Lesung „Dezember“ von Jānis Joņevs in Köln – Eine kleine Reise fast bis nach Riga


Wie kommt man eigentlich dazu, eine knapp dreistündige Zugfahrt für die Lesung eines lettischen Autors in Köln auf sich zu nehmen? Mein Interesse an Lettland ist aus einem einem privaten Schreibprojekt entstanden, das 2018 oder 2019 begonnen hat und sich im Alternative History-Bereich bewegt. Dafür hatte ich einige Recherchen zur Geschichte und Kultur betrieben, Dokumentationen geschaut und fand das alles sehr interessant, es macht immer noch sehr viel Spaß sich einen alternativen Verlauf des Landes auszudenken und die Figuren zu schreiben. Schließlich kam es dazu, dass ich Ende Mai dieses Jahres für knapp eine Woche tatsächlich nach Lettland flog, um es einmal wirklich zu erleben und um zu erfahren, ob es dort wie in meiner Vorstellung war oder vielleicht ganz anders. Die überwiegende Zeit verbrachte ich in Liepaja an der Ostsee sowie für eine Übernachtung in der Hauptstadt Riga und ich muss sagen, dass meine Erwartungen völlig übertroffen wurden. Gewohnt habe ich in Airbnbs am Strand von Liepaja und in Riga Centrs. Die meiste Zeit bin ich einfach herumgelaufen, habe sehr viel Zeit in Supermärkten (anstatt in Museen) verbracht oder bin mit dem Bus durch die Gegend gefahren, um mir anzuschauen, was mir vor die Nase kam. Die Zeit war natürlich viel zu kurz und ich hätte noch gerne weitere Städte und Regionen besucht und den überall blühenden Flieder bewundert, der zu dieser Zeit in Deutschland schon länger verblüht war.

Auf der Buchmesse in Frankfurt waren mir schon die letzten Jahre im Bereich der ausländischen Aussteller der Präsentationsraum von Lettland aufgefallen, der unter dem Motto Proud to be Introvert läuft, was ich als eher introvertierter Mensch sehr sympathisch finde. Jedenfalls ist der Raum innerhalb des Trubels der Buchmesse eine Oase zum Abschalten, ob man nun sich die Bücher und die Booktour durch Riga anschauen oder einfach nur chillen möchte. Die Riga Booktour habe ich mir natürlich sehr gern angeschaut, weil ich an einigen Orten in Riga selbst gewesen bin, aber auch andere, die ich noch nicht kannt. Schließlich bin ich direkt in Kontakt mit Latvian Literature gekommen, die mir Leseexemplare von Jelgava 94 und Dezember von Jānis Joņevs sowie Schwäbisches Capriccio von Anšlavs Eglītis vermittelt haben. Jelgava 94 hatte ich Anfang Dezember fertiggelesen – ein Rezension kommt natürlich noch – aber Dezember noch nicht, weswegen ich sehr erfreut war, als ich mitbekam, dass es eine Lesung von Dezember im Dezember in Köln stattfinden sollte. An der Lesung im Oktober im Rahmen der Buchmesse konnte ich nämlich leider nicht teilnehmen.

An einem Montag, dem 9. Dezember machte ich mich auf den Weg nach Köln, um an der Lesung von Jānis Joņevs teilzunehmen. Köln ist noch einigermaßen gut erreichbar, allerdings hat der Zugverkehr auf der Strecke zwischen Mainz und Köln seine Tücken. Daher organisierte ich mir vorsichtshalber ein Airbnb, zwar etwas außerhalb, aber die Preise in der Kölner Innenstadt waren mir schlicht zu hoch, wenn überhaupt noch Zimmer verfügbar waren. Allerdings wollte ich weder erst gegen ein Uhr nachts (oder später) nach Hause kommen und auch nicht nachts in Köln stranden, wenn dann doch ein Zug ausfiel. Die Zugfahrt verlief zum Glück ohne Verspätungen, allerdings war ich zwischendurch lost in Köln-Deutz, weil die Straßenbahnhaltestelle noch schwieriger als Gleis 9 3/4 zu finden war. Gerade reichte es noch, um meine Sachen in der Wohnung abzulegen, frisch machen und dann wollte ich noch auf den Weihnachtsmarkt am Heumarkt. Dummerweise war die Anzeige in der Tram ausgefallen und die Compurterstimme sehr undeutlich, so dass ich eben am Neumarkt ausstieg und etwas in Eile meine Bratwurst essen musste. Es fing also alles ein wenig stressig an, dennoch gelang es mir den Veranstaltungsort zu finden, ohne erneut verloren zu gehen..

Die Lesung fand zusammen mit dem Verleger Adrian Kasnitz von der parasitenpresse fand in der Wohngemeinschaft im Belgischen Viertel statt, in einer kleinen aber feinen Runde. Die Auszüge auf Deutsch wurden von Adrian vorgelesen, die Gespräche mit dem Autor auf Englisch, der über seine Recherchearbeit zu den Mordfällen in Riga gegen Ende der 1990er berichtete. Ich fand es sehr spannend zu erfahren, wie die Betroffenen, Angehörige der Opfer, Verdächtige oder Ermittler auf die Anfragen des Autors reagierten und wie die Fälle Kreise in seinen Bekanntenkreis zogen. Die Ausschnitte waren ohne Spoiler (hoffe ich) und bin daher jetzt gespannt, wie sich der ganze Roman entwickelt.

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, meine Exemplare signieren zu lassen. Anschließend klang der Abend in der Bar der Wohngemeinschaft aus. Das ist das Schöne an Lesungen, noch einmal in persönlichen Gesprächen den Autor und den Verleger über das Werk hinaus kennenzulernen.

Witzigerweise erkannte Jānis meinen Lieblingsanime Assassination Classroom an meiner Tasche, die ich immer bei mir trage. Ein Anime, der jetzt nicht so bekannt ist wie Hype-Animes a la Demon Slayer oder Attack on Titan, was mich umso mehr gefreut hatte. „Daraus entspann sich ein nettes Gespräch über Manga und Comickultur in Deutschland, Frankreich und Belgien, worauf noch viele andere interessante Themen folgten. Gerne hätte ich mich so noch weiter unterhalten, aber ich konnte leider nicht mit in die nächste Bar ziehen, da ich am nächsten Tag mittags wieder zurück nach Mainz fahren musste.
Dennoch bin ich sehr froh, den Weg nach Köln auf mich genommen zu haben, der etwas länger als der Flug Frankfurt – Riga dauert oder ähnlich lang wie die Strecke Riga – Liepaja. Auf die nächste Reise dorthin freue ich mich dann umso mehr, vielleicht ist ja auch ein Ausflug nach Jelgava drin.




[Rezension] Die Frau des Messerers

Autorin: Herta Krondorfer (https://ysardsson.com/)

Seiten: 246

Genre: Historischer Roman

ersch.: 2023

Verlag: Buchschmiede

Um historische Unterhaltungsromane mache ich sonst einen gewaltigen Bogen, besonders wenn ein Aufkleber mit Spiegelbestseller darauf klebt. Diese sind zumeist eine Anhäufung von Klischees wie das dreckige Mittelalter oder das dekadente (aber fortschrittliche) Rom und abgedroschenen Romanstereotypen. Eine Ausnahme mache ich allerdings gerne für Herta Krondorfer, für deren Roman aus dem Steyr des ausgehenden 14. Jahrhunderts ich Testleserin war.


Die Handlung
(Einige leichte Spoiler )

Der angesehene Messerer Jakob Fuchs verliert bei der Geburt seiner Tochter seine geliebte Frau Elisabeth. Nach einiger Zeit ist sein Umfeld davon überzeugt, dass der Witwer eine neue Ehefrau und Mutter für sein Kind braucht. So versucht man ihm verschiedene Heiratskandidatinnen schmackhaft zu machen. Dagegen wehrt er sich so gut er kann, ihm ist aber auch klar, dass er sich früher oder später den Konventionen fügen muss. Schließlich lernt er Eva Katrina, die Tochter eines Klingenschmieds, kennen. Schließlich lässt er sich dazu breitschlagen, sie näher zu kennenzulernen, stellt allerdings ihren dezent aufdringlichen Eltern einige Bedingungen. Kati, wie sie von allen genannt wird, nutzt die Gelegenheit, aus ihrem freud- und lieblosen Elternhaus zu entkommen. Auch wenn sie sich lieber Romantik und keinen wesentlich älteren Ehemann für ihre Zukunft gewünscht hätte, wohingegen Jakob allmählich Gefallen an ihr findet.

Dennoch gewöhnt sich Kati an ihr neues Leben, dass zwar Pflichten, aber auch Verantwortung und Selbständigkeit mit sich bringt. Da bringen die Waldenser Unruhe nach Steyr, die in der Ankunft eines Inquisitors nach einem Brand gipfelt. Auch Jakob wird als Zeuge zu Petronius Zwicker gerufen. Das ist auf den ersten Blick eine unangenehme, aber keine zu beunruhigende Angelegenheit. Doch dann erscheint Jakob nie zu der Vorladung und wird schwer verletzt aufgefunden. Nun ist Kati auf sich allein gestellt, sie muss sich nicht nur um die Versorgung des Haushalts und ihres Mannes kümmern, sondern auch um dessen Geschäft. Gleichzeitig muss sie herausfinden, wer für den Anschlag auf Jakob verantwortlich ist und seinen Ruf beschädigen will. Dazu ist sie schwanger und es ist sehr mühsam, Hilfe zu finden. So muss sie lernen, über ihre Zweifel und Schüchternheit hinauszuwachsen, um ihre Existenz zu retten.

Gedanken zum Buch

Eingebettet in das Lokalkolorit im oberösterreichischen Steyr zum Ende des 14. Jahrhunderts, findet der Leser ein wohl eher ungewohntes Bild des Mittelalters vor. Schlamm und Dreck sucht man vergebens, weder prügeln selbstherrliche Adlige hungernde Bauern über den Acker noch wird Frauen wird von der allmächtigen Kirsche Kirche unterstellt, eine Hexe zu sein. Genau genommen geht es weder um Adlige noch Bauern, sondern um das bürgerliche Leben einer aufblühenden Stadt mit Handelsverbindungen bis nach Venedig.

Die Geschichte fängt trotz des dramatischen Einstiegs recht beschaulich an, so dass ich mich gut in den Schauplatz und in die Zeit einfinden konnte. Bei Jakobs Überforderung mit einem Kind zurechtzukommen und mit den Bemühungen seines Umfelds, ihm eine neue Ehefrau anzudrehen, kann man sowohl mit ihm leiden, aber auch schmunzeln. Bis Kati und ihre schrecklich nette Familie auftauchen und die Situation mit dem Überfall auf Jakob eskaliert.

Auch die Bandbreite an Nebenfiguren machen diesen Roman lesenswert, manche liebt man zu hassen, bei anderen weiß man nicht, woran man ist, andere sind wiederum sympathisch oder man leidet ein wenig mit ihnen. Besonders erwähnen möchte ich hier die Darstellung der einzigen historischen Figur, nämlich des Inquisitors Petronius Zwicker. Heutzutage denkt man bei der Inquisition an foltergeile Schergen der allmächtigen Kirsche, die allen und jeden prompt auf den Scheiterhaufen schicken, was sowieso nicht stimmt. Das erste Ziel war, die fehlgeleiteten Schäfchen nach entsprechender Buße wieder zurück in den Schoß der Kirche zu schicken. So handelt hier der Inquisitor, der den Job macht, weil eben einer ihn machen muss, und das mit einer einer Engelsgeduld, die man vielleicht so nicht erwartet.

Zum Ambiente haben die schönen, aber nicht zu ausladenden Beschreibungen der Schauplätze und Jahreszeiten beigetragen. Mir haben vor allem die eingestreuten Dialektausdrücke gefallen, die allerdings nie aufdringlich wirken, sondern immer passend eingesetzt werden und in Fußnoten werden viele mittelalterliche Ausdrücke erklärt. Da ich ein großer Fan von Fußnoten bin, hat mir das sehr gut gefallen. Außerdem hat die Autorin für die Erzählung eine passende Sprache gefunden, die weder zu modern, aber auch kein geschwollenes Marktmittelsprech ist.

Fazit
Ich wollte mir eigentlich mit der Lektüre Zeit lassen, aber wegen der lebendigen Schilderungen der ersten Hälfte und der hochspannenden zweiten Hälfte, fiel es mir doch recht schwer, hin und wieder eine Pause einzulegen. Von daher eine klare Empfehlung, wenn man gerne gut recherchierte historische Romane ohne Kitsch, sinnlose Gewalt und Klischees liest.

Lovecraft, Poe und Pinguine

Es ist Oktober, und obwohl ich kein großer Fan von Halloween bin, nutze ich die Gelegenheit, mit etwas Furcht und Schrecken die Herbstsaison einzuleiten. Außerdem muss ich meinen Pile of Shame abbauen. Dieser ist weniger der Stapel ungelesener Bücher, sondern der Stapel gelesener, aber unrezensierter Bücher. Dazu schlagen ich gleich vier Fliegen mit einer Klappe, nämlich H.P. Lovecraft – Das Werk, Die Berge des Wahnsinns von H.P. Lovecraft und Francois Baranger, The Murders in the Rue Morgue and other stories und Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym von Edgar Allan Poe.

Die in einem großen kommentierten und sehr aufwendig gestalteten Prachtband gesammelten Kurzgeschichten von H. P. Lovecraft hatte ich 2017 zum ersten Mal auf der Buchmesse in Frankfurt gesehen und war davon so angetan, dass ich mir diesen Band zu Weihnachten schenken ließ, hatte aber erst 2022/23 die Muße, mich auf eine Werksammlung von etwa 900 Seiten einzulassen. Zwar hatte ich irgendwann einmal davor Die Berge des Wahnsinns gelesen, aber verstanden hatte ich diese Geschichte nicht. Im Zusammenhang mit den anderen Geschichten rund um den Cthulhu-Mythos und das Necronomicon, dazu in der Winter- und Weihnachtszeit, wenn es früh dunkel wird, hat Lovecrafts Universum erst richtig seine Wirkung entfaltet.

Neben den Geschichten sind in dem kommentierten Werk zahlreiche Fußnoten, Fotos, Illustrationen und Kommentare des Herausgebers Leslie S. Klinger zu Figuren, Orten und Inspirationen sowie Details zur Entstehung und zum Leben Lovecrafts enthalten, von denen ich manche eher überflüssig halte, aber andere wieder die Schauplätze und somit die Ereignisse in Neu-England realer werden lassen. Deshalb erwische ich mich dabei zu glauben, dass es tatsächlich Orte wie die Miskatonic University, Arkham und Innsmouth gibt oder in der Antarktis. Anders als bei Stephen King entsteht der Horror weniger durch Ekel oder Gewalt, der aus den Menschen kommt, sondern aus der Hilflosigkeit der Menschen gegenüber übernatürlichen und höherer Mächte, die aus dem All und aus den Tiefen des Meeres kommen, oder anderen unbekannten oder lebensbedrohlichen Orten.

Wie genau der Schrecken aussieht, schildert Lovecraft nicht genau, oft spricht er, ähnlich wie Poe von unaussprechlichen Dingen, denen die Protagonisten ausgesetzt sind und dem heutigen Erzählprinzip des „Show don’t tell“ stark widerspricht. Der Reiz von Lovecraft besteht in einer fast erstickenden Art zu erzählen, insbesondere wenn man in die Umtriebe von Cthulhu, Nyarlathotep und den verderblichen Einflüssen des Necronomicons eintaucht. Je weiter ich las, umso mehr verspürte ich förmlich das Grauen, das aus den umständlichen Beschreibungen heraustropft und konnte nun endlich den Reiz des Lovecraft-Universums rund um den Cthulhumythos verstehen und nachvollziehen. Dieses ist bei weitem nicht vollständig ausgearbeitet, wie etwa das von Tolkien, aber gerade die Dinge, die man nicht man weiß, die im Dunkeln bleiben, tragen zu der Atmosphäre des Okkulten und Unaussprechlichen bei. Meine Lieblingsgeschichte ist Die Berge des Wahnsinns, in der ein Forscherteam der Miskatonic Universität in der Antarktis auf die Relikte einer untergegangenen Zivilisation stößt, die alles andere als menschlich ist. Dort nimmt Lovecraft direkt Bezug auf Poes einzigen Roman Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym, der den Protagonisten ebenfalls in die Antarktis führt. Ebenso erscheint dort der Ausruf „Tekeli-Li“ aus Poes Roman. Unklar ist, ob Lovecraft Die Berge des Wahnsinns als Fortsetzung gesehen hat, aber wiederum zur Mythenbildung um sein Werk beiträgt.

Poes Einfluss ist unübersehbar, wenngleich er auch hochspannende Detektivgeschichten geschrieben haben und einige Erzählungen durchaus humoristische oder satirische, manchmal auch romantische Einschläge haben. Das ist bei Lovecraft etwas seltener zu finden, oder ich habe es nicht herausgelesen, doch ich fand gerade die Begegnung von Dyer und Danforth mit den Albinopinguinen so unglaublich herzig. Dabei habe ich mir eigentlich mehr Sorgen um die Pinguine gemacht als um die beiden Männer, was vielleicht der größere Schrecken war. Wohl aus diesem Grund habe ich mich von einer illustrierten Ausgabe von Die Berge des Wahnsinns ablenken lassen, die mich in der Bibliothek anlachte, als ich konzentriert an diesem Blogpost schreiben wollte. Leider war es nur der erste Teil, denn ich hatte mich schon auf eine Darstellung der 1,80m großen Albinopinguine gefreut und hoffe sehr, dass sie im zweiten Teil erscheinen. Dennoch sind die Illustrationen von Francois Baranger unglaublich schön, sie bilden den Hintergrund des Erzähltextes, was ich angenehmer als bei einer Graphic Novel finde. Sie bringen die Dimensionen der Antarktis und der untergangenen Stadt der Alten Wesen erst richtig zur Geltung, anstatt in Panels und Sprechblasen zerfledddert zu werden.

Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym ist der einzige Roman Poes, in dem der titelgebende Protagonist sich als blinder Passagier auf einem Walfänger auf eine abenteuerliche Reise begibt und schließlich nach Meuterei und Schiffbruch in der Antarktis landet, die zur Zeit Poes noch unerforscht war. Daher sieht der siebte Kontinent noch völlig anders als zur Zeit der Antarktis-Expedition fast hundert Jahre später aus, doch Lovecraft führt die Prämisse fort, dass dieser Ort die Heimat einer fremden Zivilisation war.Obwohl Poe im Grunde nichts mit Pinguinen zu tun hat, so werden am Anfang des Romans der Protagonist und sein bester Freund bei einer Spritztour von der Besatzung eines Walfangschiffes namensPinguin gerettet und mitten auf meiner Ausgabe des Sammelbandes seiner Erzählungen inmitten von Rasiermessern das Logo des Verlages prangt ein kleiner Pinguin. Und die illustrierte Erzählung von Die Berge des Wahnsinns wurde vom Heyne Verlag heraus-gegeben, der zur Penguin Random House Verlagsgruppe gehört. Ist das noch Zufall oder ein großer kosmischer Plan sinistrer Entitäten? Falls Pinguine zukünftig unsere Overlords sein werden, ich freue mich darauf!

[Rezension] Gawain – Lichtfalke

Autorin: Jessica Bernett (https://www.jessbernett.com/)

Seiten: 246

Genre: Historische Phantastik

ersch.: April 2020

Verlag: Sternensand Verlag

Historische Romane und speziell historische Fantasy sind ja ein zweischneidiges Schwert für mich. Bei historischen Romanen bin ich grundsätzlich skeptisch, denn oft werden irgendwelche Klischees genüsslich ausgewalzt (z. B. Mittelalter = dreckig, böse Kirche, Pest, böses Patriarchat, Römerzeit = Dekadenz, Sklaven, Orgien, Gewalt, Blut, Unterdrückung, noch mehr Dekadenz, Sklaven, Orgien, Gewalt, Blut, Unterdrückung, usw. ) und eine tapfere Heldin mit einem Mittelalterfrauenberuf (oder ganz emanzipiert mit einem Mittelaltermännerberuf!!!) durchbricht die Schranken der Gesellschaft oder so ähnlich.

Historische Fantasy kann gut gehen, muss es aber nicht, denn oft sind die Prämissen ähnlich. Bestes Beispiel: Jonathan Strange & Mr Norrell vs. Die Drachenreiter Seiner Majestät. Das erstere ist für mich zum Maßstab geworden und die BBC-Serie eine der wenigen guten Buchadaptionen, die ich kenne. Beim zweiteren habe ich die Reihe trotz des wirklich spannenden Hintergrundes – Napoleonische Kriege mit Drachen als Luftwaffe – nach zwei Bänden abgebrochen. Wirklich genial finde ich auch Pride and Prejudice and Zombies und Abraham Lincoln Vampire Hunter, die großartig geschrieben sind. Da darf man nicht von den Filmen ausgehen, die allerdings auch sehr viel Spaß machen.

Wie gesagt, ich überlege mir es immer zweimal oder dreimal, ob ich etwas mit historischer Fantasy lese, denn gerade schießen ja auch diese Neuverfassungen von antiken griechischen Sagen wie die Köpfe aus der Hydra, „diesmal aus der Sicht der weiblichen Figur XY“. Kann man machen, muss aber nicht unbedingt für mich sein. Und wenn man sich beruflich mit der Antike beschäftigt, kann man sich das nur schwer unvoreingenommen antun, besonders, wenn eine Message herübergebracht werden. Aber ich höre jetzt mal mit dem Rant auf und komme zum eigentlichen Thema.

Jedenfalls wusste ich noch nicht, dass ich dieses Buch lesen würde, es stand nicht auf meinem Schirm. Ich lebe in meiner etwas eigenen Bücherwelt und verfolge keine Trends und Bestsellerlisten. Von daher ist vieles dem Zufall zu verdanken, doch gibt es natürlich dann viele glückliche Zufälle.

So gesehen war es wohl mehr als ein Zufall, dass ich mich einige Zeit vorher für ein privates Projekt mit den Geschichten um die Ritter der Tafelrunde beschäftigt hatte, dort ging es eher um Gestaltwandlungen und die Parsifalssage, doch die Erzählung um Gawain und den Grünen Ritter, gehörte zu denen, mit denen ich – oberflächlich – vertraut war. Wie dem auch sei, nachdem Buchmesse Frankfurt-Wahnsinn, ging es nur wenig später zur erheblich gemütlicheren Büchermesse in Mainz. Ich wohne schließlich dort und der Blick ins Programm kündigte mir an, dass es um die in für die Gegend üblichen Themen ging: Rheinhessen, Wein, Lokalkrimis, Historisches, Buch- und Druckkunst.

Daher war die Lesung aus einem Fantasyroman mit einer Figur aus der Artussage doch etwas ungewöhnlich und ich beschloss, mir das anzuschauen bzw. -hören. Außerdem hat mich einfach der hübsche Einband gereizt (Falken spielen in einem Projekt von mir ebenfalls eine Rolle) und war gespannt, ob auch der Inhalt überzeugte. Eintritt für diese Büchermesse war frei, es gab ein fantastisches Catering und der Altersdurchschnitt der Besucher bewegte sich hauptsächlich im Senioren- und Kindergartenalter. Das Beste, keine endlosen Schlangen und keine Angst ob der Massen und langen Wege sowie kompletter Reizüberflutung und der Anwesenheit völlig überhypter Autoren und hysterischer IGer, Blogger, Cosplayer (gehöre ja selbst zu der Baggage) usw. am Rande des Nervenzusammenbruchs zu stehen. Aber man geht ja gerade deswegen nach Frankfurt!

Daher war das alles eine sehr entspannte Veranstaltung und nach der Stärkung mit Kaffee aus der Pumpkanne und Kuchen ging es zur Lesung. Ich kannte weder die Autorin, noch was sie sonst so schrieb, weshalb ich es immer gut finde, mich vorher nicht darüber zu informieren, weil man sich einfach unbefangener die Sache anhören kann.

So versammelten sich einige Zuhörer in einem der Klassenzimmer der Akademie der Wissenschaften und die Autorin las ein Kapitel vor, das zwar nicht allzu viel verriet, aber doch sehr amüsant und spannend mitzuverfolgen war. Hinterher gab es noch ein kleines Q&A, das ich auch sehr interessant fand. Auch wenn mir klar wurde, dass die Geschichte eher keine epische Saga war und eventuell eine etwas jüngere Zielgruppe angedacht war, so wollte ich dennoch wissen, wie die Abenteuer des Herrn Gawain hier erzählt würden und kaufte mir daher dieses hübsche Buch. Dazu gab es eine Widmung, eine Postkarte zu der anderen Romanreihe, Lesezeichen und eine goldene Feder.

Nach diesem kleinen Exkurs, nun zur Geschichte an sich (mit dezenten Spoilern):

Gawain von Lothian, ein Ritter der Tafelrunde, wird nach Irland zu Verhandlungen zu König Bertilak geschickt, den man aus der Artussage als Grünen Ritter kennt und sieht sich mit den Annäherungsversuchen der Königin konfrontiert, die sich anscheinend von ihrem Gatten vernachlässigt fühlt. Gawain ist zwar Wein und Weib sehr zugetan, aber das ist ihm zu riskant. Nachdem diese Hürde überwunden ist, muss er aufgrund des Todes seiner Mutter zurück nach Lothian reisen und trifft in einem verwunschenen Wald auf eine Greisin namens Ragnelle. Dadurch verzögert sich seine Ankunft und zudem treten Konflikte mit seinem Vater zutage. Er muss sich zwischen der Loyalität zur Tafelrunde und seinen Pflichten als Thronfolger entscheiden. Als ob dies nicht genug wäre, ist durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und ein Rätsel König Artus‘ Leben in Gefahr, just in jenem Wald, in dem Gawain zuvor aufgehalten wurde. Dadurch ist er allerdings in der Lage seinem König zu helfen, wodurch sein Leben zwar auf den Kopf gestellt wird, doch erweist er sich als würdiger Ritter der Tafelrunde.

Da ich mich wie gesagt zufällig aus Recherchegründen einige Zeit vorher mit der Artussage beschäftigt hatte, erinnerte mich wieder an Sir Gawains Abenteuer mit dem Grünen Ritter und was es mit der alten Frau und dem Rätsel auf sich hatte. Das hatte aber den Lesespaß keineswegs getrübt, die Geschichte ist flott und amüsant erzählt, wie es zu dieser sehr sympathischen Interpretation des Helden passt, aber ist keineswegs oberflächlich und nimmt ihre Figuren ernst. Manches, gerade was sich um die Familienverhältnisse dreht, bleibt nur angedeutet. Denn schaut man in den Stammbaum der Figuren, welcher im Buch enthalten ist, das Ganze nicht zu einfach durchschauen, wer mit wem verwandt ist und geheiratet hat. Der Stammbaum auf der Innenseite ist übrigens sehr schön anzuschauen. Kennt man sich in der Artussage und den Rittern der Tafelrunde ein wenig aus, kann man natürlich mit einigen Andeutungen mehr anfangen, aber die Geschichte funktioniert auch ohne Vorkenntnisse und man muss nicht alles zu Tode erklären. Nichtsdestoweniger hätte ich mir hier und da ein paar mehr Seiten gewünscht, die epische Breite fürs Heldenflair sozusagen. An einem Nachmittag schon mit etwa der Hälfte durch und habe es dann mit etwas weniger Tempo im Buddyread auf Reado mit Chrissy von booksnstories fertig gelesen. Was vermutlich ganz gut war, da ich sonst immer extrem schnell bei neuen Büchern durch bin und eventuell noch einmal lesen muss, damit ich überhaupt weiß, was darin vorkam.

Was den historischen Hintergrund angeht, so war ich durchaus zufrieden. Es ist ein schwieriger Spagat, besonders wenn Fantasy ins Spiel kommt, das Setting plausibel darzustellen. Sprich, dass die geschilderte Welt, auch wenn sie nicht hundertprozentig historischen Tatsachen entspricht und ein paar übernatürliche Extras hat, in sich schlüssig ist und die Figuren dementsprechend handeln. Die Atmosphäre eines spätantiken Britanniens ist gut spürbar, da gibt es keine hochmittelalterlichen Ritterrüstungen oder abenteuerliche Kegelhauben für die Damen. Historischer Realismus ist so ein Trend, der gerade in Serien oder bei Bestsellern in dem Genre gerne mit Dreck zu tun hat. Ich weiß nicht, woher die Popularität dieses Stilmittels kommt, aber ich finde es nervig und ausgelutscht und war daher sehr froh, dass es in dieser Geschichte nicht ausgereizt wurde. Ja, das Leben war damals sicher nicht einfach und durchaus gefährlich, aber auch kein Hinvegetieren unter Schichten von Schlamm und Kuhdung auf dem geistigen Niveau eines Halbprimaten bei grundsätzlichem trübem Wetter. Das wurde zum Glück vermieden, wie auch all zu ausufernde Beschreibungen des Lebens im 5./6. Jahrhunderts, was die Anfälligkeit für Fehler erhöht und manche Dinge sind für die Bewohner des Setting so selbstverständlich, dass man sie nicht zu sehr breittreten muss. Für mich sind die Atmosphäre einer Geschichte, Sympathie mit den Figuren das A und O, da ist es eigentlich auch völlig egal, für welche Altersgruppe das Buch verfasst wurde. Mir sind während des Lesen zwei Ausdrücke ins Auge gefallen, bei denen ich gedacht hatte, dass sie vielleicht doch zu modern sind, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Außerdem macht die Geschichte für mich viel Spaß, so dass ich das Buch gerne mal wieder für einen entspannten Lesenachmittag in die Hand nehmen werde, wenn ich mal eine Abwechslung von Lovecraft oder so brauche.

Von daher hat sich der Kauf mehr als gelohnt, zusammen mit Lesung, Goodies und einem sehr netten Gespräch mit Jessica ist das eine tolle Kombination. Gawain – Lichtfalke ist ein kurzweiliges Lesevergnügen und eigentlich würde ich ja noch wissen wollen, wie die bekannte Sage in dieser Interpretation weitergeht. Denn hier wurden erst einmal die eher heiteren Abenteuer geschildert, dennoch wäre ich auf das Drama, was später folgt, sicher auch gespannt.


[Rezension] Wurzeln der Vergangenheit

Autorin: HK Ysardsson
Seiten: 376
Genre: Science Fiction
ersch.: 2022
Verlag: Buchschmiede.at

Die Handlung [mit leichten Spoilern]

Vik Tami, der Sohn der Matriarchin des Planeten Uhuru wird zum 350. Salamander ernannt. Er ist nun das Oberhaupt der Hüter des naturbelassenen Planeten, für dessen Bewohner der Schutz der ursprünglichen Natur an erster Stelle steht. Daher ist Uhuru vom Rest der galaktischen Zivilisation weitgehend isoliert. Nach Vorbereitung auf das verantwortungsvolle Amt seit frühester Kindheit und sieht sich mit einer Reihe von schwierigen Herausforderungen konfrontiert. Die sybanische Planetenvereinigung und die kommerziellen Interessen der Handelsgilde bedrohen die selbstgewählte Isolation. Aus diesem Grund beschließt er mit jugendlichem Elan Sondierungsgespräche aufzunehmen. Trotz interner Widerstände begibt er sich zu Verhandlungen auf ein Raumschiff der Sybaner.

Dort wird ihm klar, dass die selbstgewählte Isolation Uhurus nicht unbedingt zum Vorteil seiner Bewohner gereicht, er trifft auf andere gesellschaftliche Konzepte, nach denen ein Großteil der bewohnten Galaxis lebt, und zum einen auf absoluter Chancengleichheit beruht und zum anderen auf technologischem Fortschritt, deren allerdings die Zerstörung der Umwelt ist. Wohingegen auf Vik Tamis Welt die Möglichkeiten seiner Einwohner durch ein strenges Kastenwesen eingeschränkt sind, da der Umweltschutz absoluten Vorrang hat. Als ob diese Voraussetzungen schon nicht schwierig genu für den jungen Salamander sind, ereignen sich zwei Attentate und sogar Tami selbst gerät unter Verdacht, gefolgt von einem Diffamierungsversuch.

Der Höhepunkt ist allerdings ein Notruf, der Vik Tami dazu zwingt, die titelgebenden Wurzeln der Vergangenheit seines Volkes zu erforschen, die ihn und seine Begleiter in Lebensgefahr bringen.

Meine Lektüre

Wurzeln der Vergangenheit ist der zweit Roman von HK Ysardsson aus dem Uhuru-Universum, der als diplomatische Mission beginnt, die an Bord des Raumschiffes Libina zunächst durch Intrigen und Attentatsversuch für Spannung sorgt. Auch der Kontrast zweier grundverschiedener Geselllschaftssysteme sorgt für Konflikte, die für den Protagonisten alles andere als angenehm sind. Für den Leser ist die Auseinandersetzung eines dezent überforderten jungen Mannes mit seinen anspruchsvollen neuen Aufgaben, einem Zusammenprall zweier Lebenswelten und Ideologien und der Vergangenheit seines Volkes sehr spannend und unterhaltsam mitzuverfolgen. Es ist mir während der zweifachen Lektüre nicht nur einmal passiert, dass ich dachte, Junge, bist du dumm? Aber dann hatte ich gleichzeitig soviel Mitgefühl und Verständnis für seine Situation, denn seine Begleiter (die meisten davon) auf dieser Reise haben sich ebensowenig mit Ruhm bekleckert. Vor diesem Hintergrund läuft die Handlung auf die Enthüllung eines Ereignisses hinaus, das Vik Tamis Weltbild erschüttert und seinen Charakter für sein weiteres Leben prägt. Diese werden zur Grundlage seiner Taten im ersten Uhuru-Roman Der Letzte Salamander, welcher fast hundert Jahre später spielt.

Während ich in Der Letzte Salamander ziemlich wenig Sympathien für ihn hatte, so litt ich diesmal mit, auch wenn er beileibe kein Charmebolzen ist und nicht besonders geschickt im Umgang mit seinen Mitmenschen und anderen Wesen ist. Ein wenig erinnerte er mich an Anakin Skywalker, auf dem in jungen Jahren große Verantwortung gelegt und hohe Erwartungen gesetzt worden waren, was schließlich zu seinem Fall geführt hatte. Mit Vik geht es zum Glück ein wenig besser aus, soviel kann ich schon einmal verraten. Man muss den Salamander nicht unbedingt gelesen haben, um bei Wurzeln der Vergangenheit auf seine Kosten zu kommen, oder umgekehrt. Aber natürlich gibt die Lektüre beider Romane ein runderes Bild sowohl des Lebens von Vik als auch der Kultur seines Volkes ab.

Diesmal konzentriert sich die Geschichte überwiegend auf Vik Tami und die Uhuru-Gesellschaft. Dennoch zeichnet sich interessantes Bild der übrigen Akteure, die im Grunde genauso viel Aufmerksamkeit wie Vik verdient hätten, doch persönlich ist mir ein Fokus auf den Protagonisten lieber, denn zu stark die Nebenfiguren zu beleuchten, würde eigentlich zu sehr ablenken und keinem der Figuren einen Gefallen tun. Ganz gleich ob es sich um einen Einzelroman oder eine mehrbändige Saga von vierstelliger Seitenzahl handelt. Wenn man den ersten Roman gelesen hat und dachte, dass Vik Tami ein verbohrter alter Mann ist, der sich vor allem aus Altersstarrsinn und Trotz auf einer alten Ideologie beharrt, so erhält man in Wurzeln der Vergangenheit ein differenzierteres Bild. Nichts geschieht ohne Grund und Irren ist menschlich (oder welcher Spezies man auch immer angehört). Selbst die Antagonisten, die Vik Tamis Mission zu einem Spießrutenlauf machen, haben ihre Gründe. Diese muss man nicht gutheißen, aber sie sind nicht nur böse um der Bösartigkeit willen. Sowieso ist die Linie zwischen den Fronten recht schwammig, manchmal innerhalb des Protagonisten selbst. Das macht den Roman zu einer vielschichtigeren Lektüre, als man von einem Space Thriller erwarten mag.

Zum Einen finden sich viele bekannte Elemente aus dem Science-Fiction-Genre, wobei ich es immer spannend und amüsant finde, wenn man diese entdeckt und zu etwas Neuem verwoben werden. Zum Anderen trägt der schon erwähnte Konflikt der Weltanschauungen dazu bei, Parallelen zur heutigen Zeit zu entdecken, wie man es z.B. bei Star Trek sehr oft findet – jedoch ohne moralischen Zeigefinger, der aktuell teilweise sehr aufdringlich verwendet wird. In Wurzeln der Vergangenheit kann der Leser selbst entscheiden, welche Deutung ihm mehr zusagt, oder ob er überhaupt eine finden will.

Eine komplett bierernste Angelegenheit ist dieser Roman zum Glück nicht. Ein wenig Humor blitzt hin und wieder auf, meist zwischen den Zeilen, an Stellen wo man trotz des Ernstes der Lage und des Leidens des Protagonisten doch schmunzeln muss. Vor allem finden diese Einlagen dann statt, wenn sie angemessen sind und die Figuren dennoch nicht ins Lächerliche gezogen werden. Das ist zumindest in vielen Blockbusterfilmen die Tendenz und alle haben ein flotten Spruch drauf, sind supercool und die Bösen einfach lächerlich.

Die weiteren Figuren

Ohne Nebenfiguren, Gegenspieler und Leute, die im Hintergrund über die Straße stolpern kommt ein Roman, der kein Kammerspiel sein soll, natürlich nicht aus.

Im ersten Buch hatte ich mir schon gewünscht, etwas mehr über die Qolpa zu erfahren, deren Kultur sehr konträr zu der von Uhuru steht. Mit Lynaris ri Teynar erscheint hier eine Vertreterin dieser Spezies, die hier eine größere Rolle spielt und mir hat es großen Spaß gemacht, sie ganz fürchterlich unsympathisch zu finden. Es gibt ja die Tendenz, auch die Schurken/Antagonisten auf irgendeine Weise sympathisch zu gestalten, ihnen durch die „schwierige Vergangenheit (TM)“, die ungerechte Gesellschaft, Gründe für ihre Taten zuzuschreiben. Hier ist Madame ri Teynar schlichtweg eine schreckliche Person und das ist gut so! Ich habe es richtig genossen, als sie ebenfalls leiden musste.

Die Besatzung des sybanischen Raumschiffs, auf dem die Verhandlungen stattfinden, steht eher im Hintergrund, hat aber mit Captain Lor und seinem ersten Offizier durchaus ihre Momente. Die beiden haben es mit ihren speziellen Gästen nämlich alles andere als leicht, müssen aber doch dafür sorgen, dass sie sicher durch den Weltraum geschippert werden. Ich hätte es aber durchaus verstanden, wenn sie den einen oder anderen lieber durch die Abfallklappe entsorgt hätten.

Vik Tamis Begleiter bzw. Aufpasser Vygon glänzt vor allem durch sein ambivalentes Verhalten zu seinem Schützling bzw. Vorgesetzten, weshalb er stets etwas undurchsichtig oder wenig greifbar herüberkommt. Ich hatte das Gefühl, dass da noch etwas mehr dahintersteckte, eventuell wurde er ein bisschen zurückgestutzt, aber dann ist er nicht die Hauptfigur. Interessant ist er trotzdem, Vygon mäandert zwischen Unterstützer und Gegenspieler und diese Rolle wird freilich etwas klarer, wenn man das erste Buch kennt.

Der sybanische Botschaft ri Nopkar tritt indes immer weiter in den Hintergrund, auch wenn die die Gespräche mit ihm der Auslöser für die Reise Vik Tamis ist. Dennoch bleibt er eine wichtige Figur, aber weil ich schon viele Spoiler drin habe, deute ich mal nichts an.

Jemand, der eigentlich unauffällig sein sollte, ist Kaderian, Madame Lynaris‘ Assistent und Mädchen für Alles, womit sich seine Chefin nicht die Finger schmutzig machen will. Er verfügt über einige Fähigkeiten, die für Vik Tami zum Problem werden, was der Angelegenheit noch einem eine besondere Wendung gibt. Obwohl es nur Andeutungen über Kaderians Volk gibt, so hätte dies sicher seinen Reiz gehabt, näher zu beleuchten, aber sie haben mir gereicht, um mir ein Bild zu machen, ohne dass es den Rahmen der eigentlichen Erzählung gesprengt hätte. Seine Taten zeigen wohldosiert die kulturellen und weltanschaulichen Unterschiede zwischen Uhuru und Syban auf, die Vik Tami bisweilen zur Verzweiflung treiben.

Und zum Schluss:

Wie gesagt, muss man nicht unbedingt Der Letzte Salamander gelesen haben, um Wurzeln der Vergangenheit zu „verstehen“. Das ergibt sich mit diesem Roman auch als Einzellektüre. Beide Romane runden die Geschichte des Planeten Uhuru indessen ab und machen neugierig auf weitere Aspekte dieses Universums, die man durchaus mit weiteren spannenden Geschichten füllen könnte. Aus diesem Grund war ich schon sehr gespannt darauf, wie es nun weiterging und ich hätte sicher nichts dagegen, noch ein paar andere Geschichten aus diesem Universum zu lesen.

Die Autorin kann man übrigens auf Instagram und YouTube finden, wo man interessante Einblicke in die Entstehung ihrer Romane und darüber hinaus erhält.

Ach du Scheiße!

Deutschland 2022
Regisseur: Lukas Rinker
Verleih: Neopol Film
FSK: 16
Bundesstart: 20. Oktober 2022

Ich muss gestehen, ich gehe nicht so oft ins Kino – aber ich bin ziemlich gut über neue Filme informiert, sogar über die Art von Filmen, die in Programmkinos läuft, da ich fast täglich am örtlichen Programmkino in Mainz, dem Capitol, vorbeilaufe. Als extrem visuell orientierter Mensch schaue ich genauer hin, wenn mich das Plakat anspricht. Dann lese ich mir eventuell den Infotext durch, aber oft finde ich den Film dann doch nicht so interessant. Natürlich musste ich genauer bei einem Plakat hinschauen, auf dem in dicken Buchstaben der Titel Ach du Scheiße! prangte.

Die Inhaltsangabe fesselte mich: Ein Mann, der in einem Dixiklo feststeckte, und nur noch wenig Zeit hatte, bis in der Baugrube, in die das portable stille Örtchen gestürzt, gesprengt wurde. Und sogar ein deutscher Film! Es gab nur einen Termin, da Ach du Scheiße! als Preview in Anwesenheit des Regisseurs gezeigt werden würde, also behielt ich mir das im Hinterkopf und beschloss dann am folgenden Montag einfach mal hinzugehen. Dort angekommen, war ich ein bisschen von den Massen an Leuten vor dem Kino überrascht, da ein solches Programmkino eher selten von Zuschauern überrannt wird. Aber das war ja auch sehr schön. Das Publikum schien überwiegend aus Erstsemestern der Filmwissenschaften zu bestehen und Leuten, die beruflich mit Film und Fernsehen zu tun hatten, denn in der Sitzreihe neben mir plauderte man angeregt, woran man selbst gerade arbeitete oder über gemeinsame Kollegen. Weiß nicht, ob das je meine Welt sein könnte, aber es war ziemlich interessant zu beobachten. Außerdem scheinen Rudi-Völler-Gedächtnisfrisuren wieder im Trend gerade bei den jungen Männern zu sein, die was mit Medien studieren.

Als Vorfilm, wie es im Capitol üblich ist, lief die Masterarbeit des Regisseurs Lukas Rinker, einen Trailer zu dem fiktiven Film Laserpope. Den wollte ich sofort sehen, aber es gibt ihn leider (noch) nicht. Zumindest begann der Hauptfilm mit einer Gemeinsamkeit, nämlich einem Auftritt von Erotikmodel Micaela Schäfer, worauf der Insasse jenes Dixiklos, der Architekt Frank (Thomas Niehaus), zu Bewusstsein kommt. Daraufhin realisiert er , dass er in einer buchstäblich beschissenen Lage steckt. Denn er ist schwer verletzt, das Dixi ist umgekippt und er weiß nicht, wie das alles passiert ist. Dann hört er schmissige Blasmusik und die Ansprache von Bürgermeisterkandidat Horst (Gedeon Burkhard), der launig verkündet, dass auf der Baustelle in einer halben Stunde gesprengt werden soll. Aus dem Klo kann Frank nicht entkommen, denn sein Arm ist mit einer Metallstange aufgespießt, sein Handy außer Reichweite und aufgrund der Lautstärke von Festzeltmusik und Horsts Geplapper, um Publikum und Investoren zu unterhalten, hört ihn niemand schreien. Also muss Frank auf eigene Faust versuchen, irgendwie auf sich auf sich aufmerksam zu machen oder zu entkommen. Allmählich kehrt seine Erinnerung zurück, zu allem Überfluss beinhaltet dies auch Beziehungsstress mit seiner Freundin Marie, aber zwischendrin kommen weitere Details über die Umstände seiner sehr unglücklichen Lage an die Oberfläche. Der Inhalt eines Metallkoffers hilft ihm Stück für Stück weiter, während die Zeit gnadenlos heruntertickt und der herrlich schmierige Bürgermeister in spe eines bayerischen Kaffs per Lautsprecher die Stimmung anheizt, und das nicht nur im guten Sinne.

Selten habe ich unter solcher Hochspannung im Kino gesessen, was nicht nur an dem Countdown bis zur Sprengung lag, sondern auch an der verzweifelten Lage des Protagonisten, die man beinahe selbst körperlich in der Enge und der ekelhaften Umgebung eines Dixis spürt und hat gleichzeitig sehr viel Spaß an der absurden Situation, die mit vielen Genrezitaten aus Horror, Survival, Heimatkomödie und Thriller gespickt ist. Diese wirken allerdings niemals abgedroschen, sondern weil sie noch einmal über ihre Grenzen hinausgetrieben werden, verleihen sie dem Film seine wahnwitzige Atmosphäre. Hinzu kommt der 80er-Jahre-Klassiker „Ohne Dich“ von der Münchner Freiheit, den man als Ohrwurm mitnimmt. Das, was das Ach du Scheiße! noch einmal besonders sehenswert gemacht hat, ist die Tatsache, dass es sich um eine deutschsprachige Produktion und dazu noch eine deutsche Komödie handelt, die ich normalerweise meide wie der Teufel das Weihwasser, weil sie in den letzten Jahren oder Jahrzehnte unlustig und irgendwie beliebig sind, weil sie keine Grenzen überschreiten. Daher ist es großartig, dass die Hessische Filmförderung diese Produktion unterstützt hat und hoffentlich in Zukunft ähnlich mutige Entscheidungen trifft.

Auf https://achduscheisse-derfilm.de/ sind die Kinos zu finden, in der klaustrophobische Spaß zu sehen ist.







Star Wars Downunder – Aussie Fanfilm Madness

98a823d4ea25b7b6b28c211deb697fd1_Star_Wars_Downunder_Fan_Film_Home_00-920-470-cStar Wars Downunder
Australien, 2013
Regie: Michael Cox
Homepage:
swdufanfilm.com
YouTube:
Star Wars Downunder Fan Film

Ich liebe ja Star Wars-Fanfilme, und bin seit dem Elend, auch als Sequeltrilogie bekannt, über jede Alternative glücklich, besonders, wenn man dabei ganz vergisst, dass es sich um Low- oder No Budget-Produktionen handelt, die einen aber trotzdem fesseln. Bei YouTube lasse ich mich ja gerne immer treiben, so dass es beim Autoplay oder den Vorschlägen, die ich manchmal wahl- und ziellos anklicke, immer wieder Überraschungen gibt, besonders was Star Wars-Fanfilme betrifft. Die reichen von Augenkrebs oder massiver Fremdscham bis hin zu heller Freude und wahnwitzigem Amüsement. Letzteres geschah nun bei Star Wars Downunder. Das sagte mir schon, dass es sich um einen australischen Fanfilm handeln musste, der eine stolze halbe Stunde dauerte, bereitete mich aber trotzdem nicht darauf vor, was mich erwartete. Nämlich hellen australischen Star Wars-Wahnsinn.

Ein tapferer Jedi mit dem stolzen Namen Merve Bushwacker kehrt auf seinen Heimatplaneten zurück, um sich endlich wieder dem Genuss seines Lieblingsgetränks, dem Amber Fluid, hinzugeben. Doch diese Pläne durchkreuzt der finstere Darth Drongo, der alle Amber Fluid-Vorräte mit Hilfe seiner Schergen an sich gerissen hat. Nun machen sich Merve und seine Freunde auf den Weg, um der dürstenden Bevölkerung das wertvolle Nass zurückzubringen… Klingt nach einer simplen Story, ist sie auch und ich habe noch nie soviel Spaß mit einem Fanfilm gehabt. Ich bin ja ein totaler Fan von lustigen und absurden Ideen, und die sind definitiv vorhanden. In jeder einzelnen Sekunde. Das fängt bei dem heftigen australischen Dialekt an, bei dem es sich empfiehlt die Untertitel einzuschalten. Selbst mit guten Englischkenntnissen bin ich bei australischem Slang und dem Akzent nicht weit gekommen. Aber selbst wenn man kaum etwas ohne Untertitel versteht, dem Spaß tut das keinen Abbruch.

Das Design von Fahrzeugen, Ausrüstung und Droiden lässt zwar erkennen, dass es sich um Star Wars handeln muss, aber jedoch etwas völlig Eigenständiges und Originelles. Bei dem kleinen kugeligen Droiden des tapferen Jediritters Merve Bushwacker werde ich zudem den Verdacht nicht los, dass Disney und Lucasfilms bei den Australiern geklaut haben. Über ein besonderes, sehr australisches und gleichzeitig sehr starwarsiges Schmankerl verfügt die Droidenarmee des Darth Drongo, von dem ich nicht weiß, ob ich das verraten soll. Es ist einfach zu gut, aber ich spoiler mal nicht. Dieser Film macht soviel Spaß. Für Star Wars-Puristen und Star Wars-Fans ohne Sinn für schrägen Humor ist Star Wars Downunder wohl nichts. Für mich aber umso mehr. Die Effekte lassen kaum etwas zu wünschen übrig. Das Design der Fahrzeuge und der sonstigen Austattung wirken leicht comicartig, aber bei einem Film mit komödiantischem Einschlag passt das ja sehr gut und trägt zu der ganz eigenen Atmosphäre von Star Wars Downunder bei.

Definitiv ist Star Wars-Downunder einer meiner  Star Wars Fanfilm-Favoriten, welcher sowohl eine gelungene Parodie als auch eine großartige Hommage ans Original ist.

Have a squizz, mates!

[Rezension] Der Römische Wolf

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Autor: Perdita Peschel

Seiten: 364 Seiten

Sprache: Deutsch

Verlag: Rediroma-Verlag

Status: beendet

 

Ich muss gestehen, dass ich kein besonders großer Fan von historischen Romanen bin, selbst wenn es um meine geliebte Römerzeit geht und besitze gerade mal zwei oder drei Bücher aus dem Genre. Ansonsten lese ich tatsächlich lieber Sachbücher darüber. Vermutlich finde ich Sachbücher ‚realistischer‘, auch wenn es schön ist, wenn Autoren versuchen, in die Antike oder andere Zeiten abzutauchen oder sich in die Menschen von damals hineinzuversetzen. So gut ein Roman recherchiert und geschrieben sein mag, ich kann mich nicht immer damit anfreunden, wenn sich dann auch noch grundlegende Probleme zeigen, wird es dann richtig schwierig.

Der Roman „Der Römische Wolf“ fiel mir während einer meiner Ehrenamtseinsätze bei der Initiative Römisches Mainz im Isis- und-Mater-Magna-Heiligtum in der Römerpassage Mainz in die Hände. Die Autorin hatte ihr Werk (zwei Fortsetzungen sollen folgen) als Geschenk an uns „Experten“ geschickt und um Lektüre und Rückmeldung gebeten, eventuell mit der Möglichkeit, das Buch hier verkaufen zu können. Da ich ja immer neuen  Lesestoff gebrauchen kann, nahm ich mich des Buches an und war gespannt, was mich erwartete.

Im Vorwort erzählt die Autorin, was sie bewogen hatte, die (fiktive) Lebensgeschichte von Marcus Agrippa Postumus, einem Enkel des Kaisers Augustus und nach Adoption dessen potenzieller Nachfolger, zu erzählen.  Dieser wurde im Alter von 26 Jahren kurz nach dem Tod von Augustus ermordet, die römischen Geschichtsschreiber überliefern ein nur knappes und nicht sehr schmeichelhaftes Bild – was aber durchaus üblich war, um Personen zu diskreditieren, die bei aktuellen Herrschern in Ungnade gefallen waren. Soweit, so gut. Dass Autoren versuchen, sich in historische Persönlichkeiten hineinzuversetzen ist ja nichts Neues, ob es gelingt, bleibt natürlich offen, wenn diese keine Aufzeichnungen für die Nachwelt hinterlegt haben und fragen kann man sie auch nicht mehr.  Also bleibt  der Lesespaß für ein Urteil.

Marcus Agrippa kommt  im Alter von 19 Jahren auf ein Landgut seines verstorbenen Vaters in der Nähe von Pompeji. Launisch und jähzornig, aber auch voller Ehrgeiz versucht er die Erträge des Gutes zu steigern und gerät in einen Strudel von Ereignissen und Begegnungen am Fuße des Vesuvs, die sein Leben grundlegend ändern.  Diese Ereignisse beginnen mit dem Sklaven Clemens auf jenem Landgut und Cassius Chaerea, einem jungen Legionär aus dem nahegelegenen Pompeji, die beide historisch belegt sind. Ersterer war tatsächlich ein Sklave des Marcus Agrippa, der nach dessen Tod eine Rebellion anführte und sich als Agrippa ausgegeben haben soll, während Cassius Chaerea unter Augustus‘ Großneffe Germanicus als Centurio diente und später als Prätorianertribun den Kaiser Caligula ermordete, aber keine weitere Verbindung mit Agrippa Postumus zu haben scheint.

Aber wie gesagt, künstlerische Freiheiten sind ja nicht schlecht…Nun gut, ich war gespannt, was mich erwartete und das waren vor allem unglaublich viele Rechtschreib- , Tempus- und Grammatikfehler. Dabei blieb es leider nicht, denn der sowohl der Ausdruck als auch die Charakterbeschreibungen ließen sehr zu wünschen übrig und ich dachte, was ist das für ein Verlag, der das durchgehen lässt. Also bemühte ich die Hilfe des Internets und fand heraus, dass der Rediroma-Verlag ein Verlag für Selbstverleger ist mit lachhaft niedrigen Preisen für das Lektorat. Es ist allgemein bekannt, dass heutzutage Lektoren nicht besonders gut bezahlt werden, aber ich fragte mich, wer für 50 Cent pro Seite eine gute und gründliche Arbeit erwarten kann…

Jedenfalls schien mir, als ob hier ganz auf das Korrekturlesen verzichtet wurde, vom Ausdruck, Sprache und der Charakter- und Storyentwicklung ganz zu schweigen. Ich weiß, dass es für Autoren schwer ist, überhaupt von Verlagen beachtet zu werden und der Weg zu Selbstverlag der einfachste scheint. Aber wie wir schon von Star Wars gelernt haben, ist der einfache, schnelle Weg der zur Dunklen Seite, besonders, wenn man hochmotiviert ist, sein Werk möglichst schnell unter die Leute zu bringen. Das ist verständlich, denn ich habe diesem Roman angemerkt, dass die Autorin mit viel Herzblut und Enthusiasmus geschrieben hat. Sie versucht, die Charakterentwicklung des Protagonisten zu schildern, wie er sich vom verwöhnten, jähzornigen Kaiserenkel zu einem mitfühlenden, mutigen jungen Mann mit aufrichtigem Charakter entwickelt, der sich damit Feinde, aber auch treue Freunde macht.

Leider ist die Beschreibung der Charaktere und ihrer Gedanken und Beweggründe sehr simpel gehalten, teilweise ziemlich mit der Brechstange, damit der Leser ja nicht übersieht, wieso die Figur so handelt und was sie denkt, und das wiederholt mit wenig Abwechslung im Ausdruck. Weniger wäre hier mehr gewesen, und wenn die Figuren wiederholt erröten, dann wird es allmählich etwas peinlich. Die meisten, die zu den Guten in der Geschichte gehören, sind unglaublich integer und verständnisvoll, sie brauchen nur ehrlich oder nachgiebig zu sein, und schon haben sie die Menschen in ihrer Umgebung für sich gewonnen, obwohl sie oft sehr naiv wirken. Genug Drama und Liebeswirren finden natürlich auch statt, die Geschichte endet mit einem Cliffhanger, da die Autorin bereits an zwei Fortsetzungen schreibt.

Auch wenn ich wahrscheinlich nicht zur Zielgruppe solcher Romane gehöre, die Geschichte hätte sicher Potenzial eine spannende und atmosphärische Trilogie zu werden. Allerdings reicht die Begeisterung der Autorin für ihre Hauptfigur nicht aus, um über die grundlegenden Mängel in Sprache, Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck hinwegzutrösten, wahrscheinlich fehlt es ihr hier an genereller Erfahrung im Verfassen von literarischen Texten. In einem Selbstverlag bekommt man zwar sein Werk schnell in die Öffentlichkeit, aber das auf Kosten der Qualität und ich kann mir gut vorstellen, dass es frustrierend ist, bei regulären Verlagen vergeblich Klinken putzen zu müssen. Aber selbst Bestseller haben oft Jahre und Jahrzehnte von vergeblichen Anläufe und zig Überarbeitungen hinter sich, und manchmal das notwendige Quentchen Glück.  Wie aber schon gesagt, zunächst muss meiner Ansicht nach die Basis stimmen, was ich aber in diesem Band nicht gegeben sehe, um geschichtsinteressierte Leser anzusprechen.

Dennoch soll diese Kritik kein Verriss sein, sondern auf Probleme hinweisen, die man als Autor mit Selbstverlagen und eher wenig Erfahrung (ich nehme das einfach mal so an) haben kann. Wie gesagt, mit einer guten Korrektur und mehr Übung im Ausdruck wäre daraus sicher eine ansprechende Lektüre geworden, bei der sich die 15 Euro lohnen würden.

[Rezension] Perry Rhodan – Das größte Abenteuer

PerryAutor: Andreas Eschbach

Seiten: 848

Sprache: Deutsch

Verlag: Argon / Fischer Tor

Status: beendet

Zufällig (mal wieder?) kurz vor dem 50jährigen Jubiläum der Mondlandung am 21. Juli 1969 hatte ich endlich – meiner Bibliothek sei Dank – die  Möglichkeit endlich die  Biographie des wirklich ersten Menschen auf Mond zu lesen. Zumindest in einem anderen Universum ist es Perry Rhodan, der am 19. Juni 1971 auf dem Mond landete, die Erde vor dem Atomkrieg rettete und schließlich das Weltall eroberte.

Perry Rhodan ist die älteste und größte Science Fiction-Heftserie der Welt, die seit 1961 in mehreren Auflagen erscheint . Es klingt total unbescheiden, ist aber so. Und bei Heftserien denkt man erst an Groschenromane, billige Arzt- und reißerische Westerngeschichten, oder kitschige Romantik vom Bahnhofskiosk. Also leichte Lektüre ohne Anspruch. Kann teilweise so sein, aber meistens ist es doch etwas anders als man denkt. Vor allem, da die Lektüre von Heftromanen in meiner Familie schon Tradition hat. Mein Opa hat wahnsinnig gerne Jerry Cotton-Heftchen gelesen, neben anspruchsvollerem Lesestoff. Mein Vater hat gerne jene Westernheftchen gelesen und ich habe mit Biene Maja, Micky Maus, Conny, Captain Future und anderen Comicheftchen angefangen. Als ich flüssiger lesen konnte, mussten erst einmal die Jerry Cotton- und Westernheftchen dran glauben, obwohl das eigentlich keine Kinderlektüre war, War mir aber egal. Es waren Buchstaben und spannende Geschichten. Ich habe so einiges gelesen, was überhaupt nicht für Kinder geeignet war, z.B. Stephen Kings Shining, wonach ich mich weder ins Bad noch in den Keller traute (mittlerweile kann ich aber wieder diese Orte betreten).

Eines schönen Tages, viele Jahre später, ließ der damalige Freund meiner Schwester ein paar Perry Rhodan-Heftchen bei uns liegen. Ich lag mit einer Nebenhöhlenentzündung im Bett und ich brauchte was zu lesen. Also nahm ich mir die Hefte vor. Eines musste die 5. Auflage gewesen sein, ich erinnere mich sogar noch ziemlich genau, dass es um den Besuch Perry Rhodans auf der Welt Pröhndome ging, das war um die 700er Hefte herum. Jedenfalls, es war um mich geschehen – ich fing an die Erstauflage zu lesen, dann lieh ich mir die Silberbände aus. Pausen habe ich auch immer wieder gemacht (wie jetzt gerade), dann begann ich parallel zur Erstauflage mit Neo und verschlang (und verschlinge immer wieder gerne) abgeschlossene Romanzyklen wie Andromeda und Odyssee. Bevor es mich wieder dahin verschlägt, komme ich doch lieber auf das eigentliche Thema zurück. Nämlich den fiktiv-biografischen Roman über ‚unseren Mann im All‘, nämlich den werten Perry selbst, dessen Unterteil auch ganz unbescheiden „Das größte Abenteuer heißt“. Ist es nämlich auch.

Eingerahmt ist die Lebensgeschichte Perry Rhodan in das entscheidende Ereignis der Weltgeschichte des PR-Universums, nämlich die Gründung der Dritten Macht durch ihn selbst, um die Menschheit vor einem Atomkrieg zu bewahren, was zunächst einmal ein wenig anders verläuft als gedacht. Geschildert wird dieser PR-historische Rahmen durch einen langjährigen Weggfährten des Ersten Terraners, Boten von Thoregon, Ritter der Tiefe und was Perry sonst noch alles an Rollen innehatte. Dass dem Helden mit Vorfahren aus Bayern etwas Besonderes anhaftet, deutet schon an, welche Rolle in den Weiten des Kosmos ihm in der Zukunft beschieden sein wird. Er gerät in bedeutende Ereignisse der Weltgeschichte, natürlich noch sehr nichtsahnend und manchmal etwas naiv, wie es mir an einigen Stellen vorkam, aber immer sich selbst treu, bis er schließlich jenen schicksalhaften Flug zum Mond im Jahre 1971 antritt, nachdem die erste Mondmission gescheitert ist. Diese Treue zu sich selbst und seinen Idealen von einer besseren Welt prädestinieren Perry sozusagen als Auserwählten und ich denke, dass die Nähe zu Karl Mays Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi nicht abwegig ist. Im Gegensatz zu Mays Alter Egos ist Perry allerdings nicht ganz so überpowert, wie man heute sagt, er wirkt bescheidener und fehlerhafter. Aber der Idealismus und die Treue zu ihren Überzeugungen besitzen alle diese Figuren. Wenn man die Erstauflage liest, oder einige Romanreihen, verleihen die verschiedenen Stamm- und Gastautoren Perry sehr viele Facetten, die stets interessant zu lesen sind, so dass die konsistente Schilderung über 848 Seiten etwas gewöhnungsbedürftig war, aber letzten Endes natürlich zur Schlüssigkeit beigetragen hat. Überhaupt hat mir der Stil von Andreas Eschbach, der als gelegentlicher Gastautor in der Heftserie mit dem Universum vertraut ist, ausgesprochen gut gefallen. Perry dient bis zu einem gewissen Zeitpunkt als unfreiwilliger Reiseführer durch die historischen Ereignisse (auch die vor seiner Geburt) bis zu jenem Mondflug, womit man als Leser sehr unterhaltsame und amüsante, aber nie alberne Lektionen in Sachen Geschichte des 20. Jahrhunderts bis 1971 erhält, mit dem Blick aus dem 57. Jahrhundert. Neben namhaften Persönlichkeiten vor allem der amerikanischen Geschichte trifft Perry auf seine zukünftigen Weggefährten, unter anderem seinem besten Freund Reginald Bull, was mich als gestandene PR-Leserin besonders gefreut hat, jedoch für Erstleser sicher auch interessant ist.

Überhaupt denke ich, dass dieses „größte Abenteuer“ auch für Nichtkenner eine schöne Lektüre ist, ich glaube, ich als Fan von Alternativer Geschichte, hätte daran auch eine große Freude gehabt. Perrys Biographie mündet in die Ereignisse, die den ersten Zyklus der Erstauflage, Die Dritte Macht, einleiten. Dieser Teil wirkt auf mich etwas gedrängt, das kann aber auch daran liegen, dass ich diesen Teil bereits kenne und sozusagen ein Cliffhanger ist, also von meiner Seite eher Jammern auf hohem Niveau. Ich kann mir jedenfalls denken, dass dieser Teil Lust auf mehr macht, z.B. mit den Silberbänden anzufängen, die die Erstauflage seit ihrem Beginn zusammenfassen und mir schon manche schlaflose Nächte bereiteten, da ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen, bis der Morgen graute. Und ich muss gestehen, dass ich nicht übel Lust gehabt hätte, gleich mal wieder anzufangen, aber leider ist die hiesige Bibliothek nicht sehr gut mit Silberbänden ausgestattet. Aber ich muss wirklich mal wieder mit meinem Perry anfangen, ich habe ihn sträflich vernachlässigt!

 

[Rezension] Star Wars: Episode 1 – Die Dunkle Bedrohung

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Autor: Terry Brooks

Originaltitel: Star Wars Episode 1 – The Phantom Menace

Seiten: 320

Sprache: Deutsch

Verlag: Blanvalet 1999

Status: beendet

 

Heute ist es genau zwanzig Jahre her, dass mit Die Dunkle Bedrohung, oder auch als The Phantom Menace, der erste Film der Prequel-Trilogie der Star Wars-Saga in die Kinos kam. Zufälligerweise hatte ich mir ein paar Tage zuvor die Romane der Prequel-Trilogie aus der Bibliothek ausgeliehen, aber da es auch der Wille der Macht sein könnte (es gibt eben keine Zufälle laut gewisser Jedi-Meister), will ich das mal gelten lassen. Und das hat mich motiviert, aus meinem Bloggerloch wieder hervorzukriechen.

Obwohl ich Star Wars-Fan bin, war dies das erste Mal, dass ich einen der Romane zu den Filmen gelesen hatte. Oder überhaupt einen Roman, der zum Film geschrieben wurde.
Sicherlich hatte ich den einen oder anderen Roman schon gelesen, die gehörten allerdings zum Expanded Universe, das leider seit der Disney-Übernahme als „Legends“ abgestuft wurde. Darüber hinaus schwankt die Qualität erheblich, die von den verschiedenen Autoren abhing und was sie daraus machten. Dadurch entstanden einige Widersprüche und oft genug war George Lucas von einigen Einfällen nicht sehr begeistert. Wie dem auch sei, es gibt einige sehr gute Romane und einige durchschnittliche und einige ziemlich schlechte. Ich weiß noch, dass ich vor einigen Jahren den Episode-1-Roman in der Hand hatte und darin herumblätterte, was mich abschreckte, war die deutsche Übersetzung „Kapselrennen“, was in der deutschen Synchronisation „Podrennen“ hieß. Es gibt so einige Begriffe aus Star Wars-Roman, deren deutsche Übersetzung mir jedes Mal die Haare aufstellen lässt, wie „Düsenschlitten“ etwa (ich weiß immer noch nicht, was ich mir darunter vorstellen soll) – oder „Sturmtruppler“. Arrrghs.

Doch damit will ich mich gar nicht weiter aufhalten. Ich rege mich sonst nur wieder auf. Es geht ja um Die Dunkle Bedrohung. Dieser erste Prequelfilm löste den ersten Aufschrei unter vielen Star Wars-Fans aus, George Lucas hätte die Originaltrilogie geschändet, die Kindheit dieser Fans vergewaltigt und so weiter. Zum Glück war im Jahr 1999 an Shitstorms und Beleidigungen der Schauspieler auf deren Instagramkonten noch nicht zu denken, aber die Reaktionen war gelinde gesagt heftig. Auch ich war eher skeptisch, fühlte mich aber nicht so persönlich beleidigt, da ich damals Star Wars zwar mochte, aber noch nicht so der Nerd wie heute war, so dass mich einige Jahre Star Wars-Romane überhaupt nicht interessieren. Die Prequeltrilogie habe ich übrigens sehr liebgewonnen, ich bevorzuge sie sogar vor der Originaltrilogie, obwohl ich mit dieser aufgewachsen war.

Der Roman wurde von Terry Brooks verfasst, welcher auch als Autor des Shannara-Zyklus bekannt ist. Zwar habe ich diese Bücher nie gelesen, aber habe schon sehr gerne die Serie gesehen, welche so ein bisschen mein Guilty Pleasure ist. Vielleicht hole ich die Shannarabücher irgendwann einmal nach. Doch nun zum eigentlichen Thema: Wer den Film kennt, wird von der Handlung natürlich wenig überrascht und kann keine großartigen Offenbarungen erwarten. Die Jedi Qui-Gon Jinn und Obi Wan Kenobi entdecken einen machtbegabten Jungen namens Anakin Skywalker, den man später (oder vielmehr früher) als Darth Vader kennt.  Dieser Film bildet den Auftakt zur Geschichte von Aufstieg und Fall des Auserwählten, der die Macht wieder ins Gleichgewicht bringen soll.  Allerdings fand ich es sehr schön, dass die Gedankenwelt der Protagonisten geschildert wird, was im Film oft nur schwer gezeigt werden kann. Oder Szenen, die zu einer Handlung erst hinführten oder erweiterte Dialoge. Bei einigen habe ich gedacht, dass sie wirklich gut in den Film gepasst hätten, um eventuell Gefühle und Motivationen zu vertiefen. Etwa Anakins Begegnung mit dem Raumpiloten, der ihm eine Zukunft als Pilot prophezeit oder wie er darauf reagiert, dass die Dienerin Padmé, die er so verehrt, eigentlich Amidala, die Königin von Naboo ist. Auch auf die Beziehung von Qui-Gon Jinn, Anakins Entdecker, und dessen Padawanschüler Obi-Wan, Anakins späterem Meister geht das Buch näher ein, was ich sehr spannend fand, wie viele andere Details. Dem Autor gelingt es gut, die Atmosphäre einzufangen, sei es auf Coruscant, Tatooine oder Naboo, da merkt man ihm schon den schwärmerischen Tolkien-Fan an. Ich hätte mir gewünscht, dass man ihm mehr Raum als 320 Seiten gelassen hätte, um eingehender auf die Protagonisten und deren Beziehung zueinander eingehen zu können oder Szenen detaillierter auszufeilen. Ich glaube, das hätte eine wirklich atmosphärisch dichte Erzählung werden können, doch anscheinend sind die Autoren an einen gewissen Rahmen gebunden und können nur selten Zeit auf Recherche und In-Universe-Zusammenhänge verwenden. Was sehr schade ist. Es bleibt bei mir nach der Lektüre gut geschriebener Star Wars-Romanen immer der Wunsch nach mehr zurück. So wie auch bei diesem, denn es gab schon einige Momente, die ich sehr ergreifend beschrieben fand, wie etwa Anakins Abschied von seiner Mutter. Wie gesagt, ich kenne ja die Handlung und die Charaktere, doch war das (leider zu kurze) Buch spannend zu lesen und ich fand es sehr nett, dass im Mittelteil Bilder aus dem Film zu finden waren. Manchmal stimmte der Kontext nicht ganz, doch es störte mich nicht, eigentlich finde ich das immer amüsant. Nun bin ich auf die Romanfassung von Angriff der Klonkrieger gespannt, welcher von einem anderen Autor, einem R.A. Salvatore, verfasst wurde.

Die Episode1-Kanne gab es damals übrigens bei einer bekannten Pizzakette, wenn man sich 1,5 Liter Cola bestellt hat. Diese fand ich zu meiner Überraschung im Keller meiner Eltern, die von Star Wars einfach überhaupt keine Ahnung haben. Keine Frage, dass ich mir diesen Merchandise-Schatz sofort unter den Nagel gerissen habe und meiner Sammlung hinzufügte.

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