[Rezension] Der Römische Wolf

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Autor: Perdita Peschel

Seiten: 364 Seiten

Sprache: Deutsch

Verlag: Rediroma-Verlag

Status: beendet

 

Ich muss gestehen, dass ich kein besonders großer Fan von historischen Romanen bin, selbst wenn es um meine geliebte Römerzeit geht und besitze gerade mal zwei oder drei Bücher aus dem Genre. Ansonsten lese ich tatsächlich lieber Sachbücher darüber. Vermutlich finde ich Sachbücher ‚realistischer‘, auch wenn es schön ist, wenn Autoren versuchen, in die Antike oder andere Zeiten abzutauchen oder sich in die Menschen von damals hineinzuversetzen. So gut ein Roman recherchiert und geschrieben sein mag, ich kann mich nicht immer damit anfreunden, wenn sich dann auch noch grundlegende Probleme zeigen, wird es dann richtig schwierig.

Der Roman „Der Römische Wolf“ fiel mir während einer meiner Ehrenamtseinsätze bei der Initiative Römisches Mainz im Isis- und-Mater-Magna-Heiligtum in der Römerpassage Mainz in die Hände. Die Autorin hatte ihr Werk (zwei Fortsetzungen sollen folgen) als Geschenk an uns „Experten“ geschickt und um Lektüre und Rückmeldung gebeten, eventuell mit der Möglichkeit, das Buch hier verkaufen zu können. Da ich ja immer neuen  Lesestoff gebrauchen kann, nahm ich mich des Buches an und war gespannt, was mich erwartete.

Im Vorwort erzählt die Autorin, was sie bewogen hatte, die (fiktive) Lebensgeschichte von Marcus Agrippa Postumus, einem Enkel des Kaisers Augustus und nach Adoption dessen potenzieller Nachfolger, zu erzählen.  Dieser wurde im Alter von 26 Jahren kurz nach dem Tod von Augustus ermordet, die römischen Geschichtsschreiber überliefern ein nur knappes und nicht sehr schmeichelhaftes Bild – was aber durchaus üblich war, um Personen zu diskreditieren, die bei aktuellen Herrschern in Ungnade gefallen waren. Soweit, so gut. Dass Autoren versuchen, sich in historische Persönlichkeiten hineinzuversetzen ist ja nichts Neues, ob es gelingt, bleibt natürlich offen, wenn diese keine Aufzeichnungen für die Nachwelt hinterlegt haben und fragen kann man sie auch nicht mehr.  Also bleibt  der Lesespaß für ein Urteil.

Marcus Agrippa kommt  im Alter von 19 Jahren auf ein Landgut seines verstorbenen Vaters in der Nähe von Pompeji. Launisch und jähzornig, aber auch voller Ehrgeiz versucht er die Erträge des Gutes zu steigern und gerät in einen Strudel von Ereignissen und Begegnungen am Fuße des Vesuvs, die sein Leben grundlegend ändern.  Diese Ereignisse beginnen mit dem Sklaven Clemens auf jenem Landgut und Cassius Chaerea, einem jungen Legionär aus dem nahegelegenen Pompeji, die beide historisch belegt sind. Ersterer war tatsächlich ein Sklave des Marcus Agrippa, der nach dessen Tod eine Rebellion anführte und sich als Agrippa ausgegeben haben soll, während Cassius Chaerea unter Augustus‘ Großneffe Germanicus als Centurio diente und später als Prätorianertribun den Kaiser Caligula ermordete, aber keine weitere Verbindung mit Agrippa Postumus zu haben scheint.

Aber wie gesagt, künstlerische Freiheiten sind ja nicht schlecht…Nun gut, ich war gespannt, was mich erwartete und das waren vor allem unglaublich viele Rechtschreib- , Tempus- und Grammatikfehler. Dabei blieb es leider nicht, denn der sowohl der Ausdruck als auch die Charakterbeschreibungen ließen sehr zu wünschen übrig und ich dachte, was ist das für ein Verlag, der das durchgehen lässt. Also bemühte ich die Hilfe des Internets und fand heraus, dass der Rediroma-Verlag ein Verlag für Selbstverleger ist mit lachhaft niedrigen Preisen für das Lektorat. Es ist allgemein bekannt, dass heutzutage Lektoren nicht besonders gut bezahlt werden, aber ich fragte mich, wer für 50 Cent pro Seite eine gute und gründliche Arbeit erwarten kann…

Jedenfalls schien mir, als ob hier ganz auf das Korrekturlesen verzichtet wurde, vom Ausdruck, Sprache und der Charakter- und Storyentwicklung ganz zu schweigen. Ich weiß, dass es für Autoren schwer ist, überhaupt von Verlagen beachtet zu werden und der Weg zu Selbstverlag der einfachste scheint. Aber wie wir schon von Star Wars gelernt haben, ist der einfache, schnelle Weg der zur Dunklen Seite, besonders, wenn man hochmotiviert ist, sein Werk möglichst schnell unter die Leute zu bringen. Das ist verständlich, denn ich habe diesem Roman angemerkt, dass die Autorin mit viel Herzblut und Enthusiasmus geschrieben hat. Sie versucht, die Charakterentwicklung des Protagonisten zu schildern, wie er sich vom verwöhnten, jähzornigen Kaiserenkel zu einem mitfühlenden, mutigen jungen Mann mit aufrichtigem Charakter entwickelt, der sich damit Feinde, aber auch treue Freunde macht.

Leider ist die Beschreibung der Charaktere und ihrer Gedanken und Beweggründe sehr simpel gehalten, teilweise ziemlich mit der Brechstange, damit der Leser ja nicht übersieht, wieso die Figur so handelt und was sie denkt, und das wiederholt mit wenig Abwechslung im Ausdruck. Weniger wäre hier mehr gewesen, und wenn die Figuren wiederholt erröten, dann wird es allmählich etwas peinlich. Die meisten, die zu den Guten in der Geschichte gehören, sind unglaublich integer und verständnisvoll, sie brauchen nur ehrlich oder nachgiebig zu sein, und schon haben sie die Menschen in ihrer Umgebung für sich gewonnen, obwohl sie oft sehr naiv wirken. Genug Drama und Liebeswirren finden natürlich auch statt, die Geschichte endet mit einem Cliffhanger, da die Autorin bereits an zwei Fortsetzungen schreibt.

Auch wenn ich wahrscheinlich nicht zur Zielgruppe solcher Romane gehöre, die Geschichte hätte sicher Potenzial eine spannende und atmosphärische Trilogie zu werden. Allerdings reicht die Begeisterung der Autorin für ihre Hauptfigur nicht aus, um über die grundlegenden Mängel in Sprache, Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck hinwegzutrösten, wahrscheinlich fehlt es ihr hier an genereller Erfahrung im Verfassen von literarischen Texten. In einem Selbstverlag bekommt man zwar sein Werk schnell in die Öffentlichkeit, aber das auf Kosten der Qualität und ich kann mir gut vorstellen, dass es frustrierend ist, bei regulären Verlagen vergeblich Klinken putzen zu müssen. Aber selbst Bestseller haben oft Jahre und Jahrzehnte von vergeblichen Anläufe und zig Überarbeitungen hinter sich, und manchmal das notwendige Quentchen Glück.  Wie aber schon gesagt, zunächst muss meiner Ansicht nach die Basis stimmen, was ich aber in diesem Band nicht gegeben sehe, um geschichtsinteressierte Leser anzusprechen.

Dennoch soll diese Kritik kein Verriss sein, sondern auf Probleme hinweisen, die man als Autor mit Selbstverlagen und eher wenig Erfahrung (ich nehme das einfach mal so an) haben kann. Wie gesagt, mit einer guten Korrektur und mehr Übung im Ausdruck wäre daraus sicher eine ansprechende Lektüre geworden, bei der sich die 15 Euro lohnen würden.

[Rezension] Perry Rhodan – Das größte Abenteuer

PerryAutor: Andreas Eschbach

Seiten: 848

Sprache: Deutsch

Verlag: Argon / Fischer Tor

Status: beendet

Zufällig (mal wieder?) kurz vor dem 50jährigen Jubiläum der Mondlandung am 21. Juli 1969 hatte ich endlich – meiner Bibliothek sei Dank – die  Möglichkeit endlich die  Biographie des wirklich ersten Menschen auf Mond zu lesen. Zumindest in einem anderen Universum ist es Perry Rhodan, der am 19. Juni 1971 auf dem Mond landete, die Erde vor dem Atomkrieg rettete und schließlich das Weltall eroberte.

Perry Rhodan ist die älteste und größte Science Fiction-Heftserie der Welt, die seit 1961 in mehreren Auflagen erscheint . Es klingt total unbescheiden, ist aber so. Und bei Heftserien denkt man erst an Groschenromane, billige Arzt- und reißerische Westerngeschichten, oder kitschige Romantik vom Bahnhofskiosk. Also leichte Lektüre ohne Anspruch. Kann teilweise so sein, aber meistens ist es doch etwas anders als man denkt. Vor allem, da die Lektüre von Heftromanen in meiner Familie schon Tradition hat. Mein Opa hat wahnsinnig gerne Jerry Cotton-Heftchen gelesen, neben anspruchsvollerem Lesestoff. Mein Vater hat gerne jene Westernheftchen gelesen und ich habe mit Biene Maja, Micky Maus, Conny, Captain Future und anderen Comicheftchen angefangen. Als ich flüssiger lesen konnte, mussten erst einmal die Jerry Cotton- und Westernheftchen dran glauben, obwohl das eigentlich keine Kinderlektüre war, War mir aber egal. Es waren Buchstaben und spannende Geschichten. Ich habe so einiges gelesen, was überhaupt nicht für Kinder geeignet war, z.B. Stephen Kings Shining, wonach ich mich weder ins Bad noch in den Keller traute (mittlerweile kann ich aber wieder diese Orte betreten).

Eines schönen Tages, viele Jahre später, ließ der damalige Freund meiner Schwester ein paar Perry Rhodan-Heftchen bei uns liegen. Ich lag mit einer Nebenhöhlenentzündung im Bett und ich brauchte was zu lesen. Also nahm ich mir die Hefte vor. Eines musste die 5. Auflage gewesen sein, ich erinnere mich sogar noch ziemlich genau, dass es um den Besuch Perry Rhodans auf der Welt Pröhndome ging, das war um die 700er Hefte herum. Jedenfalls, es war um mich geschehen – ich fing an die Erstauflage zu lesen, dann lieh ich mir die Silberbände aus. Pausen habe ich auch immer wieder gemacht (wie jetzt gerade), dann begann ich parallel zur Erstauflage mit Neo und verschlang (und verschlinge immer wieder gerne) abgeschlossene Romanzyklen wie Andromeda und Odyssee. Bevor es mich wieder dahin verschlägt, komme ich doch lieber auf das eigentliche Thema zurück. Nämlich den fiktiv-biografischen Roman über ‚unseren Mann im All‘, nämlich den werten Perry selbst, dessen Unterteil auch ganz unbescheiden „Das größte Abenteuer heißt“. Ist es nämlich auch.

Eingerahmt ist die Lebensgeschichte Perry Rhodan in das entscheidende Ereignis der Weltgeschichte des PR-Universums, nämlich die Gründung der Dritten Macht durch ihn selbst, um die Menschheit vor einem Atomkrieg zu bewahren, was zunächst einmal ein wenig anders verläuft als gedacht. Geschildert wird dieser PR-historische Rahmen durch einen langjährigen Weggfährten des Ersten Terraners, Boten von Thoregon, Ritter der Tiefe und was Perry sonst noch alles an Rollen innehatte. Dass dem Helden mit Vorfahren aus Bayern etwas Besonderes anhaftet, deutet schon an, welche Rolle in den Weiten des Kosmos ihm in der Zukunft beschieden sein wird. Er gerät in bedeutende Ereignisse der Weltgeschichte, natürlich noch sehr nichtsahnend und manchmal etwas naiv, wie es mir an einigen Stellen vorkam, aber immer sich selbst treu, bis er schließlich jenen schicksalhaften Flug zum Mond im Jahre 1971 antritt, nachdem die erste Mondmission gescheitert ist. Diese Treue zu sich selbst und seinen Idealen von einer besseren Welt prädestinieren Perry sozusagen als Auserwählten und ich denke, dass die Nähe zu Karl Mays Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi nicht abwegig ist. Im Gegensatz zu Mays Alter Egos ist Perry allerdings nicht ganz so überpowert, wie man heute sagt, er wirkt bescheidener und fehlerhafter. Aber der Idealismus und die Treue zu ihren Überzeugungen besitzen alle diese Figuren. Wenn man die Erstauflage liest, oder einige Romanreihen, verleihen die verschiedenen Stamm- und Gastautoren Perry sehr viele Facetten, die stets interessant zu lesen sind, so dass die konsistente Schilderung über 848 Seiten etwas gewöhnungsbedürftig war, aber letzten Endes natürlich zur Schlüssigkeit beigetragen hat. Überhaupt hat mir der Stil von Andreas Eschbach, der als gelegentlicher Gastautor in der Heftserie mit dem Universum vertraut ist, ausgesprochen gut gefallen. Perry dient bis zu einem gewissen Zeitpunkt als unfreiwilliger Reiseführer durch die historischen Ereignisse (auch die vor seiner Geburt) bis zu jenem Mondflug, womit man als Leser sehr unterhaltsame und amüsante, aber nie alberne Lektionen in Sachen Geschichte des 20. Jahrhunderts bis 1971 erhält, mit dem Blick aus dem 57. Jahrhundert. Neben namhaften Persönlichkeiten vor allem der amerikanischen Geschichte trifft Perry auf seine zukünftigen Weggefährten, unter anderem seinem besten Freund Reginald Bull, was mich als gestandene PR-Leserin besonders gefreut hat, jedoch für Erstleser sicher auch interessant ist.

Überhaupt denke ich, dass dieses „größte Abenteuer“ auch für Nichtkenner eine schöne Lektüre ist, ich glaube, ich als Fan von Alternativer Geschichte, hätte daran auch eine große Freude gehabt. Perrys Biographie mündet in die Ereignisse, die den ersten Zyklus der Erstauflage, Die Dritte Macht, einleiten. Dieser Teil wirkt auf mich etwas gedrängt, das kann aber auch daran liegen, dass ich diesen Teil bereits kenne und sozusagen ein Cliffhanger ist, also von meiner Seite eher Jammern auf hohem Niveau. Ich kann mir jedenfalls denken, dass dieser Teil Lust auf mehr macht, z.B. mit den Silberbänden anzufängen, die die Erstauflage seit ihrem Beginn zusammenfassen und mir schon manche schlaflose Nächte bereiteten, da ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen, bis der Morgen graute. Und ich muss gestehen, dass ich nicht übel Lust gehabt hätte, gleich mal wieder anzufangen, aber leider ist die hiesige Bibliothek nicht sehr gut mit Silberbänden ausgestattet. Aber ich muss wirklich mal wieder mit meinem Perry anfangen, ich habe ihn sträflich vernachlässigt!

 

[Rezension] Star Wars: Episode 1 – Die Dunkle Bedrohung

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Autor: Terry Brooks

Originaltitel: Star Wars Episode 1 – The Phantom Menace

Seiten: 320

Sprache: Deutsch

Verlag: Blanvalet 1999

Status: beendet

 

Heute ist es genau zwanzig Jahre her, dass mit Die Dunkle Bedrohung, oder auch als The Phantom Menace, der erste Film der Prequel-Trilogie der Star Wars-Saga in die Kinos kam. Zufälligerweise hatte ich mir ein paar Tage zuvor die Romane der Prequel-Trilogie aus der Bibliothek ausgeliehen, aber da es auch der Wille der Macht sein könnte (es gibt eben keine Zufälle laut gewisser Jedi-Meister), will ich das mal gelten lassen. Und das hat mich motiviert, aus meinem Bloggerloch wieder hervorzukriechen.

Obwohl ich Star Wars-Fan bin, war dies das erste Mal, dass ich einen der Romane zu den Filmen gelesen hatte. Oder überhaupt einen Roman, der zum Film geschrieben wurde.
Sicherlich hatte ich den einen oder anderen Roman schon gelesen, die gehörten allerdings zum Expanded Universe, das leider seit der Disney-Übernahme als „Legends“ abgestuft wurde. Darüber hinaus schwankt die Qualität erheblich, die von den verschiedenen Autoren abhing und was sie daraus machten. Dadurch entstanden einige Widersprüche und oft genug war George Lucas von einigen Einfällen nicht sehr begeistert. Wie dem auch sei, es gibt einige sehr gute Romane und einige durchschnittliche und einige ziemlich schlechte. Ich weiß noch, dass ich vor einigen Jahren den Episode-1-Roman in der Hand hatte und darin herumblätterte, was mich abschreckte, war die deutsche Übersetzung „Kapselrennen“, was in der deutschen Synchronisation „Podrennen“ hieß. Es gibt so einige Begriffe aus Star Wars-Roman, deren deutsche Übersetzung mir jedes Mal die Haare aufstellen lässt, wie „Düsenschlitten“ etwa (ich weiß immer noch nicht, was ich mir darunter vorstellen soll) – oder „Sturmtruppler“. Arrrghs.

Doch damit will ich mich gar nicht weiter aufhalten. Ich rege mich sonst nur wieder auf. Es geht ja um Die Dunkle Bedrohung. Dieser erste Prequelfilm löste den ersten Aufschrei unter vielen Star Wars-Fans aus, George Lucas hätte die Originaltrilogie geschändet, die Kindheit dieser Fans vergewaltigt und so weiter. Zum Glück war im Jahr 1999 an Shitstorms und Beleidigungen der Schauspieler auf deren Instagramkonten noch nicht zu denken, aber die Reaktionen war gelinde gesagt heftig. Auch ich war eher skeptisch, fühlte mich aber nicht so persönlich beleidigt, da ich damals Star Wars zwar mochte, aber noch nicht so der Nerd wie heute war, so dass mich einige Jahre Star Wars-Romane überhaupt nicht interessieren. Die Prequeltrilogie habe ich übrigens sehr liebgewonnen, ich bevorzuge sie sogar vor der Originaltrilogie, obwohl ich mit dieser aufgewachsen war.

Der Roman wurde von Terry Brooks verfasst, welcher auch als Autor des Shannara-Zyklus bekannt ist. Zwar habe ich diese Bücher nie gelesen, aber habe schon sehr gerne die Serie gesehen, welche so ein bisschen mein Guilty Pleasure ist. Vielleicht hole ich die Shannarabücher irgendwann einmal nach. Doch nun zum eigentlichen Thema: Wer den Film kennt, wird von der Handlung natürlich wenig überrascht und kann keine großartigen Offenbarungen erwarten. Die Jedi Qui-Gon Jinn und Obi Wan Kenobi entdecken einen machtbegabten Jungen namens Anakin Skywalker, den man später (oder vielmehr früher) als Darth Vader kennt.  Dieser Film bildet den Auftakt zur Geschichte von Aufstieg und Fall des Auserwählten, der die Macht wieder ins Gleichgewicht bringen soll.  Allerdings fand ich es sehr schön, dass die Gedankenwelt der Protagonisten geschildert wird, was im Film oft nur schwer gezeigt werden kann. Oder Szenen, die zu einer Handlung erst hinführten oder erweiterte Dialoge. Bei einigen habe ich gedacht, dass sie wirklich gut in den Film gepasst hätten, um eventuell Gefühle und Motivationen zu vertiefen. Etwa Anakins Begegnung mit dem Raumpiloten, der ihm eine Zukunft als Pilot prophezeit oder wie er darauf reagiert, dass die Dienerin Padmé, die er so verehrt, eigentlich Amidala, die Königin von Naboo ist. Auch auf die Beziehung von Qui-Gon Jinn, Anakins Entdecker, und dessen Padawanschüler Obi-Wan, Anakins späterem Meister geht das Buch näher ein, was ich sehr spannend fand, wie viele andere Details. Dem Autor gelingt es gut, die Atmosphäre einzufangen, sei es auf Coruscant, Tatooine oder Naboo, da merkt man ihm schon den schwärmerischen Tolkien-Fan an. Ich hätte mir gewünscht, dass man ihm mehr Raum als 320 Seiten gelassen hätte, um eingehender auf die Protagonisten und deren Beziehung zueinander eingehen zu können oder Szenen detaillierter auszufeilen. Ich glaube, das hätte eine wirklich atmosphärisch dichte Erzählung werden können, doch anscheinend sind die Autoren an einen gewissen Rahmen gebunden und können nur selten Zeit auf Recherche und In-Universe-Zusammenhänge verwenden. Was sehr schade ist. Es bleibt bei mir nach der Lektüre gut geschriebener Star Wars-Romanen immer der Wunsch nach mehr zurück. So wie auch bei diesem, denn es gab schon einige Momente, die ich sehr ergreifend beschrieben fand, wie etwa Anakins Abschied von seiner Mutter. Wie gesagt, ich kenne ja die Handlung und die Charaktere, doch war das (leider zu kurze) Buch spannend zu lesen und ich fand es sehr nett, dass im Mittelteil Bilder aus dem Film zu finden waren. Manchmal stimmte der Kontext nicht ganz, doch es störte mich nicht, eigentlich finde ich das immer amüsant. Nun bin ich auf die Romanfassung von Angriff der Klonkrieger gespannt, welcher von einem anderen Autor, einem R.A. Salvatore, verfasst wurde.

Die Episode1-Kanne gab es damals übrigens bei einer bekannten Pizzakette, wenn man sich 1,5 Liter Cola bestellt hat. Diese fand ich zu meiner Überraschung im Keller meiner Eltern, die von Star Wars einfach überhaupt keine Ahnung haben. Keine Frage, dass ich mir diesen Merchandise-Schatz sofort unter den Nagel gerissen habe und meiner Sammlung hinzufügte.

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[Filmrezension/Spoiler] Solo – A Star Wars Story – Wirklich?

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Ich wage mich das erste Mal an eine Rezension zu Star Wars. Obwohl ich ein großer Star Wars-Fan bin, oder vielleicht auch deswegen. Es heißt ja nicht umsonst, dass Star Wars-Fans auch die größten Star Wars-Hasser und schlimmsten Kritiker sind. Jedenfalls sind die Star Wars-Sequelfilme und Spin-Offs ein hochemotionales Thema für mich, weshalb diese Kritik nicht gerade sachlich und konstruktiv ausfallen wird. Nur soviel als Vorwarnung dazu und davor, dass es Spoiler geben wird, die sich auf Details aus dem Film beziehen. Es kann sein, dass ich die Reihenfolge oder Personen nicht mehr so richtig im Kopf habe, da mein Gehirn sich geweigert hat, sich diese zu merken, wenn ich dann mal doch etwas nachgeschlagen habe, ist mir klar geworden, dass es aus triftigen Gründen geschah.

Wie alles anfing – I have a bad feeling about this

Schon im Vorfeld war ich nicht von der Idee eines Standalone-Films begeistert, nachdem was mir The Force Awakens und The Last Jedi geboten hatte, hoffte aber auf den Rogue One-Effekt. Nämlich, dass meine Erwartungen so niedrig waren, dass ich positiv überrascht würde. Nun ja, die Trailer konnten schon einmal nicht dazu beitragen. Da gab es Chewbacca, Leute, die wie ein junger Han Solo und ein junger Lando Calrissian aussahen, ein paar Stormtrooper und imperiale Offiziere. Und Daenerys…ähm Emilia Clarke, Paul Bettany und Woody Harrelson und ein komischer Droide, der auf den ersten Blick wie ein Tactical Droid aus The Clone Wars wirkte. Die Musik – eine Art Synthrock-Version des Star-Wars-Themas und die Optik erinnerten mich ein bisschen an Blade Runner. Das war schon mal gar nicht so…gut. Von der Wahl des Hauptdarstellers Alden Ehrenreich war ich auch nicht sooo angetan, ich musste erst einmal herausfinden, wer das war und dann der Rausschmiss des ursprünglichen Regieteams…meine Erwartungen sanken rapide, aber wie gesagt, ich hoffte darauf, dass ich wie bei Rogue One doch einigermaßen unenttäuscht aus dem Kino käme. Ich ignorierte auch die leichten Spoiler, mit denen ich konfrontiert wurde. Schließlich verabredete ich mich mit Christina von Books’n‘ stories zum Kinobesuch und anschließendem Fußballgucken (Deutschland – Mexiko).

135 Minuten später kam ich alles andere als enthusiastisch wieder aus dem Kino heraus und stellte fest, dass ich mich schon zu tief ins Expanded Universe (welches nach der Disney-Übernahme zum Legends-Canon degradiert wurde) hineingenerdet hatte, um mich an den Sequel- und Spin-Off-Filmen als Star Wars-Filme erfreuen zu können.

Der Film – this is where the fun begins – not so much

Dieses Expanded Universe hat mich natürlich stark geprägt, und es ist mir klar, dass Filme einer solche Masse an Hintergrundinformationen nie komplett gerecht werden können. Sie bilden nur einen kleinen Ausschnitt ab und sind von der Interpretation durch den Regisseur etc. abhängig. So hatte ich natürlich schon mein Bild von Corellia, dem Heimatplaneten Han Solos und seine Vorgeschichte gab es ebenfalls schon in anderer Form. Der Film stieg nun auf Corellia ein und mir hatte diese Version nicht gefallen. Wahrscheinlich spielt da meine immer größer werdende Aversion gegen die trendige Dreckig-nass-düster-Schrott-Atmosphäre in Filmen und Serien mit hinein. Ich habe ja eigentlich nichts dagegen, die Original-Trilogie bezog ja ihren Charme auch aus dem Used-Look, aber irgendwie beginnt es mich zu stören. Wie im Expanded Universe ist dieses Corellia eine renommierte Werftwelt für Raumschiffe, aber ich fragte mich, ob man sich wirklich in ein Raumschiff setzen möchte, das dort zusammengekleistert wird. Nun ja, der erste genervte Seufzer entrang sich mir, als der junge Han und seine Gefährtin Qi’ra (Emilia Clarke) planten, sich mit dem wertvollen Coaxium abzusetzen, einem mysteriösen Zeugs um Treibstoff für Raumschiffe zu gewinnen. Arrgh! Raumschifftreibstoffe sind seit The Last Jedi ein rotes Tuch für mich. Dann wurde es richtig peinlich, als es zur Nachnamensfindung des Protagonisten kam, als dieser sich fürs Imperium rekrutieren ließ und sich folgender Dialog entspann – sinngemäß, ich hatte keine Lust das extra nachzuschauen:

Imperialer Rekrutierungsoffizier: Nachname?
Han: Ich bin allein
Imperialer Rekrutierungsoffizier (denkt kurz nach): Öhh ja, allein…ach, Solo passt doch ganz gut

Dann ging es weiter und plötzlich fand sich der endlich nicht mehr nachnamenlose Held im Ersten Weltkrieg wieder. Nein, natürlich nicht, aber in nassen, schlammigen Schützengräben der imperialen Infanterie. Ja, Infanterie, keine Sturmtruppen, sondern ganz gewöhnliche Soldaten. Das war wirklich nett zu sehen, dass die Imperiale Armee nicht nur aus Stormtroopern besteht. Aber die Erste-Weltkriegs-Analogie Dreck, Regen, schlammige Schützengraben, Geschrei etc. war mir persönlich zu aufdringlich. Eigentlich finde ich Analogien und Hommagen und Easter Eggs total toll, aber nicht, wenn sie einem alle fünf Minuten mit Großbuchstaben und Ausrufezeichen präsentiert werden. Krieg ist schlecht und dreckig, schon verstanden. Außerdem liegt der Reiz von Ostereiern darin, dass man sie suchen muss und nicht ins Gesicht geworfen bekommt. Jedenfalls stößt der immer etwas blauäugig wirkende Han so auf seine Kumpane Tobias (Woody Harrelson), Val (Thandie Newton) und rettet nebenbei Chewbacca, desertiert aus der Armee, um ein Ding zu drehen und wieder wertvolles Zeugs zu klauen, nämlich wieder Coaxium. Seufz. Diesmal gehts in die Alpen und man überfällt einen Zug. Also so eine Art Schwebebahn, die mich an eine solche aus dem Perry-Rhodan-Roman „Der Schwerelose Zug“ aus dem Andromeda-Zyklus erinnerte und an den Zugüberfall aus „Captain America: First Avenger“. Aber darüber rege ich mich gar nicht auf. Das war eine ganz spannende Handlung und man kann das Rad nicht neu erfinden. Eingeführt wurde der Gegenspieler Enfys Nest, welcher mit einer Mischung aus Podracern und Speederbikes dazwischenfunkte. Nett, aber trug nicht zur eh kaum vorhandenen Star Wars-Atmosphäre bei. Genauso wenig wie die Analogie zu Hans misslungenem Schmuggelauftrag für Jabba in der Original-Trilogie, nur dass es eben dieses ominöse Treibstoffdings ist und der Gangsterboss Dryden Vos (Paul Bettany). Als richtiger Star Wars-Nerd verbinde ich den Nachnamen Vos mit dem Jedi Quinlan Vos, aus dem Vos-Clan vom Planeten Kiffu (klingt komisch, ist aber so). Natürlich handelte es sich nicht jemanden mit dieser Abstammung, sondern um irgendeinen Typen mit Narben im Gesicht, der ein eigenes elegantes Casino-Schiff besitzt. Von Last Jedi haben wir gelernt: Ins Casino gehen dekadente Leute mit vieeeeel Geld, die es auf unehrliche Weise an sich gebracht haben und kleine Kinder und Esel-Hundepferde ausbeuten. Zumindest war das alles recht stilvoll, so ein bisschen Art Deco, aber immer noch wenig Star Wars.

Aber Han trifft seine Qi’ra wieder, die die Geliebte, rechte Hand oder ähnlich von Herrn Vos geworden ist. Wieder stolpert der gewitzte Bursche ziemlich naiv durch die Gegend und als ob ein mächtiger und reicher Syndikatsboss sonst keine Möglichkeiten hätte, kommt man auf die tolle Idee einem gewissen Lando Calrissian (Donald Clover) das Schiff abzuschwatzen, um nach Kessel zu fliegen und dem Pyke-Syndikat das Coaxium abzuluchsen. Also suchen Han, Qi’ra und Tobias (Val ist zwischendrin ums Leben gekommen, aber hat auch nicht weiter gestört) irgendwo anders eine verranzte Spielhölle auf, die gut zu Mad Max gepasst hätte, wo Lando dem Sabacc frönt, währenddessen sich sein weiblich programmierter Droide namen L3-37 (!) für Droidenrechte einsetzt. Naja sie kriegen Lando dazu, dass sie seinen Milennium Falcon für den Coup benutzen dürfen und man ahnt es schon, den berühmten Kessel-Run absolvieren. Nebenher bekommt man mitgeteilt, dass Lando in den Droiden verschossen ist, da auch schon was ging, und dass er eine erkleckliche Sammlung an Umhängen besitzt. Kann man machen, muss aber nicht. Also erreicht man die Minenwelt, wo das Pyke-Syndikat Leute und Droiden zum Spice-Abbau knechtet, wohingegen im alten Canon die Galaktische Republik und das Galaktische Imperium ihre Gefangenen zur Zwangsarbeit schickten. Während Han Solo das Coaxium stehlen geht, zettelt L3 eine Droidenrevolution an und hat damit ihre Bestimmung gefunden, wird aber im Zuge der Flucht zu Schrott geschossen. Auch kein besonders rührender Augenblick für mich, sondern es ging mir eher so, gut, dass das nervige Ding seine Klappe hält.

Jedenfalls muss die Gang fliehen, und bekommen sie nur hin, wenn sie L3s Droidengedächtnis ins Schiff integrieren, und dann muss auch Lando nicht mehr so um seine Droidenfreundin weinen. Dann findet der berühmte Kessel-Flug in weniger als 12 Parsecs statt. Was keine Zeiteinheit ist, sondern ein Längenmaß, auch wenn es Parallaxensekunden heißt. Der Rückflug durch den Kessel-Run wird durch das Aufkreuzen eines Sternzerstörers verhindert (weil der Kessel-Run so eine Art Schlauch ist) und was macht man, wenn man nicht vorbei kann? Man fliegt eine Abkürzung. Ja. Das führt dazu, dass man ein Space-Monster weckt, noch größer als der der Exogorth aus EP IV, beinahe in ein Superschwerefeld gezogen wird, aber stattdessen das Space Monster dran glauben muss. War auch was, das nicht so gestört hat, ohne Gigantismus und die eigenwillige Astrophysik kommt Star Wars nicht aus. Nach der erfolgreichen Flucht ging es auf einen anderen Planeten, wo das Coaxium raffiniert werden sollte, an einer wüstenartigen Meeresküste, wo bunt zusammengewürfelte Leute in Hütten lebten, die auf eine vage folklorehafte Weise ‚ethnisch‘ wirken sollten und das Coaxium raffinierten. Wie auch immer sie das anstellen wollten. Später erschien Boss Vos in seinem dekadenten Casino-Schiff und dann überschlugen sich die Ereignisse.

Jedenfalls tauchte Enfys Nest wieder auf, um der Gang die Beute wieder abzunehmen und Lando haute mit dem Milennium Falcon wieder ab. Nest entpuppte sich unter seiner martialischen Rüstung, die wiederum sehr Mad Max-artig wirkte, als ein rothaariges, sommersprossiges Mädchen, das mit den ethnischen Strandbewohnern zu tun hatte, die irgendwie von Vos von ihren Welten ausgebeutet, vertrieben etc. waren. Quasi die Analogie zu den ausgebeuteten Stallkindern auf Cantobeit, aber passt ja zu Vos‘ dekadentem Casino-Schiff. Und siehe da, Han entdeckt seine soziale Ader. Aber sollte er nicht ein Schurke sein, der nur an sich denkt? Zunächst aber gilt es Vos auszutricksen, aber wenn das ja so einfach wäre und es erfolgt ein doppelter Doppelbetrug, in Zuge dessen Beckett und Vos das Zeitliche segnen, und Qi’ra sich als die wahre Gegenspielerin herausstellt. Gut, könnte man sagen, irgendwie muss Han ja zu Leia finden. Aber leider war es nicht gut, denn Qi’ra kontaktiert einen Hintermann und dieser entpuppte sich als Darth Maul. Zwar war ich schon gespoilert, dass er vorkommt, aber nicht so und ich habe ein ganz mieses Gefühl entwickelt, was weitere Spin-Offs betrifft. Und kann man den armen Maul nicht einfach in Ruhe lassen? Er war in The Phantom Menace ein echt cooler Charakter, ich fand es sogar ganz gut, dass er in The Clone Wars reaktiviert wurde. Als er schließlich in Rebels wieder erschien, als ich mal eine Doppelfolge sah, die mich interessierte, war ich genervt. Nein, dieses Cameo hat mich nicht gefreut. Eher noch mehr verärgert. Doch zunächst erst das Ende des Films, oder vielmehr das Nicht-Ende. Schließlich brauchte Han noch den Milennium Falcon. Irgendwie hatte er Lando in einer weiteren Spielhölle ausfindig gemacht und ausgetrickst, um sich das Schiff zurückzuholen. Aus welchen Gründen auch immer.

Mein Fazit – it’s coarse and rough and irritating

Es fühlte sich alles an, inklusive des Maul-Cameos, als ob da noch Raum für ein paar weitere Filme gemacht werden soll. D.h. Spin-offs dieses Films, wie es mit Qi’ra und Maul weitergehen könnte, wie sich Han und Lando immer weiter versuchen, das Schiff abzuluchsen und und und. Aussichten, die mir gar nicht gefallen, vor allem, wenn jedes Jahr irgendein weiterer Teil von neuenTrilogien und Spin-offs und Anthology-Filme herauskommen. Und eine Animationsserie und eine Realserie. Dann wird Star Wars nichts mehr sein, worauf man sich freuen kann. Wenn alle Wochen Weihnachten und Geburtstag wäre, wo wäre noch das Besondere, die freudige Erwartung? Letztendlich hat sich doch eine gewisse Ermüdung eingestellt, denn Solo hat nicht die Ergebnisse eingespielt, die ihn zu einem richtigen Kassenerfolg gemacht hätte. Die Enttäuschung vieler Fans über The Last Jedi und die dazugehörigen Kontroversen haben sicher erheblich dazu beigetragen.

Für mich persönlich gehören die Disneyproduktionen, also Sequelfilme, Rogue One und Han Solo zu einem Alternativen Universum, wo J.J. Abrams und Co. ihre merkwürdigen Fanfiktionen über Star Wars ausleben. Zu meinem Kino-/Serien-Universum gehören die Episoden I – VI, The Clone Wars (Die Animationsserie von David Filoni und die Tartakovsky-Miniserie), bis zu einem gewissen Ausmaß Rebels, welches ich, bis auf eine Folgen aber nicht mehr gesehen habe. Schließlich konnte ich eine gewisse Freude nicht verhehlen, dass weitere Spin-Off-Filme auf Eis gelegt werden sollen. Wenn nämlich ähnliches mit Obi-Wan Kenobi, Darth Maul und Boba Fett geschieht, wie mit Han Solo, ist das im Grunde nur noch Leichenfledderei, um das Alien-Nippelmonster auch noch des letzten Tropfens grüner Milch zu entrauben.

Was den Solo-Film selbst betrifft, so ist er an sich nettes Sci-Fi-Popcornkino, das solide unterhält. Es gibt eine klare, lineare Storyline, einen McGuffin (das Coaxium), der den Protagonisten einen Grund für ihr Handeln gibt. Wenn es etwas Gutes gab, dann eine spannende Erzählstruktur ohne gefühlte zehntausend Subplots und ohne Nebenfiguren, die nerven und trotzdem bis zum Schluss am Leben bleiben. Originell geht zwar anders, aber wie schon weiter oben erwähnt, man muss nicht immer das Rad neu erfinden und die 135 Minuten werden nicht lang.

Als Star Wars-Film aber ist Solo schlichtweg nicht geeignet. Ich hatte nur sehr selten das Gefühl, mich im Star Wars-Universum zu befinden. Es reicht einfach nicht, Versatzstücke aus den vergangenen Filmen und Serien reinzupappen, wahllos Namen aus dem Expanded Universe fallen zu lassen, vom Cameo ganz zu schweigen. Außerdem bezweifle ich, dass ein solcher Film überhaupt nötig gewesen wäre. Es muss nicht immer alles erklärt und beleuchtet werden, Han macht seine Charakterentwicklung in Episode IV – VI durch. Ich hätte eher erwartet, dass er ein junger und rücksichtsloser Hallodri ist, den soziale Gerechtigkeit einen feuchten Dreck kümmert. Denn im Grunde hätte er sich, so wie er in Solo herüberkommt, schon zu diesem Zeitpunkt der Rebellion anschließen können. Leider kommt er ohne richtige Ecken und Kanten herüber, und vielleicht liegt es auch daran, dass Alden Ehrenreich zu weich für die Rolle wirkt. Klar könnte er eine junge Version von Han Solo sein, aber optische Ähnlichkeit und genau wie Harrison Ford zu spielen reichen eben nicht, wenn er einfach nicht der Typ dafür ist. Vielleicht hätte ich am Abend zuvor nicht noch Indiana Jones und der Tempel des Todes sehen sollen. Die anderen Schauspieler machen ihre Sache ebenfalls ordentlich, aber Star Wars ist schließlich Action-Kino und schauspielerische Leistungen liegen sowieso im Auge des Betrachters. Werbung für die Spin-Off- und Anthology-Filme war Solo jedenfalls nicht. Ich war sowieso schon skeptisch und mir ist nun die Lust daran gründlich verdorben worden. Um die Sequel-Trilogie abzuschließen, werde ich mir nur noch Episode IX im Kino ansehen, danach ist Schluss – auch wenn man natürlich niemals nie sagen sollte.

[Rezi/Fantasy-Young Adult] Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children

imageAutor: Ransom Riggs

Seiten: 352

Sprache: Englisch

Verlag: Quirk Books 2013

Deutscher Titel: Die Insel der besonderen Kinder

Status: beendet

 

Ich kam ja etwas unverhofft zu diesem Buch. Da meine Eltern in punkto Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke eher unkreativ veranlagt sind, schrieb ich im Dezember 2016 eine Liste. Diese führte Haruki Murakamis 1Q84 sowie Robert HarrisFatherland auf. So weit, so gut. Wahrscheinlich habe ich es der Geschäftstüchtigkeit des patenten Buchhändlers (siehe hier) zu verdanken, dass ich an meinem Geburtstag, der relativ kurz vor Weihnachten ist, ziemlich unverhofft Miss Peregrine vorfand. Der Titel war mir insoweit ein Begriff, als mir um die Zeit auf YouTube ständig Trailer zu einem Film dieses Namens empfohlen wurden, ich aber kein gesteigertes Interesse daran hatte, weil  das so ein bisschen im Harry Potter/Zauberschule/Dingens-Fahrwasser zu fahren schient. Aber da ich es nun einmal hatte. Geschenkter Gaul und so. Zuerst stand aber Murakami auf der Liste, worauf ich schon sehr lange gewartet hatte, dann widmete ich mich aber den Peculiar Children, Was ich besonders interessant fand, noch bevor ich mit dem lesen anfing, war das Cover. Es zeigte eines dieser schlecht retuschierten Vintage-Kuriositäten-Fotos, auf dem ein „schwebendes“ Mädchen zu sehen war. Das war schon einmal nicht schlecht und weckte meine Neugier.

Die Geschichte beginnt mit den Kindheitserinnerungen des Protagonisten Jacob an die fantastischen Fotos (darunter jenes schwebende Mädchen) seines Großvaters, welcher nicht minder fantastische Geschichten aus der Zeit des 2. Weltkriegs von seiner Flucht aus Polen vor den Deutschen und Monstern erzählte, die ihn auf Insel vor Wales führte, wo Kinder mit besonderen Fähigkeiten untergebracht waren. Mit nun 16 Jahren ist Jake freilich nicht mehr so wirklich vom Wahrheitsgehalt von Fotos und Geschichten überzeugt, hat aber weiterhin ein gutes Verhältnis zu seinem Großvater, der mit zunehmenden Altern augenscheinlich immer unter Verfolgungswahn leidet.  Die Geschichte setzt mit einem tragischen Unglück ein, das Jacob davon überzeugt, dass die fantastischen Geschichten und Fotos eventuell doch wahr sein könnten. Er begibt sich auf die Suche nach der Insel und jenen besonderen Kindern, die von einer Miss Peregrine behütet werden.

Schnell fand ich heraus, dass Miss Peregrine eher wenig mit Harry Potter und dem Zauberschulengenre zu tun hatte, weshalb ich mich bereitwilliger auf die Geschichte einlassen konnte. Generell stellen sich die Themen in Miss P. dunkler dar, als ich sie von einem Buch aus dem Young-Adult-Bereich vermutet hätte, nicht nur wegen der Dark-Fantasy-Elemente, sondern auch wegen der Auswirkungen dunkler historischer Ereignisse, wie dem Holocaust und 2. Weltkrieg. Heitere Momenten fehlen jedoch nicht, wenn der aus Florida stammende Jacob auf einer gottverlassenen Insel vor der walisischen Küste auf die Einheimischen mit ihrem unverständlichen Dialekt und merkwürdigen Sitten trifft. Aus diesem Grund lohnt es sich ja immer Bücher in der Originalsprache zu lesen, wenn man diese beherrscht. Der 16-jährige Jacob erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, eines lakonischen, etwas sarkastischen Teenagers, den seine Familiengeschichte auf eine unerwartete Weise einholt. Es fiel mir leicht, Jacob und seine Sicht der Welt sympathisch zu finden, er ist ein eher alltäglicher Typ, nicht unbedingt Material für einen strahlenden Helden, aber auch kein missverstandener 16-jähriger, der sich in seinem Weltschmerz suhlt.

Das Beste an Miss P. sind jedoch die zahlreichen Schwarzweiß-Bilder, um die der Autor die Geschichte gestrickt hat und dem Buch eine ganz besondere, morbide Atmosphäre geben, die es aus dem Young-Adult-Genre hervorstechen lassen. Nicht, dass ich besonders viel aus diesem Bereich lese, aber ich denke, dass der Anspruch von Miss P. Doch ein wenig höher liegt, gerade wegen der historischen Thematik, die die Handlung durchzieht und im zweiten Teil wahrscheinlich weiter ausgeführt wird. Denn das Buch endet nämlich mit einem Cliffhanger, und am Ende ist ein Interview mit dem Autor zu lesen (welches wirklich interessant ist), das die Fortsetzung anspricht. Eine Leseprobe aus dem zweiten Teil gibt es natürlich auch.

Ob ich mir den Film ansehe, weiß ich nicht. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie die Umsetzung ohne die Bilder als Illustration und atmosphärische Elemente funktioniert, hinzu befürchte ich ja, dass die düstere Thematik etwas zu weichgespült werden könnte. Und warum auf dem Filmposter eine Frau mit Armbrust zu sehen ist, frage ich mich ebenso, jedenfalls kam im Buch niemand mit Armbrust vor. Ich schätze, dass ich die Fortsetzung – irgendwann – lesen werde. Wobei ich das bei „Die Auserwählten des Labyrinths“ zwar auch wollte, aber immer noch nicht dazu gekommen bin. Davon abgesehen muss noch den Stapel unrezensierter Bücher abbauen. Cliffhanger hin oder her, ich lese Miss P. auch so immer wieder gerne.

[Rezension/Sci-Fi] Alfred Bester – The Stars My Destination

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Autor: Alfred Bester

Erstausgabe: 1956

Seiten: 240

Sprache: Englisch

Status: (Mehrfach) gelesen

Verlag: Gollancz, 2010

 

„The Stars“  spielt in einer Zukunft, in der die Menscheit das Sonnensystem kolonisiert und eine neue Form der Fortbbewegung, das Jaunten, entdeckt hat. Die Teleportation durch Willenskraft bringt große gesellschaftliche Umbrüche mit sich, welche sich zu einem Konflikt zwischen den Kolonisten und Bewohnern der Erde entwickeln. Der tumbe Gulliver Foyle ist der einzige Überlebende eines havarierten Raumfrachters, wofür er bereits seit 170 Tagen kämpft, als Rettung in greifbarer Nähe scheint. Seine Mühen, auf sich aufmerksam zu machen, werden ignoriert, so dass Foyle über sich selbst hinauswächst, um seinen Rachefeldzug gegen ‚Vorga‘ und den allmächtigen Presteign-Clan zu führen, der an den Grafen von Monte Christo erinnert. Wie für seinen Namensvetter aus Gullivers Reisen beginnt für ihn eine Odysee, durch alle Schichten der menschlichen Gesellschaft, durchs All und durch sich selbst.

Ich hatte vorher noch nie etwas von Alfred Bester gehört, obwohl ich meinte, mich mit klassischen Science-Fiction-Autoren auszukennen, die üblichen Verdächtigen eben, Philip K. Dick, Robert Henlein, Isaac Asimov und dergleichen. In Neil Gaimans Nachwort zum Roman erfuhr ich, dass Bester für Superman- und Green Lantern-Comics schrieb, und „The Stars“ als wichtiger, wenn nicht der Einfluss für das Cyberpunkt-Genre gilt. Zu Bester kam ich über Stephen King, sein Name wurde als Einfluss für mehrere Romane Kings genannt und wie es beim Lesen von Wikis so passiert, verrannte ich mich über Links und Querweise zu Bester, so dass ich beschloss mir einfach „The Stars“ zuzulegen. Das Gute daran war, dass ich außer den Hinweisen im King-Wiki schlichtweg keine Ahnung hatte, was auf mich zukommen würde und total unvoreingenommen lesen konnte. Ich mag ja sowieso Science-Fiction aus den 1950er/60er Jahren. So wirkte einiges, was Technologie betraf, IMG_6599ziemlich kurios – z.B. werden Nachrichten über teleportierende Boten übermittelt – andererseits traf ich auf ein hyperfuturistisches Setting mit fantastischen und metaphysischen Elementen, zum Glück ohne zuviel Technobabble. King muss wohl seine Vorliebe für Spiel mit der Typographie und Illustrationen bei Bester entdeckt haben.

 

Weiterhin es wäre interessant zu erfahren, inwieweit das Bester’sche Jaunten und die Telepathie sowohl Perry Rhodans Mutanten und Star Trek beeinflusst haben. Jedenfalls halte ich es für ziemlich wahrscheinlich. Wie eigentlich bei jedem Science-Fiction-Roman dieser Zeit sind die gesellschaftlichen Hintergründe die spannendsten Aspekte. Das Jaunten verändert die menschliche Gesellschaft grundlegend. Den Menschen steht die Welt offen, man kann in verschiedenen Zeitzonen hintereinander Silvester feiern, man arbeitet in Grönland und macht in New York seine Mittagspause, oder folgt dem Morgen rund um den Globus. Altmodische Fortbewegungsmittel wie Fahrräder, Autos und Züge, vom Zufußgehen ganz zu schweigen, gelten als Statussymbole von Superreichen. Diese globale Gesellschaft ist durch die uneingeschränkte Mobilität ethnisch durchmischt, doch die Schattenseiten sind erheblich.  Krankheiten und Plagen verbreiten sich nahezu ungehemmt über den Erdball, ebenso ermöglicht das Jaunten der Kriminalität grenzenlose Möglichkeiten, besonders was Einbrüche und Vergewaltigungen angeht. Die Reichen schotten sich hermetisch ab, Frauen bleibt als einziger Schutz die purdah, den Rückzug aus der Öffentlichkeit ins abgeschirmte, fensterlose Private.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Besters 26. Jahrhundert eine Dystopie ist. Eine strahlende, optimistische Zukunft ist es freilich nicht, aber so richtig hoffnungslos am Abgrund stehen sehe ich die Erde und das Sonnensystem in diesem Universum nicht. Zweifellos muss diese Gesellschaft ihren Weg zwischen der Beherrschung übernatürlicher Fähigkeiten und der Eroberung des Weltalls finden. Das findet nicht ohne Konflikte und Verlierer statt, es gibt weder die Guten noch die Bösen in „The Stars“, wie man am Protagonisten Gully Foyle selbst sieht. Während des Lesens, selbst beim zweiten oder dritten Mal, war ich mir nie sicher, ob seine Beweggründe einfach nur dumm und egoistisch sind oder vielleicht einem höheren Zweck dienten oder ob nur die Gesellschaft an allem Schuld ist. Wahrscheinlich wird es wohl nie eindeutig zu klären  sein, aber das macht ja den Reiz aus, Bücher mehrfach zu lesen und immer neue Perspektiven zu finden, die sich vielleicht widersprechen. Für mich war es eine gute Entscheidung meiner Neugier zu folgen und ein solch kleines feines Stück Science-Fiction zu finden.

After Work im Schloss – Wie wir irdische Grenzen überwinden

Am 30. November 2017 fand an einem regnerischen Abend die letzte After-Work-Veranstaltung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum im Kurfürstlichen Schloss statt. Für mich waren diese Events die einzigen Gelegenheiten gewesen, noch einmal letzte Blicke in das RGZM im Schloss zu werfen – wenigstens in den zweiten Stock, wo sich das Frühe Mittelalter und die Intervention Codes der Macht efanden. Von der ich gar nicht genug bekommen sollte und mich letzten Endes dazu verlockt hatte, mich über meine geliebte Römerzeit hinaus fürs frühe Mittelalter zu interessieren. Nicht, dass ich diesen Bereich je ignoriert hätte, aber es hatte doch am zündenden Funken gefehlt, bis die Chlodwig-Intervention kam. Dazu aber später mehr. Ich hatte keine Veranstaltung verpasst und fand es sehr schade, dass diese die letzte im Schloss sein würde. Diesmal nahm ich wieder meine Mitbewohnerin sowie ihren Freund mit, welcher aus Österreich nach Mainz zu Besuch gekommen war. Das Thema dieser Veranstaltung lautete „Wie wir irdische Grenzen überwinden“ und wurde bei Wein und Knabbereien anhand zweier Exponate von Frau Kluge-Pinsker erläutert.

 

Die erste Station war eine Silberschale, die Replik einer Grabbeigabe aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. aus dem antiken Friedhof von Parabiago in der Nähe von Mailand, welche die Göttin Kybele und ihren Gefährten Attis in einer Löwenquadriga zeigt.. Diese Silberschale sollte den sozialen Status des Verstorbenen bei der Beisetzung darstellen. Der Kult der Kybele stammte ursprünglich aus Phrygien (heutige Türkei) und die Göttin fand schließlich als Magna Mater Eingang in den römischen Pantheon. Ein Isis-/Magna-Mater-Heiligtum befindet sich übrigens in Mainz, das bei Aushubarbeiten zur heutigen Römerpassage gefunden und mit in das Einkaufszentrum integriert wurde, quasi ebenfalls über seine ursprüngliche Bedeutung hinaus hinweggetragen wurde.

 

Das zweite Ausstellungsstück, das seine ursprüngliche irdische Bestimmung überwand, ist die Cathedra Petri, ursprünglich ein Thron, der für Karl den Kahlen gebaut wurde. Schließlich kam der thron nach Rom, wo der Thron mit Elfenbeintafeln besetzt wurde, welch die zwölf Taten des Herkules und sechs Fabel wesen zeigen. Dem Thron wurde ab dem Mittelalter die Bezeichnung „Cathedra Petri“ zugeschrieben und als Berührungsreliquie verwendet. Schließlich wurde der Thron aufgrund von Beschädigungen und Zweifeln an der Echtheit in ein Stuhlreliquiar eingeschlossen, welches zum Symbol des Papstes als Nachfolger Petri wurde. Eine Replik diente dem Volk schließlich als Reliquie, die bald als Original galt und deshalb wieder entfernt wurde. 1974 stellte das RGZM Kopien der Cathedra her, um sie in der Dauerausstellung des RGZM zu zeigen, welche im Kurfürstlichen Schloss die letzten 20 Jahre als Wissenschaftsausstellung diente.

 

Von der Übernahme von kleinasiatischen Gottheiten durch die Römer und griechisch-römischer Sagen ins Christentum bis zur Umdeutung des Throns als Reliquie leitete Frau Kluge-Pnsker zum Umzug des RGZM über, von der reinen Wissenschaftsausstellung zur Präsentation der Bedürfnisse von Menschen, welche 80000 Jahre Menschheitsgeschichte umfasst. Der Besuch aus Österreich war begeistert und ich nutzte die Chance ihm die „Codes der Macht“ zu zeigen, an diesem Abend zum letzten Mal zugänglich war. Es war schon ein bisschen traurig, da ich mir die Intervention so oft angesehen hatte, bis ich sie fast auswendig kannte.

 

Das Projekt hatte mich ja so fasziniert, seit ich zum ersten Mal das „Wahlplakat“ während des Wahlkampfes 2014 gesehen hatte und ich SOFORT den freundlichen jungen Mann mit dem Schwert zu meinem König gewählt hätte. Demokratie ist ja eh überbewertet. Es war wirklich schade, dass die After Work-Veranstaltung im Schloss zu ihrem Ende gekommen war, auch wenn das Ambiente nicht ganz so cool und modern wie im Schifffahrtsmuseum war.

 

Für mich hatte gerade diese etwas altmodische Atmosphäre seinen ganz eigenen Reiz und war stets den Abstecher bei einem Nachmittagsspaziergang wert, fast schon ein bisschen wie ein zweites Wohnzimmer.

Tage der Offenen Werkstätten im Römisch-Germanischen Zentralmuseum 17./18. November 2017

Hier sollte es entlanggehen, hatte ich aber nicht so ganz mitbekommen ^^*

Ich hatte eine Einladung zur Presseführung zum Tag der Offenen Werkstätten im RGZM, über das ich schon oft und gerne berichtet habe, bekommen. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen, nicht nur was ich in den den Laboratorien und Forschungswerkstätten zu sehen bekommen, würde sondern auch auf meine ‚Kollegen‘ von der professionellen Berichterstattung. Samstagvormittag radelte ich also hin und lief erst einmal prompt in die falsche Richtung, nämlich in den Museumsshop, wo das Kinderprogramm stattfand, wurde aber dann in die richtige Richtung gelotst.

Über die Forschungs- und Restaurierungswerkstätten hatte ich ehrlich gesagt keine genaue Vorstellungen. Zwar hatte ich das flache Gebäude neben dem Schloss bzw. Museum schon irgendwie wahrgenommen, aber damit nicht viel verbunden, außer, dass es eine Bibliothek gab. Jedenfalls stieg bei mir die Spannung, als ich mit einigen anderen Vertretern, die mit ihrer Ausstattung, Kamera, Tonaufnahmegeräte, Notizblöcke unglaublich professionell wirkten, während ich nur mit Smartphone bewaffnet war. Einen Schreibblock hatte ich zwar auch dabei, aber ich kam mir doch etwas, naja, exotisch vor. Jedenfalls erhielt jeder von uns eine Pressemappe und dann ging es auch schon los.

Geleitet wurde die Führung vom Direktor der Werkstätte, Dr. Markus Egg, der uns an jeder Station die Funktion und Arbeitsweise der einzelnen Bereiche erklärte, mit Unterstützung der jeweiligen Mitarbeiter, mit viel Geduld für die anwesende Pressemeute, deren Verhalten für mich beinahe noch spannender war, als die gezeigten Bereich der Werkstätten. Teilweise war ich von dem Gerangel um den freien und besten Blick auf Gerätschaften und Objekte abgelenkt, und von Fragen, die ich wahrscheinlich so nicht gestellt hätte.

Aber gut, als Vertreter eines Senders oder einer Zeitung hat man wohl seinen Fokus und ein bestimmte Klientel zu bedienen, während ich mir die Rosinen herauspicken kann, die mir selbst am besten schmeckten.

Pressebelagerung
„Können Sie das noch einmal so halten?“

Pressebelagerung Pt. II

Natürlich war die Führung als solche hochinteressant, zudem findet der Tag der Offenen Werkstätten nur alle zwei Jahre statt. Hätte man mich ‚ungeführt‘ durch die Werkstätten gelassen, so hätte ich mich wohl ziemlich verzettelt. Bei dem Begriff Werkstätten drängt sich einem doch immer noch Bild von Handwerksarbeit auf, Archäologen, die ein ausgegrabenes Fundstück gewissenhaft zusammenpuzzeln. Das ist es freilich immer noch, doch wurde mir erst bei dieser Führung so richtig bewusst, wie viel mehr dahinter steckt, wie der Einsatz von Röntgengeräten, Materialanalysegeräten, Computertomographen und 3D-Druckern, etc. Die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen stellte sich ebenso vielseitig heraus, mit den verschiedenen Sparten wie Geologie, Archäometrie, Biologie usw.

Zunächst klassisch…

Scherben mit Gartenzwerg
Überreste von Kleidung/Schuhen

So wie man es sich vorstellt

und mit High-Tech

Mit Röntgenbildern
Computertomografie

3D-Darstellung

Die Berufsfelder der Werkstattmitarbeiter sind ähnlich breit gefächert, neben klassisch ausgebildeten Restauratoren finden sich Mitarbeiter mit beruflichen Hintergründen wie Zahntechniker, Goldschmiede und Büchsenmacher. Die Mitarbeiter erklärten in den einzelnen Bereichen sehr geduldig und ausführlich ihre Arbeitsweise und Geräte, Nachfragen beantworteten sie ebenso. Trotz des Gedränges von Pressemenschen, die zusätzlich Objekte und Geräte für Fotos präsentiert haben wollten.

Mir war es zunächst erst gar nicht so bewusst gewesen, dass ’normale‘ Besucher erst gar nicht fotografieren durften, was für meinen angeborenen Drang (das asiatische Klick-Gen xD) alle Mögliche für die Nachwelt festzuhalten die Katastrophe wäre. Eine Abteilung war interessanter als die andere, ich hätte bestimmt für jede einzelne einen Blogbeitrag schreiben können. Erst im Einzelnen betrachtet fiel mir auf, wie vielfältig und vernetzt sich die Arbeit hinter den Kulissen gestaltet. So gab und gibt es internationale Kooperationen, wie mit Ägyptischen Museum in Kairo, wo das RGZM an Restaurierungsprojekten an den Goldblechen und der goldenen Totenmaske aus dem Grab des Tut-Ench-Amun beteiligt war, sowie an Schmuckstücken des Schatzes von Preslav aus dem 10. Jahrhundert.

Ebenso ist das RGZM an Restaurierungsarbeiten am Wikingerschiff von Oseberg beteiligt In der Holzkonservation hat sich durch die in Mainz gefundenen römischen Patrouillenschiffe eine besonders gefragte Expertise erworben (siehe „Ich und das Holz“) und besonders begeisterte Mitarbeiter, so dass bei diesem Rundgang die Holzkonservierung vorgestellt wurde. Mich hatte es sehr gefreut, Herrn Wittköpper wiederzutreffen, welcher seinen Arbeitsbereich nicht nur wieder einmal enthusiastisch, sondern auch als treuer Mainz-05-Fan im Fußballtrikot und der UEFA-Kapp (der 11.11. war gerade eine Woche her) präsentierte.

Das meiste war mir schon durch die After-Work-Veranstaltung zur Holzkonservierung bekannt, doch es war mir wieder eine Freude den Ausführungen zuzuhören. Überhaupt wussten die Mitarbeiter und Studenten so ausführlich und interessant zu erzählen, dass zum Ende der Führung die Zeit knapp wurde und einzelne Bereiche nur angerissen werden konnten, die eigentlicht mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Andererseits war ich bis zum Anschlag voll mit Informationen und Eindrücken, und der Akku meines iPhones machte allmählich schlapp. Nachdem die Führung mit dem Fotostudio als letzter Station beendet war, machte ich mich zunächst auf den Weg nach Hause – ich wohne ja nur um die Ecke – um mich auszuruhen, Handy aufzuladen und noch das Isis-Magna-Mater-Heiligtum in der Römerpassage aufzusuchen, um dem Vortrag über Fluchtäfelchen zuzuhören und selbst eins herzustellen (ich habe allerdings niemanden verflucht)Dazu aber mehr in einem eigenen Blogeintrag. Nach diesem Abstecher begab ich mich wieder zurück ins RGZM, um mir die Stationen anzuschauen, die bei der Führung zu kurz gekommen waren und mich persönlich interessierten.

Ich sah mir zunächst die Kolorierung an, witzigerweise an der Kopie eines Keramikgefäßes, das aus Ausgrabungen (Vicus und Gräberfeld Auf Esch) in meinem Heimatort Groß-Gerau stammte und ließ mir erklären wie archäologische Illustrationen gefertigt werden.Mich freute als Hobbyzeichnerin besonders, dass Handzeichnungen immer noch einen hohen Stellenwert genießen. Zwar wird weniger Wert auf Kreativität gelegt, doch ich mag die ganz eigene Ästhetik dieser Zeichnungen.

Kurz vor Ende der Veranstaltung schaute ich noch einmal bei der Edelmetallkonservierung vorbei, wo der Preslav-Schmuck gezeigt wurde. Eigentlich wollte ich ja die Mitarbeiter in Ruhe lassen, da sie den Tag über sowieso schon genug erzählt haben mussten und ich alles Notwendige schon in der Presseführung gehört hatte. Aber sie waren dennoch unermüdlich noch offene Fragen zu klären und zu erzählen, wie sie den Tag erlebten hatten, was ich im Übrigen fast noch spannender fand. So von einem kuriosen Besucher, der nur wissen wollte, in welcher Tiefe der Schatz gelegen hatte und nach der Auskunft gleich wieder verschwand. Es wäre wohl ebenfalls sehr spannend gewesen, die Besucher zu beobachten, wie sie auf die gezeigten Objekte und Geräte reagieren – was wohl in ein weiteres Mammutprojekt fürs Blog ausgeartet wäre.

Die Herkunft
Der Preslav-Schatz
Ich würd’s tragen

So ging der erste Tag der Veranstaltung zu Ende, aber ich war fürs Wochenende noch lange nicht fertig. Ich hatte mir nämlich vorgenommen, am Sonntag das Kinderprogramm anzuschauen, nach der Mainzer Buchmesse und einem Nachhilfetermin, den ich noch zu absolvieren hatte. Das Wochenende war also fest verplant. Aber was tut man als Blogger nicht alles um seine Neugier zu befriedigen und das auch noch für die Nachwelt festzuhalten. Buchmesse (siehe hier) und Arbeit brachte ich glücklich hinter mich, nun war Zeit für etwas Spaß für Kinder, kleine wie auch für ein etwas größeres.

Das Kinderprogramm fand im Museumsshop des Schlosses statt, wie ich am Tag zuvor mehr durch einen Irrtum herausgefunden hatte. Ich traf dort ein, als ein ganzer Schwung Kinder den Raum verlassen hatte und ich so ziemlich die einzige Person zum Bespaßen war. Das war allerdings auch gar nicht so schlecht, da ich mich mit den Mitarbeitern ausgiebig über mein Interesse an den Projekten des RGZM unterhalten konnte, während ich nebenbei einen Keramikfisch zusammenklebte. Als ich für einen Augenblick allein war, kam es, wie es kommen musste, es kamen nämlich Kinder und ich als einzige Erwachsene, die gerade pseudokompetent am Zusammenkleben war, musste als Anleiterin herhalten. Doch bekanntlich wächst man ja mit seinen Aufgaben. Es machte Spaß und als ich den Fisch schließlich erfolgreich fertiggeklebt hatte, wollte ich schon fragen, wann ich denn morgen anfangen könnte.

Erstmal Scherben
Immer schön am Rand entlang
Tadaaa! Meisterwerk

Als schließlich wieder tatsächliche Mitarbeiter übernommen hatten, schaute ich mir am Tisch gegenüber an, wie man Funde in Scherbenform abmaß und bestimmte. Die Kinder und deren Eltern machten begeistert mit, vor allem als ein Vater herausfand, welch tollen Unsinn man mit den Werkzeugen anstellen konnte, es ließen sich großartig Silhouetten von Nasen, Brillen und Fingern abmessen. Eine Mutter hingegen nahm die Angelegenheit etwas zu ernst und hielt ihren Sprössling zu genauem Arbeiten an. Ich war ja kurz davor zu sagen, dass das Kind doch keine Noten dafür bekommt…Nun gut, es hat ja jeder seine Prioritäten, aber mir gefiel die Variante Spaßhaben doch besser.

 

Spiel- ähm Werkzeug
Dokumentation
Tabelle zur Farbbestimmung Meisterwerk

Bevor ich den Heimweg antrat – das Wochenende begann seinen Tribut zu fordern – sah ich in einen anliegenden dunklen Raum, wo es um das Umzugsprojekt „Auf dem Weg ins Neue Museum“ ging und führte eine angeregtes Gespräch mit der Mitarbeiterin über den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Was das Schloss angeht, bin ich doch sehr voreingenommen, da ich es für eine schöne Umgebung für ein archäologisches Museum halte und das altmodische Flair sehr mochte, aber auch für zeitgemäße Umsetzungen wie das Chlodwig-Projekt bin. Ich denke, dass die Verbindung zwischen Altem und Neuem beim Landesmuseum gut gelungen ist, ebenso beim Schifffahrtsmuseum, ob der Neubau eben nur ein steriler moderner Klotz sein wird oder ob es gelingt ein gewisses Flair zu verbreiten, wird sich noch zeigen müssen.
Damit ging ein wirklich sehr abwechslungsreiches Wochenende zu Ende, mein Anspruch alles mitzunehmen, was es zu erleben gab, hatte sich gelohnt. Ich habe bei dieser Veranstaltung tolle Einblicke hinter die Kulissen des RGZM gewonnen, was nicht zuletzt den engagierten Mitarbeitern aller Bereiche verdanken war.

Zum Schluss noch einige Impressionen aus meinen 179 Fotos, die ich während dieses Wochenendes gemacht hatte, es fiel mir wirklich schwer, eine Auswahl zu treffen – was nicht zuletzt dazu beigetragen hatte, dass es mit dem Beitrag so lange gedauert hatte:

Scan für die 3D-Darstellung
 

Auf dem Monitor
Weiterbearbeitung am PC
Auch sehr klassisch
Puzzlearbeit Level 9000
Fast schon Kunst

Links:

Website des Römisch-Germanischen Zentralmuseums

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[Messebericht] Mainzer Buchmesse 2017

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Nachdem ich für die Frankfurter Buchmesse einen ganzen Tag brauchte, um auch nur einen Bruchteil des ganzen Angebots zu sehen (und davon völlig erschlagen wurde), ging es auf der Mainzer Buchmesse am 17. und 18. November 2017  erheblich beschaulicher zur. Die knapp anderthalb Stunden, die ich dort zwischen Tür und Angel verbrachte, hatten beinahe ausgereicht. Aber nur beinahe. Selbst nach den megalomanischen Ausmaßen der Frankfurter Buchmesse (ich drücke mich sehr erfolgreich vor dem Bericht) , gab es viel mehr zu sehen, als dass die anderthalb Stunden ausgereicht hätten. Ich hatte sonntags einen Nachhilfetermin einschieben müssen (der junge Mann hatte am eigentlichen Termin seine Lateinbücher in der Schule vergessen) und wollte noch einmal zum Tag der Offenen Werkstätten im Römisch-Germanischen Zentralmuseum (worüber ich auch noch schreiben werde), wo ich zwar schon tags vorher war, aber ich wollte mir das Kinderprogramm anschauen. Dazu aber mehr im entsprechenden Blogbeitrag.

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So fuhr ich an diesem windigen Sonntagmittag zum Rathaus, wo ich in der ganzen Zeit, die ich in Mainz wohne, noch nie gewesen war. Nun, das Gebäude an sich hatte mich nie gereizt, ganz besonders, wenn es gegen den Mainzer Dom, St. Stephan, Landesmuseum und das Kurfürstliche Schloss nicht einmal ansatzweise anstinken kann. Es funktioniert eher nach dem Motto „Nicht schön, aber selten“  und versprüht 70er-Jahre-Flair, wo es vermutlich einmal toll und modern gefunden wurde. Aber gut, Brutalismus wird heute auch im Museum gezeigt und das Rathaus ist ein Mainzer Markenzeichen, das man auf seine Weise lieb gewinnt. Irgendwie.

Also wagte ich mich in das Innere des Markenzeichens, vor allem weil es innen warm und draußen kalt war. IMG_5125Trotz der bescheidenen Ausmaße (wahrscheinlich ist sogar die Minipressenmesse größer), versprühte diese Veranstaltung auch eine Art Messeflair, nur nicht ganz so kosmopolitisch, aber dafür mit mehr Kindern. Die Aussteller waren vor allem kleinere Verlage aus der Region sowie Kunstdruckhandwerk, da durfte ein Stand vom Gutenberg-Museum natürlich nicht fehlen. Ich entledigte mich meiner Jacken, schlenderte herum, darauf gespannt, wo es mich als erstes hintreiben würde. Das war der Stand eines Verlages (jüli-Verlag Mainz), der Zeichungen und Aquarelle in Postkartenform vor allem aus Mainz feilbot. Die Dame, die Verlgersgattin offenbar, war in der Hinsicht Informationen an an arglose Passanten zu bringen, nicht gerade schüchtern und vor allem geschäftstüchtig.

Wenigstens kam sie nicht mit einem „Duuuu juuu laik sriller!!??“ an, wie es mir auf der FBM widerfahren war, als ich nicht gleich auf „Mögen Sie Sriller???!!!!'“ reagiert hatte. Die Postkarten und sonstigen Illustrationen waren wirklich sehr hübsch, die Idee originell, zum Kaufen haben sich mich allerdings nicht so arg gereizt. Wie es sich für eine interessierte Bloggerin gehört, wollte ich (und tat es auch) fragen, ob ich Fotos machen könne, worauf ich ein energisches „Nein!“ zu hören bekam. Die Erklärung, dass ich die Fotos für mein Blog machen wollte, verunsicherte die Dame immerhin so sehr , dass sie den Gatten fragte. Beide Herrschaften waren schon etwas älter und vermutlich noch nicht so mit den Gepflogenheiten des Internets vertraut, aber er meinte, dass es okay sei, während sie noch skeptisch schien, obwohl ich versichert, dass der Verlagsname selbstverständlich genannt würde. Willkommen im Neuland!

Ganz anders sah das freilich am Stand von Pengboom Society (pengboom.de) aus, wo die Zeichner/Autoren persönlich vor Ort waren, um ihre Werke zu präsentieren und es entwickelt sich ein wirkliches nettes und angeregtes Gespräch über deren Comics. IMG_5132Ich bin leider nicht die eifrigste Comicleserin, ich versage kontinuierlich beim Sammeln von Manga, auch wenn sie noch so interessant sind, so dass es meist bei One Shots wie von Jiro Taniguchi bleibt. Dass ich die Clone Wars-Sonderbände komplett habe, ist mir bis heute noch ein Rätsel… Bei Pengboom hatte mich zunächst ein historischer Comic namens „Das größte Fest der Welt“ angelockt, welches von den Abenteuern dreier Kinder bei der Kaiserkrönung 1742 in Frankfurt erzählt. Wie ich später herausfand, ist dieser Comic der Start einer hauseigenen Comicreihe mit dem Jungen Museum in Frankfurt und dem Zwerchfellverlag. Neben der Zeichnerin von „Das größte Fest der Welt“, stellten die beiden Zeichner von Pengboom Society ihre Werke vor, zum einen den Webcomic „A House Divided“, wo es die Vorgeschichte als Druckerzeugnis gab und „Kletschmore“, die es beide im Internet auf Englisch zu lesen gibt. IMG_5133Da ich bei Webcomics ausdauernder bin und solche sehr leicht zum Prokrastinieren im Internet verleiteten anstatt fleißig im Blog zu schreiben, habe ich mir in der Zwischenzeit „A House Divided“ durchgelesen und warte nun gespannt, wie es weitergeht. Ich habe mich wirklich sehr angeregt mit den Autoren unterhalten und neben einer sehr schönen Autogrammkarte wurden natürlich meine Fotowünsche mehr als bereitwillig erfüllt. Danke fürs „authentische“ Posieren“  ^^. Hier merkte man man den Generationenunterschied. Wo ich zuvor noch ein brüskes „Nein“ bekam, war es hier kein Frage, das Web ist schließlich selbst ein Medium zur Veröffentlichung. Der Unterschied in den Reaktionen war jedenfalls bemerkenswert.

Wie es sich für Mainz gehörte, war auch das Gutenberg-Museum vertreten und ich musste einfach die Gelegenheit nutzen, mir endlich einmal ein Mainzelmännchen handzudrucken. IMG_5137Und dass wo ich doch schon so lange in Mainz wohne, seufz. Nun fehlt nur noch ein Ablassbrief, ich hoffe sehr auf eine weitere Gelegenheit, mir die Freisprechung von meinen Sünden doch noch irgendwann zuzulegen. Nach dieser kleinen Pause fielen mir besonders schön mit Aquarellen gestaltete Buchumschläge und Leporellogeschichten ins Auge. Beim näheren Blick in die Bücher entdeckte ich, dass es ebenfalls Illustrationen gab. Im Gespräch fand ich heraus, dass der Verlag (Wind und Sterne Verlag)sowohl Wert auf die Illustrationen als auch auf gebundene Bücher legt, und diese günstig anzubieten. Eine Idee, die ich sehr unterstützenswert finde. Im Angebot war nichts dabei, was mich persönlich interessiert hätte (lag u.a. wahrscheinlich am Zeitdruck), doch mir kam die Idee, einen der Krimis meiner Mutter als Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Für knapp 15 Euro ein gebundenes Buch mit einem hübschen Umschlag und Illustrationen zu erwerben, war schon toll. Wenn meine Mutter das Buch durchgelesen hat, werde ich es mir gewiss einmal zu Gemüte führen. Wahrscheinlich hätte ich mir Stundenlang das Angebot ansehen können, doch die Zeit wurde knapp.

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Als nächstes zog ein Stand ( Brighton Verlag ) meine Aufmerksamkeit auf sich, bei dem es augenscheinlich um Fantasy und Historisches ging. Die Cover waren teils Fotografien, teils gezeichnet, was mich an Manga- oder Graphic-Novel-Einbände erinnerte, was sie aber nicht waren, sondern Romane aus den eben erwähnten Bereichen. Ich fand die Gestaltung des Standes mit ‚Goldmünzen‘ sehr hübsch und fürs Genre sehr passen. Was mich hier besonders faszinierte, war ein Ausmalbuch für Erwachsene zu einer Romanreihe aus dem Verlagsangebot, in dem man sowohl die Figuren ausmalen als auch Textpassagen aus den Romanen lesen konnte. Ich weiß zwar nicht, ob ich die Bücher interessant genug finde, um sie selbst zu lesen,  aber mag das Konzept sehr.

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Meine letzte Station war ein Verlag (Mini-Verlag Meisterburg), der Kinderbücher zu eher ’schwierigen‘ Themen (z.B. Schlaganfall beim Opa und Pflegeheim) und für mich als Nachhilfelehrerin interessante Bücher zum Lesenlernen anbot. IMG_5141Ich kam mit der Autorin des Leselernbuches ins Gespräch, da ich eine Grundschülerin mit Leseproblemen betreue und entschloss mich eines der Bücher auszuprobieren, wo übers Basteln zum Lesen angeregt werden soll. Die Zeit drängte, schließlich hatte ich noch vor zu arbeiten und wollte noch ins Römisch-Germanische Zentralmuseum. Soviel Stress an einem Sonntag, aber ich wollte es so. Allerdings musste eine kleine Stärkung sein. Die Auswahl an dem Büffet mit hausgemachtem Kuchen, belegten Brötchen und orientalischen Snacks war zu überwältigend, so dass ich bei einem schnöden Käse-Schinken-Brötchen beließ, weil es am schnellsten ging. Gerne hätte ich mich noch eingehender umgesehen und an der Lesung von Pengboom teilgenommen, was allerdings bei meinem Zeitplan für diesen Tag nicht mehr drin war. Trotzdem war ich mit dem Besuch dieser Messe zufrieden und hatte ein paar schöne wie amüsante Eindrücke gesammelt, besonders, was der Umgang mit dem Internet anging.

[Im Museum] Work In Progress im Schifffahrtsmuseum – Virtuelle Realitäten, Supertanker, Spielkinder, Playmobil und Playstations.

Kaum war die eine After-Work-Veranstaltung zu Ende, schon kam die weitere im Schifffahrtsmuseum in der folgenden Woche. Bloggerprobleme können schon heftig sein… Jedenfalls hatte ich schon meine Mitbewohner rekrutiert – für den neuen Mitbewohner das ‚erste Mal‘ und prompt kamen Fragen wie ‚Gibt’s da einen Dresscode‘, da er sich wohl eine elitäre Veranstaltung für Büroangestellte in Anzug und Kostüm darunter vorstellte. Nein, gibt es natürlich nicht, aber anscheinend hatte der Begriff ‚After Work‘ diese Assoziation ausgelöst und ich sagte nur, dass er hingehen konnte, wie er wollte. Überzeugt war er nicht, die Neugierde allerdings war doch groß. Als wir schließlich an diesem Donnerstagabend ankamen (die Mitbewohnerin würde direkt von der Arbeit kommen), war ich wirklich positiv überrascht, dass sich eine Menge Leute eingefunden hatten, fast alle Stehtische waren besetzt und weitere Besucher schauten sich im Museum um. Die nächste Überraschung war, dass mein Mitbewohner bekannte Gesichter traf, so dass hoffentlich alle Bedenken, dass dies ein hochformeller Anlass sei, zerstreut waren. Eingeläutet wurde der Abend mit Prosecco und Wein. Ja, schon wieder, aber meine Güte, wenn man dort welchen trinken kann…und ich hatte jetzt endlich Gelegenheit, etwas vom Angebot des Weinhaus Michel zu probieren, was dort schon seit der ersten After-Work-Veranstaltung verkauft wurde und immer so toll präsentiert wird.

Meine Mitbewohnerin brachte noch eine Kollegin mit und wir verbrachten eine so nette Runde am Stehtisch, dass wir beinahe die heutige Führung vergaßen. Dieses Mal fand weniger eine Führung statt, mehr eine Präsentation, die von Herrn Kimmel, Leiter der Abteilung Bildung und Kommunikation im RGZM eingeleitet wurde, wonach die Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen zu Wort kamen und die Bestandteile des Projekts Mixed Reality Open Lab vorstellten, welches in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wissensmedien Tübingen und der Hochschule Mainz stattfindet.

Am Beispiel eines römischen „Supertankers“, dem Wrack von La Madrague in Frankreich, wurde gezeigt, mit welchen Medien die Objekte des Schifffahrtsmuseums dem Publikum künftig zugänglich gemacht werden sollten. Zum einen natürlich durch ein Modell als Anschauungsobjekt, zum anderen durch Augmented Reality in Form einer Oculus-Rift-VR-Brille. Gleichzeit findet eine barrierefreie Umsetzung statt, z.B. mit Stationen für Blinde. Das Highlight war jedenfalls die VR-Brille. Ich hatte noch nie eine aufgehabt, und so war das Erlebnis ziemlich aufregend. Zu sehen bekam ich ein römisches Heerlager und wie es ist, auf einem römischen Kriegsschiff zu stehen. Das hat schon einmal einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie der Blick in ein Schiff wie das La-Madrague-Wrack gestaltet werden könnte. Nicht nur anhand eines Modells, wie wir es an diesem Abend zu sehen bekamen, sondern auch in der Virtuellen Realität.

Nach der Vorführung sorgte vor allem der Mitmachbereich für Kinder bei den Kollegen (ein weiterer war noch dazugekommen) meiner Mitbewohnerin für sehr viel gute Laune. Dort können nämlich nicht nur Kinder Spaß haben, sondern auch etwas größere Kinder, wie sich herausstellte. Die Würfel- und Brettspiele und das Knoten von Schiffstauen hatte es ihnen besonders angetan, während ich wieder einmal die Playmobilsammlung anhimmelte. Die Jungs in der Runde waren am meisten von dem Bolzengeschütz und den Kriegsschiffen angetan, sie hatten allerdings mehr Krieg erwartet und fanden Handelsschiffe eher langweilig, ganz egal ob sie nun 10.000 Amphoren Wein transportieren konnten oder nicht.

Im Anschluss an die Veranstaltung ging es mit uns noch zu einem Absacker in den Domsgickel, quasi zur After-After-Work. Unterwegs kamen wir auf weitere Ideen, wie man eine solche Veranstaltung aufpeppen könnte. Inspiriert war ich durch ein Kinoplakat, das Stripper und ‚heiße Männermodels‘ für die Ladies‘ Night beim Cinestar versprach, während die Herren auf Playstation und Strategiegames wie Age of Empires setzten. Ich denke mal, dass früher römische Damen sicher nichts gegen gutaussehende Sklaven hatten, die ihnen den Wein reichten, während sich die Männer über Politik und Krieg ausließen.

 

Diesmal hatte es mehr Besucher als bei den ersten Veranstaltungen gegeben, was ich sehr erfreulich fand. Dadurch, dass es weniger eine Führung als eine Vorführung von Work in Progress für zukünftige Projekte gab, inklusive der Vorstellung von beteiligten Mitarbeitern, hatte ich hatte den Eindruck, dass es sich, nun ja, mehr um eine Art Prestigeveranstaltung handelte. Ich meine das nicht negativ, schließlich ist es nie verkehrt, Projekte vorzustellen und um Interesse zu werben, vor allem wenn interdisziplinär gearbeitet wird und das Interessenten aus völlig anderen Bereichen anlockt. Im Grunde mache ich ja ähnliches über das Blog, allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Atmosphäre ein wenig anders als bei den vorherigen Veranstaltungen war, eher ‚offizieller‘.

Wichtiger war jedoch, dass meine Begleiter viel Spaß im Schifffahrtsmuseum hatten, über das sie vorher kaum mehr wussten, als das es existiert, unbekannt war z.B., dass es freien Eintritt gibt. Da ich dieses Museum ebenfalls sehr gerne mag, hat mich das natürlich mehr als gefreut, dass wir alle einen unterhaltsamen Abend dort verbracht hatten.

Links

Museum für Antike Schifffahrt – Facebook

Römisch-Germanisches Zentralmuseum – Facebook

After Work im Museum