[Im Museum] Wie wir Erinnerung erfinden, oder: Wer das ließt, ist doof! Lol xd rofl iksde!

Am letzten Donnerstag  im Oktober, genauer am 26.10. 2017, war es wieder soweit, eine After Work im Museum-Veranstaltung im Schloss. Das „Schloss“ ist genauer gesagt das Kurfürstliche Schloss in Mainz mit Blick auf den Rhein und beherbergt noch das Römisch-Germanische Zentralmuseum, welches leider seit dem 10. Juni 2017 für die Öffentlichkeit geschlossen ist. Bis dahin war im 1. Stock die Ausstallung zur Römerzeit, im 2. Stock das Frühe Mittelalter zu finden. Für mich immer  Orte, an denen ich gern mal Sonntagnachmittags vorbeigeschaut habe, auch für kurze Besuche, was der freie Eintritt natürlich leicht gemacht hat. Durch die Umzugsvorbereitungen des RZGM in Neue Museum kann man die Ausstellung zum Frühen Mittelalter und die Sonderausstellung ‚Codes der Macht‘ nur noch im Rahmen der After-Work-Veranstaltung besuchen, was für mich immer ein kleines Trostpflaster ist. Ich hielt (und halte immer noch) die Räume des Schlosses für die Ausstellungen ein sehr stilvolles Ambiente. Wenigstens für mich muss es nicht immer ‚modern‘ und aufregend sein, sondern es darf ruhig auch mal ein wenig klassisch sein. So nutzte ich also wieder die Gelegenheit, das Schloss zu besuchen. Diesmal war es tatsächlich ‚After Work‘ im wahrsten Sinne des Wortes, da ich direkt von meinen Nachhilfeschülern kam und den größten Teil des Tages damit verbracht hatte, für andere mitzudenken und mir den Mund fusselig zu reden (was ich aber gerne mache). Nun begann der entspannte Teil des Tages. Das Thema des Abends lautete diesmal „Wie wir Erinnerung erfinden“ und ich war wiederum sehr gespannt, was mich erwartete. Erst einmal war es das Schloss bei Sonnenuntergang, schon an sich eine großartige Kulisse, wenn man in der Dämmerung in den erleuchteten Hof gelangt, wo Umzugskisten auf den „Weg ins Neue Museum“ aufmerksam machen – was schon allein von der Präsentation toll ist, aber auch irgendwie schade. Aber zurück zu den Erinnerungen, und warum man doof ist, wenn das hier liest, wird auch geklärt. LOL!

Dann gab es erst einmal ein Gläschen Weinschorle und etwas zu knabbern, mit dem ich die Wartezeit bis zum Beginn der Kurzführung überbrückte. Diese wurde von Frau Dr. Antje Kluge-Pinsker geleitet, Wissenschaftspädagogin im RGZM und für Vermittlungskonzepte/Ausstellungsdidaktik zuständig.

Die Eröffnung der Führung war wörtlich zu verstehen, denn Frau Kluge-Pinsker leitete sie mit einem Flaschenöffner ein, einem Reisesouvenir, an dem Erinnerungen hängen. So waren wir Teilnehmer gespannt, was folgen würde. Das erste historische Erinnerungsstück war ein Nähkästchen aus Walrosszahn, hergestellt ca. im 8. Jahrhundert in einem nordenglischen Kloster, welches schließlich in Frankreich gelandet war. Es ist  mit Schnitzereien verziert, die auf jeder Seite verschiedene Szenen und Runeninschriften zeigen. Dieses Mal wurde weniger aus dem Nähkästchen geplaudert, denn es hatte selbst etwas zu erzählen…Teils stellten die Szenen Geschichten und Sagen dar, die man heute noch kennt, die Wielandssage, Romulus und Remus, die Heiligen Drei Könige, die Eroberung Jerusalems durch Kaiser Titus, auch eine Darstellung, die sich heute nicht mehr deuten lässt und somit für die Erinnerung verloren ist. Dieses Kästchen hat, wenn man sich genauer damit beschäftigt, doch sehr viel mehr zu erzählen als man von einem Haushaltsgegenstand erwarten könnte.

Weiter ging es zu einem Kopf. Keinem echten Kopf, aber doch mit einer kuriosen Geschichte. Es handelte sich um das Haupt einer Statue des byzantinischen Kaisers Justinian und steht im Original auf der Balustrade des Markusdomes in Venedig. Meine erste Assoziation war George R.R. Martins Game of Thrones (bzw. A Song of Ice and Fire), wo die Köpfe missliebiger Personen nach Enthauptung gerne auf Schlossmauern zur Schau gestellt werden. Tatsächlich handelte es sich um etwas ähnliches. Zunächst war der Kopf ein Beutestück eines Kreuzzuges nach Byzanz im 13. Jahrhundert und aus dem geplünderten Konstantinopel mitgebracht. Zwischenzeitlich ging die Bedeutung, oder vielmehr Erinnerung verloren, und man schrieb den Kopf einem auf der Piazza di San Marco einem enthaupteten Söldnerführer namens Carmagnola zu, weshalb dieser Kopf Carmagnola-Kopf genannt wird. Interessant war hier zu erfahren, dass Statuen im Falle einer Eroberung auch gerne von den Eigentümern selbst zerstört wurden, um zu verhindern, dass sie von den Siegern für ihre Zwecke umgedeutet wurden. Da man dem Steinkopf im Laufe der Jahrhunderte eine andere Herkunft zugeschrieben hatte, die mit dem ursprünglichen Hergang nichts mehr zu tun hatte, war diese Absicht wohl gelungen.

Was wir gesehen hatten, waren zwei eher kleine Anschauungsobjekte, eines ein gewöhnlicher Haushaltsgegenstand, das andere quasi ein Souvenir, wenn man ein Beutestück so nennen kann, an beiden hingen jedoch bestimmte Erinnerungen, an die man sich heute jedoch nur herantasten kann und eventuell neu erfindet oder vielleicht sogar erfinden muss. In heutigen Zeiten findet durch moderne Mittel zur Vervielfältigung, Internet, Bilder, 3D-Drucker, Auflösung von Erinnerung statt, jeder kann sich Objekte aneignen, die man vielleicht irgendwo gesehen, besitzen will und ihnen eine eigene Bedeutung geben

Wie jedes Mal hat es mich gefreut, das ‚alte‘ RGZM im Schloss besuchen zu können. Ich die kenne die Ausstellung fast auswendig, aber solche Veranstaltungen wie diese werfen noch eimal ganz andere Blickwinkel auf die gezeigten Stücke. Diese mögen zwar aus der Vergangenheit stammen und sind zum Teil Repliken, doch erfährt man immer wieder neue und spannende Aspekte. Vor allem wenn so lebendig die Brücke zur Gegenwart geschlagen wird. Zwei Objekte haben gereicht, um einen Abend zu füllen, und darüber hinaus sind sie zum Einen in Erinnerung geblieben, zum anderen haben sie – für mich wenigstens – weitere Bedeutung erhalten, weniger ‚er‘ – funden, was manchmal etwas negativ klingen kann, als ‚ge‘-funden. Den Schlüsselanhänger von Frau Kluge-Pinsker habe ich übrigens noch einmal extra während eines Besuches bei ihr fotografiert, da ich diesen Gegenstand unbedingt zu Illustration im Blog dabeihaben wollte, sozusagen zur Untermauerung dieser Erinnerung. Und prompt habe ich diesen Gegenstand zu meiner Erinnerung neu erfunden. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für Gespräch!

Ach ja, wer das liest, ist natürlich nicht doof (naja, man weiß es nicht xD)

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Wer das „ließt“ xD

Meine Erinnerungen an den Abend habe ich auf Papier – ich schreibe meine Blogbeiträge gerne handschriftlich nieder – festgehalten. Es gibt mir mehr Spielraum zum Nachdenken als wenn ich es sofort in die Tastatur meines Laptop reinhauen würde… Mein Schreibblock war bei dieser Gelegenheit meinem Neffen in die Hände gefallen, der es ja sowieso für Wahnsinn hält, sowohl überhaupt freiwillig zu schreiben, als auch mit der Hand. Jedenfalls hatte er nichts Besseres zu tun, als einfach einmal seine eigenen Kommentare dazu hinzuzufügen – nämlich den Klassiker „Wer das ließt [sic!] ist doof“ sowie Bemerkungen, die jeder jugendliche Gamer, der etwas auf sich hält, beherrscht, lol xd, rofl, iksde. Ohne wirklich zu lesen (Oh Gott, auch noch lesen!), was ich dahingekritzelt habe, aber Hauptsache unqualifizierte Kommentare abgeben. So hat dieser Abend nicht nur Erinnerungen an die Veranstaltung selbst erzeugt, wo ich etwas über Nähkästchen und Steinköpfe erfahren habe, sondern zusätzliche hinzubekommen.

Links:

http://web.rgzm.de/

RGZM bei Facebook

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[Im Museum] Ich und das Holz: After Work im Schifffahrtsmuseum – Holzkonservierung

Ich war wieder im Museum und wieder auf einer After-Work-Veranstaltung bei Wein (man kommt hierzulande halt nicht drumrum, seufz), Häppchen und diesmal Holz.

Nach der Archäologischen Nachlese zur Bundestagswahl in der Sonderausstellung Codes der Macht im Kurfürstlichen Schloss am 28.9. ging die dritte Veranstaltung der After-Work-Reihe wieder ins Schifffahrtsmuseum, wie das Museum für Antike Schifffahrt in Mainz salopp genannt wird, die offizielle Bezeichnung ist ja so ein Bandwurm. Es ging diesmal um Holzkonservierung, ein Thema, das weniger trocken war als es sich anhörte, tatsächlich wurde es dort es doch recht ’nass‘ und das nicht wegen des Regens. Da meine Nachhilfeschülerin (ja, auch Blogger müssen noch anderweitig Geld verdienen!) am folgenden Tag eine NaWi-Arbeit schrieb und ich sie ausführlich genug vorbereiten wollte, wurde es doch etwas später als geplant, ich zog mich schnell um, packte meine Mitbewohnerin ein (Widerstand ist zwecklos) und los ging es. Wie schon bei der ersten Veranstaltung war ein schönes Buffet vom Weinhaus Michel aufgebaut worden, wo es nicht nur Wein, sondern auch Essbares wie Laugengebäck, Couscous mit Schafskäse oder Käsewürfel mit Trauben gab, das Ganze schön herbstlich dekoriert. Zu den Häppchen sind wir leider nicht mehr gekommen, wird aber sicher nachgeholt. Und es gab etwas Neues, nämlich chillige Hintergrundmusik, diese unterstrich den After-Work-Charakter der Veranstaltung und tauchte die Museumshalle in eine entspannte und trotz der Größe gemütliche Atmosphäre.

Wir machten es uns daher erst mit einer Weinschorle gemütlich – nach der Fahrradfahrt durch den Mainzer Herbstabend brauchten wir erst mal eine Erfrischung. Bei dem anschließenden Gespräch mit den Projektmitarbeitern an einem der Stehtische freute ich mich sehr zu hören, dass mein Blogbeitrag über die After-Work-Veranstaltung in der Codes-der-Macht-Ausstellung gut angekommen war. Natürlich fühlte sich mein Blogger-Ego sehr darüber geschmeichelt, da ich das Blog erstens nur als Bücherblog angefangen, dann nicht sehr regelmäßig geführt hatte und direkte Rückmeldungen auch nicht gang und gäbe sind. Das innere Chlodwig-Fangirl bekam einen dezenten Kreischanfall, ist aber zum Glück nicht in Ohnmacht gefallen. Denn schließlich wartete noch noch eine Führung auf uns. Dazu ging es in die Werkstätten des Schifffahrtsmuseum, die direkt angeschlossen sind und in die man durch Fenster in der Museumshalle bereits Einblicke erhält. Es ist natürlich eine andere Sache, die Werkstätten selbst zu betreten, die zunächst wie jede andere aussehen, nur dass die Materialien ein wenig älter und spezieller als normal sind… Wir stießen auf das Ende der vorigen Führung, wo der Restaurator Markus Wittköpper die Damen und Herren auf Englisch mit seiner Arbeit bekannt machte.

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Enthusiastischster Mitarbeiter des Monats – auch auf Englisch!

Eine Dame stammte aus den USA, ein anderer Herr aus Frankreich, wie sich herausstellte. Nachdem die Führung beendet und die letzten Fragen beantwortet waren, waren wir an Reihe, diesmal in einer kleineren Runde zu dritt. Fast übergangslos zur vorherigen Führung begann Herr Wittköpper zu erzählen, worum es bei der Holzkonservierung ging. Im Falle der Römerschiffe, die hier im wahrsten Sinne des Wortes vor der Haustür geborgen wurden, geht es nicht nur um das Holz selbst, sondern auch um den Umgang mit Wasser. Daher war das Thema auch in dieser Hinsicht nicht sehr trocken, auch wenn das Holz aus den Sedimentschichten im letzten Schritt trocken werden soll, aber in seiner ursprünglichen Form. Denn sobald das Wasser verdunstet, beginnt das Holz zu schrumpfen, was mit einem Flüssigharz verhindert wird, das die Stelle des Wassers in den Holzzellen einnimmt.

Chemie ist nie mein Fall gewesen, und hätte ich damals etwas besser aufgepasst…nun ja anderes Thema, ich als Laie konnte den Erläuterungen gut folgen. Wir konnten die Ergebnisse einer erfolgreichen Konservierung selbst in die Hand nehmen, was ich immer sehr schön finde, direkt in Berührung mit Objekten und Artefakten zu kommen, die normalerweise fernab von neugierigen Fingern in Vitrinen gehütet werden.

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Holz (konserviert) & Wein

Früher war für mich das Schild „Nicht berühren“ stets eine Aufforderung gewesen, das Gegenteil zu tun wollen… Nicht nur anfassen, sondern sogar zerbröseln durften wir kleine Holzstückchen, die durch die lange Lagerung im Wasser fast butterweich geworden waren. Faszinierend waren auch die Kisten, in denen jahrelang verschiedene Holzüberreste in deionisiertem Wasser gelagert werden, das etwa alle zwei bis drei Jahre gewechselt wird. Was mich immer wieder begeistert, ist die Tatsache, dass diese Objekte dort herkommen, wo ich wohne, auf den eigentlich unspektakulären grauen Plastikkisten stehen die Namen von Straßen, wo ich fast täglich entlangkomme…ein toller Gedanke, dass solche Dinge schon fast zweitausend Jahre vor mir dort existiert haben und man sie wieder zu sehen bekommt.

Mit diesem sehr speziellen Thema war ich nur recht vage über diverse Fernsehdokumentationen über Bergungen von antiken Schiffen z.B. aus der Ostsee bekannt und dem, was ich mir bei meinen vorherigen Besuchen im Schifffahrtsmuseum angelesen hatte. Das Thema direkt von einem Fachmann vermittelt zu bekommen und dazu noch auf eine sehr begeisterte Weise, die ansteckt, ist natürlich viel direkter und authentischer. Es gab soviel Spannendes zu erfahren, dass es mich und meine beiden Mitinteressentinnen zu vielen Fragen animierte und die Dauer von fast einer Stunde wie im Flug verging. Herr Wittköpper hätte vermutlich noch eine weitere Stunde unermüdlich und enthusiastisch weitererzählt, wenn sich die Veranstaltung nicht ihrem Ende zugeneigt hätte und es wohl noch eine kleine Knöllchenproblematik gab. Zu einem Rundgang durchs Museum hatte es nicht mehr gereicht, jedoch zeigte sich meine Mitbewohnerin angetan und nahm sich vor, das Schifffahrtsmuseum noch einmal zu besuchen. Als wir uns auf den Heimweg machten, hatte ich nun soviel über Holz im Kopf, dass mir prompt der ‚Ich und mein Holz‘-Hit im Kopf herumging, die tiefenpsychologische Interpretation dazu überlasse ich wohl lieber anderen… aber weiter im Text:

Erfreulich war, dass die zweite Veranstaltung im Schifffahrtsmuseum auch Gäste aus dem Ausland angezogen hatte, es waren wohl fünf oder sechs Personen, die vor mir die Führung mitgemacht hatten und sich später noch im Museum umsahen.

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Rekonstruiertes Navis Iusoria (leichtes röm. Kriegschiff)

 

Die Museumshalle ist mit der Kombinationen aus den großen Schiffsrekonstruktionen und den Überresten für solche Events geradezu gemacht, sie hat z.B. schon den Science Slam zum Wissenschaftsjahr Meere & Ozeane beherbergt. Ich hoffe sehr, dass sich die Veranstaltungsreihe etabliert und auch zu einem jüngeren Publikum durchdringt, das Gebäude ist groß und modern, und die Ausstellungsstücke werden durch Multimediaangebote und thematische Spielmöglichkeiten für Kinder unterstützt, worunter sich zu meiner persönlichen Freude die Playmobilgaleere befindet, die ich immer haben wollte, aber leider nie bekam. Wie man sieht: Darüber können sich auch etwas größere Kinder freuen.

Man braucht sicher nicht die Befürchtung zu haben, sich nach Feierabend oder dem Shoppen zurück auf die Schulbank oder in den Hörsaal versetzt zu fühlen, es ist eine wirklich sehr angenehme Art ein Glas Wein zu trinken, eine Kleinigkeit zu essen und sich umzusehen oder an einer Führung teilzunehmen, wenn man möchte oder sich mit den Machern unterhalten.

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After Work, Gespräche & Wein

Hinter Museen und Museumsprojekten stecken nicht nur (wenn überhaupt) etwas zerstreute ältere Herrschaften mit dicken Brillen sondern auch sehr normale jüngere Menschen mit Freude an der Materie – mit oder ohne Brille. Vielleicht muss das noch ein wenig mehr durchdringen, denn zumindest gefühlt halten sich in Museen eher ältere Semester auf, oder man geht der Kinder wegen hin. Ich höre mich gerade wie aus der Marketingabteilung an, aber ich finde das After-Work-Konzept wirklich gut. Es hilft freilich, dass mich das Thema Geschichte und Archäologie und damit das Museum an sich sowieso interessiert, ob nun ganz klassisch in einem historischen Gebäude in einer Vitrine oder eben modern und multimedial aufbereitet. Und wenn dann noch dermaßen enthusiastische Mitarbeiter dahinterstehen, sowohl hinter den Kulissen als auch an vorderster Front, lasse ich mich mehr als gerne davon anstecken.

Links:

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

Museum für Antike Schifffahrt Mainz

 

 

 

[Im Museum] After Work im Museum: Archäologische Nachlese zur Bundestagswahl 2017 & Codes der Macht im Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz

Und nun mal zu etwas ganz Anderem, ich war im Museum.

Ich habe im Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz
die Veranstaltung After Work: Archäologische Nachlese zur Bundestagswahl zum Thema Machterhalt/Machtwechsel, die im Rahmen der Sonderausstellung Codes der Macht am 28.09.2017 stattfand.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum ist mir, seit ich in Mainz wohne, zu einem meiner Lieblingsorte geworden, die ich gerne und regelmäßige besuche. Natürlich macht es der freie Eintritt leicht, immer mal vorbeizuschauen, aber da ich die Römerzeit liebe, hat es mich immer wieder ins Kurfürstliche Schloss gezogen.Das frühe Mittelalter, die Germanen und Kelten im 2. Stock, haben mich eigetnlich nicht so sehr gereizt. Die Römerzeit, gerade in einer Stadt wie Mainz mit ihren zahlreichen Fundstätten, ist schon immer mein Ding gewesen, ich interessiere mich dafür seit ich als kleines Mädchen die farbenprächtigen Historienschinken bei meinen Großeltern im Fernsehen sah. Die stolzen Römer fand ich immer viel toller als die armen, leidenden frühen Christen.

Das änderte sich allerdings mit Jahre 2014, als in Rheinland-Pfalz die Landtagswahlen bevorstanden.

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Oh ja, gerne!

Zwischen den beiden Spitzenkandidatinnen um das Amt des Ministerpräsidenten blickte mir ein adrett gekleideter junger Mann entgegen, der lässig ein Langschwert geschultert trug und sein Slogan lautete: Ich bin euer König. Ich dachte nur: ‚Na, den würde ich auch wählen‘ Später entdeckte ich, dass dieses „Wahlplakat“ für die Ausstellung Codes der Macht im Römisch-Germanischen Zentralmuseum warb, welche die Machtergreifung des Frankenkönigs Chlodwig dokumentiert, als er mit 16 Jahren seinem Vater Childerich auf den Thron folgte. Es war allerdings nicht irgendeine Ausstellung. Diese Ausstellung, oder vielmehr Intervention, wie sich das Projekt nannte, übertrug Chlodwigs Machdemonstration ins 21. Jahrhundert, wie er mit heutigen Medien und Sozialen Netzwerken signalisieren würde, dass er der rechtmäßige Frankenkönig ist.

Dem stellte die Intervention nun entgegen, wie Chlodwig die Begräbnisfeierlichkeiten als Codes der Macht nutzte, um seinen Anspruch zu legitimieren, rekonstruiert aus den wenigen erhaltenen Grabbeigaben, die im 16. Jahrhundert im belgischen Tournai im Grabhügel Childerichs gefunden wurden, aber leider auch wieder verschollen gingen. Medial flankiert wird das Projekt mit einer eigenen Webseite (www.codes-der-macht.de) und einem Facebookauftritt, wo sich der junge König, von einem Schauspieler dargestellt, in der Gegenwart präsentiert und das aktuelle Geschehen in Mainz als auch überregional aus seiner Sicht kommentiert. Hinzu kommen Veranstaltungen im Römisch-Germanischen Zentralmuseum, z.B. für Schulklassen, die die Teilnehmer mit einbindet, wo sie aufschreiben, wann sie bestimmen, von was sie sich manipuliert fühlen und selbst ein Teil des Projekts werden.

In der Ausstellung kommt Chlodwig in einem Film zu Wort, abrufbar in einer Videowand, wie auch Bischof Remigius als Vertreter der christlichen spätrömischen Eliten, wo sie jeweils ihre Vorgehensweisen und Erwartungen dem Zuschauer erläutern. In einer dritten Videowand kommt schließlich auch die wissenschaftliche Seite zur Sprache.

Ich selbst habe diese Intervention seither rege besucht, mir das Begleitbuch zugelegt, und mich prompt stärker für die Merowingerzeit bzw. das Frühe Mittelalter interessiert, was ich vorher eher links liegengelassen hatte. Mich hatte es richtig gepackt, die Facebookseite abonniert und den Weg des jungen Chlodwig gespannt mitverfolgt. Kurzum, ich bin zum Fangirl geworden.

Das Highlight war dann das Treffen mit seiner Majestät bei der Veranstaltung in der Mainzer Museumsnacht am 10. Juni 2017, welche passenderweise Nacht der Macht hieß und wo es mir gelang ein Selfie zu ergattern. Gleichzeitig war dies auch leider das Ende der öffentlichen Sonderausstellung sowie des Publikumsverkehrs im RGZMZ, da das Museum vom Kurfürstlichen Schloss in den Neubau beim Museum für Antike Schifffahrt umzieht, was etwa 2020 vollzogen sein wird. Eine schreckliche Aussicht, doch dann wurde ich halb über Facebook, halb über die Flyer auf die After-Work-Veranstaltungsreihe des RGZMZ aufmerksam, nachdem ich die Sonderöffnung am Familiensonntag am… zu Codes der Macht verpasst hatte.

Die erste After-Work-Veranstaltung, die ich besuchte, fand am 7. September 2017 im Museum für Antike Schifffahrt stand, zum Thema Römische Flussschifffahrt auf Rhein und Mosel.

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Museum für Antike Schifffahrt

Bei Wein und Laugengebäck konnte man die aufwendig rekonstruierten Schiffe betrachten, deren Wracks man größtenteils ‚in der Nähe‘ am Rheinufer gefunden hatte, außerdem konnte sich der interessierte Besucher Kurzführungen zum Thema anschließen, was ich natürlich auch getan habe. Schade war an diesem Abend allerdings, dass die Veranstaltung zur gleichen Uhrzeit mit dem Mainova-Firmenmarathon konkurrieren musste, und kurz zuvor war auch noch unsere Bundeskönigin, ähm Bundeskanzlerin zu Besuch in Mainz gewesen. Daher hatten sich nach dem ersten Schwung Besucher gegen 18 Uhr, zu dem ich auch gehörte, kaum Interessierte verirrt. Dennoch war die Idee spannend und interessant genug, dass sie trotz Marathon mehr Zuspruch verdient hätte.

Worauf ich mich allerdings mehr freute (ich hoffe nur, dass meine geliebten Römer nicht eifersüchtig werden), war am 28.September 2017 die Archäologische Nachlese der kurz vorher stattgefundenen Bundestagswahl zum Thema Machtwechsel/Machterhalt in der Ausstellung Codes der Macht. Wie schon bei der After-Work-Veranstaltung mit Führung, Wein und Knabberzeug.

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Prost, Euer Majestät!

Dieses Mal im kleineren Rahmen, aber wieder konnte ich – mit einem Glas Weinschorle und Handy bewaffnet – an der von Frau Dr. Kluge-Pinsker geleiteten Führung teilnehmen, wo sie die damalige Machtinszenierung des jugendlichen Königs den heutigen durch viele Medienkanäle unterstützten Inszenierung gegenüber stellte, sowohl Parallelen als auch Gegensätze aufzeigte, mit besonderem Hinblick auf die Ergebnisse der Bundestagswahl.

Ein kleiner Wermutstropfen war für mich, dass der König nicht persönlich anwesend war (was vielleicht mit dessen – hoffentlich nicht endgültiger – Rücktrittsankündigung auf Facebook zu tun hatte, aber im anschließenden Gespräch erfuhr ich, dass Chlodwig und seine Codes der Macht auch im Neuen Museum zu sehen sein werden, und er weiterhin durch den Schauspieler verkörpert wird.

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Wo ist der König?

Schön war es, nach der Führung mit den Verantwortlichen für dieses Projekt ins Gespräch zu kommen, dass für mich sowohl als Fangirl als auch als Bloggerin eine tolle Gelegenheit war, einen kleinen Blick hinter die Kulissen zu erhalten. Ich verbrachte bei dieser After-Work-Veranstaltung einen wirklich gelungenen Abend im Kurfürstlichen Schloss, in einer kleinen aber netten Runde, nur die Hauptperson habe ich freilich etwas vermisst…;-)

Auch für Museen werden neue Formen der Werbung und Darstellung von Projekten über Multimedia und Social Media immer wichtiger, wenn gar notwendiger, um sich Zielgruppen zu erschließen. Auch wenn ich es persönlich immer noch am schönsten finde, Dinge selbst ansehen zu können, ob es nun Originale oder Kopien sind, welche es dem RGZMZ erst möglich machen, Objekte in ihrer Gesamtheit darzustellen – wie z.B. die größtenteils verlorenen Grabbeigaben Childerichs.Oder wie ein frühchristlicher Sarkophag, der an seinem originalen Standort gar nicht vollständig betrachtet werden kann. Die Ausstellung von Kopien hat eine lange Tradition in Mainz, und wäre einen eigenen Blogbeitrag wert, so dass ich es bei diesen Beispielen belassen, denn es geht ja eigentlich um etwas anderes…

Aber ich freue mich schon auf die nächste Veranstaltung, diesmal wieder im Museum für Antike Schifffahrt am 5.10.2017 welche den Schwerpunkt Holzkonservierung hat (After Work im Schifffahrtsmuseum) . Selbst wer sich bislang für spätrömische Schiffe oder die Merowingerzeit nicht besonders interessierte, man muss weder eine wissenschaftliche Vorbildung besitzen noch befürchten, dass man sich auf die Schulbank oder in den Hörsaal zurückversetzt fühlt. Denn diese Themen werden kurzweilig und in entspannter Atmosphäre präsentiert, man entdeckt vielleicht etwas Neues und Spannendes, das man vorher noch nie so richtig wahrgenommen hatte, obwohl es schon immer vor der Haustür präsent war.

Weiterführende Links:

After Work im Schifffahrtsmuseum

Codes der Macht

Facebook | Chlodwig

Webseite des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz

[Rezension] Reiter ohne Heimat

IMG_3661Titel:
Reiter ohne Heimat
[De hjemlose ryttere]
Seiten:
190
Autor:
Bernhard Stokke
Verlag:
Franz Schneider Verlag, Berlin und Leipzig, 1939
Genre:
Jugendbuch/Heimat

 

Ich kann ja einfach nicht an schönen alten Bücher vorbeigehen. So wie letztens wieder geschehen. Jemand ließ zwei alte Readers Digest-Bände und Reiter ohne HeiIMG_3668mat bei mir im Treppen frei und so musste ich bei Letzterem zugreifen. Allein die goldgeprägte Frakturschrift hätte mich nicht widerstehen lassen können und es ging dem Titel nach wohl um ein Pferdeabenteuer. Beim Blick ins Buch erwarteten mich zwei schöne schlichte Zeichnungen, ich vermute mal, dass es Tuschezeichnungen sind. Im Zeitalter von günstigen Taschenbüchern findet man ja sowas eher selten, und wenn, muss man für gebundene und gut gestaltete Bücher doch tiefer in die Tasche greifen. Davon abgesehen haben alte Bücher für mich ihren ganz eigenen Charme, sei es Frakturschrift (ja, ich kann die noch lesen), Goldprägungen und der Geruch von vergilbtem Papier.

Die Geschichte ist im Grunde schnell erzählt. Der Hof des verstorbenen Vaters von Kaare und Tor steht kurz davor, vom Eigentümer abgerissen zu werden, die Familie, zu der die Mutter und eine jüngere Schwester gehören, muss das Grundstück verlassen. Die Jungen verdingen sich für den Sommer als Hüter der Pferdeherden auf den Fjälls [sic!], um so Geld für die Familie zu verdienen. Eine wichtige Rolle spielt hier der junge Hengst Rauen, auf den IMG_3669sie besonders aufpassen müssen, wollen sie je wieder auf ihren Hof zurückkehren. Der Roman schildert nun die Abenteuer, mit denen sich die Brüder auf sich allein gestellt in der rauen Welt der norwegischen Gebirge konfrontiert sehen, ob es die Unbillen der Natur sind, ein geheimnisvoller Reiter oder die unsichtbaren Gefahren, die den Pferden zum Verhängnis werden können. Was mir besonders gefallen hatte, war die blumige, lebendige Schilderung der Natur, die immer wieder auch ins Schwärmerische abdriftet, doch das tat dem Lesespaß keinen Abbruch. Eher im Gegenteil, erinnerte sie mich doch an die alten Jugendbücher, die ich noch von meinen Großeltern kannte, von den Abenteuern eines Jungen namens Horst, der in einem Forsthaus aufwuchs und schließlich selbst Förster wurde, wenn ich mich richtig erinnere. Dann erinnere ich mich noch an ein Buch namens Der graue Hengst, der von Mustangs handelte. Es waren jedenfalls so tolle Bücher, die ich immer wieder gern las, da die Schilderungen der Natur so ungemein fesselnd und lebendig waren…

Aber zurück zu Reiter ohne Heimat. Zu welcher Zeit die Geschichte spielte, war zunächst nicht so einfach einzuschätzen, auch wenn aufgrund des Alters des Buches klar war, dass es wohl nicht später als die 1930er oder -40er Jahre sein konnten.Es gab zwar Eisenbahn und Draht, aber erst gegen Schluss wird elektrisches Licht erwähnt, so dass es wohl kaum später als die 1920er sein könnten. Es war nichtsdestoweniger spannend, die Geschichte unter dem Aspekt zu lesen, wie die Menschen ohne Autos und Telefon, geschweige Handy ausgekommen sind, und das „einfache Leben“ scheint beinahe reizvoller zu sein. Kaare und Tor müssen ständig an ihre Grenzen gehen, um ihrer verantwortungsvollen Arbeit gerecht zu werden, wenn schließlich auch ihre Existenz davon abhängt. Dies wird allerdings ohne zu viel Moralisierung geschildert, es scheint – auch im Hinblick auf die Zeit – selbstverständlich zu sein, selbst wenn die Brüder erst 14 und 17 Jahre alt sind. Bei Pferdeabenteuern denkt man heute eher an Mädchen, die im Pferd ihren Seelenverwandten finden oder so ähnlich, doch auch Jungs mögen Pferde, wenn auch auf eine andere Weise. Hier steht die Harmonie von Mensch und Tier nicht so sehr im Vordergrund wie die Existenz der Familie, die ganz allein vom Wohl des rotes Hengstes Rauen und der restlichen Herde abhängt.

Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass Bernhard Stokke (1896 – 1979) ein norwegischer Grundschullehrer/-rektor war und neben zwölf Jugendbüchern auch Textbücher verfasste oder herausgab. Nicht verwunderlich, dass sich diese Bücher mit Geschichte und Geographie befassten, die Liebe zur norwegischen Natur ist schon in diesem einen Buch deutlich spürbar, ganz gleich wie schwärmerisch und altmodisch sie herüberkommen mag. Ich finde so etwas toll und die einfachen, aber nichtsdestoweniger spannenden Abenteuer von Kaare und Tor versetzten mich wirklich in eine nostalgische Stimmung, so dass ich es wirklich nicht bereut habe, dieses kleine aber feine Büchlein mitzunehmen.

 

[Schreiben/Bericht] Schreibwerkstatt Römerzeit in Mainz

Ich schreibe ja meistens über Bücher und Serien, doch konsumiere ich nicht nur, sondern bringe auch Selbstgeschriebenes zu Papier, oder vielmehr in ein Textverarbeitungs-Dokument auf meinem Laptop. Allerdings habe ich hier noch nichts dergleichen veröffentlicht, und ich glaube, das kann noch ein bisschen dauern, bis ich mich das wirklich traue. Aber heute wage ich mich ein Stück weiter vor, da ich Anfang August an einer Schreibwerkstatt teilnahm, die zwei meiner Lieblingsinteressen vereinigt.

Mein Weg durch Mainz führt mich regelmäßig durch die Römerpassage, einem Einkaufszentrum, dass sich dadurch auszeichnet, dass beim Bau die Überreste eines Heiligtums der Isis bzw. Magna Mater gefunden wurde. Man entschied sich glücklicherweise, die Fundstelle in das Gebäude zu integrieren und ein kleines Museum zu errichten, das ich immer wieder gerne besuche. Gelegentlich finden sich Aushänge, die z.B. zu Führungen zu Grabungsstellen einladen, und wie neulich zu einer Schreibwerkstatt über die Römerzeit in der Steinhalle des Landesmuseums Mainz. IMG_3093Es ging laut Aushang um „Lebensgeschichten aus dem römischen Mainz durch kreatives Schreiben entdecken“ Dazu lockte ein freier Eintritt, wer sich rechtzeitig anmeldete. Ich konnte nicht anders als mich flugs anzumelden. Römerzeit und Schreiben! Zwei Dinge, die ich liebe. Seit den farbenprächtigen Technicolorfilmen wie Ben Hur oder Quo Vadis, die ich meiner Kindheit oft schaute, bin ich von den Römern fasziniert. Ich fand die Römer immer viel toller als die armen unterdrückten Juden und Christen. Mein Großvater förderte mein Interesse sehr, wir fuhren z.B. zur Saalburg, und ich bekam dicke Wälzer zur römischen Geschichte geschenkt. In der Mittelstufe schrieb ich bereits kleine Geschichten, die zur Römerzeit spielten, in extra dafür gekaufte Schulhefte. Und nun, da ich seit acht Jahren in Mainz wohne, lebe ich ja quasi in meinem persönlichen Römerparadies. Neben dem Isis/Magna-Mater-Heiligtum bin ich eine eifrige Besucherin des Römisch-Germanischen Zentralmuseums im Schloss (leider wegen Umzugs geschlossen) und des Museums für Antike Schifffahrt und genieße generell, dass man hier in Mainz immer noch auf soviele Zeugnisse des alten Mogontiacum treffen kann.

Gesagt, getan, ich meldete mich und fand mich am 6. August mit anderen interessierten Menschen aller Altersstufen im Landesmuseum wieder. Veranstaltet wurde die Schreibwerkstatt von der Master-Studentin Laura Löser vom Institut für Archäologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg als Teil ihrer Masterarbeit. Ziel der Werkstatt war es, sich übers Schreiben dem Leben im römischen Mainz zu nähern. IMG_3157Hierfür fand sich unser Grüppchen in der Steinhalle des Landesmuseums bzw. Landtages ein, wo verschiedene Steindenkmäler aus der Römerzeit zu sehen sind, neben dem Dativius-Victor-Bogen Grabsteine von römischen Soldaten und Offizieren, sowie Zivilisten wie Beamten, einheimischen Kaufleuten und auch der Grabstein eines kleinen Mädchens. In der ersten Hälfte der Werkstatt stellte uns Frau Löser ausgewählte Grabsteine vor. Hier bekamen wir die ersten Eindrücke über die Personen, über ihre Lebensumstände und die Zeit in der sie lebten, geschildert und wir konnten natürlich auch Fragen dazu stellen. Hier begannen schon bei mir im Hinterkopf die ersten Ideen zu rattern, und mich beschlich eine leise Panik, als ich aufs Handout mit den Übersetzungen zu den Grabsteinen und den Schreibimpulsen sah. Worüber sollte ich bei der Auswahl bloß schreiben und dafür reicht doch sicher die Zeit nicht…Außerdem hätte ich noch stundenlang Frau Lösers Ausführungen zuhören können, zwar bin ich bestimmt kein Neuling in römischer Geschichte, aber erfuhr noch viele andere spannende Details, die mir bislang noch unbekannt waren. Nach einer dreiviertel Stunde war es soweit, und wir sollten loslegen – nicht mit Papyrus oder Wachstafel, sondern mit Klemmbrett und Kuli bewaffnet hatten wir etwa noch einmal so viel Zeit, etwas zu Papier zu bringen.IMG_3182 Ich musste mich also entscheiden. Nach kurzem Überlegen kehrte ich zu der Idee zurück, die ich am spannendsten fand, nämlich einige der Personen und Lebensgeschichten zu vereinen. So entstand der Brief des Scharfrichters Publius Urvinus an seinen Cousin (der den Grabstein errichtet hatte), der speziell nach Mogontiacum in den Stab des Oberbefehlshabers abkommandiert worden war:

„Publius Urvinus an seinen Cousin Marcus.

Mein lieber Marcus, ich hoffe dieser Brief erreicht dich bei guter Gesundheit. Ich bin nun seit zwei Monaten in Mogontiacum am Rhein, es ist Sommer und die Gegend angenehm, doch ich habe bislang kaum freie Zeit gehabt. Hier funktioniert nichts, ich muss ständig improvisieren, weder Vorgesetzte noch Untergebene halten sich an Dienstwege. Das Einzige, was gut funktioniert, ist das Verbrechen. Was habe ich falsch gemacht, dass die Götter mich so strafen? Ich schlafe schlecht und habe noch mehr graue Haare bekommen. Wenn Fulvia mich so sieht, wird sie mich bestimmt nicht mehr heiraten wollen. Morgen werde ich wohl ein Opfer bringen, damit sie mir gewogen bleibt. Doch ich schweife ab. Die Einheimischen scheinen sich recht schnell an unsere Art zu leben und zu kleiden gewöhnt zu haben, ich bekomme fast alles, was ich von zuhause gewohnt bin, die Kaufleute wissen, womit sie gute Geschäfte machen können, wenn 10.000 Römer stationiert sind.

Und wie ich schon oben erwähnte, die Menschen sind hier genauso schlecht und hinterhältig wie in Forum Fulvii, Rom oder Vindonissa. Wenigstens stimmt mein Gehalt, doch bin ich mir nicht sicher, ob es angemessen für die Mühe ist und die Nerven, die mich der Aufbau einer gut funktionierenden Verwaltung kostet. Gerade gestern haben wir einen Sklaven aus dem Main gefischt, der seinen Herrn, den Freigelassenen Iucundus erschlagen hat. Wie es aussieht, aus Zorn darüber, dass Iucundus die Freiheit geschenkt wurde, und nicht ihm, wie dessen ehemaliger Herr M. Terentius aussagte.

Publius Urvinus

Publius Urvinus, Scharfrichter

Damit sollte die Angelegenheit rasch erledigt sein, doch kommen täglich neue Fälle von Mord und Diebstahl hinzu. Ich vermisse meine alte Stelle in Vindonissa sehr, dort hatte noch alles seine Ordnung. Es sollte mich ja schmeicheln, dass ich auserwählt wurde, um an diesem Standort für Recht und Ordnung zu sorgen, und ich weiß, dass die Götter den Schweiß vor den Olymp gesetzt haben, doch eher versinke ich in einem Meer von Schweiß (von den grauen Haaren ganz zu schweigen), bevor hier auch nur ansatzweise Ordnung in diesen unzivilisierten Ort kommt. Dennoch versuche ich zuversichtlich zu und möchte dich nicht länger mit meinem Gejammer belästigen. Richte Fulvia meine besten Grüße aus, aber erzähle ihr bitte nichts von den Mühen und den grauen Haaren.Dein Publius.“

Zum Ende der Schreibphase bekamen wir die Gelegenheit, unsere Werke vorzutragen, die ich neben vier anderen Teilnehmern ebenfalls nutzte. Ich war etwas aufgeregt, wie wohl jeder, hatte ich doch noch nie etwas aus meiner eigenen Feder in der Öffentlichkeit vorgetragen, auch wenn es nur knapp eineinviertel Seiten waren. IMG_3272[1]Es lief jedenfalls besser als gedacht und war auch ein wenig stolz auf mich. Das Ziel der Veranstaltung, sich römischen Lebenswelten übers kreative Schreiben zu nähern und im Gedächtnis zu behalten, war aus meiner Sicht mehr als erreicht. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, daran teilgenommen zu haben und etwas zu der Masterarbeit, in der unsere Texte veröffentlicht werden, etwas beitragen zu können. Für neue Konzepte, die den Umgang mit Geschichte spannend und anschaulich machen, bin ich ja sowieso immer zu haben, wie zum Beispiel das Projekt Codes der Macht, das auch im Römisch-Germanischen Zentralmuseum zu sehen und von dem ich immer noch restlos begeistert bin.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal für die tolle Veranstaltung und das nette Gespräch bedanken und wünsche Laura viel Erfolg für ihre Masterarbeit.

 

[Messebericht] Die Mainzer Minipressen-Messe 2017

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Ich komme mir nun sehr bloggermäßig vor, denn ich war auf einer Messe. Nämlich auf der 24. Internationalen Buchmesse der Kleinverlage und Handpresse in Mainz. Klingt cool, ist es auch. Diese Minipressen- und Kleinverlagemesse in Mainz findet alle zwei Jahre statt, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch nie dorthin geschafft hatte, seit ich in der schönen rheinlandpfälzischen Hauptstadt wohne, wo es auch sehr passend ist, dass dort eine solche Messe stattfindet.IMG_2898 Ich wusste zwar, dass sie jetzt irgendwann stattfand, aber hatte die Veranstaltung nicht auf dem Schirm. Bis es letzten Samstag regnete und ich beschloss einen kurzen Spaziergang am Rheinufer entlang zu machen (mit Schirm), wo mir auf Höhe der Rheingoldhalle das Plakat der Messe entgegenprangte und mir dazu noch freien Eintritt in selbige verhieß. Gesagt getan, ging ich also dorthin und machte in der Lobby eine kurze Runde. Im Gegensatz zu einer großen Buchmesse natürlich angenehm überschaubar, und weil es ja auch um Druckerzeugnisse etc. aller Arten ging, auch einen Tick künstlerischer und „bunter“, wie man heute gerne sagt. Besucher waren eher spärlich gesät, und ich hatte den Eindruck, dass einige auch nur vor dem Regen geflohen waren. Da ich allerdings nicht so lange unterwegs sein wollte, nahm ich mir vor, am nächsten Tag wieder zu kommen, um mich ein bisschen genauer umzusehen und ein paar Impressionen fürs Blog einzufangen. Gesagt getan, ich schnappte mir meine Mitbewohnerin, machte Speicherplatz in der Fotogalerie meines iPhones frei und wir zogen los.

Dieses Mal waren deutlich mehr Besucher dort als am Tag vorher, aber es war nicht unangenehm voll und die Atmosphäre entspannt. IMG_2904Ein bisschen nervös war ich schon, da ich diesmal nicht über ein Buch berichten wollte, sondern über eine Messe mit vielen, vielen Büchern und Druckerzeugnissen. So klein wie sie auch sein mochte, die Auswahl war trotzdem groß genug und ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Also, erst einmal Foto gemacht, sinnigerweise von dem Stand, der die Herstellung von handgeschöpftem Papier präsentierte, dann von handdekoriertem Papier und Grafiken. Soweit, so gut

Weiter ging es nun zu den Verlagen, wo ich auch erst einmal ratlos war, wo und wie ich anfangen sollte, wenn es doch so viel interessantes zu sehen und zu lesen gab. Glücklicherweise kam ich mit den sympathischen Mädels vom piepmatz Verlag ins IMG_2901Gespräch – an dieser Stelle auch vielen Dank für die Einstiegshilfe übrigens-  und schon hatte ich was, das ich tatsächlich präsentierenswert fand. Beinahe hätte ich sogar Guten Tag, Tod mein Name. Der Tod von Kerstin Jordan gekauft, aber meine Bargeldvorräte waren dann dIMG_2902och zu knapp… Was ja auch das blöde an letzten Messetagen ist, wo die Aussteller ihre Auslagen nochmal günstiger unters Volk werfen. Wie dem auch sei, ab da flutschte es. Ich sah mir einfach das näher an, was mir ins Auge stach, machte ein Foto und/oder unterhielt mich mit den Ausstellern darüber.

Das nächste bemerkenswerte Werk stammte aus der edition Tollwurstregen, die handgezeichnete und -geschriebene sowie selbstgebundene Hefte und Büchlein präsentierte, nämlich alte, aber neu zusammengefügte Erika-Romane. Nicht IMG_2905nur was das Titelbild betrifft, sondern auch der Text wurde neu zusammengestellt, so dass aus einem kitschigen Heftchenroman von Anno dunnemals eine völlig neue Geschichte entstand. Die vergilbten Blätter taten auch nochmals das ihrige zur der neu entstandenen Vintage-Skurrilität.

Weiter ging es mit der Lesung von Der schreckliche Feuerbach aus der Edition Groschengrab, vorgetragen vom Autor Daniel Boente. Da wir leider ein paar Minuten zu spät kamen, hatten meine Mitbewohnerin und ich keine Ahnung, worum es ging, aber der lebendige und mitreißende Vortrag des Autors machte das Defizit wett, so dass wir uns aus den Geschichten um Zugsalbe, Bettler vs. Prediger vor dem Supermarkt, Echsenmenschen und auf Oberschenkel genähte Knöpfe allmählich ein Bild davon machen. Leider sind solche Häppchen ja nie befriedigend (denn die ZuhIMG_2910örer sollen das Buch schließlich kaufen), aber es hatte auf jeden Fall Spaß gemacht zuzuhören. Was mich über Vortrag und Geschichte hinaus extrem angesprochen hatte, war das Buchdesign und ich fand später am Stand heraus, dass es auch Illustration von einer Künstlerin namens Nadja Schüller-Ost (www.n-s-o.net) dazu gab, die anscheinend häufiger für den Verlag arbeitet. Wie auch zu einem anderen Roman des selben Autor mit dem wunderbaren Titel Unbehagen in Bad Sodom, war aber nicht dazu gekommen, einen näheren Blick darauf zu werfen.

Als nächstes ging es zu dem Stand des Ammianus-Verlages, der mir schon ein Begriff von den historischen Römerromanen war, die im Isis-/Magna Mater-Heiligtum in Mainz verkauft werden. IMG_2907Ich fand den Zufall extrem witzig, dass am Stand Kochbücher für römische Speisen gezeigt wurden, nachdem ich an diesem Mittag Gewürzbrot nach römischem Rezept gebacken hatte, so dass die Dame am Stand und ich erst einmal eine Runde über die Gerichte fachsimpelten, die wir bereits schon ausprobiert hatten. Es war natürlich verführerisch, gleich mal Der Geschmack des Weltreichs von Michael Kuhn einzupacken, aber es gab dann auch wieder so viele andere, die mich interessiert hätte, wie etwa die Römerromane über die Abenteuer der römischen Offiziere Marcus und Sextus Valerius oder der wirklich total niedlich klingende Katzenkrimi Murilega – Die Legionärskatze von Manu Wirtz. So musste es aber erst mal beim Foto bleiben, und kaufen kann ich es mir ja immer noch. Wie so vieles…seufz…

Zwischen Esoterik, Ratgebern wie man eine Biografie schreibt – oder schreiben lässt (aha ?), Kunsthandwerk, das im weitesten Sinne mit Druckerzeugnissen zu hat, Büchern über besondere Mainzer Alltagshelden und Mainz, wie es sich natürlich für den Veranstaltungsort gehört, fand ich meinen Weg IMG_2906zum Stand des Cass-Verlages, dessen Schwerpunkt auf japanischer Literatur liegt. Ausnahme war allerdings das Werk von Ae-Ran Kim, einer vielgepriesenen koreanischen Nachwuchautorin, von der der Herr am Stand total begeistert berichtete, zumal als ich ihm mitteilte, dass meine Mutter aus Korea stammt. Darüber entspann sich ein weiteres Gespräch über gemischte Kinder, er ist mit einer Japanerin verheiratet und dem Erlernen der jeweiligen Sprache. IMG_2908Auch hier wieder bettelten mich die Bücher an, dass sie gern von mir mitgenommen worden wären, doch mit zwölf Euro Bargeld im Portemonaie kommt man eben an einem letzten Messetag nicht weit. Die Leseproben aus Frau Kims Werken, die es auf der Verlagsseite online gibt, werde ich mir jedoch auch zu Gemüte führen.

 

Letzte Station war schließlich im Papier- und Handpressenbereich der Stand der Liechtensteiner Kunstwerkstätten Hans-Peter Leibold, die nicht nur Blüten in Papier presste, sondern auch Geld. Richtiges Geld. Genauer gesagt zerschredderte Euroschnipsel. IMG_2914Da sich das kleine aber feine Fürstentum für seine Geldgeschäfte einen Namen gemacht, ein Produkt mit Augenzwinkern, vielleicht auch ein bisschen nach dem Motto ‚Wer kann, der darf‘, aber ich fand’s super.  (Natürlich gab es dort nicht nur gepresstes Geld, sondern auch allerlei andere schöne Druck- und Grafikerzeugnisse, die ich seufzend dort lassen musste). Da ich über meine Arbeit mit Liechtenstein eine Weile auch geschäftlich zu tun hatte, hatte ich mich doch schon sehr in den Dialekt und das Land verliebt, obwohl ich noch nie persönlich da war und konnte mich nun mit einem leibhaftigen Einheimischen darüber unterhalten. Mein inneres Liechtenstein-Fangirl hat es extrem gefeiert und ich muss da echt mal hin.  Viele Grüße an Herrn Leibold an dieser Stelle, es hat mich wirklich sehr gefreut, wie auch an die anderen Damen und Herren, mit denen ich mich gut unterhalten habe.

Das war schließlich auch der Abschluss meines Minipressenmesse-Besuchs, der mir viel Spaß gemacht hatte. Mir gefiel vor allem die familiäre, und vor allem stressfreie Atmosphäre, obwohl ich sicher noch einiges Sehenswertes verpasst habe. Aber dann übernächstes Jahr gerne wieder.

Links
(Ich bekomme nichts dafür, aber finde, dass man sich die Seiten durchaus anschauen sollte)

Mainzer Minipressen-Messe

piepmatz Verlag

edition Tollwurstregen

Edition Groschengrab

Ammanius-Verlag

cass verlag

Kunstwerkstätten Hans-Peter Leibold

 

[Rezension] Die Auserwählten im Labyrinth

Autor: James Dashner

Verlag: Carlsen Verlag

Erscheinungsjahr:

Seitenzahl: 490

Lesestatus: beendet

 

Der 16-jährige Thomas findet sich ohne Erinnerung an sein früheres Leben auf der „Lichtung“, einem Ort inmitten eines gewaltigen Labyrinthes. Aus diesem scheinen auch die anderen Jungen, die dort schon leben, seit langer Zeit keinen Ausweg zu finden, dazu lauern zwischen den gewaltigen Mauern tödliche Gefahren. Seine Ankunft stellt das Leben der Einwohner auf den Kopf, und schließlich auch ein unerwarteter, weitere Ankömmling, der sie mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, die alles verändern könnte.

Ich hatte bereits von der Verfilmung von The Maze Runner gehört, allerdings eher wenig Beachtung geschenkt, da mich Verfilmungen von Jugendbüchern – oder Young Adult Novels, wenn’s cooler klingen soll – im Fahrwasser von Tribute von Panem und Die Bestimmung nicht sehr interessieren. Von den Büchern selbst ganz zu schweigen. An Die Auserwählten war nun anders, dass es sich diesmal um eine Gemeinschaft von Jungen drehte, anstelle einer tapferen Kickass-Heldin, die sich zur Hoffnung einer dystopischen Gesellschaft für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzt, inklusive ihrer Beziehungsdramen. Gestern sah ich also im Bücherregal meines Neffen Die Auserwählten und beschloss, mal kurz reinzuschauen. Und wie es sich für solche Vorsätze gehört, habe ich an diesem Samstagnachmittag gleich alle 490 Seiten durchgelesen. Das Buch ist tatsächlich spannender Lesestoff, der auch nicht mehr so junge Leser fesseln kann. Das dystopische Setting kommt ansprechend atmosphärisch herüber, die Ungewissheit der Jungen über ihre Lage, die Unsicherheit, wer sie überhaupt sind und weshalb sie hierher verfrachtet wurden, schildert der Autor sehr anschaulich. Mit der Hauptfigur Thomas erforscht der Leser die Konflikte innerhalb der Bewohner der Lichtung und die Geheimnisse und Schrecken des Labyrinthes, bis sich allmählich klär, was dieses Labyrinth darstellt.

Die Erzählung kommt schnörkellos daher, tut aber der lebendigen Schilderung der Atmosphäre und der Beziehungen zwischen den Jungen keinen Abbruch. Dies unterstreicht eher, dass es sich um Teenager handelt, die trotz der gewachsenen Gemeinschaft ihr Stellung immer noch halten und erkämpfen müssen, und das Leben (und Sterben) keinesfalls idyllisch ist, selbst wenn sie sich scheinbar damit abgefunden haben. Das Buch endet mit nur einer halben Auflösung des Rätsels, immerhin gibt es noch zwei Folgebände.

Nach meinem Reinfall mit Die Drachenreiter Seiner Majestät (eventuell berichte ich mal davon) hat Die Auserwählten im Labyrinth das Jugendbuch-Genre doch ein wenig rehabilitiert, ebenso wie Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children, wo hoffentlich bald auch die Rezi dazu folgt 😉 Mir hat gut gefallen, dass hier erst einmal auf Romantik, Erste Liebe, blabla, verzichtet wurde, denn von einem Abenteuerroman erwarte ich erst einmal Abenteuer – Herzschmerz und Liebesdrama indes nur sparsam. Mit Heldinnen wie Katniss Everdeen und der Dame aus Die Bestimmung (Keine Ahnung wie die heißt) und ihren fantastischen Kickass-Kampfsport-Skills, die für weibliche Helden gerade so modern sind, kann ich mich nur schwer anfreunden. Thomas, und auch die anderen Protagonisten, kommen hingegen sehr menschlich und wie typische Teenager herüber. Es sind Jungs, wie man ihnen überall begegnen kann, mit ihrem Imponiergehabe, dummen Sprüchen, ihren scheinbaren Stärken und ihren Schwächen, die sie versuchen zu verbergen.

Ich denke, dass Die Auserwählten im Labyrinth eine kurzweilige Lektüre für Jugendliche beiderlei Geschlechts bietet. Angenehm war auch, dass ich nicht den Eindruck hatte, hier würde dem Leser ein moralischer oder politisch korrekter Zeigefinger untergeschoben, wie er oft in US-amerikanischer Jugendliteratur (von Filmen und Serien ganz zu schweigen) üblich ist. Jedenfalls eine sehr positive Überraschung. Die Übersetzung wirkte auch sehr gelungen, bis auf einen Ausrutscher, wo  Nightmare (Albtraum) mit Nachtmahr übersetzt wurde. Aber das war wirklich das Einzige, wo ich die Stirn runzeln musste. Ob ich die Reihe weiterlese – ich bin halt nun doch ein bisschen neugierig – muss ich mir noch überlegen.

P.S.

Endlich wieder eine Rezi von mir nach langer Zeit, obwohl der Stapel bereits gelesener Bücher doch so hoch ist. Ich gelobe Besserung, nachdem ich nun mit etwas leichterer Lektüre wieder reingefunden habe.

[Neuer Lesestoff] Überraschende Bücher zum Geburtstag

f3614229-774e-436b-8fb6-3ba2546f03e4Zum Geburtstag bin ich sowohl dank Wunschzettel als auch überraschend reichlich mit Lesestoff bedacht worden – und wieder vieeeeel Material, von dem ich gar nicht weiß, wann ich es hier im Blog besprechen kann. Aber trotzdem, ich habe mich sehr gefreut.

Auf meinen Stapel haben sich dazu gesellt:

Wolf Haas – Auferstehung der Toten (Rowohl Taschenbuchverlag)
Ein amerikanisches Touristenehepaar wird tiefgefroren im Sessellift gefunden, tot natürlich..Ein Krimi aus Zell am See, den ich mir vermutlich nicht selbst gekauft hätte, aber die Beschreibung liest sich schon mal gut, ich mag langsame Provinzler, die Ermittler zur Verzweiflung treiben. Ein Geschenk von meiner österreichischen Mitbewohnerin.

Haruki Murakami – 1Q84 (Vintage Books, London)
Mutters patenter Buchhändler hat die Trilogie auf Englisch bestellt, was mir aber recht ist, die englische Übersetzung soll sowieso besser sein, bei ZON meinte ein Kommentator, dass die deutsche Übersetzung sich auf Rosamunde Pilcher-Niveau bewege. Das kann ich freilich nicht beurteilen, da ich noch keine Pilcher-Romane gelesen habe (man soll ja auch niemals nie sagen) und ich habe keine sechs Jahre Zeit erst schnell japanisch auf Literaturniveau zu lernen

Robert Harris – Fatherland (Arrow Books, London)
Ich bin gespannt und mir gefällt das Cover ausnehmen gut, die Verfilmung mit Rutger Hauer (obwohl es böse ist, er sieht in der Uniform unglaublich gut aus) sollte ich mir auch mal wieder zu Gemüte führen.

Ransom Riggs – Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children (Quirk Books, Philadelphia)
Wieso, weshalb und warum der patente Buchhändler meiner Mutter dieses Buch unterjubelte, konnte sie mir nicht erklären. (Zitat: „Das Buch hast Du Dir aber nicht gewünscht, oder?“)

Damit ich jeweils drei Bücher bekomme? Weil es irgendwie angesagt ist und es einen Film dazu gibt? Weil der patente Buchhändler nicht nur patent, sondern auch geschäftstüchtig ist?  Fragen über Fragen, aber einem geschenkten Gaul schaut man bekannterweise nicht ins Maul. Ich habe auch keine richtige Ahnung, worum es überhaupt geht…außer um ein Heim für besondere Kinder und auf dem Cover schwebt ein Mädchen über dem Boden. Ich werde es herausfinden und freue mich über die Überraschung.

[Vermischtes] The Wunschzettel Menace

13882225_1336670319677303_2330475244955268818_nEs ist der 2. Advent, ich sitze bei Stollen (hausgemacht, aber nicht von mir), Cappuccino und Kaminfeuer im Wintergarten bei meinen Eltern und bald drohen mein Geburtstag und Weihnachten. Was bedeutet, dass ich meinen lieben Erzeugern einen Wunschzettel schreiben muss, weil ich sonst Geld und Socken bekomme. Ist zwar beides nicht schlecht, aber Weihnachtsstimmung geht doch anders. Also schreibe ich meinenWunschzettel, der sich letztes Jahr schon bewährt hat und auch für eine kuriose Begegnung zwischen meiner Mutter und einer ungläubigen Buchhändlerin sorgte. Die Geschichte kriege ich bei jedem Besuch zu hören, wie jene Dame nicht glauben konnte, dass es der werte Mr. Doescher wagte, Shakespeares Blankreime für eine Star Wars-Hommage zu missbrauchen.

Jedenfalls ist dieses Jahr Shakespeares Star Wars Part the First, Second and Third dran, also The Phantom of the Menace, The Clone Army Attacketh und Tragedy of the Sith’s Revenge. Außerdem  habe ich noch Fatherland von Robert Harris aufgeschrieben, was nicht nur daran liegt, dass ich gerade wieder The Man In The High Castle lese und langsam denke, dass das Buch tatsächlich viel besser als die Serie ist. Obwohl die Serie an sich gut ist, aber leider nicht mehr viel mit der Vorlage gemeinsam hat und die zweite Staffel eine reine High Castle-Fanfiction ist. Was mich daran erinnert, dass bald Rogue One anläuft und ich wahrscheinlich nur reingehe, um motzen zu können xD

Aber ich habe ja noch was auf dem Wunschzettel stehen, nämlich Haruki Murakamis 1Q84. Ich liebe ja sowieso schon Norwegian Wood, Hardboiled Wonderland und das Ende der Welt und Mr. Aufziehvogel. Prompt las meine Mutter, welche sich noch über meine Handschrift beschwerte, IQ84, und meinte so: „Ist der geistig behindert?“

Manchmal glaube ich wirklich in der hessischen Version von Familie Heinz Becker gelandet zu sein. Nun ja, Vorweihnachtszeit ist reine Nervensache ^^

In diesem Sinne, einen schönen zweiten Advent 😀

P.S.

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Zur Zeit lese ich noch Wilhelm Hauffs Lichtenstein, einen historischer Ritterroman, den ich vom Trödel eigentlich auch nur wegen des schönen Umschlags mitgenommen habe. Doch es ist wirklich eine schöne Geschichte, ein Romanze, hat aber nichts mit modernen Historienromanen zu tun – von mittelalterlichen Frauenberufen wie Wanderhuren, Hebammen, Heilerinnen, Seidenstickerinnen und Blood, Sex & Violence à la George R.R. Martins A Song of Ice and Fire  (obwohl ich die sehr mag) werde ich Gottseidank verschont.

 

[Neues]Die Zeit fliegt!

Aaah, wie schnell die Zeit vergeht und ich mit Erschrecken festelle, dass ich seit Juli oder August hier gar nichts mehr geschrieben habe. Obwohl ich natürlich weiterhin fleißig Bücher lese, Serien und Filme schaue…

Bevor ich aber eine Rezension schreibe und/oder eine Review mache, hier eine kurze Übersicht, was ich mir in der Zwischenzeit zu Gemüte führ(t)e…

Bücher

Carlos Ruiz Zafòn – Der Schatten des Windes (beendet)

Entdeckte ich zufällig in Mutters Bücherregal und es klang ziemlich gut, auch wenn mir das Lobpreis von Elke Heidenreich die Zehennägel hochrollen ließ xD

Jane Austen/Seth Grahame-Smith – Pride & Prejudice & Zombies (Re-read/beendet)

Ich liebe ja das Original und noch lieber das echte Original, wo die Bennett-Schwestern sich nicht nur darum kümmern müssen, wie sie am besten unter die Haube zu bekommen sind, sondern auch noch um die Zombieplage, die England seit Jahren heimsucht.

Susannah Clarke – Jonathan Strange & Mr Norrell (Re-read/beendet)

Nachdem ich erfuhr, dass es für diese tolle Serie auch eine Buchvorlage gibt, musste ich mir diese sofort besorgen. Alternative History, Napoleonische Kriege, Zauberei (für erwachsene Menschen, zum Glück)…im Re-read noch besser als beim ersten Mal.

Alfred Bester – The Stars My Destination (Re-read/beendet)

Retro-Science Fiction, zu der ich auf Umwegen gekommen bin, hatte vorher noch nie etwas von diesem Schriftsteller gehört, doch der Sprung ins kalte Wasser hat sich gelohnt.

Philip K. Dick – The Man In The High Castle (Re-read/geplant)

Ich besorgte mir den Roman, nachdem ich von der Serie ziemlich begeistert war und wollte schon früh eine Rezi schreiben, mit Vergleich zur Serie, hatte mich allerdings erfolgreich davor gedrückt, denn ich befürchtete, dass eine halbe Diplomarbeit daraus wird. Naja, erst noch einmal lesen und dann weiter sehen.

Filme und Serien

Pride and Prejudice and Zombies

Wie beim Roman lässt der Titel ja nur Unsinn vermuten, aber ich steh ja auf sowas. Und Sam Riley 😀 Bislang der einzige aktuelle Film dieses Jahr, wenn ich es nicht schaffe mir Rogue One anzutun.

Hänsel & Gretel Witchhunters (extended Cut, zum x-ten Mal geschaut xD )

Whatever you do, don’t eat the fucking candy!“  Mit „Ich habe die Wassermelone getragen“ eines der besten Zitate der Filmgeschichte und voller Weisheit.

Drive (Japan, 2002)

Ein pedantischer Büroangestellter wird von Bankräubern gekidnappt, um in seinem Auto einen flüchtigen Komplizen zu verfolgen. Sie haben es sehr eilig, er fährt nicht schneller als 50 km/h und hält sich an jede Verkehrsregel. Man ahnt schon, dass es spannend und sehr absurd wird.

Cooties

Wer schon immer vermutete, dass Grundschüler kleine Monster sind, wird hier seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt sehen und viel Spaß dabei haben. Auch als Grundschullehrer.

Scouts vs. Zombies

Ich kann mit Zombiefilmen nur wenig anfangen, aber dafür mag ich Zombieparodien um so lieber, also auch wenn sich drei wackere Pfadfinder und eine Kellnerin gegen die Untoten behaupten müssen. Und noch besser, wenn es infantil und sehr geschmacklos wird.

Control

Filmbiografie über Ian Curtis, Frontmann von Joy Division. Habe ich eigentlich nur wegen Sam Riley (hat da auch selbst gesungen) geschaut, aber war auch so ein guter Film. Vermutlich werde ich jeden Joy Division-Fan damit auf die Palme bringen, dass die Covers besser als die Originalsongs klingen.

Sharknado 1 – 3

Vielleicht warte ich noch mit der Review, bis ich Sharknado 4 gesehen habe – doch auch die ersten drei Filme sind einfach göttlich.

Twin Peaks – Fire Walk With Me

Der Film zur Serie, quasi ein Sequel-Prequel, wie man heutzutage sagen würde, der das Leben und den Tod von Laura Palmer beleuchtet. Mit sehr hoher Stardichte und mindestens genauso abgefahren wie die Serie.

Preacher

Ich habe es immerhin bis zur dritten oder vierten Folge geschafft, aber begeistert bin ich immer noch nicht…

Deutschland 83

Kalter Krieg, Aufrüstung, DDR, Stasi, Spionage und Bhagwan…klang spannend und bislang (Folge 2) finde ich es echt interessant.

Twin Peaks (beendet)

Who killed Laura Palmer? Muss man eigentlich nicht viel dazu sagen, aber vielleicht doch David Lynch mögen, um diese Serie wahrhaftig schätzen zu können.

Das war es erst einmal zum Einstieg nach der Sommer (bzw. Herbst)pause, als nächstes folgt hoffentlich bald eine Rezi oder Review^^