[Filmrezension/Spoiler] Solo – A Star Wars Story – Wirklich?

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Ich wage mich das erste Mal an eine Rezension zu Star Wars. Obwohl ich ein großer Star Wars-Fan bin, oder vielleicht auch deswegen. Es heißt ja nicht umsonst, dass Star Wars-Fans auch die größten Star Wars-Hasser und schlimmsten Kritiker sind. Jedenfalls sind die Star Wars-Sequelfilme und Spin-Offs ein hochemotionales Thema für mich, weshalb diese Kritik nicht gerade sachlich und konstruktiv ausfallen wird. Nur soviel als Vorwarnung dazu und davor, dass es Spoiler geben wird, die sich auf Details aus dem Film beziehen. Es kann sein, dass ich die Reihenfolge oder Personen nicht mehr so richtig im Kopf habe, da mein Gehirn sich geweigert hat, sich diese zu merken, wenn ich dann mal doch etwas nachgeschlagen habe, ist mir klar geworden, dass es aus triftigen Gründen geschah.

Wie alles anfing – I have a bad feeling about this

Schon im Vorfeld war ich nicht von der Idee eines Standalone-Films begeistert, nachdem was mir The Force Awakens und The Last Jedi geboten hatte, hoffte aber auf den Rogue One-Effekt. Nämlich, dass meine Erwartungen so niedrig waren, dass ich positiv überrascht würde. Nun ja, die Trailer konnten schon einmal nicht dazu beitragen. Da gab es Chewbacca, Leute, die wie ein junger Han Solo und ein junger Lando Calrissian aussahen, ein paar Stormtrooper und imperiale Offiziere. Und Daenerys…ähm Emilia Clarke, Paul Bettany und Woody Harrelson und ein komischer Droide, der auf den ersten Blick wie ein Tactical Droid aus The Clone Wars wirkte. Die Musik – eine Art Synthrock-Version des Star-Wars-Themas und die Optik erinnerten mich ein bisschen an Blade Runner. Das war schon mal gar nicht so…gut. Von der Wahl des Hauptdarstellers Alden Ehrenreich war ich auch nicht sooo angetan, ich musste erst einmal herausfinden, wer das war und dann der Rausschmiss des ursprünglichen Regieteams…meine Erwartungen sanken rapide, aber wie gesagt, ich hoffte darauf, dass ich wie bei Rogue One doch einigermaßen unenttäuscht aus dem Kino käme. Ich ignorierte auch die leichten Spoiler, mit denen ich konfrontiert wurde. Schließlich verabredete ich mich mit Christina von Books’n‘ stories zum Kinobesuch und anschließendem Fußballgucken (Deutschland – Mexiko).

135 Minuten später kam ich alles andere als enthusiastisch wieder aus dem Kino heraus und stellte fest, dass ich mich schon zu tief ins Expanded Universe (welches nach der Disney-Übernahme zum Legends-Canon degradiert wurde) hineingenerdet hatte, um mich an den Sequel- und Spin-Off-Filmen als Star Wars-Filme erfreuen zu können.

Der Film – this is where the fun begins – not so much

Dieses Expanded Universe hat mich natürlich stark geprägt, und es ist mir klar, dass Filme einer solche Masse an Hintergrundinformationen nie komplett gerecht werden können. Sie bilden nur einen kleinen Ausschnitt ab und sind von der Interpretation durch den Regisseur etc. abhängig. So hatte ich natürlich schon mein Bild von Corellia, dem Heimatplaneten Han Solos und seine Vorgeschichte gab es ebenfalls schon in anderer Form. Der Film stieg nun auf Corellia ein und mir hatte diese Version nicht gefallen. Wahrscheinlich spielt da meine immer größer werdende Aversion gegen die trendige Dreckig-nass-düster-Schrott-Atmosphäre in Filmen und Serien mit hinein. Ich habe ja eigentlich nichts dagegen, die Original-Trilogie bezog ja ihren Charme auch aus dem Used-Look, aber irgendwie beginnt es mich zu stören. Wie im Expanded Universe ist dieses Corellia eine renommierte Werftwelt für Raumschiffe, aber ich fragte mich, ob man sich wirklich in ein Raumschiff setzen möchte, das dort zusammengekleistert wird. Nun ja, der erste genervte Seufzer entrang sich mir, als der junge Han und seine Gefährtin Qi’ra (Emilia Clarke) planten, sich mit dem wertvollen Coaxium abzusetzen, einem mysteriösen Zeugs um Treibstoff für Raumschiffe zu gewinnen. Arrgh! Raumschifftreibstoffe sind seit The Last Jedi ein rotes Tuch für mich. Dann wurde es richtig peinlich, als es zur Nachnamensfindung des Protagonisten kam, als dieser sich fürs Imperium rekrutieren ließ und sich folgender Dialog entspann – sinngemäß, ich hatte keine Lust das extra nachzuschauen:

Imperialer Rekrutierungsoffizier: Nachname?
Han: Ich bin allein
Imperialer Rekrutierungsoffizier (denkt kurz nach): Öhh ja, allein…ach, Solo passt doch ganz gut

Dann ging es weiter und plötzlich fand sich der endlich nicht mehr nachnamenlose Held im Ersten Weltkrieg wieder. Nein, natürlich nicht, aber in nassen, schlammigen Schützengräben der imperialen Infanterie. Ja, Infanterie, keine Sturmtruppen, sondern ganz gewöhnliche Soldaten. Das war wirklich nett zu sehen, dass die Imperiale Armee nicht nur aus Stormtroopern besteht. Aber die Erste-Weltkriegs-Analogie Dreck, Regen, schlammige Schützengraben, Geschrei etc. war mir persönlich zu aufdringlich. Eigentlich finde ich Analogien und Hommagen und Easter Eggs total toll, aber nicht, wenn sie einem alle fünf Minuten mit Großbuchstaben und Ausrufezeichen präsentiert werden. Krieg ist schlecht und dreckig, schon verstanden. Außerdem liegt der Reiz von Ostereiern darin, dass man sie suchen muss und nicht ins Gesicht geworfen bekommt. Jedenfalls stößt der immer etwas blauäugig wirkende Han so auf seine Kumpane Tobias (Woody Harrelson), Val (Thandie Newton) und rettet nebenbei Chewbacca, desertiert aus der Armee, um ein Ding zu drehen und wieder wertvolles Zeugs zu klauen, nämlich wieder Coaxium. Seufz. Diesmal gehts in die Alpen und man überfällt einen Zug. Also so eine Art Schwebebahn, die mich an eine solche aus dem Perry-Rhodan-Roman „Der Schwerelose Zug“ aus dem Andromeda-Zyklus erinnerte und an den Zugüberfall aus „Captain America: First Avenger“. Aber darüber rege ich mich gar nicht auf. Das war eine ganz spannende Handlung und man kann das Rad nicht neu erfinden. Eingeführt wurde der Gegenspieler Enfys Nest, welcher mit einer Mischung aus Podracern und Speederbikes dazwischenfunkte. Nett, aber trug nicht zur eh kaum vorhandenen Star Wars-Atmosphäre bei. Genauso wenig wie die Analogie zu Hans misslungenem Schmuggelauftrag für Jabba in der Original-Trilogie, nur dass es eben dieses ominöse Treibstoffdings ist und der Gangsterboss Dryden Vos (Paul Bettany). Als richtiger Star Wars-Nerd verbinde ich den Nachnamen Vos mit dem Jedi Quinlan Vos, aus dem Vos-Clan vom Planeten Kiffu (klingt komisch, ist aber so). Natürlich handelte es sich nicht jemanden mit dieser Abstammung, sondern um irgendeinen Typen mit Narben im Gesicht, der ein eigenes elegantes Casino-Schiff besitzt. Von Last Jedi haben wir gelernt: Ins Casino gehen dekadente Leute mit vieeeeel Geld, die es auf unehrliche Weise an sich gebracht haben und kleine Kinder und Esel-Hundepferde ausbeuten. Zumindest war das alles recht stilvoll, so ein bisschen Art Deco, aber immer noch wenig Star Wars.

Aber Han trifft seine Qi’ra wieder, die die Geliebte, rechte Hand oder ähnlich von Herrn Vos geworden ist. Wieder stolpert der gewitzte Bursche ziemlich naiv durch die Gegend und als ob ein mächtiger und reicher Syndikatsboss sonst keine Möglichkeiten hätte, kommt man auf die tolle Idee einem gewissen Lando Calrissian (Donald Clover) das Schiff abzuschwatzen, um nach Kessel zu fliegen und dem Pyke-Syndikat das Coaxium abzuluchsen. Also suchen Han, Qi’ra und Tobias (Val ist zwischendrin ums Leben gekommen, aber hat auch nicht weiter gestört) irgendwo anders eine verranzte Spielhölle auf, die gut zu Mad Max gepasst hätte, wo Lando dem Sabacc frönt, währenddessen sich sein weiblich programmierter Droide namen L3-37 (!) für Droidenrechte einsetzt. Naja sie kriegen Lando dazu, dass sie seinen Milennium Falcon für den Coup benutzen dürfen und man ahnt es schon, den berühmten Kessel-Run absolvieren. Nebenher bekommt man mitgeteilt, dass Lando in den Droiden verschossen ist, da auch schon was ging, und dass er eine erkleckliche Sammlung an Umhängen besitzt. Kann man machen, muss aber nicht. Also erreicht man die Minenwelt, wo das Pyke-Syndikat Leute und Droiden zum Spice-Abbau knechtet, wohingegen im alten Canon die Galaktische Republik und das Galaktische Imperium ihre Gefangenen zur Zwangsarbeit schickten. Während Han Solo das Coaxium stehlen geht, zettelt L3 eine Droidenrevolution an und hat damit ihre Bestimmung gefunden, wird aber im Zuge der Flucht zu Schrott geschossen. Auch kein besonders rührender Augenblick für mich, sondern es ging mir eher so, gut, dass das nervige Ding seine Klappe hält.

Jedenfalls muss die Gang fliehen, und bekommen sie nur hin, wenn sie L3s Droidengedächtnis ins Schiff integrieren, und dann muss auch Lando nicht mehr so um seine Droidenfreundin weinen. Dann findet der berühmte Kessel-Flug in weniger als 12 Parsecs statt. Was keine Zeiteinheit ist, sondern ein Längenmaß, auch wenn es Parallaxensekunden heißt. Der Rückflug durch den Kessel-Run wird durch das Aufkreuzen eines Sternzerstörers verhindert (weil der Kessel-Run so eine Art Schlauch ist) und was macht man, wenn man nicht vorbei kann? Man fliegt eine Abkürzung. Ja. Das führt dazu, dass man ein Space-Monster weckt, noch größer als der der Exogorth aus EP IV, beinahe in ein Superschwerefeld gezogen wird, aber stattdessen das Space Monster dran glauben muss. War auch was, das nicht so gestört hat, ohne Gigantismus und die eigenwillige Astrophysik kommt Star Wars nicht aus. Nach der erfolgreichen Flucht ging es auf einen anderen Planeten, wo das Coaxium raffiniert werden sollte, an einer wüstenartigen Meeresküste, wo bunt zusammengewürfelte Leute in Hütten lebten, die auf eine vage folklorehafte Weise ‚ethnisch‘ wirken sollten und das Coaxium raffinierten. Wie auch immer sie das anstellen wollten. Später erschien Boss Vos in seinem dekadenten Casino-Schiff und dann überschlugen sich die Ereignisse.

Jedenfalls tauchte Enfys Nest wieder auf, um der Gang die Beute wieder abzunehmen und Lando haute mit dem Milennium Falcon wieder ab. Nest entpuppte sich unter seiner martialischen Rüstung, die wiederum sehr Mad Max-artig wirkte, als ein rothaariges, sommersprossiges Mädchen, das mit den ethnischen Strandbewohnern zu tun hatte, die irgendwie von Vos von ihren Welten ausgebeutet, vertrieben etc. waren. Quasi die Analogie zu den ausgebeuteten Stallkindern auf Cantobeit, aber passt ja zu Vos‘ dekadentem Casino-Schiff. Und siehe da, Han entdeckt seine soziale Ader. Aber sollte er nicht ein Schurke sein, der nur an sich denkt? Zunächst aber gilt es Vos auszutricksen, aber wenn das ja so einfach wäre und es erfolgt ein doppelter Doppelbetrug, in Zuge dessen Beckett und Vos das Zeitliche segnen, und Qi’ra sich als die wahre Gegenspielerin herausstellt. Gut, könnte man sagen, irgendwie muss Han ja zu Leia finden. Aber leider war es nicht gut, denn Qi’ra kontaktiert einen Hintermann und dieser entpuppte sich als Darth Maul. Zwar war ich schon gespoilert, dass er vorkommt, aber nicht so und ich habe ein ganz mieses Gefühl entwickelt, was weitere Spin-Offs betrifft. Und kann man den armen Maul nicht einfach in Ruhe lassen? Er war in The Phantom Menace ein echt cooler Charakter, ich fand es sogar ganz gut, dass er in The Clone Wars reaktiviert wurde. Als er schließlich in Rebels wieder erschien, als ich mal eine Doppelfolge sah, die mich interessierte, war ich genervt. Nein, dieses Cameo hat mich nicht gefreut. Eher noch mehr verärgert. Doch zunächst erst das Ende des Films, oder vielmehr das Nicht-Ende. Schließlich brauchte Han noch den Milennium Falcon. Irgendwie hatte er Lando in einer weiteren Spielhölle ausfindig gemacht und ausgetrickst, um sich das Schiff zurückzuholen. Aus welchen Gründen auch immer.

Mein Fazit – it’s coarse and rough and irritating

Es fühlte sich alles an, inklusive des Maul-Cameos, als ob da noch Raum für ein paar weitere Filme gemacht werden soll. D.h. Spin-offs dieses Films, wie es mit Qi’ra und Maul weitergehen könnte, wie sich Han und Lando immer weiter versuchen, das Schiff abzuluchsen und und und. Aussichten, die mir gar nicht gefallen, vor allem, wenn jedes Jahr irgendein weiterer Teil von neuenTrilogien und Spin-offs und Anthology-Filme herauskommen. Und eine Animationsserie und eine Realserie. Dann wird Star Wars nichts mehr sein, worauf man sich freuen kann. Wenn alle Wochen Weihnachten und Geburtstag wäre, wo wäre noch das Besondere, die freudige Erwartung? Letztendlich hat sich doch eine gewisse Ermüdung eingestellt, denn Solo hat nicht die Ergebnisse eingespielt, die ihn zu einem richtigen Kassenerfolg gemacht hätte. Die Enttäuschung vieler Fans über The Last Jedi und die dazugehörigen Kontroversen haben sicher erheblich dazu beigetragen.

Für mich persönlich gehören die Disneyproduktionen, also Sequelfilme, Rogue One und Han Solo zu einem Alternativen Universum, wo J.J. Abrams und Co. ihre merkwürdigen Fanfiktionen über Star Wars ausleben. Zu meinem Kino-/Serien-Universum gehören die Episoden I – VI, The Clone Wars (Die Animationsserie von David Filoni und die Tartakovsky-Miniserie), bis zu einem gewissen Ausmaß Rebels, welches ich, bis auf eine Folgen aber nicht mehr gesehen habe. Schließlich konnte ich eine gewisse Freude nicht verhehlen, dass weitere Spin-Off-Filme auf Eis gelegt werden sollen. Wenn nämlich ähnliches mit Obi-Wan Kenobi, Darth Maul und Boba Fett geschieht, wie mit Han Solo, ist das im Grunde nur noch Leichenfledderei, um das Alien-Nippelmonster auch noch des letzten Tropfens grüner Milch zu entrauben.

Was den Solo-Film selbst betrifft, so ist er an sich nettes Sci-Fi-Popcornkino, das solide unterhält. Es gibt eine klare, lineare Storyline, einen McGuffin (das Coaxium), der den Protagonisten einen Grund für ihr Handeln gibt. Wenn es etwas Gutes gab, dann eine spannende Erzählstruktur ohne gefühlte zehntausend Subplots und ohne Nebenfiguren, die nerven und trotzdem bis zum Schluss am Leben bleiben. Originell geht zwar anders, aber wie schon weiter oben erwähnt, man muss nicht immer das Rad neu erfinden und die 135 Minuten werden nicht lang.

Als Star Wars-Film aber ist Solo schlichtweg nicht geeignet. Ich hatte nur sehr selten das Gefühl, mich im Star Wars-Universum zu befinden. Es reicht einfach nicht, Versatzstücke aus den vergangenen Filmen und Serien reinzupappen, wahllos Namen aus dem Expanded Universe fallen zu lassen, vom Cameo ganz zu schweigen. Außerdem bezweifle ich, dass ein solcher Film überhaupt nötig gewesen wäre. Es muss nicht immer alles erklärt und beleuchtet werden, Han macht seine Charakterentwicklung in Episode IV – VI durch. Ich hätte eher erwartet, dass er ein junger und rücksichtsloser Hallodri ist, den soziale Gerechtigkeit einen feuchten Dreck kümmert. Denn im Grunde hätte er sich, so wie er in Solo herüberkommt, schon zu diesem Zeitpunkt der Rebellion anschließen können. Leider kommt er ohne richtige Ecken und Kanten herüber, und vielleicht liegt es auch daran, dass Alden Ehrenreich zu weich für die Rolle wirkt. Klar könnte er eine junge Version von Han Solo sein, aber optische Ähnlichkeit und genau wie Harrison Ford zu spielen reichen eben nicht, wenn er einfach nicht der Typ dafür ist. Vielleicht hätte ich am Abend zuvor nicht noch Indiana Jones und der Tempel des Todes sehen sollen. Die anderen Schauspieler machen ihre Sache ebenfalls ordentlich, aber Star Wars ist schließlich Action-Kino und schauspielerische Leistungen liegen sowieso im Auge des Betrachters. Werbung für die Spin-Off- und Anthology-Filme war Solo jedenfalls nicht. Ich war sowieso schon skeptisch und mir ist nun die Lust daran gründlich verdorben worden. Um die Sequel-Trilogie abzuschließen, werde ich mir nur noch Episode IX im Kino ansehen, danach ist Schluss – auch wenn man natürlich niemals nie sagen sollte.

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[Rezi/Fantasy-Young Adult] Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children

imageAutor: Ransom Riggs

Seiten: 352

Sprache: Englisch

Verlag: Quirk Books 2013

Deutscher Titel: Die Insel der besonderen Kinder

Status: beendet

 

Ich kam ja etwas unverhofft zu diesem Buch. Da meine Eltern in punkto Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke eher unkreativ veranlagt sind, schrieb ich im Dezember 2016 eine Liste. Diese führte Haruki Murakamis 1Q84 sowie Robert HarrisFatherland auf. So weit, so gut. Wahrscheinlich habe ich es der Geschäftstüchtigkeit des patenten Buchhändlers (siehe hier) zu verdanken, dass ich an meinem Geburtstag, der relativ kurz vor Weihnachten ist, ziemlich unverhofft Miss Peregrine vorfand. Der Titel war mir insoweit ein Begriff, als mir um die Zeit auf YouTube ständig Trailer zu einem Film dieses Namens empfohlen wurden, ich aber kein gesteigertes Interesse daran hatte, weil  das so ein bisschen im Harry Potter/Zauberschule/Dingens-Fahrwasser zu fahren schient. Aber da ich es nun einmal hatte. Geschenkter Gaul und so. Zuerst stand aber Murakami auf der Liste, worauf ich schon sehr lange gewartet hatte, dann widmete ich mich aber den Peculiar Children, Was ich besonders interessant fand, noch bevor ich mit dem lesen anfing, war das Cover. Es zeigte eines dieser schlecht retuschierten Vintage-Kuriositäten-Fotos, auf dem ein „schwebendes“ Mädchen zu sehen war. Das war schon einmal nicht schlecht und weckte meine Neugier.

Die Geschichte beginnt mit den Kindheitserinnerungen des Protagonisten Jacob an die fantastischen Fotos (darunter jenes schwebende Mädchen) seines Großvaters, welcher nicht minder fantastische Geschichten aus der Zeit des 2. Weltkriegs von seiner Flucht aus Polen vor den Deutschen und Monstern erzählte, die ihn auf Insel vor Wales führte, wo Kinder mit besonderen Fähigkeiten untergebracht waren. Mit nun 16 Jahren ist Jake freilich nicht mehr so wirklich vom Wahrheitsgehalt von Fotos und Geschichten überzeugt, hat aber weiterhin ein gutes Verhältnis zu seinem Großvater, der mit zunehmenden Altern augenscheinlich immer unter Verfolgungswahn leidet.  Die Geschichte setzt mit einem tragischen Unglück ein, das Jacob davon überzeugt, dass die fantastischen Geschichten und Fotos eventuell doch wahr sein könnten. Er begibt sich auf die Suche nach der Insel und jenen besonderen Kindern, die von einer Miss Peregrine behütet werden.

Schnell fand ich heraus, dass Miss Peregrine eher wenig mit Harry Potter und dem Zauberschulengenre zu tun hatte, weshalb ich mich bereitwilliger auf die Geschichte einlassen konnte. Generell stellen sich die Themen in Miss P. dunkler dar, als ich sie von einem Buch aus dem Young-Adult-Bereich vermutet hätte, nicht nur wegen der Dark-Fantasy-Elemente, sondern auch wegen der Auswirkungen dunkler historischer Ereignisse, wie dem Holocaust und 2. Weltkrieg. Heitere Momenten fehlen jedoch nicht, wenn der aus Florida stammende Jacob auf einer gottverlassenen Insel vor der walisischen Küste auf die Einheimischen mit ihrem unverständlichen Dialekt und merkwürdigen Sitten trifft. Aus diesem Grund lohnt es sich ja immer Bücher in der Originalsprache zu lesen, wenn man diese beherrscht. Der 16-jährige Jacob erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, eines lakonischen, etwas sarkastischen Teenagers, den seine Familiengeschichte auf eine unerwartete Weise einholt. Es fiel mir leicht, Jacob und seine Sicht der Welt sympathisch zu finden, er ist ein eher alltäglicher Typ, nicht unbedingt Material für einen strahlenden Helden, aber auch kein missverstandener 16-jähriger, der sich in seinem Weltschmerz suhlt.

Das Beste an Miss P. sind jedoch die zahlreichen Schwarzweiß-Bilder, um die der Autor die Geschichte gestrickt hat und dem Buch eine ganz besondere, morbide Atmosphäre geben, die es aus dem Young-Adult-Genre hervorstechen lassen. Nicht, dass ich besonders viel aus diesem Bereich lese, aber ich denke, dass der Anspruch von Miss P. Doch ein wenig höher liegt, gerade wegen der historischen Thematik, die die Handlung durchzieht und im zweiten Teil wahrscheinlich weiter ausgeführt wird. Denn das Buch endet nämlich mit einem Cliffhanger, und am Ende ist ein Interview mit dem Autor zu lesen (welches wirklich interessant ist), das die Fortsetzung anspricht. Eine Leseprobe aus dem zweiten Teil gibt es natürlich auch.

Ob ich mir den Film ansehe, weiß ich nicht. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie die Umsetzung ohne die Bilder als Illustration und atmosphärische Elemente funktioniert, hinzu befürchte ich ja, dass die düstere Thematik etwas zu weichgespült werden könnte. Und warum auf dem Filmposter eine Frau mit Armbrust zu sehen ist, frage ich mich ebenso, jedenfalls kam im Buch niemand mit Armbrust vor. Ich schätze, dass ich die Fortsetzung – irgendwann – lesen werde. Wobei ich das bei „Die Auserwählten des Labyrinths“ zwar auch wollte, aber immer noch nicht dazu gekommen bin. Davon abgesehen muss noch den Stapel unrezensierter Bücher abbauen. Cliffhanger hin oder her, ich lese Miss P. auch so immer wieder gerne.

[Rezension/Sci-Fi] Alfred Bester – The Stars My Destination

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Autor: Alfred Bester

Erstausgabe: 1956

Seiten: 240

Sprache: Englisch

Status: (Mehrfach) gelesen

Verlag: Gollancz, 2010

 

„The Stars“  spielt in einer Zukunft, in der die Menscheit das Sonnensystem kolonisiert und eine neue Form der Fortbbewegung, das Jaunten, entdeckt hat. Die Teleportation durch Willenskraft bringt große gesellschaftliche Umbrüche mit sich, welche sich zu einem Konflikt zwischen den Kolonisten und Bewohnern der Erde entwickeln. Der tumbe Gulliver Foyle ist der einzige Überlebende eines havarierten Raumfrachters, wofür er bereits seit 170 Tagen kämpft, als Rettung in greifbarer Nähe scheint. Seine Mühen, auf sich aufmerksam zu machen, werden ignoriert, so dass Foyle über sich selbst hinauswächst, um seinen Rachefeldzug gegen ‚Vorga‘ und den allmächtigen Presteign-Clan zu führen, der an den Grafen von Monte Christo erinnert. Wie für seinen Namensvetter aus Gullivers Reisen beginnt für ihn eine Odysee, durch alle Schichten der menschlichen Gesellschaft, durchs All und durch sich selbst.

Ich hatte vorher noch nie etwas von Alfred Bester gehört, obwohl ich meinte, mich mit klassischen Science-Fiction-Autoren auszukennen, die üblichen Verdächtigen eben, Philip K. Dick, Robert Henlein, Isaac Asimov und dergleichen. In Neil Gaimans Nachwort zum Roman erfuhr ich, dass Bester für Superman- und Green Lantern-Comics schrieb, und „The Stars“ als wichtiger, wenn nicht der Einfluss für das Cyberpunkt-Genre gilt. Zu Bester kam ich über Stephen King, sein Name wurde als Einfluss für mehrere Romane Kings genannt und wie es beim Lesen von Wikis so passiert, verrannte ich mich über Links und Querweise zu Bester, so dass ich beschloss mir einfach „The Stars“ zuzulegen. Das Gute daran war, dass ich außer den Hinweisen im King-Wiki schlichtweg keine Ahnung hatte, was auf mich zukommen würde und total unvoreingenommen lesen konnte. Ich mag ja sowieso Science-Fiction aus den 1950er/60er Jahren. So wirkte einiges, was Technologie betraf, IMG_6599ziemlich kurios – z.B. werden Nachrichten über teleportierende Boten übermittelt – andererseits traf ich auf ein hyperfuturistisches Setting mit fantastischen und metaphysischen Elementen, zum Glück ohne zuviel Technobabble. King muss wohl seine Vorliebe für Spiel mit der Typographie und Illustrationen bei Bester entdeckt haben.

 

Weiterhin es wäre interessant zu erfahren, inwieweit das Bester’sche Jaunten und die Telepathie sowohl Perry Rhodans Mutanten und Star Trek beeinflusst haben. Jedenfalls halte ich es für ziemlich wahrscheinlich. Wie eigentlich bei jedem Science-Fiction-Roman dieser Zeit sind die gesellschaftlichen Hintergründe die spannendsten Aspekte. Das Jaunten verändert die menschliche Gesellschaft grundlegend. Den Menschen steht die Welt offen, man kann in verschiedenen Zeitzonen hintereinander Silvester feiern, man arbeitet in Grönland und macht in New York seine Mittagspause, oder folgt dem Morgen rund um den Globus. Altmodische Fortbewegungsmittel wie Fahrräder, Autos und Züge, vom Zufußgehen ganz zu schweigen, gelten als Statussymbole von Superreichen. Diese globale Gesellschaft ist durch die uneingeschränkte Mobilität ethnisch durchmischt, doch die Schattenseiten sind erheblich.  Krankheiten und Plagen verbreiten sich nahezu ungehemmt über den Erdball, ebenso ermöglicht das Jaunten der Kriminalität grenzenlose Möglichkeiten, besonders was Einbrüche und Vergewaltigungen angeht. Die Reichen schotten sich hermetisch ab, Frauen bleibt als einziger Schutz die purdah, den Rückzug aus der Öffentlichkeit ins abgeschirmte, fensterlose Private.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Besters 26. Jahrhundert eine Dystopie ist. Eine strahlende, optimistische Zukunft ist es freilich nicht, aber so richtig hoffnungslos am Abgrund stehen sehe ich die Erde und das Sonnensystem in diesem Universum nicht. Zweifellos muss diese Gesellschaft ihren Weg zwischen der Beherrschung übernatürlicher Fähigkeiten und der Eroberung des Weltalls finden. Das findet nicht ohne Konflikte und Verlierer statt, es gibt weder die Guten noch die Bösen in „The Stars“, wie man am Protagonisten Gully Foyle selbst sieht. Während des Lesens, selbst beim zweiten oder dritten Mal, war ich mir nie sicher, ob seine Beweggründe einfach nur dumm und egoistisch sind oder vielleicht einem höheren Zweck dienten oder ob nur die Gesellschaft an allem Schuld ist. Wahrscheinlich wird es wohl nie eindeutig zu klären  sein, aber das macht ja den Reiz aus, Bücher mehrfach zu lesen und immer neue Perspektiven zu finden, die sich vielleicht widersprechen. Für mich war es eine gute Entscheidung meiner Neugier zu folgen und ein solch kleines feines Stück Science-Fiction zu finden.

After Work im Schloss – Wie wir irdische Grenzen überwinden

Am 30. November 2017 fand an einem regnerischen Abend die letzte After-Work-Veranstaltung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum im Kurfürstlichen Schloss statt. Für mich waren diese Events die einzigen Gelegenheiten gewesen, noch einmal letzte Blicke in das RGZM im Schloss zu werfen – wenigstens in den zweiten Stock, wo sich das Frühe Mittelalter und die Intervention Codes der Macht efanden. Von der ich gar nicht genug bekommen sollte und mich letzten Endes dazu verlockt hatte, mich über meine geliebte Römerzeit hinaus fürs frühe Mittelalter zu interessieren. Nicht, dass ich diesen Bereich je ignoriert hätte, aber es hatte doch am zündenden Funken gefehlt, bis die Chlodwig-Intervention kam. Dazu aber später mehr. Ich hatte keine Veranstaltung verpasst und fand es sehr schade, dass diese die letzte im Schloss sein würde. Diesmal nahm ich wieder meine Mitbewohnerin sowie ihren Freund mit, welcher aus Österreich nach Mainz zu Besuch gekommen war. Das Thema dieser Veranstaltung lautete „Wie wir irdische Grenzen überwinden“ und wurde bei Wein und Knabbereien anhand zweier Exponate von Frau Kluge-Pinsker erläutert.

 

Die erste Station war eine Silberschale, die Replik einer Grabbeigabe aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. aus dem antiken Friedhof von Parabiago in der Nähe von Mailand, welche die Göttin Kybele und ihren Gefährten Attis in einer Löwenquadriga zeigt.. Diese Silberschale sollte den sozialen Status des Verstorbenen bei der Beisetzung darstellen. Der Kult der Kybele stammte ursprünglich aus Phrygien (heutige Türkei) und die Göttin fand schließlich als Magna Mater Eingang in den römischen Pantheon. Ein Isis-/Magna-Mater-Heiligtum befindet sich übrigens in Mainz, das bei Aushubarbeiten zur heutigen Römerpassage gefunden und mit in das Einkaufszentrum integriert wurde, quasi ebenfalls über seine ursprüngliche Bedeutung hinaus hinweggetragen wurde.

 

Das zweite Ausstellungsstück, das seine ursprüngliche irdische Bestimmung überwand, ist die Cathedra Petri, ursprünglich ein Thron, der für Karl den Kahlen gebaut wurde. Schließlich kam der thron nach Rom, wo der Thron mit Elfenbeintafeln besetzt wurde, welch die zwölf Taten des Herkules und sechs Fabel wesen zeigen. Dem Thron wurde ab dem Mittelalter die Bezeichnung „Cathedra Petri“ zugeschrieben und als Berührungsreliquie verwendet. Schließlich wurde der Thron aufgrund von Beschädigungen und Zweifeln an der Echtheit in ein Stuhlreliquiar eingeschlossen, welches zum Symbol des Papstes als Nachfolger Petri wurde. Eine Replik diente dem Volk schließlich als Reliquie, die bald als Original galt und deshalb wieder entfernt wurde. 1974 stellte das RGZM Kopien der Cathedra her, um sie in der Dauerausstellung des RGZM zu zeigen, welche im Kurfürstlichen Schloss die letzten 20 Jahre als Wissenschaftsausstellung diente.

 

Von der Übernahme von kleinasiatischen Gottheiten durch die Römer und griechisch-römischer Sagen ins Christentum bis zur Umdeutung des Throns als Reliquie leitete Frau Kluge-Pnsker zum Umzug des RGZM über, von der reinen Wissenschaftsausstellung zur Präsentation der Bedürfnisse von Menschen, welche 80000 Jahre Menschheitsgeschichte umfasst. Der Besuch aus Österreich war begeistert und ich nutzte die Chance ihm die „Codes der Macht“ zu zeigen, an diesem Abend zum letzten Mal zugänglich war. Es war schon ein bisschen traurig, da ich mir die Intervention so oft angesehen hatte, bis ich sie fast auswendig kannte.

 

Das Projekt hatte mich ja so fasziniert, seit ich zum ersten Mal das „Wahlplakat“ während des Wahlkampfes 2014 gesehen hatte und ich SOFORT den freundlichen jungen Mann mit dem Schwert zu meinem König gewählt hätte. Demokratie ist ja eh überbewertet. Es war wirklich schade, dass die After Work-Veranstaltung im Schloss zu ihrem Ende gekommen war, auch wenn das Ambiente nicht ganz so cool und modern wie im Schifffahrtsmuseum war.

 

Für mich hatte gerade diese etwas altmodische Atmosphäre seinen ganz eigenen Reiz und war stets den Abstecher bei einem Nachmittagsspaziergang wert, fast schon ein bisschen wie ein zweites Wohnzimmer.

Tage der Offenen Werkstätten im Römisch-Germanischen Zentralmuseum 17./18. November 2017

Hier sollte es entlanggehen, hatte ich aber nicht so ganz mitbekommen ^^*

Ich hatte eine Einladung zur Presseführung zum Tag der Offenen Werkstätten im RGZM, über das ich schon oft und gerne berichtet habe, bekommen. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen, nicht nur was ich in den den Laboratorien und Forschungswerkstätten zu sehen bekommen, würde sondern auch auf meine ‚Kollegen‘ von der professionellen Berichterstattung. Samstagvormittag radelte ich also hin und lief erst einmal prompt in die falsche Richtung, nämlich in den Museumsshop, wo das Kinderprogramm stattfand, wurde aber dann in die richtige Richtung gelotst.

Über die Forschungs- und Restaurierungswerkstätten hatte ich ehrlich gesagt keine genaue Vorstellungen. Zwar hatte ich das flache Gebäude neben dem Schloss bzw. Museum schon irgendwie wahrgenommen, aber damit nicht viel verbunden, außer, dass es eine Bibliothek gab. Jedenfalls stieg bei mir die Spannung, als ich mit einigen anderen Vertretern, die mit ihrer Ausstattung, Kamera, Tonaufnahmegeräte, Notizblöcke unglaublich professionell wirkten, während ich nur mit Smartphone bewaffnet war. Einen Schreibblock hatte ich zwar auch dabei, aber ich kam mir doch etwas, naja, exotisch vor. Jedenfalls erhielt jeder von uns eine Pressemappe und dann ging es auch schon los.

Geleitet wurde die Führung vom Direktor der Werkstätte, Dr. Markus Egg, der uns an jeder Station die Funktion und Arbeitsweise der einzelnen Bereiche erklärte, mit Unterstützung der jeweiligen Mitarbeiter, mit viel Geduld für die anwesende Pressemeute, deren Verhalten für mich beinahe noch spannender war, als die gezeigten Bereich der Werkstätten. Teilweise war ich von dem Gerangel um den freien und besten Blick auf Gerätschaften und Objekte abgelenkt, und von Fragen, die ich wahrscheinlich so nicht gestellt hätte.

Aber gut, als Vertreter eines Senders oder einer Zeitung hat man wohl seinen Fokus und ein bestimmte Klientel zu bedienen, während ich mir die Rosinen herauspicken kann, die mir selbst am besten schmeckten.

Pressebelagerung
„Können Sie das noch einmal so halten?“

Pressebelagerung Pt. II

Natürlich war die Führung als solche hochinteressant, zudem findet der Tag der Offenen Werkstätten nur alle zwei Jahre statt. Hätte man mich ‚ungeführt‘ durch die Werkstätten gelassen, so hätte ich mich wohl ziemlich verzettelt. Bei dem Begriff Werkstätten drängt sich einem doch immer noch Bild von Handwerksarbeit auf, Archäologen, die ein ausgegrabenes Fundstück gewissenhaft zusammenpuzzeln. Das ist es freilich immer noch, doch wurde mir erst bei dieser Führung so richtig bewusst, wie viel mehr dahinter steckt, wie der Einsatz von Röntgengeräten, Materialanalysegeräten, Computertomographen und 3D-Druckern, etc. Die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen stellte sich ebenso vielseitig heraus, mit den verschiedenen Sparten wie Geologie, Archäometrie, Biologie usw.

Zunächst klassisch…

Scherben mit Gartenzwerg
Überreste von Kleidung/Schuhen

So wie man es sich vorstellt

und mit High-Tech

Mit Röntgenbildern
Computertomografie

3D-Darstellung

Die Berufsfelder der Werkstattmitarbeiter sind ähnlich breit gefächert, neben klassisch ausgebildeten Restauratoren finden sich Mitarbeiter mit beruflichen Hintergründen wie Zahntechniker, Goldschmiede und Büchsenmacher. Die Mitarbeiter erklärten in den einzelnen Bereichen sehr geduldig und ausführlich ihre Arbeitsweise und Geräte, Nachfragen beantworteten sie ebenso. Trotz des Gedränges von Pressemenschen, die zusätzlich Objekte und Geräte für Fotos präsentiert haben wollten.

Mir war es zunächst erst gar nicht so bewusst gewesen, dass ’normale‘ Besucher erst gar nicht fotografieren durften, was für meinen angeborenen Drang (das asiatische Klick-Gen xD) alle Mögliche für die Nachwelt festzuhalten die Katastrophe wäre. Eine Abteilung war interessanter als die andere, ich hätte bestimmt für jede einzelne einen Blogbeitrag schreiben können. Erst im Einzelnen betrachtet fiel mir auf, wie vielfältig und vernetzt sich die Arbeit hinter den Kulissen gestaltet. So gab und gibt es internationale Kooperationen, wie mit Ägyptischen Museum in Kairo, wo das RGZM an Restaurierungsprojekten an den Goldblechen und der goldenen Totenmaske aus dem Grab des Tut-Ench-Amun beteiligt war, sowie an Schmuckstücken des Schatzes von Preslav aus dem 10. Jahrhundert.

Ebenso ist das RGZM an Restaurierungsarbeiten am Wikingerschiff von Oseberg beteiligt In der Holzkonservation hat sich durch die in Mainz gefundenen römischen Patrouillenschiffe eine besonders gefragte Expertise erworben (siehe „Ich und das Holz“) und besonders begeisterte Mitarbeiter, so dass bei diesem Rundgang die Holzkonservierung vorgestellt wurde. Mich hatte es sehr gefreut, Herrn Wittköpper wiederzutreffen, welcher seinen Arbeitsbereich nicht nur wieder einmal enthusiastisch, sondern auch als treuer Mainz-05-Fan im Fußballtrikot und der UEFA-Kapp (der 11.11. war gerade eine Woche her) präsentierte.

Das meiste war mir schon durch die After-Work-Veranstaltung zur Holzkonservierung bekannt, doch es war mir wieder eine Freude den Ausführungen zuzuhören. Überhaupt wussten die Mitarbeiter und Studenten so ausführlich und interessant zu erzählen, dass zum Ende der Führung die Zeit knapp wurde und einzelne Bereiche nur angerissen werden konnten, die eigentlicht mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Andererseits war ich bis zum Anschlag voll mit Informationen und Eindrücken, und der Akku meines iPhones machte allmählich schlapp. Nachdem die Führung mit dem Fotostudio als letzter Station beendet war, machte ich mich zunächst auf den Weg nach Hause – ich wohne ja nur um die Ecke – um mich auszuruhen, Handy aufzuladen und noch das Isis-Magna-Mater-Heiligtum in der Römerpassage aufzusuchen, um dem Vortrag über Fluchtäfelchen zuzuhören und selbst eins herzustellen (ich habe allerdings niemanden verflucht)Dazu aber mehr in einem eigenen Blogeintrag. Nach diesem Abstecher begab ich mich wieder zurück ins RGZM, um mir die Stationen anzuschauen, die bei der Führung zu kurz gekommen waren und mich persönlich interessierten.

Ich sah mir zunächst die Kolorierung an, witzigerweise an der Kopie eines Keramikgefäßes, das aus Ausgrabungen (Vicus und Gräberfeld Auf Esch) in meinem Heimatort Groß-Gerau stammte und ließ mir erklären wie archäologische Illustrationen gefertigt werden.Mich freute als Hobbyzeichnerin besonders, dass Handzeichnungen immer noch einen hohen Stellenwert genießen. Zwar wird weniger Wert auf Kreativität gelegt, doch ich mag die ganz eigene Ästhetik dieser Zeichnungen.

Kurz vor Ende der Veranstaltung schaute ich noch einmal bei der Edelmetallkonservierung vorbei, wo der Preslav-Schmuck gezeigt wurde. Eigentlich wollte ich ja die Mitarbeiter in Ruhe lassen, da sie den Tag über sowieso schon genug erzählt haben mussten und ich alles Notwendige schon in der Presseführung gehört hatte. Aber sie waren dennoch unermüdlich noch offene Fragen zu klären und zu erzählen, wie sie den Tag erlebten hatten, was ich im Übrigen fast noch spannender fand. So von einem kuriosen Besucher, der nur wissen wollte, in welcher Tiefe der Schatz gelegen hatte und nach der Auskunft gleich wieder verschwand. Es wäre wohl ebenfalls sehr spannend gewesen, die Besucher zu beobachten, wie sie auf die gezeigten Objekte und Geräte reagieren – was wohl in ein weiteres Mammutprojekt fürs Blog ausgeartet wäre.

Die Herkunft
Der Preslav-Schatz
Ich würd’s tragen

So ging der erste Tag der Veranstaltung zu Ende, aber ich war fürs Wochenende noch lange nicht fertig. Ich hatte mir nämlich vorgenommen, am Sonntag das Kinderprogramm anzuschauen, nach der Mainzer Buchmesse und einem Nachhilfetermin, den ich noch zu absolvieren hatte. Das Wochenende war also fest verplant. Aber was tut man als Blogger nicht alles um seine Neugier zu befriedigen und das auch noch für die Nachwelt festzuhalten. Buchmesse (siehe hier) und Arbeit brachte ich glücklich hinter mich, nun war Zeit für etwas Spaß für Kinder, kleine wie auch für ein etwas größeres.

Das Kinderprogramm fand im Museumsshop des Schlosses statt, wie ich am Tag zuvor mehr durch einen Irrtum herausgefunden hatte. Ich traf dort ein, als ein ganzer Schwung Kinder den Raum verlassen hatte und ich so ziemlich die einzige Person zum Bespaßen war. Das war allerdings auch gar nicht so schlecht, da ich mich mit den Mitarbeitern ausgiebig über mein Interesse an den Projekten des RGZM unterhalten konnte, während ich nebenbei einen Keramikfisch zusammenklebte. Als ich für einen Augenblick allein war, kam es, wie es kommen musste, es kamen nämlich Kinder und ich als einzige Erwachsene, die gerade pseudokompetent am Zusammenkleben war, musste als Anleiterin herhalten. Doch bekanntlich wächst man ja mit seinen Aufgaben. Es machte Spaß und als ich den Fisch schließlich erfolgreich fertiggeklebt hatte, wollte ich schon fragen, wann ich denn morgen anfangen könnte.

Erstmal Scherben
Immer schön am Rand entlang
Tadaaa! Meisterwerk

Als schließlich wieder tatsächliche Mitarbeiter übernommen hatten, schaute ich mir am Tisch gegenüber an, wie man Funde in Scherbenform abmaß und bestimmte. Die Kinder und deren Eltern machten begeistert mit, vor allem als ein Vater herausfand, welch tollen Unsinn man mit den Werkzeugen anstellen konnte, es ließen sich großartig Silhouetten von Nasen, Brillen und Fingern abmessen. Eine Mutter hingegen nahm die Angelegenheit etwas zu ernst und hielt ihren Sprössling zu genauem Arbeiten an. Ich war ja kurz davor zu sagen, dass das Kind doch keine Noten dafür bekommt…Nun gut, es hat ja jeder seine Prioritäten, aber mir gefiel die Variante Spaßhaben doch besser.

 

Spiel- ähm Werkzeug
Dokumentation
Tabelle zur Farbbestimmung Meisterwerk

Bevor ich den Heimweg antrat – das Wochenende begann seinen Tribut zu fordern – sah ich in einen anliegenden dunklen Raum, wo es um das Umzugsprojekt „Auf dem Weg ins Neue Museum“ ging und führte eine angeregtes Gespräch mit der Mitarbeiterin über den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Was das Schloss angeht, bin ich doch sehr voreingenommen, da ich es für eine schöne Umgebung für ein archäologisches Museum halte und das altmodische Flair sehr mochte, aber auch für zeitgemäße Umsetzungen wie das Chlodwig-Projekt bin. Ich denke, dass die Verbindung zwischen Altem und Neuem beim Landesmuseum gut gelungen ist, ebenso beim Schifffahrtsmuseum, ob der Neubau eben nur ein steriler moderner Klotz sein wird oder ob es gelingt ein gewisses Flair zu verbreiten, wird sich noch zeigen müssen.
Damit ging ein wirklich sehr abwechslungsreiches Wochenende zu Ende, mein Anspruch alles mitzunehmen, was es zu erleben gab, hatte sich gelohnt. Ich habe bei dieser Veranstaltung tolle Einblicke hinter die Kulissen des RGZM gewonnen, was nicht zuletzt den engagierten Mitarbeitern aller Bereiche verdanken war.

Zum Schluss noch einige Impressionen aus meinen 179 Fotos, die ich während dieses Wochenendes gemacht hatte, es fiel mir wirklich schwer, eine Auswahl zu treffen – was nicht zuletzt dazu beigetragen hatte, dass es mit dem Beitrag so lange gedauert hatte:

Scan für die 3D-Darstellung
 

Auf dem Monitor
Weiterbearbeitung am PC
Auch sehr klassisch
Puzzlearbeit Level 9000
Fast schon Kunst

Links:

Website des Römisch-Germanischen Zentralmuseums

Facebook

[Messebericht] Mainzer Buchmesse 2017

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Nachdem ich für die Frankfurter Buchmesse einen ganzen Tag brauchte, um auch nur einen Bruchteil des ganzen Angebots zu sehen (und davon völlig erschlagen wurde), ging es auf der Mainzer Buchmesse am 17. und 18. November 2017  erheblich beschaulicher zur. Die knapp anderthalb Stunden, die ich dort zwischen Tür und Angel verbrachte, hatten beinahe ausgereicht. Aber nur beinahe. Selbst nach den megalomanischen Ausmaßen der Frankfurter Buchmesse (ich drücke mich sehr erfolgreich vor dem Bericht) , gab es viel mehr zu sehen, als dass die anderthalb Stunden ausgereicht hätten. Ich hatte sonntags einen Nachhilfetermin einschieben müssen (der junge Mann hatte am eigentlichen Termin seine Lateinbücher in der Schule vergessen) und wollte noch einmal zum Tag der Offenen Werkstätten im Römisch-Germanischen Zentralmuseum (worüber ich auch noch schreiben werde), wo ich zwar schon tags vorher war, aber ich wollte mir das Kinderprogramm anschauen. Dazu aber mehr im entsprechenden Blogbeitrag.

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So fuhr ich an diesem windigen Sonntagmittag zum Rathaus, wo ich in der ganzen Zeit, die ich in Mainz wohne, noch nie gewesen war. Nun, das Gebäude an sich hatte mich nie gereizt, ganz besonders, wenn es gegen den Mainzer Dom, St. Stephan, Landesmuseum und das Kurfürstliche Schloss nicht einmal ansatzweise anstinken kann. Es funktioniert eher nach dem Motto „Nicht schön, aber selten“  und versprüht 70er-Jahre-Flair, wo es vermutlich einmal toll und modern gefunden wurde. Aber gut, Brutalismus wird heute auch im Museum gezeigt und das Rathaus ist ein Mainzer Markenzeichen, das man auf seine Weise lieb gewinnt. Irgendwie.

Also wagte ich mich in das Innere des Markenzeichens, vor allem weil es innen warm und draußen kalt war. IMG_5125Trotz der bescheidenen Ausmaße (wahrscheinlich ist sogar die Minipressenmesse größer), versprühte diese Veranstaltung auch eine Art Messeflair, nur nicht ganz so kosmopolitisch, aber dafür mit mehr Kindern. Die Aussteller waren vor allem kleinere Verlage aus der Region sowie Kunstdruckhandwerk, da durfte ein Stand vom Gutenberg-Museum natürlich nicht fehlen. Ich entledigte mich meiner Jacken, schlenderte herum, darauf gespannt, wo es mich als erstes hintreiben würde. Das war der Stand eines Verlages (jüli-Verlag Mainz), der Zeichungen und Aquarelle in Postkartenform vor allem aus Mainz feilbot. Die Dame, die Verlgersgattin offenbar, war in der Hinsicht Informationen an an arglose Passanten zu bringen, nicht gerade schüchtern und vor allem geschäftstüchtig.

Wenigstens kam sie nicht mit einem „Duuuu juuu laik sriller!!??“ an, wie es mir auf der FBM widerfahren war, als ich nicht gleich auf „Mögen Sie Sriller???!!!!'“ reagiert hatte. Die Postkarten und sonstigen Illustrationen waren wirklich sehr hübsch, die Idee originell, zum Kaufen haben sich mich allerdings nicht so arg gereizt. Wie es sich für eine interessierte Bloggerin gehört, wollte ich (und tat es auch) fragen, ob ich Fotos machen könne, worauf ich ein energisches „Nein!“ zu hören bekam. Die Erklärung, dass ich die Fotos für mein Blog machen wollte, verunsicherte die Dame immerhin so sehr , dass sie den Gatten fragte. Beide Herrschaften waren schon etwas älter und vermutlich noch nicht so mit den Gepflogenheiten des Internets vertraut, aber er meinte, dass es okay sei, während sie noch skeptisch schien, obwohl ich versichert, dass der Verlagsname selbstverständlich genannt würde. Willkommen im Neuland!

Ganz anders sah das freilich am Stand von Pengboom Society (pengboom.de) aus, wo die Zeichner/Autoren persönlich vor Ort waren, um ihre Werke zu präsentieren und es entwickelt sich ein wirkliches nettes und angeregtes Gespräch über deren Comics. IMG_5132Ich bin leider nicht die eifrigste Comicleserin, ich versage kontinuierlich beim Sammeln von Manga, auch wenn sie noch so interessant sind, so dass es meist bei One Shots wie von Jiro Taniguchi bleibt. Dass ich die Clone Wars-Sonderbände komplett habe, ist mir bis heute noch ein Rätsel… Bei Pengboom hatte mich zunächst ein historischer Comic namens „Das größte Fest der Welt“ angelockt, welches von den Abenteuern dreier Kinder bei der Kaiserkrönung 1742 in Frankfurt erzählt. Wie ich später herausfand, ist dieser Comic der Start einer hauseigenen Comicreihe mit dem Jungen Museum in Frankfurt und dem Zwerchfellverlag. Neben der Zeichnerin von „Das größte Fest der Welt“, stellten die beiden Zeichner von Pengboom Society ihre Werke vor, zum einen den Webcomic „A House Divided“, wo es die Vorgeschichte als Druckerzeugnis gab und „Kletschmore“, die es beide im Internet auf Englisch zu lesen gibt. IMG_5133Da ich bei Webcomics ausdauernder bin und solche sehr leicht zum Prokrastinieren im Internet verleiteten anstatt fleißig im Blog zu schreiben, habe ich mir in der Zwischenzeit „A House Divided“ durchgelesen und warte nun gespannt, wie es weitergeht. Ich habe mich wirklich sehr angeregt mit den Autoren unterhalten und neben einer sehr schönen Autogrammkarte wurden natürlich meine Fotowünsche mehr als bereitwillig erfüllt. Danke fürs „authentische“ Posieren“  ^^. Hier merkte man man den Generationenunterschied. Wo ich zuvor noch ein brüskes „Nein“ bekam, war es hier kein Frage, das Web ist schließlich selbst ein Medium zur Veröffentlichung. Der Unterschied in den Reaktionen war jedenfalls bemerkenswert.

Wie es sich für Mainz gehörte, war auch das Gutenberg-Museum vertreten und ich musste einfach die Gelegenheit nutzen, mir endlich einmal ein Mainzelmännchen handzudrucken. IMG_5137Und dass wo ich doch schon so lange in Mainz wohne, seufz. Nun fehlt nur noch ein Ablassbrief, ich hoffe sehr auf eine weitere Gelegenheit, mir die Freisprechung von meinen Sünden doch noch irgendwann zuzulegen. Nach dieser kleinen Pause fielen mir besonders schön mit Aquarellen gestaltete Buchumschläge und Leporellogeschichten ins Auge. Beim näheren Blick in die Bücher entdeckte ich, dass es ebenfalls Illustrationen gab. Im Gespräch fand ich heraus, dass der Verlag (Wind und Sterne Verlag)sowohl Wert auf die Illustrationen als auch auf gebundene Bücher legt, und diese günstig anzubieten. Eine Idee, die ich sehr unterstützenswert finde. Im Angebot war nichts dabei, was mich persönlich interessiert hätte (lag u.a. wahrscheinlich am Zeitdruck), doch mir kam die Idee, einen der Krimis meiner Mutter als Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Für knapp 15 Euro ein gebundenes Buch mit einem hübschen Umschlag und Illustrationen zu erwerben, war schon toll. Wenn meine Mutter das Buch durchgelesen hat, werde ich es mir gewiss einmal zu Gemüte führen. Wahrscheinlich hätte ich mir Stundenlang das Angebot ansehen können, doch die Zeit wurde knapp.

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Als nächstes zog ein Stand ( Brighton Verlag ) meine Aufmerksamkeit auf sich, bei dem es augenscheinlich um Fantasy und Historisches ging. Die Cover waren teils Fotografien, teils gezeichnet, was mich an Manga- oder Graphic-Novel-Einbände erinnerte, was sie aber nicht waren, sondern Romane aus den eben erwähnten Bereichen. Ich fand die Gestaltung des Standes mit ‚Goldmünzen‘ sehr hübsch und fürs Genre sehr passen. Was mich hier besonders faszinierte, war ein Ausmalbuch für Erwachsene zu einer Romanreihe aus dem Verlagsangebot, in dem man sowohl die Figuren ausmalen als auch Textpassagen aus den Romanen lesen konnte. Ich weiß zwar nicht, ob ich die Bücher interessant genug finde, um sie selbst zu lesen,  aber mag das Konzept sehr.

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Meine letzte Station war ein Verlag (Mini-Verlag Meisterburg), der Kinderbücher zu eher ’schwierigen‘ Themen (z.B. Schlaganfall beim Opa und Pflegeheim) und für mich als Nachhilfelehrerin interessante Bücher zum Lesenlernen anbot. IMG_5141Ich kam mit der Autorin des Leselernbuches ins Gespräch, da ich eine Grundschülerin mit Leseproblemen betreue und entschloss mich eines der Bücher auszuprobieren, wo übers Basteln zum Lesen angeregt werden soll. Die Zeit drängte, schließlich hatte ich noch vor zu arbeiten und wollte noch ins Römisch-Germanische Zentralmuseum. Soviel Stress an einem Sonntag, aber ich wollte es so. Allerdings musste eine kleine Stärkung sein. Die Auswahl an dem Büffet mit hausgemachtem Kuchen, belegten Brötchen und orientalischen Snacks war zu überwältigend, so dass ich bei einem schnöden Käse-Schinken-Brötchen beließ, weil es am schnellsten ging. Gerne hätte ich mich noch eingehender umgesehen und an der Lesung von Pengboom teilgenommen, was allerdings bei meinem Zeitplan für diesen Tag nicht mehr drin war. Trotzdem war ich mit dem Besuch dieser Messe zufrieden und hatte ein paar schöne wie amüsante Eindrücke gesammelt, besonders, was der Umgang mit dem Internet anging.

[Im Museum] Work In Progress im Schifffahrtsmuseum – Virtuelle Realitäten, Supertanker, Spielkinder, Playmobil und Playstations.

Kaum war die eine After-Work-Veranstaltung zu Ende, schon kam die weitere im Schifffahrtsmuseum in der folgenden Woche. Bloggerprobleme können schon heftig sein… Jedenfalls hatte ich schon meine Mitbewohner rekrutiert – für den neuen Mitbewohner das ‚erste Mal‘ und prompt kamen Fragen wie ‚Gibt’s da einen Dresscode‘, da er sich wohl eine elitäre Veranstaltung für Büroangestellte in Anzug und Kostüm darunter vorstellte. Nein, gibt es natürlich nicht, aber anscheinend hatte der Begriff ‚After Work‘ diese Assoziation ausgelöst und ich sagte nur, dass er hingehen konnte, wie er wollte. Überzeugt war er nicht, die Neugierde allerdings war doch groß. Als wir schließlich an diesem Donnerstagabend ankamen (die Mitbewohnerin würde direkt von der Arbeit kommen), war ich wirklich positiv überrascht, dass sich eine Menge Leute eingefunden hatten, fast alle Stehtische waren besetzt und weitere Besucher schauten sich im Museum um. Die nächste Überraschung war, dass mein Mitbewohner bekannte Gesichter traf, so dass hoffentlich alle Bedenken, dass dies ein hochformeller Anlass sei, zerstreut waren. Eingeläutet wurde der Abend mit Prosecco und Wein. Ja, schon wieder, aber meine Güte, wenn man dort welchen trinken kann…und ich hatte jetzt endlich Gelegenheit, etwas vom Angebot des Weinhaus Michel zu probieren, was dort schon seit der ersten After-Work-Veranstaltung verkauft wurde und immer so toll präsentiert wird.

Meine Mitbewohnerin brachte noch eine Kollegin mit und wir verbrachten eine so nette Runde am Stehtisch, dass wir beinahe die heutige Führung vergaßen. Dieses Mal fand weniger eine Führung statt, mehr eine Präsentation, die von Herrn Kimmel, Leiter der Abteilung Bildung und Kommunikation im RGZM eingeleitet wurde, wonach die Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen zu Wort kamen und die Bestandteile des Projekts Mixed Reality Open Lab vorstellten, welches in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wissensmedien Tübingen und der Hochschule Mainz stattfindet.

Am Beispiel eines römischen „Supertankers“, dem Wrack von La Madrague in Frankreich, wurde gezeigt, mit welchen Medien die Objekte des Schifffahrtsmuseums dem Publikum künftig zugänglich gemacht werden sollten. Zum einen natürlich durch ein Modell als Anschauungsobjekt, zum anderen durch Augmented Reality in Form einer Oculus-Rift-VR-Brille. Gleichzeit findet eine barrierefreie Umsetzung statt, z.B. mit Stationen für Blinde. Das Highlight war jedenfalls die VR-Brille. Ich hatte noch nie eine aufgehabt, und so war das Erlebnis ziemlich aufregend. Zu sehen bekam ich ein römisches Heerlager und wie es ist, auf einem römischen Kriegsschiff zu stehen. Das hat schon einmal einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie der Blick in ein Schiff wie das La-Madrague-Wrack gestaltet werden könnte. Nicht nur anhand eines Modells, wie wir es an diesem Abend zu sehen bekamen, sondern auch in der Virtuellen Realität.

Nach der Vorführung sorgte vor allem der Mitmachbereich für Kinder bei den Kollegen (ein weiterer war noch dazugekommen) meiner Mitbewohnerin für sehr viel gute Laune. Dort können nämlich nicht nur Kinder Spaß haben, sondern auch etwas größere Kinder, wie sich herausstellte. Die Würfel- und Brettspiele und das Knoten von Schiffstauen hatte es ihnen besonders angetan, während ich wieder einmal die Playmobilsammlung anhimmelte. Die Jungs in der Runde waren am meisten von dem Bolzengeschütz und den Kriegsschiffen angetan, sie hatten allerdings mehr Krieg erwartet und fanden Handelsschiffe eher langweilig, ganz egal ob sie nun 10.000 Amphoren Wein transportieren konnten oder nicht.

Im Anschluss an die Veranstaltung ging es mit uns noch zu einem Absacker in den Domsgickel, quasi zur After-After-Work. Unterwegs kamen wir auf weitere Ideen, wie man eine solche Veranstaltung aufpeppen könnte. Inspiriert war ich durch ein Kinoplakat, das Stripper und ‚heiße Männermodels‘ für die Ladies‘ Night beim Cinestar versprach, während die Herren auf Playstation und Strategiegames wie Age of Empires setzten. Ich denke mal, dass früher römische Damen sicher nichts gegen gutaussehende Sklaven hatten, die ihnen den Wein reichten, während sich die Männer über Politik und Krieg ausließen.

 

Diesmal hatte es mehr Besucher als bei den ersten Veranstaltungen gegeben, was ich sehr erfreulich fand. Dadurch, dass es weniger eine Führung als eine Vorführung von Work in Progress für zukünftige Projekte gab, inklusive der Vorstellung von beteiligten Mitarbeitern, hatte ich hatte den Eindruck, dass es sich, nun ja, mehr um eine Art Prestigeveranstaltung handelte. Ich meine das nicht negativ, schließlich ist es nie verkehrt, Projekte vorzustellen und um Interesse zu werben, vor allem wenn interdisziplinär gearbeitet wird und das Interessenten aus völlig anderen Bereichen anlockt. Im Grunde mache ich ja ähnliches über das Blog, allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Atmosphäre ein wenig anders als bei den vorherigen Veranstaltungen war, eher ‚offizieller‘.

Wichtiger war jedoch, dass meine Begleiter viel Spaß im Schifffahrtsmuseum hatten, über das sie vorher kaum mehr wussten, als das es existiert, unbekannt war z.B., dass es freien Eintritt gibt. Da ich dieses Museum ebenfalls sehr gerne mag, hat mich das natürlich mehr als gefreut, dass wir alle einen unterhaltsamen Abend dort verbracht hatten.

Links

Museum für Antike Schifffahrt – Facebook

Römisch-Germanisches Zentralmuseum – Facebook

After Work im Museum

[Im Museum] Wie wir Erinnerung erfinden, oder: Wer das ließt, ist doof! Lol xd rofl iksde!

Am letzten Donnerstag  im Oktober, genauer am 26.10. 2017, war es wieder soweit, eine After Work im Museum-Veranstaltung im Schloss. Das „Schloss“ ist genauer gesagt das Kurfürstliche Schloss in Mainz mit Blick auf den Rhein und beherbergt noch das Römisch-Germanische Zentralmuseum, welches leider seit dem 10. Juni 2017 für die Öffentlichkeit geschlossen ist. Bis dahin war im 1. Stock die Ausstallung zur Römerzeit, im 2. Stock das Frühe Mittelalter zu finden. Für mich immer  Orte, an denen ich gern mal Sonntagnachmittags vorbeigeschaut habe, auch für kurze Besuche, was der freie Eintritt natürlich leicht gemacht hat. Durch die Umzugsvorbereitungen des RZGM in Neue Museum kann man die Ausstellung zum Frühen Mittelalter und die Sonderausstellung ‚Codes der Macht‘ nur noch im Rahmen der After-Work-Veranstaltung besuchen, was für mich immer ein kleines Trostpflaster ist. Ich hielt (und halte immer noch) die Räume des Schlosses für die Ausstellungen ein sehr stilvolles Ambiente. Wenigstens für mich muss es nicht immer ‚modern‘ und aufregend sein, sondern es darf ruhig auch mal ein wenig klassisch sein. So nutzte ich also wieder die Gelegenheit, das Schloss zu besuchen. Diesmal war es tatsächlich ‚After Work‘ im wahrsten Sinne des Wortes, da ich direkt von meinen Nachhilfeschülern kam und den größten Teil des Tages damit verbracht hatte, für andere mitzudenken und mir den Mund fusselig zu reden (was ich aber gerne mache). Nun begann der entspannte Teil des Tages. Das Thema des Abends lautete diesmal „Wie wir Erinnerung erfinden“ und ich war wiederum sehr gespannt, was mich erwartete. Erst einmal war es das Schloss bei Sonnenuntergang, schon an sich eine großartige Kulisse, wenn man in der Dämmerung in den erleuchteten Hof gelangt, wo Umzugskisten auf den „Weg ins Neue Museum“ aufmerksam machen – was schon allein von der Präsentation toll ist, aber auch irgendwie schade. Aber zurück zu den Erinnerungen, und warum man doof ist, wenn das hier liest, wird auch geklärt. LOL!

Dann gab es erst einmal ein Gläschen Weinschorle und etwas zu knabbern, mit dem ich die Wartezeit bis zum Beginn der Kurzführung überbrückte. Diese wurde von Frau Dr. Antje Kluge-Pinsker geleitet, Wissenschaftspädagogin im RGZM und für Vermittlungskonzepte/Ausstellungsdidaktik zuständig.

Die Eröffnung der Führung war wörtlich zu verstehen, denn Frau Kluge-Pinsker leitete sie mit einem Flaschenöffner ein, einem Reisesouvenir, an dem Erinnerungen hängen. So waren wir Teilnehmer gespannt, was folgen würde. Das erste historische Erinnerungsstück war ein Nähkästchen aus Walrosszahn, hergestellt ca. im 8. Jahrhundert in einem nordenglischen Kloster, welches schließlich in Frankreich gelandet war. Es ist  mit Schnitzereien verziert, die auf jeder Seite verschiedene Szenen und Runeninschriften zeigen. Dieses Mal wurde weniger aus dem Nähkästchen geplaudert, denn es hatte selbst etwas zu erzählen…Teils stellten die Szenen Geschichten und Sagen dar, die man heute noch kennt, die Wielandssage, Romulus und Remus, die Heiligen Drei Könige, die Eroberung Jerusalems durch Kaiser Titus, auch eine Darstellung, die sich heute nicht mehr deuten lässt und somit für die Erinnerung verloren ist. Dieses Kästchen hat, wenn man sich genauer damit beschäftigt, doch sehr viel mehr zu erzählen als man von einem Haushaltsgegenstand erwarten könnte.

Weiter ging es zu einem Kopf. Keinem echten Kopf, aber doch mit einer kuriosen Geschichte. Es handelte sich um das Haupt einer Statue des byzantinischen Kaisers Justinian und steht im Original auf der Balustrade des Markusdomes in Venedig. Meine erste Assoziation war George R.R. Martins Game of Thrones (bzw. A Song of Ice and Fire), wo die Köpfe missliebiger Personen nach Enthauptung gerne auf Schlossmauern zur Schau gestellt werden. Tatsächlich handelte es sich um etwas ähnliches. Zunächst war der Kopf ein Beutestück eines Kreuzzuges nach Byzanz im 13. Jahrhundert und aus dem geplünderten Konstantinopel mitgebracht. Zwischenzeitlich ging die Bedeutung, oder vielmehr Erinnerung verloren, und man schrieb den Kopf einem auf der Piazza di San Marco einem enthaupteten Söldnerführer namens Carmagnola zu, weshalb dieser Kopf Carmagnola-Kopf genannt wird. Interessant war hier zu erfahren, dass Statuen im Falle einer Eroberung auch gerne von den Eigentümern selbst zerstört wurden, um zu verhindern, dass sie von den Siegern für ihre Zwecke umgedeutet wurden. Da man dem Steinkopf im Laufe der Jahrhunderte eine andere Herkunft zugeschrieben hatte, die mit dem ursprünglichen Hergang nichts mehr zu tun hatte, war diese Absicht wohl gelungen.

Was wir gesehen hatten, waren zwei eher kleine Anschauungsobjekte, eines ein gewöhnlicher Haushaltsgegenstand, das andere quasi ein Souvenir, wenn man ein Beutestück so nennen kann, an beiden hingen jedoch bestimmte Erinnerungen, an die man sich heute jedoch nur herantasten kann und eventuell neu erfindet oder vielleicht sogar erfinden muss. In heutigen Zeiten findet durch moderne Mittel zur Vervielfältigung, Internet, Bilder, 3D-Drucker, Auflösung von Erinnerung statt, jeder kann sich Objekte aneignen, die man vielleicht irgendwo gesehen, besitzen will und ihnen eine eigene Bedeutung geben

Wie jedes Mal hat es mich gefreut, das ‚alte‘ RGZM im Schloss besuchen zu können. Ich die kenne die Ausstellung fast auswendig, aber solche Veranstaltungen wie diese werfen noch eimal ganz andere Blickwinkel auf die gezeigten Stücke. Diese mögen zwar aus der Vergangenheit stammen und sind zum Teil Repliken, doch erfährt man immer wieder neue und spannende Aspekte. Vor allem wenn so lebendig die Brücke zur Gegenwart geschlagen wird. Zwei Objekte haben gereicht, um einen Abend zu füllen, und darüber hinaus sind sie zum Einen in Erinnerung geblieben, zum anderen haben sie – für mich wenigstens – weitere Bedeutung erhalten, weniger ‚er‘ – funden, was manchmal etwas negativ klingen kann, als ‚ge‘-funden. Den Schlüsselanhänger von Frau Kluge-Pinsker habe ich übrigens noch einmal extra während eines Besuches bei ihr fotografiert, da ich diesen Gegenstand unbedingt zu Illustration im Blog dabeihaben wollte, sozusagen zur Untermauerung dieser Erinnerung. Und prompt habe ich diesen Gegenstand zu meiner Erinnerung neu erfunden. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für Gespräch!

Ach ja, wer das liest, ist natürlich nicht doof (naja, man weiß es nicht xD)

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Wer das „ließt“ xD

Meine Erinnerungen an den Abend habe ich auf Papier – ich schreibe meine Blogbeiträge gerne handschriftlich nieder – festgehalten. Es gibt mir mehr Spielraum zum Nachdenken als wenn ich es sofort in die Tastatur meines Laptop reinhauen würde… Mein Schreibblock war bei dieser Gelegenheit meinem Neffen in die Hände gefallen, der es ja sowieso für Wahnsinn hält, sowohl überhaupt freiwillig zu schreiben, als auch mit der Hand. Jedenfalls hatte er nichts Besseres zu tun, als einfach einmal seine eigenen Kommentare dazu hinzuzufügen – nämlich den Klassiker „Wer das ließt [sic!] ist doof“ sowie Bemerkungen, die jeder jugendliche Gamer, der etwas auf sich hält, beherrscht, lol xd, rofl, iksde. Ohne wirklich zu lesen (Oh Gott, auch noch lesen!), was ich dahingekritzelt habe, aber Hauptsache unqualifizierte Kommentare abgeben. So hat dieser Abend nicht nur Erinnerungen an die Veranstaltung selbst erzeugt, wo ich etwas über Nähkästchen und Steinköpfe erfahren habe, sondern zusätzliche hinzubekommen.

Links:

http://web.rgzm.de/

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[Im Museum] Ich und das Holz: After Work im Schifffahrtsmuseum – Holzkonservierung

Ich war wieder im Museum und wieder auf einer After-Work-Veranstaltung bei Wein (man kommt hierzulande halt nicht drumrum, seufz), Häppchen und diesmal Holz.

Nach der Archäologischen Nachlese zur Bundestagswahl in der Sonderausstellung Codes der Macht im Kurfürstlichen Schloss am 28.9. ging die dritte Veranstaltung der After-Work-Reihe wieder ins Schifffahrtsmuseum, wie das Museum für Antike Schifffahrt in Mainz salopp genannt wird, die offizielle Bezeichnung ist ja so ein Bandwurm. Es ging diesmal um Holzkonservierung, ein Thema, das weniger trocken war als es sich anhörte, tatsächlich wurde es dort es doch recht ’nass‘ und das nicht wegen des Regens. Da meine Nachhilfeschülerin (ja, auch Blogger müssen noch anderweitig Geld verdienen!) am folgenden Tag eine NaWi-Arbeit schrieb und ich sie ausführlich genug vorbereiten wollte, wurde es doch etwas später als geplant, ich zog mich schnell um, packte meine Mitbewohnerin ein (Widerstand ist zwecklos) und los ging es. Wie schon bei der ersten Veranstaltung war ein schönes Buffet vom Weinhaus Michel aufgebaut worden, wo es nicht nur Wein, sondern auch Essbares wie Laugengebäck, Couscous mit Schafskäse oder Käsewürfel mit Trauben gab, das Ganze schön herbstlich dekoriert. Zu den Häppchen sind wir leider nicht mehr gekommen, wird aber sicher nachgeholt. Und es gab etwas Neues, nämlich chillige Hintergrundmusik, diese unterstrich den After-Work-Charakter der Veranstaltung und tauchte die Museumshalle in eine entspannte und trotz der Größe gemütliche Atmosphäre.

Wir machten es uns daher erst mit einer Weinschorle gemütlich – nach der Fahrradfahrt durch den Mainzer Herbstabend brauchten wir erst mal eine Erfrischung. Bei dem anschließenden Gespräch mit den Projektmitarbeitern an einem der Stehtische freute ich mich sehr zu hören, dass mein Blogbeitrag über die After-Work-Veranstaltung in der Codes-der-Macht-Ausstellung gut angekommen war. Natürlich fühlte sich mein Blogger-Ego sehr darüber geschmeichelt, da ich das Blog erstens nur als Bücherblog angefangen, dann nicht sehr regelmäßig geführt hatte und direkte Rückmeldungen auch nicht gang und gäbe sind. Das innere Chlodwig-Fangirl bekam einen dezenten Kreischanfall, ist aber zum Glück nicht in Ohnmacht gefallen. Denn schließlich wartete noch noch eine Führung auf uns. Dazu ging es in die Werkstätten des Schifffahrtsmuseum, die direkt angeschlossen sind und in die man durch Fenster in der Museumshalle bereits Einblicke erhält. Es ist natürlich eine andere Sache, die Werkstätten selbst zu betreten, die zunächst wie jede andere aussehen, nur dass die Materialien ein wenig älter und spezieller als normal sind… Wir stießen auf das Ende der vorigen Führung, wo der Restaurator Markus Wittköpper die Damen und Herren auf Englisch mit seiner Arbeit bekannt machte.

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Enthusiastischster Mitarbeiter des Monats – auch auf Englisch!

Eine Dame stammte aus den USA, ein anderer Herr aus Frankreich, wie sich herausstellte. Nachdem die Führung beendet und die letzten Fragen beantwortet waren, waren wir an Reihe, diesmal in einer kleineren Runde zu dritt. Fast übergangslos zur vorherigen Führung begann Herr Wittköpper zu erzählen, worum es bei der Holzkonservierung ging. Im Falle der Römerschiffe, die hier im wahrsten Sinne des Wortes vor der Haustür geborgen wurden, geht es nicht nur um das Holz selbst, sondern auch um den Umgang mit Wasser. Daher war das Thema auch in dieser Hinsicht nicht sehr trocken, auch wenn das Holz aus den Sedimentschichten im letzten Schritt trocken werden soll, aber in seiner ursprünglichen Form. Denn sobald das Wasser verdunstet, beginnt das Holz zu schrumpfen, was mit einem Flüssigharz verhindert wird, das die Stelle des Wassers in den Holzzellen einnimmt.

Chemie ist nie mein Fall gewesen, und hätte ich damals etwas besser aufgepasst…nun ja anderes Thema, ich als Laie konnte den Erläuterungen gut folgen. Wir konnten die Ergebnisse einer erfolgreichen Konservierung selbst in die Hand nehmen, was ich immer sehr schön finde, direkt in Berührung mit Objekten und Artefakten zu kommen, die normalerweise fernab von neugierigen Fingern in Vitrinen gehütet werden.

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Holz (konserviert) & Wein

Früher war für mich das Schild „Nicht berühren“ stets eine Aufforderung gewesen, das Gegenteil zu tun wollen… Nicht nur anfassen, sondern sogar zerbröseln durften wir kleine Holzstückchen, die durch die lange Lagerung im Wasser fast butterweich geworden waren. Faszinierend waren auch die Kisten, in denen jahrelang verschiedene Holzüberreste in deionisiertem Wasser gelagert werden, das etwa alle zwei bis drei Jahre gewechselt wird. Was mich immer wieder begeistert, ist die Tatsache, dass diese Objekte dort herkommen, wo ich wohne, auf den eigentlich unspektakulären grauen Plastikkisten stehen die Namen von Straßen, wo ich fast täglich entlangkomme…ein toller Gedanke, dass solche Dinge schon fast zweitausend Jahre vor mir dort existiert haben und man sie wieder zu sehen bekommt.

Mit diesem sehr speziellen Thema war ich nur recht vage über diverse Fernsehdokumentationen über Bergungen von antiken Schiffen z.B. aus der Ostsee bekannt und dem, was ich mir bei meinen vorherigen Besuchen im Schifffahrtsmuseum angelesen hatte. Das Thema direkt von einem Fachmann vermittelt zu bekommen und dazu noch auf eine sehr begeisterte Weise, die ansteckt, ist natürlich viel direkter und authentischer. Es gab soviel Spannendes zu erfahren, dass es mich und meine beiden Mitinteressentinnen zu vielen Fragen animierte und die Dauer von fast einer Stunde wie im Flug verging. Herr Wittköpper hätte vermutlich noch eine weitere Stunde unermüdlich und enthusiastisch weitererzählt, wenn sich die Veranstaltung nicht ihrem Ende zugeneigt hätte und es wohl noch eine kleine Knöllchenproblematik gab. Zu einem Rundgang durchs Museum hatte es nicht mehr gereicht, jedoch zeigte sich meine Mitbewohnerin angetan und nahm sich vor, das Schifffahrtsmuseum noch einmal zu besuchen. Als wir uns auf den Heimweg machten, hatte ich nun soviel über Holz im Kopf, dass mir prompt der ‚Ich und mein Holz‘-Hit im Kopf herumging, die tiefenpsychologische Interpretation dazu überlasse ich wohl lieber anderen… aber weiter im Text:

Erfreulich war, dass die zweite Veranstaltung im Schifffahrtsmuseum auch Gäste aus dem Ausland angezogen hatte, es waren wohl fünf oder sechs Personen, die vor mir die Führung mitgemacht hatten und sich später noch im Museum umsahen.

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Rekonstruiertes Navis Iusoria (leichtes röm. Kriegschiff)

 

Die Museumshalle ist mit der Kombinationen aus den großen Schiffsrekonstruktionen und den Überresten für solche Events geradezu gemacht, sie hat z.B. schon den Science Slam zum Wissenschaftsjahr Meere & Ozeane beherbergt. Ich hoffe sehr, dass sich die Veranstaltungsreihe etabliert und auch zu einem jüngeren Publikum durchdringt, das Gebäude ist groß und modern, und die Ausstellungsstücke werden durch Multimediaangebote und thematische Spielmöglichkeiten für Kinder unterstützt, worunter sich zu meiner persönlichen Freude die Playmobilgaleere befindet, die ich immer haben wollte, aber leider nie bekam. Wie man sieht: Darüber können sich auch etwas größere Kinder freuen.

Man braucht sicher nicht die Befürchtung zu haben, sich nach Feierabend oder dem Shoppen zurück auf die Schulbank oder in den Hörsaal versetzt zu fühlen, es ist eine wirklich sehr angenehme Art ein Glas Wein zu trinken, eine Kleinigkeit zu essen und sich umzusehen oder an einer Führung teilzunehmen, wenn man möchte oder sich mit den Machern unterhalten.

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After Work, Gespräche & Wein

Hinter Museen und Museumsprojekten stecken nicht nur (wenn überhaupt) etwas zerstreute ältere Herrschaften mit dicken Brillen sondern auch sehr normale jüngere Menschen mit Freude an der Materie – mit oder ohne Brille. Vielleicht muss das noch ein wenig mehr durchdringen, denn zumindest gefühlt halten sich in Museen eher ältere Semester auf, oder man geht der Kinder wegen hin. Ich höre mich gerade wie aus der Marketingabteilung an, aber ich finde das After-Work-Konzept wirklich gut. Es hilft freilich, dass mich das Thema Geschichte und Archäologie und damit das Museum an sich sowieso interessiert, ob nun ganz klassisch in einem historischen Gebäude in einer Vitrine oder eben modern und multimedial aufbereitet. Und wenn dann noch dermaßen enthusiastische Mitarbeiter dahinterstehen, sowohl hinter den Kulissen als auch an vorderster Front, lasse ich mich mehr als gerne davon anstecken.

Links:

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

Museum für Antike Schifffahrt Mainz

 

 

 

[Im Museum] After Work im Museum: Archäologische Nachlese zur Bundestagswahl 2017 & Codes der Macht im Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz

Und nun mal zu etwas ganz Anderem, ich war im Museum.

Ich habe im Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz
die Veranstaltung After Work: Archäologische Nachlese zur Bundestagswahl zum Thema Machterhalt/Machtwechsel, die im Rahmen der Sonderausstellung Codes der Macht am 28.09.2017 stattfand.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum ist mir, seit ich in Mainz wohne, zu einem meiner Lieblingsorte geworden, die ich gerne und regelmäßige besuche. Natürlich macht es der freie Eintritt leicht, immer mal vorbeizuschauen, aber da ich die Römerzeit liebe, hat es mich immer wieder ins Kurfürstliche Schloss gezogen.Das frühe Mittelalter, die Germanen und Kelten im 2. Stock, haben mich eigetnlich nicht so sehr gereizt. Die Römerzeit, gerade in einer Stadt wie Mainz mit ihren zahlreichen Fundstätten, ist schon immer mein Ding gewesen, ich interessiere mich dafür seit ich als kleines Mädchen die farbenprächtigen Historienschinken bei meinen Großeltern im Fernsehen sah. Die stolzen Römer fand ich immer viel toller als die armen, leidenden frühen Christen.

Das änderte sich allerdings mit Jahre 2014, als in Rheinland-Pfalz die Landtagswahlen bevorstanden.

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Oh ja, gerne!

Zwischen den beiden Spitzenkandidatinnen um das Amt des Ministerpräsidenten blickte mir ein adrett gekleideter junger Mann entgegen, der lässig ein Langschwert geschultert trug und sein Slogan lautete: Ich bin euer König. Ich dachte nur: ‚Na, den würde ich auch wählen‘ Später entdeckte ich, dass dieses „Wahlplakat“ für die Ausstellung Codes der Macht im Römisch-Germanischen Zentralmuseum warb, welche die Machtergreifung des Frankenkönigs Chlodwig dokumentiert, als er mit 16 Jahren seinem Vater Childerich auf den Thron folgte. Es war allerdings nicht irgendeine Ausstellung. Diese Ausstellung, oder vielmehr Intervention, wie sich das Projekt nannte, übertrug Chlodwigs Machdemonstration ins 21. Jahrhundert, wie er mit heutigen Medien und Sozialen Netzwerken signalisieren würde, dass er der rechtmäßige Frankenkönig ist.

Dem stellte die Intervention nun entgegen, wie Chlodwig die Begräbnisfeierlichkeiten als Codes der Macht nutzte, um seinen Anspruch zu legitimieren, rekonstruiert aus den wenigen erhaltenen Grabbeigaben, die im 16. Jahrhundert im belgischen Tournai im Grabhügel Childerichs gefunden wurden, aber leider auch wieder verschollen gingen. Medial flankiert wird das Projekt mit einer eigenen Webseite (www.codes-der-macht.de) und einem Facebookauftritt, wo sich der junge König, von einem Schauspieler dargestellt, in der Gegenwart präsentiert und das aktuelle Geschehen in Mainz als auch überregional aus seiner Sicht kommentiert. Hinzu kommen Veranstaltungen im Römisch-Germanischen Zentralmuseum, z.B. für Schulklassen, die die Teilnehmer mit einbindet, wo sie aufschreiben, wann sie bestimmen, von was sie sich manipuliert fühlen und selbst ein Teil des Projekts werden.

In der Ausstellung kommt Chlodwig in einem Film zu Wort, abrufbar in einer Videowand, wie auch Bischof Remigius als Vertreter der christlichen spätrömischen Eliten, wo sie jeweils ihre Vorgehensweisen und Erwartungen dem Zuschauer erläutern. In einer dritten Videowand kommt schließlich auch die wissenschaftliche Seite zur Sprache.

Ich selbst habe diese Intervention seither rege besucht, mir das Begleitbuch zugelegt, und mich prompt stärker für die Merowingerzeit bzw. das Frühe Mittelalter interessiert, was ich vorher eher links liegengelassen hatte. Mich hatte es richtig gepackt, die Facebookseite abonniert und den Weg des jungen Chlodwig gespannt mitverfolgt. Kurzum, ich bin zum Fangirl geworden.

Das Highlight war dann das Treffen mit seiner Majestät bei der Veranstaltung in der Mainzer Museumsnacht am 10. Juni 2017, welche passenderweise Nacht der Macht hieß und wo es mir gelang ein Selfie zu ergattern. Gleichzeitig war dies auch leider das Ende der öffentlichen Sonderausstellung sowie des Publikumsverkehrs im RGZMZ, da das Museum vom Kurfürstlichen Schloss in den Neubau beim Museum für Antike Schifffahrt umzieht, was etwa 2020 vollzogen sein wird. Eine schreckliche Aussicht, doch dann wurde ich halb über Facebook, halb über die Flyer auf die After-Work-Veranstaltungsreihe des RGZMZ aufmerksam, nachdem ich die Sonderöffnung am Familiensonntag am… zu Codes der Macht verpasst hatte.

Die erste After-Work-Veranstaltung, die ich besuchte, fand am 7. September 2017 im Museum für Antike Schifffahrt stand, zum Thema Römische Flussschifffahrt auf Rhein und Mosel.

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Museum für Antike Schifffahrt

Bei Wein und Laugengebäck konnte man die aufwendig rekonstruierten Schiffe betrachten, deren Wracks man größtenteils ‚in der Nähe‘ am Rheinufer gefunden hatte, außerdem konnte sich der interessierte Besucher Kurzführungen zum Thema anschließen, was ich natürlich auch getan habe. Schade war an diesem Abend allerdings, dass die Veranstaltung zur gleichen Uhrzeit mit dem Mainova-Firmenmarathon konkurrieren musste, und kurz zuvor war auch noch unsere Bundeskönigin, ähm Bundeskanzlerin zu Besuch in Mainz gewesen. Daher hatten sich nach dem ersten Schwung Besucher gegen 18 Uhr, zu dem ich auch gehörte, kaum Interessierte verirrt. Dennoch war die Idee spannend und interessant genug, dass sie trotz Marathon mehr Zuspruch verdient hätte.

Worauf ich mich allerdings mehr freute (ich hoffe nur, dass meine geliebten Römer nicht eifersüchtig werden), war am 28.September 2017 die Archäologische Nachlese der kurz vorher stattgefundenen Bundestagswahl zum Thema Machtwechsel/Machterhalt in der Ausstellung Codes der Macht. Wie schon bei der After-Work-Veranstaltung mit Führung, Wein und Knabberzeug.

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Prost, Euer Majestät!

Dieses Mal im kleineren Rahmen, aber wieder konnte ich – mit einem Glas Weinschorle und Handy bewaffnet – an der von Frau Dr. Kluge-Pinsker geleiteten Führung teilnehmen, wo sie die damalige Machtinszenierung des jugendlichen Königs den heutigen durch viele Medienkanäle unterstützten Inszenierung gegenüber stellte, sowohl Parallelen als auch Gegensätze aufzeigte, mit besonderem Hinblick auf die Ergebnisse der Bundestagswahl.

Ein kleiner Wermutstropfen war für mich, dass der König nicht persönlich anwesend war (was vielleicht mit dessen – hoffentlich nicht endgültiger – Rücktrittsankündigung auf Facebook zu tun hatte, aber im anschließenden Gespräch erfuhr ich, dass Chlodwig und seine Codes der Macht auch im Neuen Museum zu sehen sein werden, und er weiterhin durch den Schauspieler verkörpert wird.

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Wo ist der König?

Schön war es, nach der Führung mit den Verantwortlichen für dieses Projekt ins Gespräch zu kommen, dass für mich sowohl als Fangirl als auch als Bloggerin eine tolle Gelegenheit war, einen kleinen Blick hinter die Kulissen zu erhalten. Ich verbrachte bei dieser After-Work-Veranstaltung einen wirklich gelungenen Abend im Kurfürstlichen Schloss, in einer kleinen aber netten Runde, nur die Hauptperson habe ich freilich etwas vermisst…;-)

Auch für Museen werden neue Formen der Werbung und Darstellung von Projekten über Multimedia und Social Media immer wichtiger, wenn gar notwendiger, um sich Zielgruppen zu erschließen. Auch wenn ich es persönlich immer noch am schönsten finde, Dinge selbst ansehen zu können, ob es nun Originale oder Kopien sind, welche es dem RGZMZ erst möglich machen, Objekte in ihrer Gesamtheit darzustellen – wie z.B. die größtenteils verlorenen Grabbeigaben Childerichs.Oder wie ein frühchristlicher Sarkophag, der an seinem originalen Standort gar nicht vollständig betrachtet werden kann. Die Ausstellung von Kopien hat eine lange Tradition in Mainz, und wäre einen eigenen Blogbeitrag wert, so dass ich es bei diesen Beispielen belassen, denn es geht ja eigentlich um etwas anderes…

Aber ich freue mich schon auf die nächste Veranstaltung, diesmal wieder im Museum für Antike Schifffahrt am 5.10.2017 welche den Schwerpunkt Holzkonservierung hat (After Work im Schifffahrtsmuseum) . Selbst wer sich bislang für spätrömische Schiffe oder die Merowingerzeit nicht besonders interessierte, man muss weder eine wissenschaftliche Vorbildung besitzen noch befürchten, dass man sich auf die Schulbank oder in den Hörsaal zurückversetzt fühlt. Denn diese Themen werden kurzweilig und in entspannter Atmosphäre präsentiert, man entdeckt vielleicht etwas Neues und Spannendes, das man vorher noch nie so richtig wahrgenommen hatte, obwohl es schon immer vor der Haustür präsent war.

Weiterführende Links:

After Work im Schifffahrtsmuseum

Codes der Macht

Facebook | Chlodwig

Webseite des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz