderung der beiden Amerikareisenden über die Menschen und Dinge, die ihnen in der Neuen Welt widerfahren sind. Die Anspielungen auf die heutige USA sind nicht zu überlesen, aber zum Glück auch mit einem Augenzwinkern geschrieben. Der Autor nennt Alexis de Tocquevilles Buch Über die Demokratie in Amerika als seine Inspirationsquelle (wohl auch teilweise für Olivier und dessen geplantes Buch), ich kenne leider weder den Verfasser noch das Werk, doch sicher werde ich mir das auch einmal zu Gemüte führen.

Was den Vergleich mit Kehlmanns Vermessung betrifft…da kommt Parrot und Olivier nun doch nicht heran, höchstens als Vermessung light und mit mehr Seiten. Es ist ein heiteres feinsinniges Werk, das sowohl für ein paar Lacher gut ist und nette Bosheiten verteilt, von brüllender Komik konnte ich aber nichts entdecken, was auch besser so war. Insgesamt war Parrot und Olivier eine  leichtherzige und amüsante historische Lektüre, die ich an einem verregneten Sonntagnachmittag in einem Rutsch durchlesen konnte.

Wer Freude an einem historischen Roman hat, der sich mal nicht um eine von  Liebesdramen gebeutelte Heldin (die dem titelgebenden mittelalterlichen/prä-industriellen Beruf nachgeht) dreht, sondern an intelligenterer Unterhaltung, die sich selbst nicht zu ernst nimmt. Auch wenn’s nicht Kehlmann ist.

Facebook & Hexenjagd

Facebook – das moderne Äquivalent zum mittelalterlichen Marktplatz, wo sich besorgte Eltern und besorgte Tierschützer zusammenrotten, um mit virtuellen Fackeln und Heugabeln auf vermeintliche Kinder- und Tierquäler loszugehen und auf jeden, der nicht ihrer Meinung ist. Sehr oft als gemeinsames Merkmal: himmelschreiende Infantilität und weiblich. Man ist für Tier und Kind Mama, wirft mit Verniedlichungen um sich, die schon beim Lesen Karies erzeugen – grundsätzlich ist alles Süß, man weiß am besten, was gut fürs Baby ist (ganz gleich ob Tier oder ob Kind älter als ein Jahr), man hat keine Welpen, sondern Babyhunde (natürlich süß), Babykatzen, Babyfische, und was es sonst noch so Babytieren gibt, und je nach Geschlecht sind die lieben Tierchen Jungen und Mädchen. Jedem Delinquenten, ob er sein Kind ohne Helm Fahrrad fahren lässt, oder es wagt, den Hund zu maßregeln, wünscht man bzw. frau das Jugendamt an den Hals, die Polizei oder einen möglichst grausamen Tod qua Selbstjustiz („dem müsste man das gleiche antun„, „den würde ich erschießen/foltern/…„). Es ist erschreckend, dass Menschen, die sich für unglaublich fürsorglich und mitfühlend halten, gleichzeitig solche Gewaltfantasien gegenüber ihren Mitmenschen hegen. Das findet auch auf anderen Plattformen statt, wo Leute ihre Meinung ins Internet blasen können, auf FB fällt’s mir eben extrem auf.

Langsam verstehe ich ja, weshalb Hexenjagden damals so beliebt waren.