Tage der Offenen Werkstätten im Römisch-Germanischen Zentralmuseum 17./18. November 2017

Hier sollte es entlanggehen, hatte ich aber nicht so ganz mitbekommen ^^*

Ich hatte eine Einladung zur Presseführung zum Tag der Offenen Werkstätten im RGZM, über das ich schon oft und gerne berichtet habe, bekommen. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen, nicht nur was ich in den den Laboratorien und Forschungswerkstätten zu sehen bekommen, würde sondern auch auf meine ‚Kollegen‘ von der professionellen Berichterstattung. Samstagvormittag radelte ich also hin und lief erst einmal prompt in die falsche Richtung, nämlich in den Museumsshop, wo das Kinderprogramm stattfand, wurde aber dann in die richtige Richtung gelotst.

Über die Forschungs- und Restaurierungswerkstätten hatte ich ehrlich gesagt keine genaue Vorstellungen. Zwar hatte ich das flache Gebäude neben dem Schloss bzw. Museum schon irgendwie wahrgenommen, aber damit nicht viel verbunden, außer, dass es eine Bibliothek gab. Jedenfalls stieg bei mir die Spannung, als ich mit einigen anderen Vertretern, die mit ihrer Ausstattung, Kamera, Tonaufnahmegeräte, Notizblöcke unglaublich professionell wirkten, während ich nur mit Smartphone bewaffnet war. Einen Schreibblock hatte ich zwar auch dabei, aber ich kam mir doch etwas, naja, exotisch vor. Jedenfalls erhielt jeder von uns eine Pressemappe und dann ging es auch schon los.

Geleitet wurde die Führung vom Direktor der Werkstätte, Dr. Markus Egg, der uns an jeder Station die Funktion und Arbeitsweise der einzelnen Bereiche erklärte, mit Unterstützung der jeweiligen Mitarbeiter, mit viel Geduld für die anwesende Pressemeute, deren Verhalten für mich beinahe noch spannender war, als die gezeigten Bereich der Werkstätten. Teilweise war ich von dem Gerangel um den freien und besten Blick auf Gerätschaften und Objekte abgelenkt, und von Fragen, die ich wahrscheinlich so nicht gestellt hätte.

Aber gut, als Vertreter eines Senders oder einer Zeitung hat man wohl seinen Fokus und ein bestimmte Klientel zu bedienen, während ich mir die Rosinen herauspicken kann, die mir selbst am besten schmeckten.

Pressebelagerung
„Können Sie das noch einmal so halten?“

Pressebelagerung Pt. II

Natürlich war die Führung als solche hochinteressant, zudem findet der Tag der Offenen Werkstätten nur alle zwei Jahre statt. Hätte man mich ‚ungeführt‘ durch die Werkstätten gelassen, so hätte ich mich wohl ziemlich verzettelt. Bei dem Begriff Werkstätten drängt sich einem doch immer noch Bild von Handwerksarbeit auf, Archäologen, die ein ausgegrabenes Fundstück gewissenhaft zusammenpuzzeln. Das ist es freilich immer noch, doch wurde mir erst bei dieser Führung so richtig bewusst, wie viel mehr dahinter steckt, wie der Einsatz von Röntgengeräten, Materialanalysegeräten, Computertomographen und 3D-Druckern, etc. Die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen stellte sich ebenso vielseitig heraus, mit den verschiedenen Sparten wie Geologie, Archäometrie, Biologie usw.

Zunächst klassisch…

Scherben mit Gartenzwerg
Überreste von Kleidung/Schuhen

So wie man es sich vorstellt

und mit High-Tech

Mit Röntgenbildern
Computertomografie

3D-Darstellung

Die Berufsfelder der Werkstattmitarbeiter sind ähnlich breit gefächert, neben klassisch ausgebildeten Restauratoren finden sich Mitarbeiter mit beruflichen Hintergründen wie Zahntechniker, Goldschmiede und Büchsenmacher. Die Mitarbeiter erklärten in den einzelnen Bereichen sehr geduldig und ausführlich ihre Arbeitsweise und Geräte, Nachfragen beantworteten sie ebenso. Trotz des Gedränges von Pressemenschen, die zusätzlich Objekte und Geräte für Fotos präsentiert haben wollten.

Mir war es zunächst erst gar nicht so bewusst gewesen, dass ’normale‘ Besucher erst gar nicht fotografieren durften, was für meinen angeborenen Drang (das asiatische Klick-Gen xD) alle Mögliche für die Nachwelt festzuhalten die Katastrophe wäre. Eine Abteilung war interessanter als die andere, ich hätte bestimmt für jede einzelne einen Blogbeitrag schreiben können. Erst im Einzelnen betrachtet fiel mir auf, wie vielfältig und vernetzt sich die Arbeit hinter den Kulissen gestaltet. So gab und gibt es internationale Kooperationen, wie mit Ägyptischen Museum in Kairo, wo das RGZM an Restaurierungsprojekten an den Goldblechen und der goldenen Totenmaske aus dem Grab des Tut-Ench-Amun beteiligt war, sowie an Schmuckstücken des Schatzes von Preslav aus dem 10. Jahrhundert.

Ebenso ist das RGZM an Restaurierungsarbeiten am Wikingerschiff von Oseberg beteiligt In der Holzkonservation hat sich durch die in Mainz gefundenen römischen Patrouillenschiffe eine besonders gefragte Expertise erworben (siehe „Ich und das Holz“) und besonders begeisterte Mitarbeiter, so dass bei diesem Rundgang die Holzkonservierung vorgestellt wurde. Mich hatte es sehr gefreut, Herrn Wittköpper wiederzutreffen, welcher seinen Arbeitsbereich nicht nur wieder einmal enthusiastisch, sondern auch als treuer Mainz-05-Fan im Fußballtrikot und der UEFA-Kapp (der 11.11. war gerade eine Woche her) präsentierte.

Das meiste war mir schon durch die After-Work-Veranstaltung zur Holzkonservierung bekannt, doch es war mir wieder eine Freude den Ausführungen zuzuhören. Überhaupt wussten die Mitarbeiter und Studenten so ausführlich und interessant zu erzählen, dass zum Ende der Führung die Zeit knapp wurde und einzelne Bereiche nur angerissen werden konnten, die eigentlicht mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Andererseits war ich bis zum Anschlag voll mit Informationen und Eindrücken, und der Akku meines iPhones machte allmählich schlapp. Nachdem die Führung mit dem Fotostudio als letzter Station beendet war, machte ich mich zunächst auf den Weg nach Hause – ich wohne ja nur um die Ecke – um mich auszuruhen, Handy aufzuladen und noch das Isis-Magna-Mater-Heiligtum in der Römerpassage aufzusuchen, um dem Vortrag über Fluchtäfelchen zuzuhören und selbst eins herzustellen (ich habe allerdings niemanden verflucht)Dazu aber mehr in einem eigenen Blogeintrag. Nach diesem Abstecher begab ich mich wieder zurück ins RGZM, um mir die Stationen anzuschauen, die bei der Führung zu kurz gekommen waren und mich persönlich interessierten.

Ich sah mir zunächst die Kolorierung an, witzigerweise an der Kopie eines Keramikgefäßes, das aus Ausgrabungen (Vicus und Gräberfeld Auf Esch) in meinem Heimatort Groß-Gerau stammte und ließ mir erklären wie archäologische Illustrationen gefertigt werden.Mich freute als Hobbyzeichnerin besonders, dass Handzeichnungen immer noch einen hohen Stellenwert genießen. Zwar wird weniger Wert auf Kreativität gelegt, doch ich mag die ganz eigene Ästhetik dieser Zeichnungen.

Kurz vor Ende der Veranstaltung schaute ich noch einmal bei der Edelmetallkonservierung vorbei, wo der Preslav-Schmuck gezeigt wurde. Eigentlich wollte ich ja die Mitarbeiter in Ruhe lassen, da sie den Tag über sowieso schon genug erzählt haben mussten und ich alles Notwendige schon in der Presseführung gehört hatte. Aber sie waren dennoch unermüdlich noch offene Fragen zu klären und zu erzählen, wie sie den Tag erlebten hatten, was ich im Übrigen fast noch spannender fand. So von einem kuriosen Besucher, der nur wissen wollte, in welcher Tiefe der Schatz gelegen hatte und nach der Auskunft gleich wieder verschwand. Es wäre wohl ebenfalls sehr spannend gewesen, die Besucher zu beobachten, wie sie auf die gezeigten Objekte und Geräte reagieren – was wohl in ein weiteres Mammutprojekt fürs Blog ausgeartet wäre.

Die Herkunft
Der Preslav-Schatz
Ich würd’s tragen

So ging der erste Tag der Veranstaltung zu Ende, aber ich war fürs Wochenende noch lange nicht fertig. Ich hatte mir nämlich vorgenommen, am Sonntag das Kinderprogramm anzuschauen, nach der Mainzer Buchmesse und einem Nachhilfetermin, den ich noch zu absolvieren hatte. Das Wochenende war also fest verplant. Aber was tut man als Blogger nicht alles um seine Neugier zu befriedigen und das auch noch für die Nachwelt festzuhalten. Buchmesse (siehe hier) und Arbeit brachte ich glücklich hinter mich, nun war Zeit für etwas Spaß für Kinder, kleine wie auch für ein etwas größeres.

Das Kinderprogramm fand im Museumsshop des Schlosses statt, wie ich am Tag zuvor mehr durch einen Irrtum herausgefunden hatte. Ich traf dort ein, als ein ganzer Schwung Kinder den Raum verlassen hatte und ich so ziemlich die einzige Person zum Bespaßen war. Das war allerdings auch gar nicht so schlecht, da ich mich mit den Mitarbeitern ausgiebig über mein Interesse an den Projekten des RGZM unterhalten konnte, während ich nebenbei einen Keramikfisch zusammenklebte. Als ich für einen Augenblick allein war, kam es, wie es kommen musste, es kamen nämlich Kinder und ich als einzige Erwachsene, die gerade pseudokompetent am Zusammenkleben war, musste als Anleiterin herhalten. Doch bekanntlich wächst man ja mit seinen Aufgaben. Es machte Spaß und als ich den Fisch schließlich erfolgreich fertiggeklebt hatte, wollte ich schon fragen, wann ich denn morgen anfangen könnte.

Erstmal Scherben
Immer schön am Rand entlang
Tadaaa! Meisterwerk

Als schließlich wieder tatsächliche Mitarbeiter übernommen hatten, schaute ich mir am Tisch gegenüber an, wie man Funde in Scherbenform abmaß und bestimmte. Die Kinder und deren Eltern machten begeistert mit, vor allem als ein Vater herausfand, welch tollen Unsinn man mit den Werkzeugen anstellen konnte, es ließen sich großartig Silhouetten von Nasen, Brillen und Fingern abmessen. Eine Mutter hingegen nahm die Angelegenheit etwas zu ernst und hielt ihren Sprössling zu genauem Arbeiten an. Ich war ja kurz davor zu sagen, dass das Kind doch keine Noten dafür bekommt…Nun gut, es hat ja jeder seine Prioritäten, aber mir gefiel die Variante Spaßhaben doch besser.

 

Spiel- ähm Werkzeug
Dokumentation
Tabelle zur Farbbestimmung Meisterwerk

Bevor ich den Heimweg antrat – das Wochenende begann seinen Tribut zu fordern – sah ich in einen anliegenden dunklen Raum, wo es um das Umzugsprojekt „Auf dem Weg ins Neue Museum“ ging und führte eine angeregtes Gespräch mit der Mitarbeiterin über den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Was das Schloss angeht, bin ich doch sehr voreingenommen, da ich es für eine schöne Umgebung für ein archäologisches Museum halte und das altmodische Flair sehr mochte, aber auch für zeitgemäße Umsetzungen wie das Chlodwig-Projekt bin. Ich denke, dass die Verbindung zwischen Altem und Neuem beim Landesmuseum gut gelungen ist, ebenso beim Schifffahrtsmuseum, ob der Neubau eben nur ein steriler moderner Klotz sein wird oder ob es gelingt ein gewisses Flair zu verbreiten, wird sich noch zeigen müssen.
Damit ging ein wirklich sehr abwechslungsreiches Wochenende zu Ende, mein Anspruch alles mitzunehmen, was es zu erleben gab, hatte sich gelohnt. Ich habe bei dieser Veranstaltung tolle Einblicke hinter die Kulissen des RGZM gewonnen, was nicht zuletzt den engagierten Mitarbeitern aller Bereiche verdanken war.

Zum Schluss noch einige Impressionen aus meinen 179 Fotos, die ich während dieses Wochenendes gemacht hatte, es fiel mir wirklich schwer, eine Auswahl zu treffen – was nicht zuletzt dazu beigetragen hatte, dass es mit dem Beitrag so lange gedauert hatte:

Scan für die 3D-Darstellung
 

Auf dem Monitor
Weiterbearbeitung am PC
Auch sehr klassisch
Puzzlearbeit Level 9000
Fast schon Kunst

Links:

Website des Römisch-Germanischen Zentralmuseums

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[Messebericht] Mainzer Buchmesse 2017

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Nachdem ich für die Frankfurter Buchmesse einen ganzen Tag brauchte, um auch nur einen Bruchteil des ganzen Angebots zu sehen (und davon völlig erschlagen wurde), ging es auf der Mainzer Buchmesse am 17. und 18. November 2017  erheblich beschaulicher zur. Die knapp anderthalb Stunden, die ich dort zwischen Tür und Angel verbrachte, hatten beinahe ausgereicht. Aber nur beinahe. Selbst nach den megalomanischen Ausmaßen der Frankfurter Buchmesse (ich drücke mich sehr erfolgreich vor dem Bericht) , gab es viel mehr zu sehen, als dass die anderthalb Stunden ausgereicht hätten. Ich hatte sonntags einen Nachhilfetermin einschieben müssen (der junge Mann hatte am eigentlichen Termin seine Lateinbücher in der Schule vergessen) und wollte noch einmal zum Tag der Offenen Werkstätten im Römisch-Germanischen Zentralmuseum (worüber ich auch noch schreiben werde), wo ich zwar schon tags vorher war, aber ich wollte mir das Kinderprogramm anschauen. Dazu aber mehr im entsprechenden Blogbeitrag.

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So fuhr ich an diesem windigen Sonntagmittag zum Rathaus, wo ich in der ganzen Zeit, die ich in Mainz wohne, noch nie gewesen war. Nun, das Gebäude an sich hatte mich nie gereizt, ganz besonders, wenn es gegen den Mainzer Dom, St. Stephan, Landesmuseum und das Kurfürstliche Schloss nicht einmal ansatzweise anstinken kann. Es funktioniert eher nach dem Motto „Nicht schön, aber selten“  und versprüht 70er-Jahre-Flair, wo es vermutlich einmal toll und modern gefunden wurde. Aber gut, Brutalismus wird heute auch im Museum gezeigt und das Rathaus ist ein Mainzer Markenzeichen, das man auf seine Weise lieb gewinnt. Irgendwie.

Also wagte ich mich in das Innere des Markenzeichens, vor allem weil es innen warm und draußen kalt war. IMG_5125Trotz der bescheidenen Ausmaße (wahrscheinlich ist sogar die Minipressenmesse größer), versprühte diese Veranstaltung auch eine Art Messeflair, nur nicht ganz so kosmopolitisch, aber dafür mit mehr Kindern. Die Aussteller waren vor allem kleinere Verlage aus der Region sowie Kunstdruckhandwerk, da durfte ein Stand vom Gutenberg-Museum natürlich nicht fehlen. Ich entledigte mich meiner Jacken, schlenderte herum, darauf gespannt, wo es mich als erstes hintreiben würde. Das war der Stand eines Verlages (jüli-Verlag Mainz), der Zeichungen und Aquarelle in Postkartenform vor allem aus Mainz feilbot. Die Dame, die Verlgersgattin offenbar, war in der Hinsicht Informationen an an arglose Passanten zu bringen, nicht gerade schüchtern und vor allem geschäftstüchtig.

Wenigstens kam sie nicht mit einem „Duuuu juuu laik sriller!!??“ an, wie es mir auf der FBM widerfahren war, als ich nicht gleich auf „Mögen Sie Sriller???!!!!'“ reagiert hatte. Die Postkarten und sonstigen Illustrationen waren wirklich sehr hübsch, die Idee originell, zum Kaufen haben sich mich allerdings nicht so arg gereizt. Wie es sich für eine interessierte Bloggerin gehört, wollte ich (und tat es auch) fragen, ob ich Fotos machen könne, worauf ich ein energisches „Nein!“ zu hören bekam. Die Erklärung, dass ich die Fotos für mein Blog machen wollte, verunsicherte die Dame immerhin so sehr , dass sie den Gatten fragte. Beide Herrschaften waren schon etwas älter und vermutlich noch nicht so mit den Gepflogenheiten des Internets vertraut, aber er meinte, dass es okay sei, während sie noch skeptisch schien, obwohl ich versichert, dass der Verlagsname selbstverständlich genannt würde. Willkommen im Neuland!

Ganz anders sah das freilich am Stand von Pengboom Society (pengboom.de) aus, wo die Zeichner/Autoren persönlich vor Ort waren, um ihre Werke zu präsentieren und es entwickelt sich ein wirkliches nettes und angeregtes Gespräch über deren Comics. IMG_5132Ich bin leider nicht die eifrigste Comicleserin, ich versage kontinuierlich beim Sammeln von Manga, auch wenn sie noch so interessant sind, so dass es meist bei One Shots wie von Jiro Taniguchi bleibt. Dass ich die Clone Wars-Sonderbände komplett habe, ist mir bis heute noch ein Rätsel… Bei Pengboom hatte mich zunächst ein historischer Comic namens „Das größte Fest der Welt“ angelockt, welches von den Abenteuern dreier Kinder bei der Kaiserkrönung 1742 in Frankfurt erzählt. Wie ich später herausfand, ist dieser Comic der Start einer hauseigenen Comicreihe mit dem Jungen Museum in Frankfurt und dem Zwerchfellverlag. Neben der Zeichnerin von „Das größte Fest der Welt“, stellten die beiden Zeichner von Pengboom Society ihre Werke vor, zum einen den Webcomic „A House Divided“, wo es die Vorgeschichte als Druckerzeugnis gab und „Kletschmore“, die es beide im Internet auf Englisch zu lesen gibt. IMG_5133Da ich bei Webcomics ausdauernder bin und solche sehr leicht zum Prokrastinieren im Internet verleiteten anstatt fleißig im Blog zu schreiben, habe ich mir in der Zwischenzeit „A House Divided“ durchgelesen und warte nun gespannt, wie es weitergeht. Ich habe mich wirklich sehr angeregt mit den Autoren unterhalten und neben einer sehr schönen Autogrammkarte wurden natürlich meine Fotowünsche mehr als bereitwillig erfüllt. Danke fürs „authentische“ Posieren“  ^^. Hier merkte man man den Generationenunterschied. Wo ich zuvor noch ein brüskes „Nein“ bekam, war es hier kein Frage, das Web ist schließlich selbst ein Medium zur Veröffentlichung. Der Unterschied in den Reaktionen war jedenfalls bemerkenswert.

Wie es sich für Mainz gehörte, war auch das Gutenberg-Museum vertreten und ich musste einfach die Gelegenheit nutzen, mir endlich einmal ein Mainzelmännchen handzudrucken. IMG_5137Und dass wo ich doch schon so lange in Mainz wohne, seufz. Nun fehlt nur noch ein Ablassbrief, ich hoffe sehr auf eine weitere Gelegenheit, mir die Freisprechung von meinen Sünden doch noch irgendwann zuzulegen. Nach dieser kleinen Pause fielen mir besonders schön mit Aquarellen gestaltete Buchumschläge und Leporellogeschichten ins Auge. Beim näheren Blick in die Bücher entdeckte ich, dass es ebenfalls Illustrationen gab. Im Gespräch fand ich heraus, dass der Verlag (Wind und Sterne Verlag)sowohl Wert auf die Illustrationen als auch auf gebundene Bücher legt, und diese günstig anzubieten. Eine Idee, die ich sehr unterstützenswert finde. Im Angebot war nichts dabei, was mich persönlich interessiert hätte (lag u.a. wahrscheinlich am Zeitdruck), doch mir kam die Idee, einen der Krimis meiner Mutter als Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Für knapp 15 Euro ein gebundenes Buch mit einem hübschen Umschlag und Illustrationen zu erwerben, war schon toll. Wenn meine Mutter das Buch durchgelesen hat, werde ich es mir gewiss einmal zu Gemüte führen. Wahrscheinlich hätte ich mir Stundenlang das Angebot ansehen können, doch die Zeit wurde knapp.

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Als nächstes zog ein Stand ( Brighton Verlag ) meine Aufmerksamkeit auf sich, bei dem es augenscheinlich um Fantasy und Historisches ging. Die Cover waren teils Fotografien, teils gezeichnet, was mich an Manga- oder Graphic-Novel-Einbände erinnerte, was sie aber nicht waren, sondern Romane aus den eben erwähnten Bereichen. Ich fand die Gestaltung des Standes mit ‚Goldmünzen‘ sehr hübsch und fürs Genre sehr passen. Was mich hier besonders faszinierte, war ein Ausmalbuch für Erwachsene zu einer Romanreihe aus dem Verlagsangebot, in dem man sowohl die Figuren ausmalen als auch Textpassagen aus den Romanen lesen konnte. Ich weiß zwar nicht, ob ich die Bücher interessant genug finde, um sie selbst zu lesen,  aber mag das Konzept sehr.

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Meine letzte Station war ein Verlag (Mini-Verlag Meisterburg), der Kinderbücher zu eher ’schwierigen‘ Themen (z.B. Schlaganfall beim Opa und Pflegeheim) und für mich als Nachhilfelehrerin interessante Bücher zum Lesenlernen anbot. IMG_5141Ich kam mit der Autorin des Leselernbuches ins Gespräch, da ich eine Grundschülerin mit Leseproblemen betreue und entschloss mich eines der Bücher auszuprobieren, wo übers Basteln zum Lesen angeregt werden soll. Die Zeit drängte, schließlich hatte ich noch vor zu arbeiten und wollte noch ins Römisch-Germanische Zentralmuseum. Soviel Stress an einem Sonntag, aber ich wollte es so. Allerdings musste eine kleine Stärkung sein. Die Auswahl an dem Büffet mit hausgemachtem Kuchen, belegten Brötchen und orientalischen Snacks war zu überwältigend, so dass ich bei einem schnöden Käse-Schinken-Brötchen beließ, weil es am schnellsten ging. Gerne hätte ich mich noch eingehender umgesehen und an der Lesung von Pengboom teilgenommen, was allerdings bei meinem Zeitplan für diesen Tag nicht mehr drin war. Trotzdem war ich mit dem Besuch dieser Messe zufrieden und hatte ein paar schöne wie amüsante Eindrücke gesammelt, besonders, was der Umgang mit dem Internet anging.

[Im Museum] Work In Progress im Schifffahrtsmuseum – Virtuelle Realitäten, Supertanker, Spielkinder, Playmobil und Playstations.

Kaum war die eine After-Work-Veranstaltung zu Ende, schon kam die weitere im Schifffahrtsmuseum in der folgenden Woche. Bloggerprobleme können schon heftig sein… Jedenfalls hatte ich schon meine Mitbewohner rekrutiert – für den neuen Mitbewohner das ‚erste Mal‘ und prompt kamen Fragen wie ‚Gibt’s da einen Dresscode‘, da er sich wohl eine elitäre Veranstaltung für Büroangestellte in Anzug und Kostüm darunter vorstellte. Nein, gibt es natürlich nicht, aber anscheinend hatte der Begriff ‚After Work‘ diese Assoziation ausgelöst und ich sagte nur, dass er hingehen konnte, wie er wollte. Überzeugt war er nicht, die Neugierde allerdings war doch groß. Als wir schließlich an diesem Donnerstagabend ankamen (die Mitbewohnerin würde direkt von der Arbeit kommen), war ich wirklich positiv überrascht, dass sich eine Menge Leute eingefunden hatten, fast alle Stehtische waren besetzt und weitere Besucher schauten sich im Museum um. Die nächste Überraschung war, dass mein Mitbewohner bekannte Gesichter traf, so dass hoffentlich alle Bedenken, dass dies ein hochformeller Anlass sei, zerstreut waren. Eingeläutet wurde der Abend mit Prosecco und Wein. Ja, schon wieder, aber meine Güte, wenn man dort welchen trinken kann…und ich hatte jetzt endlich Gelegenheit, etwas vom Angebot des Weinhaus Michel zu probieren, was dort schon seit der ersten After-Work-Veranstaltung verkauft wurde und immer so toll präsentiert wird.

Meine Mitbewohnerin brachte noch eine Kollegin mit und wir verbrachten eine so nette Runde am Stehtisch, dass wir beinahe die heutige Führung vergaßen. Dieses Mal fand weniger eine Führung statt, mehr eine Präsentation, die von Herrn Kimmel, Leiter der Abteilung Bildung und Kommunikation im RGZM eingeleitet wurde, wonach die Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen zu Wort kamen und die Bestandteile des Projekts Mixed Reality Open Lab vorstellten, welches in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wissensmedien Tübingen und der Hochschule Mainz stattfindet.

Am Beispiel eines römischen „Supertankers“, dem Wrack von La Madrague in Frankreich, wurde gezeigt, mit welchen Medien die Objekte des Schifffahrtsmuseums dem Publikum künftig zugänglich gemacht werden sollten. Zum einen natürlich durch ein Modell als Anschauungsobjekt, zum anderen durch Augmented Reality in Form einer Oculus-Rift-VR-Brille. Gleichzeit findet eine barrierefreie Umsetzung statt, z.B. mit Stationen für Blinde. Das Highlight war jedenfalls die VR-Brille. Ich hatte noch nie eine aufgehabt, und so war das Erlebnis ziemlich aufregend. Zu sehen bekam ich ein römisches Heerlager und wie es ist, auf einem römischen Kriegsschiff zu stehen. Das hat schon einmal einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie der Blick in ein Schiff wie das La-Madrague-Wrack gestaltet werden könnte. Nicht nur anhand eines Modells, wie wir es an diesem Abend zu sehen bekamen, sondern auch in der Virtuellen Realität.

Nach der Vorführung sorgte vor allem der Mitmachbereich für Kinder bei den Kollegen (ein weiterer war noch dazugekommen) meiner Mitbewohnerin für sehr viel gute Laune. Dort können nämlich nicht nur Kinder Spaß haben, sondern auch etwas größere Kinder, wie sich herausstellte. Die Würfel- und Brettspiele und das Knoten von Schiffstauen hatte es ihnen besonders angetan, während ich wieder einmal die Playmobilsammlung anhimmelte. Die Jungs in der Runde waren am meisten von dem Bolzengeschütz und den Kriegsschiffen angetan, sie hatten allerdings mehr Krieg erwartet und fanden Handelsschiffe eher langweilig, ganz egal ob sie nun 10.000 Amphoren Wein transportieren konnten oder nicht.

Im Anschluss an die Veranstaltung ging es mit uns noch zu einem Absacker in den Domsgickel, quasi zur After-After-Work. Unterwegs kamen wir auf weitere Ideen, wie man eine solche Veranstaltung aufpeppen könnte. Inspiriert war ich durch ein Kinoplakat, das Stripper und ‚heiße Männermodels‘ für die Ladies‘ Night beim Cinestar versprach, während die Herren auf Playstation und Strategiegames wie Age of Empires setzten. Ich denke mal, dass früher römische Damen sicher nichts gegen gutaussehende Sklaven hatten, die ihnen den Wein reichten, während sich die Männer über Politik und Krieg ausließen.

 

Diesmal hatte es mehr Besucher als bei den ersten Veranstaltungen gegeben, was ich sehr erfreulich fand. Dadurch, dass es weniger eine Führung als eine Vorführung von Work in Progress für zukünftige Projekte gab, inklusive der Vorstellung von beteiligten Mitarbeitern, hatte ich hatte den Eindruck, dass es sich, nun ja, mehr um eine Art Prestigeveranstaltung handelte. Ich meine das nicht negativ, schließlich ist es nie verkehrt, Projekte vorzustellen und um Interesse zu werben, vor allem wenn interdisziplinär gearbeitet wird und das Interessenten aus völlig anderen Bereichen anlockt. Im Grunde mache ich ja ähnliches über das Blog, allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Atmosphäre ein wenig anders als bei den vorherigen Veranstaltungen war, eher ‚offizieller‘.

Wichtiger war jedoch, dass meine Begleiter viel Spaß im Schifffahrtsmuseum hatten, über das sie vorher kaum mehr wussten, als das es existiert, unbekannt war z.B., dass es freien Eintritt gibt. Da ich dieses Museum ebenfalls sehr gerne mag, hat mich das natürlich mehr als gefreut, dass wir alle einen unterhaltsamen Abend dort verbracht hatten.

Links

Museum für Antike Schifffahrt – Facebook

Römisch-Germanisches Zentralmuseum – Facebook

After Work im Museum

[Im Museum] Wie wir Erinnerung erfinden, oder: Wer das ließt, ist doof! Lol xd rofl iksde!

Am letzten Donnerstag  im Oktober, genauer am 26.10. 2017, war es wieder soweit, eine After Work im Museum-Veranstaltung im Schloss. Das „Schloss“ ist genauer gesagt das Kurfürstliche Schloss in Mainz mit Blick auf den Rhein und beherbergt noch das Römisch-Germanische Zentralmuseum, welches leider seit dem 10. Juni 2017 für die Öffentlichkeit geschlossen ist. Bis dahin war im 1. Stock die Ausstallung zur Römerzeit, im 2. Stock das Frühe Mittelalter zu finden. Für mich immer  Orte, an denen ich gern mal Sonntagnachmittags vorbeigeschaut habe, auch für kurze Besuche, was der freie Eintritt natürlich leicht gemacht hat. Durch die Umzugsvorbereitungen des RZGM in Neue Museum kann man die Ausstellung zum Frühen Mittelalter und die Sonderausstellung ‚Codes der Macht‘ nur noch im Rahmen der After-Work-Veranstaltung besuchen, was für mich immer ein kleines Trostpflaster ist. Ich hielt (und halte immer noch) die Räume des Schlosses für die Ausstellungen ein sehr stilvolles Ambiente. Wenigstens für mich muss es nicht immer ‚modern‘ und aufregend sein, sondern es darf ruhig auch mal ein wenig klassisch sein. So nutzte ich also wieder die Gelegenheit, das Schloss zu besuchen. Diesmal war es tatsächlich ‚After Work‘ im wahrsten Sinne des Wortes, da ich direkt von meinen Nachhilfeschülern kam und den größten Teil des Tages damit verbracht hatte, für andere mitzudenken und mir den Mund fusselig zu reden (was ich aber gerne mache). Nun begann der entspannte Teil des Tages. Das Thema des Abends lautete diesmal „Wie wir Erinnerung erfinden“ und ich war wiederum sehr gespannt, was mich erwartete. Erst einmal war es das Schloss bei Sonnenuntergang, schon an sich eine großartige Kulisse, wenn man in der Dämmerung in den erleuchteten Hof gelangt, wo Umzugskisten auf den „Weg ins Neue Museum“ aufmerksam machen – was schon allein von der Präsentation toll ist, aber auch irgendwie schade. Aber zurück zu den Erinnerungen, und warum man doof ist, wenn das hier liest, wird auch geklärt. LOL!

Dann gab es erst einmal ein Gläschen Weinschorle und etwas zu knabbern, mit dem ich die Wartezeit bis zum Beginn der Kurzführung überbrückte. Diese wurde von Frau Dr. Antje Kluge-Pinsker geleitet, Wissenschaftspädagogin im RGZM und für Vermittlungskonzepte/Ausstellungsdidaktik zuständig.

Die Eröffnung der Führung war wörtlich zu verstehen, denn Frau Kluge-Pinsker leitete sie mit einem Flaschenöffner ein, einem Reisesouvenir, an dem Erinnerungen hängen. So waren wir Teilnehmer gespannt, was folgen würde. Das erste historische Erinnerungsstück war ein Nähkästchen aus Walrosszahn, hergestellt ca. im 8. Jahrhundert in einem nordenglischen Kloster, welches schließlich in Frankreich gelandet war. Es ist  mit Schnitzereien verziert, die auf jeder Seite verschiedene Szenen und Runeninschriften zeigen. Dieses Mal wurde weniger aus dem Nähkästchen geplaudert, denn es hatte selbst etwas zu erzählen…Teils stellten die Szenen Geschichten und Sagen dar, die man heute noch kennt, die Wielandssage, Romulus und Remus, die Heiligen Drei Könige, die Eroberung Jerusalems durch Kaiser Titus, auch eine Darstellung, die sich heute nicht mehr deuten lässt und somit für die Erinnerung verloren ist. Dieses Kästchen hat, wenn man sich genauer damit beschäftigt, doch sehr viel mehr zu erzählen als man von einem Haushaltsgegenstand erwarten könnte.

Weiter ging es zu einem Kopf. Keinem echten Kopf, aber doch mit einer kuriosen Geschichte. Es handelte sich um das Haupt einer Statue des byzantinischen Kaisers Justinian und steht im Original auf der Balustrade des Markusdomes in Venedig. Meine erste Assoziation war George R.R. Martins Game of Thrones (bzw. A Song of Ice and Fire), wo die Köpfe missliebiger Personen nach Enthauptung gerne auf Schlossmauern zur Schau gestellt werden. Tatsächlich handelte es sich um etwas ähnliches. Zunächst war der Kopf ein Beutestück eines Kreuzzuges nach Byzanz im 13. Jahrhundert und aus dem geplünderten Konstantinopel mitgebracht. Zwischenzeitlich ging die Bedeutung, oder vielmehr Erinnerung verloren, und man schrieb den Kopf einem auf der Piazza di San Marco einem enthaupteten Söldnerführer namens Carmagnola zu, weshalb dieser Kopf Carmagnola-Kopf genannt wird. Interessant war hier zu erfahren, dass Statuen im Falle einer Eroberung auch gerne von den Eigentümern selbst zerstört wurden, um zu verhindern, dass sie von den Siegern für ihre Zwecke umgedeutet wurden. Da man dem Steinkopf im Laufe der Jahrhunderte eine andere Herkunft zugeschrieben hatte, die mit dem ursprünglichen Hergang nichts mehr zu tun hatte, war diese Absicht wohl gelungen.

Was wir gesehen hatten, waren zwei eher kleine Anschauungsobjekte, eines ein gewöhnlicher Haushaltsgegenstand, das andere quasi ein Souvenir, wenn man ein Beutestück so nennen kann, an beiden hingen jedoch bestimmte Erinnerungen, an die man sich heute jedoch nur herantasten kann und eventuell neu erfindet oder vielleicht sogar erfinden muss. In heutigen Zeiten findet durch moderne Mittel zur Vervielfältigung, Internet, Bilder, 3D-Drucker, Auflösung von Erinnerung statt, jeder kann sich Objekte aneignen, die man vielleicht irgendwo gesehen, besitzen will und ihnen eine eigene Bedeutung geben

Wie jedes Mal hat es mich gefreut, das ‚alte‘ RGZM im Schloss besuchen zu können. Ich die kenne die Ausstellung fast auswendig, aber solche Veranstaltungen wie diese werfen noch eimal ganz andere Blickwinkel auf die gezeigten Stücke. Diese mögen zwar aus der Vergangenheit stammen und sind zum Teil Repliken, doch erfährt man immer wieder neue und spannende Aspekte. Vor allem wenn so lebendig die Brücke zur Gegenwart geschlagen wird. Zwei Objekte haben gereicht, um einen Abend zu füllen, und darüber hinaus sind sie zum Einen in Erinnerung geblieben, zum anderen haben sie – für mich wenigstens – weitere Bedeutung erhalten, weniger ‚er‘ – funden, was manchmal etwas negativ klingen kann, als ‚ge‘-funden. Den Schlüsselanhänger von Frau Kluge-Pinsker habe ich übrigens noch einmal extra während eines Besuches bei ihr fotografiert, da ich diesen Gegenstand unbedingt zu Illustration im Blog dabeihaben wollte, sozusagen zur Untermauerung dieser Erinnerung. Und prompt habe ich diesen Gegenstand zu meiner Erinnerung neu erfunden. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für Gespräch!

Ach ja, wer das liest, ist natürlich nicht doof (naja, man weiß es nicht xD)

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Wer das „ließt“ xD

Meine Erinnerungen an den Abend habe ich auf Papier – ich schreibe meine Blogbeiträge gerne handschriftlich nieder – festgehalten. Es gibt mir mehr Spielraum zum Nachdenken als wenn ich es sofort in die Tastatur meines Laptop reinhauen würde… Mein Schreibblock war bei dieser Gelegenheit meinem Neffen in die Hände gefallen, der es ja sowieso für Wahnsinn hält, sowohl überhaupt freiwillig zu schreiben, als auch mit der Hand. Jedenfalls hatte er nichts Besseres zu tun, als einfach einmal seine eigenen Kommentare dazu hinzuzufügen – nämlich den Klassiker „Wer das ließt [sic!] ist doof“ sowie Bemerkungen, die jeder jugendliche Gamer, der etwas auf sich hält, beherrscht, lol xd, rofl, iksde. Ohne wirklich zu lesen (Oh Gott, auch noch lesen!), was ich dahingekritzelt habe, aber Hauptsache unqualifizierte Kommentare abgeben. So hat dieser Abend nicht nur Erinnerungen an die Veranstaltung selbst erzeugt, wo ich etwas über Nähkästchen und Steinköpfe erfahren habe, sondern zusätzliche hinzubekommen.

Links:

http://web.rgzm.de/

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[Im Museum] Ich und das Holz: After Work im Schifffahrtsmuseum – Holzkonservierung

Ich war wieder im Museum und wieder auf einer After-Work-Veranstaltung bei Wein (man kommt hierzulande halt nicht drumrum, seufz), Häppchen und diesmal Holz.

Nach der Archäologischen Nachlese zur Bundestagswahl in der Sonderausstellung Codes der Macht im Kurfürstlichen Schloss am 28.9. ging die dritte Veranstaltung der After-Work-Reihe wieder ins Schifffahrtsmuseum, wie das Museum für Antike Schifffahrt in Mainz salopp genannt wird, die offizielle Bezeichnung ist ja so ein Bandwurm. Es ging diesmal um Holzkonservierung, ein Thema, das weniger trocken war als es sich anhörte, tatsächlich wurde es dort es doch recht ’nass‘ und das nicht wegen des Regens. Da meine Nachhilfeschülerin (ja, auch Blogger müssen noch anderweitig Geld verdienen!) am folgenden Tag eine NaWi-Arbeit schrieb und ich sie ausführlich genug vorbereiten wollte, wurde es doch etwas später als geplant, ich zog mich schnell um, packte meine Mitbewohnerin ein (Widerstand ist zwecklos) und los ging es. Wie schon bei der ersten Veranstaltung war ein schönes Buffet vom Weinhaus Michel aufgebaut worden, wo es nicht nur Wein, sondern auch Essbares wie Laugengebäck, Couscous mit Schafskäse oder Käsewürfel mit Trauben gab, das Ganze schön herbstlich dekoriert. Zu den Häppchen sind wir leider nicht mehr gekommen, wird aber sicher nachgeholt. Und es gab etwas Neues, nämlich chillige Hintergrundmusik, diese unterstrich den After-Work-Charakter der Veranstaltung und tauchte die Museumshalle in eine entspannte und trotz der Größe gemütliche Atmosphäre.

Wir machten es uns daher erst mit einer Weinschorle gemütlich – nach der Fahrradfahrt durch den Mainzer Herbstabend brauchten wir erst mal eine Erfrischung. Bei dem anschließenden Gespräch mit den Projektmitarbeitern an einem der Stehtische freute ich mich sehr zu hören, dass mein Blogbeitrag über die After-Work-Veranstaltung in der Codes-der-Macht-Ausstellung gut angekommen war. Natürlich fühlte sich mein Blogger-Ego sehr darüber geschmeichelt, da ich das Blog erstens nur als Bücherblog angefangen, dann nicht sehr regelmäßig geführt hatte und direkte Rückmeldungen auch nicht gang und gäbe sind. Das innere Chlodwig-Fangirl bekam einen dezenten Kreischanfall, ist aber zum Glück nicht in Ohnmacht gefallen. Denn schließlich wartete noch noch eine Führung auf uns. Dazu ging es in die Werkstätten des Schifffahrtsmuseum, die direkt angeschlossen sind und in die man durch Fenster in der Museumshalle bereits Einblicke erhält. Es ist natürlich eine andere Sache, die Werkstätten selbst zu betreten, die zunächst wie jede andere aussehen, nur dass die Materialien ein wenig älter und spezieller als normal sind… Wir stießen auf das Ende der vorigen Führung, wo der Restaurator Markus Wittköpper die Damen und Herren auf Englisch mit seiner Arbeit bekannt machte.

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Enthusiastischster Mitarbeiter des Monats – auch auf Englisch!

Eine Dame stammte aus den USA, ein anderer Herr aus Frankreich, wie sich herausstellte. Nachdem die Führung beendet und die letzten Fragen beantwortet waren, waren wir an Reihe, diesmal in einer kleineren Runde zu dritt. Fast übergangslos zur vorherigen Führung begann Herr Wittköpper zu erzählen, worum es bei der Holzkonservierung ging. Im Falle der Römerschiffe, die hier im wahrsten Sinne des Wortes vor der Haustür geborgen wurden, geht es nicht nur um das Holz selbst, sondern auch um den Umgang mit Wasser. Daher war das Thema auch in dieser Hinsicht nicht sehr trocken, auch wenn das Holz aus den Sedimentschichten im letzten Schritt trocken werden soll, aber in seiner ursprünglichen Form. Denn sobald das Wasser verdunstet, beginnt das Holz zu schrumpfen, was mit einem Flüssigharz verhindert wird, das die Stelle des Wassers in den Holzzellen einnimmt.

Chemie ist nie mein Fall gewesen, und hätte ich damals etwas besser aufgepasst…nun ja anderes Thema, ich als Laie konnte den Erläuterungen gut folgen. Wir konnten die Ergebnisse einer erfolgreichen Konservierung selbst in die Hand nehmen, was ich immer sehr schön finde, direkt in Berührung mit Objekten und Artefakten zu kommen, die normalerweise fernab von neugierigen Fingern in Vitrinen gehütet werden.

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Holz (konserviert) & Wein

Früher war für mich das Schild „Nicht berühren“ stets eine Aufforderung gewesen, das Gegenteil zu tun wollen… Nicht nur anfassen, sondern sogar zerbröseln durften wir kleine Holzstückchen, die durch die lange Lagerung im Wasser fast butterweich geworden waren. Faszinierend waren auch die Kisten, in denen jahrelang verschiedene Holzüberreste in deionisiertem Wasser gelagert werden, das etwa alle zwei bis drei Jahre gewechselt wird. Was mich immer wieder begeistert, ist die Tatsache, dass diese Objekte dort herkommen, wo ich wohne, auf den eigentlich unspektakulären grauen Plastikkisten stehen die Namen von Straßen, wo ich fast täglich entlangkomme…ein toller Gedanke, dass solche Dinge schon fast zweitausend Jahre vor mir dort existiert haben und man sie wieder zu sehen bekommt.

Mit diesem sehr speziellen Thema war ich nur recht vage über diverse Fernsehdokumentationen über Bergungen von antiken Schiffen z.B. aus der Ostsee bekannt und dem, was ich mir bei meinen vorherigen Besuchen im Schifffahrtsmuseum angelesen hatte. Das Thema direkt von einem Fachmann vermittelt zu bekommen und dazu noch auf eine sehr begeisterte Weise, die ansteckt, ist natürlich viel direkter und authentischer. Es gab soviel Spannendes zu erfahren, dass es mich und meine beiden Mitinteressentinnen zu vielen Fragen animierte und die Dauer von fast einer Stunde wie im Flug verging. Herr Wittköpper hätte vermutlich noch eine weitere Stunde unermüdlich und enthusiastisch weitererzählt, wenn sich die Veranstaltung nicht ihrem Ende zugeneigt hätte und es wohl noch eine kleine Knöllchenproblematik gab. Zu einem Rundgang durchs Museum hatte es nicht mehr gereicht, jedoch zeigte sich meine Mitbewohnerin angetan und nahm sich vor, das Schifffahrtsmuseum noch einmal zu besuchen. Als wir uns auf den Heimweg machten, hatte ich nun soviel über Holz im Kopf, dass mir prompt der ‚Ich und mein Holz‘-Hit im Kopf herumging, die tiefenpsychologische Interpretation dazu überlasse ich wohl lieber anderen… aber weiter im Text:

Erfreulich war, dass die zweite Veranstaltung im Schifffahrtsmuseum auch Gäste aus dem Ausland angezogen hatte, es waren wohl fünf oder sechs Personen, die vor mir die Führung mitgemacht hatten und sich später noch im Museum umsahen.

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Rekonstruiertes Navis Iusoria (leichtes röm. Kriegschiff)

 

Die Museumshalle ist mit der Kombinationen aus den großen Schiffsrekonstruktionen und den Überresten für solche Events geradezu gemacht, sie hat z.B. schon den Science Slam zum Wissenschaftsjahr Meere & Ozeane beherbergt. Ich hoffe sehr, dass sich die Veranstaltungsreihe etabliert und auch zu einem jüngeren Publikum durchdringt, das Gebäude ist groß und modern, und die Ausstellungsstücke werden durch Multimediaangebote und thematische Spielmöglichkeiten für Kinder unterstützt, worunter sich zu meiner persönlichen Freude die Playmobilgaleere befindet, die ich immer haben wollte, aber leider nie bekam. Wie man sieht: Darüber können sich auch etwas größere Kinder freuen.

Man braucht sicher nicht die Befürchtung zu haben, sich nach Feierabend oder dem Shoppen zurück auf die Schulbank oder in den Hörsaal versetzt zu fühlen, es ist eine wirklich sehr angenehme Art ein Glas Wein zu trinken, eine Kleinigkeit zu essen und sich umzusehen oder an einer Führung teilzunehmen, wenn man möchte oder sich mit den Machern unterhalten.

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After Work, Gespräche & Wein

Hinter Museen und Museumsprojekten stecken nicht nur (wenn überhaupt) etwas zerstreute ältere Herrschaften mit dicken Brillen sondern auch sehr normale jüngere Menschen mit Freude an der Materie – mit oder ohne Brille. Vielleicht muss das noch ein wenig mehr durchdringen, denn zumindest gefühlt halten sich in Museen eher ältere Semester auf, oder man geht der Kinder wegen hin. Ich höre mich gerade wie aus der Marketingabteilung an, aber ich finde das After-Work-Konzept wirklich gut. Es hilft freilich, dass mich das Thema Geschichte und Archäologie und damit das Museum an sich sowieso interessiert, ob nun ganz klassisch in einem historischen Gebäude in einer Vitrine oder eben modern und multimedial aufbereitet. Und wenn dann noch dermaßen enthusiastische Mitarbeiter dahinterstehen, sowohl hinter den Kulissen als auch an vorderster Front, lasse ich mich mehr als gerne davon anstecken.

Links:

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

Museum für Antike Schifffahrt Mainz

 

 

 

[Im Museum] After Work im Museum: Archäologische Nachlese zur Bundestagswahl 2017 & Codes der Macht im Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz

Und nun mal zu etwas ganz Anderem, ich war im Museum.

Ich habe im Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz
die Veranstaltung After Work: Archäologische Nachlese zur Bundestagswahl zum Thema Machterhalt/Machtwechsel, die im Rahmen der Sonderausstellung Codes der Macht am 28.09.2017 stattfand.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum ist mir, seit ich in Mainz wohne, zu einem meiner Lieblingsorte geworden, die ich gerne und regelmäßige besuche. Natürlich macht es der freie Eintritt leicht, immer mal vorbeizuschauen, aber da ich die Römerzeit liebe, hat es mich immer wieder ins Kurfürstliche Schloss gezogen.Das frühe Mittelalter, die Germanen und Kelten im 2. Stock, haben mich eigetnlich nicht so sehr gereizt. Die Römerzeit, gerade in einer Stadt wie Mainz mit ihren zahlreichen Fundstätten, ist schon immer mein Ding gewesen, ich interessiere mich dafür seit ich als kleines Mädchen die farbenprächtigen Historienschinken bei meinen Großeltern im Fernsehen sah. Die stolzen Römer fand ich immer viel toller als die armen, leidenden frühen Christen.

Das änderte sich allerdings mit Jahre 2014, als in Rheinland-Pfalz die Landtagswahlen bevorstanden.

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Oh ja, gerne!

Zwischen den beiden Spitzenkandidatinnen um das Amt des Ministerpräsidenten blickte mir ein adrett gekleideter junger Mann entgegen, der lässig ein Langschwert geschultert trug und sein Slogan lautete: Ich bin euer König. Ich dachte nur: ‚Na, den würde ich auch wählen‘ Später entdeckte ich, dass dieses „Wahlplakat“ für die Ausstellung Codes der Macht im Römisch-Germanischen Zentralmuseum warb, welche die Machtergreifung des Frankenkönigs Chlodwig dokumentiert, als er mit 16 Jahren seinem Vater Childerich auf den Thron folgte. Es war allerdings nicht irgendeine Ausstellung. Diese Ausstellung, oder vielmehr Intervention, wie sich das Projekt nannte, übertrug Chlodwigs Machdemonstration ins 21. Jahrhundert, wie er mit heutigen Medien und Sozialen Netzwerken signalisieren würde, dass er der rechtmäßige Frankenkönig ist.

Dem stellte die Intervention nun entgegen, wie Chlodwig die Begräbnisfeierlichkeiten als Codes der Macht nutzte, um seinen Anspruch zu legitimieren, rekonstruiert aus den wenigen erhaltenen Grabbeigaben, die im 16. Jahrhundert im belgischen Tournai im Grabhügel Childerichs gefunden wurden, aber leider auch wieder verschollen gingen. Medial flankiert wird das Projekt mit einer eigenen Webseite (www.codes-der-macht.de) und einem Facebookauftritt, wo sich der junge König, von einem Schauspieler dargestellt, in der Gegenwart präsentiert und das aktuelle Geschehen in Mainz als auch überregional aus seiner Sicht kommentiert. Hinzu kommen Veranstaltungen im Römisch-Germanischen Zentralmuseum, z.B. für Schulklassen, die die Teilnehmer mit einbindet, wo sie aufschreiben, wann sie bestimmen, von was sie sich manipuliert fühlen und selbst ein Teil des Projekts werden.

In der Ausstellung kommt Chlodwig in einem Film zu Wort, abrufbar in einer Videowand, wie auch Bischof Remigius als Vertreter der christlichen spätrömischen Eliten, wo sie jeweils ihre Vorgehensweisen und Erwartungen dem Zuschauer erläutern. In einer dritten Videowand kommt schließlich auch die wissenschaftliche Seite zur Sprache.

Ich selbst habe diese Intervention seither rege besucht, mir das Begleitbuch zugelegt, und mich prompt stärker für die Merowingerzeit bzw. das Frühe Mittelalter interessiert, was ich vorher eher links liegengelassen hatte. Mich hatte es richtig gepackt, die Facebookseite abonniert und den Weg des jungen Chlodwig gespannt mitverfolgt. Kurzum, ich bin zum Fangirl geworden.

Das Highlight war dann das Treffen mit seiner Majestät bei der Veranstaltung in der Mainzer Museumsnacht am 10. Juni 2017, welche passenderweise Nacht der Macht hieß und wo es mir gelang ein Selfie zu ergattern. Gleichzeitig war dies auch leider das Ende der öffentlichen Sonderausstellung sowie des Publikumsverkehrs im RGZMZ, da das Museum vom Kurfürstlichen Schloss in den Neubau beim Museum für Antike Schifffahrt umzieht, was etwa 2020 vollzogen sein wird. Eine schreckliche Aussicht, doch dann wurde ich halb über Facebook, halb über die Flyer auf die After-Work-Veranstaltungsreihe des RGZMZ aufmerksam, nachdem ich die Sonderöffnung am Familiensonntag am… zu Codes der Macht verpasst hatte.

Die erste After-Work-Veranstaltung, die ich besuchte, fand am 7. September 2017 im Museum für Antike Schifffahrt stand, zum Thema Römische Flussschifffahrt auf Rhein und Mosel.

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Museum für Antike Schifffahrt

Bei Wein und Laugengebäck konnte man die aufwendig rekonstruierten Schiffe betrachten, deren Wracks man größtenteils ‚in der Nähe‘ am Rheinufer gefunden hatte, außerdem konnte sich der interessierte Besucher Kurzführungen zum Thema anschließen, was ich natürlich auch getan habe. Schade war an diesem Abend allerdings, dass die Veranstaltung zur gleichen Uhrzeit mit dem Mainova-Firmenmarathon konkurrieren musste, und kurz zuvor war auch noch unsere Bundeskönigin, ähm Bundeskanzlerin zu Besuch in Mainz gewesen. Daher hatten sich nach dem ersten Schwung Besucher gegen 18 Uhr, zu dem ich auch gehörte, kaum Interessierte verirrt. Dennoch war die Idee spannend und interessant genug, dass sie trotz Marathon mehr Zuspruch verdient hätte.

Worauf ich mich allerdings mehr freute (ich hoffe nur, dass meine geliebten Römer nicht eifersüchtig werden), war am 28.September 2017 die Archäologische Nachlese der kurz vorher stattgefundenen Bundestagswahl zum Thema Machtwechsel/Machterhalt in der Ausstellung Codes der Macht. Wie schon bei der After-Work-Veranstaltung mit Führung, Wein und Knabberzeug.

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Prost, Euer Majestät!

Dieses Mal im kleineren Rahmen, aber wieder konnte ich – mit einem Glas Weinschorle und Handy bewaffnet – an der von Frau Dr. Kluge-Pinsker geleiteten Führung teilnehmen, wo sie die damalige Machtinszenierung des jugendlichen Königs den heutigen durch viele Medienkanäle unterstützten Inszenierung gegenüber stellte, sowohl Parallelen als auch Gegensätze aufzeigte, mit besonderem Hinblick auf die Ergebnisse der Bundestagswahl.

Ein kleiner Wermutstropfen war für mich, dass der König nicht persönlich anwesend war (was vielleicht mit dessen – hoffentlich nicht endgültiger – Rücktrittsankündigung auf Facebook zu tun hatte, aber im anschließenden Gespräch erfuhr ich, dass Chlodwig und seine Codes der Macht auch im Neuen Museum zu sehen sein werden, und er weiterhin durch den Schauspieler verkörpert wird.

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Wo ist der König?

Schön war es, nach der Führung mit den Verantwortlichen für dieses Projekt ins Gespräch zu kommen, dass für mich sowohl als Fangirl als auch als Bloggerin eine tolle Gelegenheit war, einen kleinen Blick hinter die Kulissen zu erhalten. Ich verbrachte bei dieser After-Work-Veranstaltung einen wirklich gelungenen Abend im Kurfürstlichen Schloss, in einer kleinen aber netten Runde, nur die Hauptperson habe ich freilich etwas vermisst…;-)

Auch für Museen werden neue Formen der Werbung und Darstellung von Projekten über Multimedia und Social Media immer wichtiger, wenn gar notwendiger, um sich Zielgruppen zu erschließen. Auch wenn ich es persönlich immer noch am schönsten finde, Dinge selbst ansehen zu können, ob es nun Originale oder Kopien sind, welche es dem RGZMZ erst möglich machen, Objekte in ihrer Gesamtheit darzustellen – wie z.B. die größtenteils verlorenen Grabbeigaben Childerichs.Oder wie ein frühchristlicher Sarkophag, der an seinem originalen Standort gar nicht vollständig betrachtet werden kann. Die Ausstellung von Kopien hat eine lange Tradition in Mainz, und wäre einen eigenen Blogbeitrag wert, so dass ich es bei diesen Beispielen belassen, denn es geht ja eigentlich um etwas anderes…

Aber ich freue mich schon auf die nächste Veranstaltung, diesmal wieder im Museum für Antike Schifffahrt am 5.10.2017 welche den Schwerpunkt Holzkonservierung hat (After Work im Schifffahrtsmuseum) . Selbst wer sich bislang für spätrömische Schiffe oder die Merowingerzeit nicht besonders interessierte, man muss weder eine wissenschaftliche Vorbildung besitzen noch befürchten, dass man sich auf die Schulbank oder in den Hörsaal zurückversetzt fühlt. Denn diese Themen werden kurzweilig und in entspannter Atmosphäre präsentiert, man entdeckt vielleicht etwas Neues und Spannendes, das man vorher noch nie so richtig wahrgenommen hatte, obwohl es schon immer vor der Haustür präsent war.

Weiterführende Links:

After Work im Schifffahrtsmuseum

Codes der Macht

Facebook | Chlodwig

Webseite des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz

[Rezension] Reiter ohne Heimat

IMG_3661Titel:
Reiter ohne Heimat
[De hjemlose ryttere]
Seiten:
190
Autor:
Bernhard Stokke
Verlag:
Franz Schneider Verlag, Berlin und Leipzig, 1939
Genre:
Jugendbuch/Heimat

 

Ich kann ja einfach nicht an schönen alten Bücher vorbeigehen. So wie letztens wieder geschehen. Jemand ließ zwei alte Readers Digest-Bände und Reiter ohne HeiIMG_3668mat bei mir im Treppen frei und so musste ich bei Letzterem zugreifen. Allein die goldgeprägte Frakturschrift hätte mich nicht widerstehen lassen können und es ging dem Titel nach wohl um ein Pferdeabenteuer. Beim Blick ins Buch erwarteten mich zwei schöne schlichte Zeichnungen, ich vermute mal, dass es Tuschezeichnungen sind. Im Zeitalter von günstigen Taschenbüchern findet man ja sowas eher selten, und wenn, muss man für gebundene und gut gestaltete Bücher doch tiefer in die Tasche greifen. Davon abgesehen haben alte Bücher für mich ihren ganz eigenen Charme, sei es Frakturschrift (ja, ich kann die noch lesen), Goldprägungen und der Geruch von vergilbtem Papier.

Die Geschichte ist im Grunde schnell erzählt. Der Hof des verstorbenen Vaters von Kaare und Tor steht kurz davor, vom Eigentümer abgerissen zu werden, die Familie, zu der die Mutter und eine jüngere Schwester gehören, muss das Grundstück verlassen. Die Jungen verdingen sich für den Sommer als Hüter der Pferdeherden auf den Fjälls [sic!], um so Geld für die Familie zu verdienen. Eine wichtige Rolle spielt hier der junge Hengst Rauen, auf den IMG_3669sie besonders aufpassen müssen, wollen sie je wieder auf ihren Hof zurückkehren. Der Roman schildert nun die Abenteuer, mit denen sich die Brüder auf sich allein gestellt in der rauen Welt der norwegischen Gebirge konfrontiert sehen, ob es die Unbillen der Natur sind, ein geheimnisvoller Reiter oder die unsichtbaren Gefahren, die den Pferden zum Verhängnis werden können. Was mir besonders gefallen hatte, war die blumige, lebendige Schilderung der Natur, die immer wieder auch ins Schwärmerische abdriftet, doch das tat dem Lesespaß keinen Abbruch. Eher im Gegenteil, erinnerte sie mich doch an die alten Jugendbücher, die ich noch von meinen Großeltern kannte, von den Abenteuern eines Jungen namens Horst, der in einem Forsthaus aufwuchs und schließlich selbst Förster wurde, wenn ich mich richtig erinnere. Dann erinnere ich mich noch an ein Buch namens Der graue Hengst, der von Mustangs handelte. Es waren jedenfalls so tolle Bücher, die ich immer wieder gern las, da die Schilderungen der Natur so ungemein fesselnd und lebendig waren…

Aber zurück zu Reiter ohne Heimat. Zu welcher Zeit die Geschichte spielte, war zunächst nicht so einfach einzuschätzen, auch wenn aufgrund des Alters des Buches klar war, dass es wohl nicht später als die 1930er oder -40er Jahre sein konnten.Es gab zwar Eisenbahn und Draht, aber erst gegen Schluss wird elektrisches Licht erwähnt, so dass es wohl kaum später als die 1920er sein könnten. Es war nichtsdestoweniger spannend, die Geschichte unter dem Aspekt zu lesen, wie die Menschen ohne Autos und Telefon, geschweige Handy ausgekommen sind, und das „einfache Leben“ scheint beinahe reizvoller zu sein. Kaare und Tor müssen ständig an ihre Grenzen gehen, um ihrer verantwortungsvollen Arbeit gerecht zu werden, wenn schließlich auch ihre Existenz davon abhängt. Dies wird allerdings ohne zu viel Moralisierung geschildert, es scheint – auch im Hinblick auf die Zeit – selbstverständlich zu sein, selbst wenn die Brüder erst 14 und 17 Jahre alt sind. Bei Pferdeabenteuern denkt man heute eher an Mädchen, die im Pferd ihren Seelenverwandten finden oder so ähnlich, doch auch Jungs mögen Pferde, wenn auch auf eine andere Weise. Hier steht die Harmonie von Mensch und Tier nicht so sehr im Vordergrund wie die Existenz der Familie, die ganz allein vom Wohl des rotes Hengstes Rauen und der restlichen Herde abhängt.

Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass Bernhard Stokke (1896 – 1979) ein norwegischer Grundschullehrer/-rektor war und neben zwölf Jugendbüchern auch Textbücher verfasste oder herausgab. Nicht verwunderlich, dass sich diese Bücher mit Geschichte und Geographie befassten, die Liebe zur norwegischen Natur ist schon in diesem einen Buch deutlich spürbar, ganz gleich wie schwärmerisch und altmodisch sie herüberkommen mag. Ich finde so etwas toll und die einfachen, aber nichtsdestoweniger spannenden Abenteuer von Kaare und Tor versetzten mich wirklich in eine nostalgische Stimmung, so dass ich es wirklich nicht bereut habe, dieses kleine aber feine Büchlein mitzunehmen.

 

[Schreiben/Bericht] Schreibwerkstatt Römerzeit in Mainz

Ich schreibe ja meistens über Bücher und Serien, doch konsumiere ich nicht nur, sondern bringe auch Selbstgeschriebenes zu Papier, oder vielmehr in ein Textverarbeitungs-Dokument auf meinem Laptop. Allerdings habe ich hier noch nichts dergleichen veröffentlicht, und ich glaube, das kann noch ein bisschen dauern, bis ich mich das wirklich traue. Aber heute wage ich mich ein Stück weiter vor, da ich Anfang August an einer Schreibwerkstatt teilnahm, die zwei meiner Lieblingsinteressen vereinigt.

Mein Weg durch Mainz führt mich regelmäßig durch die Römerpassage, einem Einkaufszentrum, dass sich dadurch auszeichnet, dass beim Bau die Überreste eines Heiligtums der Isis bzw. Magna Mater gefunden wurde. Man entschied sich glücklicherweise, die Fundstelle in das Gebäude zu integrieren und ein kleines Museum zu errichten, das ich immer wieder gerne besuche. Gelegentlich finden sich Aushänge, die z.B. zu Führungen zu Grabungsstellen einladen, und wie neulich zu einer Schreibwerkstatt über die Römerzeit in der Steinhalle des Landesmuseums Mainz. IMG_3093Es ging laut Aushang um „Lebensgeschichten aus dem römischen Mainz durch kreatives Schreiben entdecken“ Dazu lockte ein freier Eintritt, wer sich rechtzeitig anmeldete. Ich konnte nicht anders als mich flugs anzumelden. Römerzeit und Schreiben! Zwei Dinge, die ich liebe. Seit den farbenprächtigen Technicolorfilmen wie Ben Hur oder Quo Vadis, die ich meiner Kindheit oft schaute, bin ich von den Römern fasziniert. Ich fand die Römer immer viel toller als die armen unterdrückten Juden und Christen. Mein Großvater förderte mein Interesse sehr, wir fuhren z.B. zur Saalburg, und ich bekam dicke Wälzer zur römischen Geschichte geschenkt. In der Mittelstufe schrieb ich bereits kleine Geschichten, die zur Römerzeit spielten, in extra dafür gekaufte Schulhefte. Und nun, da ich seit acht Jahren in Mainz wohne, lebe ich ja quasi in meinem persönlichen Römerparadies. Neben dem Isis/Magna-Mater-Heiligtum bin ich eine eifrige Besucherin des Römisch-Germanischen Zentralmuseums im Schloss (leider wegen Umzugs geschlossen) und des Museums für Antike Schifffahrt und genieße generell, dass man hier in Mainz immer noch auf soviele Zeugnisse des alten Mogontiacum treffen kann.

Gesagt, getan, ich meldete mich und fand mich am 6. August mit anderen interessierten Menschen aller Altersstufen im Landesmuseum wieder. Veranstaltet wurde die Schreibwerkstatt von der Master-Studentin Laura Löser vom Institut für Archäologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg als Teil ihrer Masterarbeit. Ziel der Werkstatt war es, sich übers Schreiben dem Leben im römischen Mainz zu nähern. IMG_3157Hierfür fand sich unser Grüppchen in der Steinhalle des Landesmuseums bzw. Landtages ein, wo verschiedene Steindenkmäler aus der Römerzeit zu sehen sind, neben dem Dativius-Victor-Bogen Grabsteine von römischen Soldaten und Offizieren, sowie Zivilisten wie Beamten, einheimischen Kaufleuten und auch der Grabstein eines kleinen Mädchens. In der ersten Hälfte der Werkstatt stellte uns Frau Löser ausgewählte Grabsteine vor. Hier bekamen wir die ersten Eindrücke über die Personen, über ihre Lebensumstände und die Zeit in der sie lebten, geschildert und wir konnten natürlich auch Fragen dazu stellen. Hier begannen schon bei mir im Hinterkopf die ersten Ideen zu rattern, und mich beschlich eine leise Panik, als ich aufs Handout mit den Übersetzungen zu den Grabsteinen und den Schreibimpulsen sah. Worüber sollte ich bei der Auswahl bloß schreiben und dafür reicht doch sicher die Zeit nicht…Außerdem hätte ich noch stundenlang Frau Lösers Ausführungen zuhören können, zwar bin ich bestimmt kein Neuling in römischer Geschichte, aber erfuhr noch viele andere spannende Details, die mir bislang noch unbekannt waren. Nach einer dreiviertel Stunde war es soweit, und wir sollten loslegen – nicht mit Papyrus oder Wachstafel, sondern mit Klemmbrett und Kuli bewaffnet hatten wir etwa noch einmal so viel Zeit, etwas zu Papier zu bringen.IMG_3182 Ich musste mich also entscheiden. Nach kurzem Überlegen kehrte ich zu der Idee zurück, die ich am spannendsten fand, nämlich einige der Personen und Lebensgeschichten zu vereinen. So entstand der Brief des Scharfrichters Publius Urvinus an seinen Cousin (der den Grabstein errichtet hatte), der speziell nach Mogontiacum in den Stab des Oberbefehlshabers abkommandiert worden war:

„Publius Urvinus an seinen Cousin Marcus.

Mein lieber Marcus, ich hoffe dieser Brief erreicht dich bei guter Gesundheit. Ich bin nun seit zwei Monaten in Mogontiacum am Rhein, es ist Sommer und die Gegend angenehm, doch ich habe bislang kaum freie Zeit gehabt. Hier funktioniert nichts, ich muss ständig improvisieren, weder Vorgesetzte noch Untergebene halten sich an Dienstwege. Das Einzige, was gut funktioniert, ist das Verbrechen. Was habe ich falsch gemacht, dass die Götter mich so strafen? Ich schlafe schlecht und habe noch mehr graue Haare bekommen. Wenn Fulvia mich so sieht, wird sie mich bestimmt nicht mehr heiraten wollen. Morgen werde ich wohl ein Opfer bringen, damit sie mir gewogen bleibt. Doch ich schweife ab. Die Einheimischen scheinen sich recht schnell an unsere Art zu leben und zu kleiden gewöhnt zu haben, ich bekomme fast alles, was ich von zuhause gewohnt bin, die Kaufleute wissen, womit sie gute Geschäfte machen können, wenn 10.000 Römer stationiert sind.

Und wie ich schon oben erwähnte, die Menschen sind hier genauso schlecht und hinterhältig wie in Forum Fulvii, Rom oder Vindonissa. Wenigstens stimmt mein Gehalt, doch bin ich mir nicht sicher, ob es angemessen für die Mühe ist und die Nerven, die mich der Aufbau einer gut funktionierenden Verwaltung kostet. Gerade gestern haben wir einen Sklaven aus dem Main gefischt, der seinen Herrn, den Freigelassenen Iucundus erschlagen hat. Wie es aussieht, aus Zorn darüber, dass Iucundus die Freiheit geschenkt wurde, und nicht ihm, wie dessen ehemaliger Herr M. Terentius aussagte.

Publius Urvinus

Publius Urvinus, Scharfrichter

Damit sollte die Angelegenheit rasch erledigt sein, doch kommen täglich neue Fälle von Mord und Diebstahl hinzu. Ich vermisse meine alte Stelle in Vindonissa sehr, dort hatte noch alles seine Ordnung. Es sollte mich ja schmeicheln, dass ich auserwählt wurde, um an diesem Standort für Recht und Ordnung zu sorgen, und ich weiß, dass die Götter den Schweiß vor den Olymp gesetzt haben, doch eher versinke ich in einem Meer von Schweiß (von den grauen Haaren ganz zu schweigen), bevor hier auch nur ansatzweise Ordnung in diesen unzivilisierten Ort kommt. Dennoch versuche ich zuversichtlich zu und möchte dich nicht länger mit meinem Gejammer belästigen. Richte Fulvia meine besten Grüße aus, aber erzähle ihr bitte nichts von den Mühen und den grauen Haaren.Dein Publius.“

Zum Ende der Schreibphase bekamen wir die Gelegenheit, unsere Werke vorzutragen, die ich neben vier anderen Teilnehmern ebenfalls nutzte. Ich war etwas aufgeregt, wie wohl jeder, hatte ich doch noch nie etwas aus meiner eigenen Feder in der Öffentlichkeit vorgetragen, auch wenn es nur knapp eineinviertel Seiten waren. IMG_3272[1]Es lief jedenfalls besser als gedacht und war auch ein wenig stolz auf mich. Das Ziel der Veranstaltung, sich römischen Lebenswelten übers kreative Schreiben zu nähern und im Gedächtnis zu behalten, war aus meiner Sicht mehr als erreicht. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, daran teilgenommen zu haben und etwas zu der Masterarbeit, in der unsere Texte veröffentlicht werden, etwas beitragen zu können. Für neue Konzepte, die den Umgang mit Geschichte spannend und anschaulich machen, bin ich ja sowieso immer zu haben, wie zum Beispiel das Projekt Codes der Macht, das auch im Römisch-Germanischen Zentralmuseum zu sehen und von dem ich immer noch restlos begeistert bin.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal für die tolle Veranstaltung und das nette Gespräch bedanken und wünsche Laura viel Erfolg für ihre Masterarbeit.

 

[Messebericht] Die Mainzer Minipressen-Messe 2017

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Ich komme mir nun sehr bloggermäßig vor, denn ich war auf einer Messe. Nämlich auf der 24. Internationalen Buchmesse der Kleinverlage und Handpresse in Mainz. Klingt cool, ist es auch. Diese Minipressen- und Kleinverlagemesse in Mainz findet alle zwei Jahre statt, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch nie dorthin geschafft hatte, seit ich in der schönen rheinlandpfälzischen Hauptstadt wohne, wo es auch sehr passend ist, dass dort eine solche Messe stattfindet.IMG_2898 Ich wusste zwar, dass sie jetzt irgendwann stattfand, aber hatte die Veranstaltung nicht auf dem Schirm. Bis es letzten Samstag regnete und ich beschloss einen kurzen Spaziergang am Rheinufer entlang zu machen (mit Schirm), wo mir auf Höhe der Rheingoldhalle das Plakat der Messe entgegenprangte und mir dazu noch freien Eintritt in selbige verhieß. Gesagt getan, ging ich also dorthin und machte in der Lobby eine kurze Runde. Im Gegensatz zu einer großen Buchmesse natürlich angenehm überschaubar, und weil es ja auch um Druckerzeugnisse etc. aller Arten ging, auch einen Tick künstlerischer und „bunter“, wie man heute gerne sagt. Besucher waren eher spärlich gesät, und ich hatte den Eindruck, dass einige auch nur vor dem Regen geflohen waren. Da ich allerdings nicht so lange unterwegs sein wollte, nahm ich mir vor, am nächsten Tag wieder zu kommen, um mich ein bisschen genauer umzusehen und ein paar Impressionen fürs Blog einzufangen. Gesagt getan, ich schnappte mir meine Mitbewohnerin, machte Speicherplatz in der Fotogalerie meines iPhones frei und wir zogen los.

Dieses Mal waren deutlich mehr Besucher dort als am Tag vorher, aber es war nicht unangenehm voll und die Atmosphäre entspannt. IMG_2904Ein bisschen nervös war ich schon, da ich diesmal nicht über ein Buch berichten wollte, sondern über eine Messe mit vielen, vielen Büchern und Druckerzeugnissen. So klein wie sie auch sein mochte, die Auswahl war trotzdem groß genug und ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Also, erst einmal Foto gemacht, sinnigerweise von dem Stand, der die Herstellung von handgeschöpftem Papier präsentierte, dann von handdekoriertem Papier und Grafiken. Soweit, so gut

Weiter ging es nun zu den Verlagen, wo ich auch erst einmal ratlos war, wo und wie ich anfangen sollte, wenn es doch so viel interessantes zu sehen und zu lesen gab. Glücklicherweise kam ich mit den sympathischen Mädels vom piepmatz Verlag ins IMG_2901Gespräch – an dieser Stelle auch vielen Dank für die Einstiegshilfe übrigens-  und schon hatte ich was, das ich tatsächlich präsentierenswert fand. Beinahe hätte ich sogar Guten Tag, Tod mein Name. Der Tod von Kerstin Jordan gekauft, aber meine Bargeldvorräte waren dann dIMG_2902och zu knapp… Was ja auch das blöde an letzten Messetagen ist, wo die Aussteller ihre Auslagen nochmal günstiger unters Volk werfen. Wie dem auch sei, ab da flutschte es. Ich sah mir einfach das näher an, was mir ins Auge stach, machte ein Foto und/oder unterhielt mich mit den Ausstellern darüber.

Das nächste bemerkenswerte Werk stammte aus der edition Tollwurstregen, die handgezeichnete und -geschriebene sowie selbstgebundene Hefte und Büchlein präsentierte, nämlich alte, aber neu zusammengefügte Erika-Romane. Nicht IMG_2905nur was das Titelbild betrifft, sondern auch der Text wurde neu zusammengestellt, so dass aus einem kitschigen Heftchenroman von Anno dunnemals eine völlig neue Geschichte entstand. Die vergilbten Blätter taten auch nochmals das ihrige zur der neu entstandenen Vintage-Skurrilität.

Weiter ging es mit der Lesung von Der schreckliche Feuerbach aus der Edition Groschengrab, vorgetragen vom Autor Daniel Boente. Da wir leider ein paar Minuten zu spät kamen, hatten meine Mitbewohnerin und ich keine Ahnung, worum es ging, aber der lebendige und mitreißende Vortrag des Autors machte das Defizit wett, so dass wir uns aus den Geschichten um Zugsalbe, Bettler vs. Prediger vor dem Supermarkt, Echsenmenschen und auf Oberschenkel genähte Knöpfe allmählich ein Bild davon machen. Leider sind solche Häppchen ja nie befriedigend (denn die ZuhIMG_2910örer sollen das Buch schließlich kaufen), aber es hatte auf jeden Fall Spaß gemacht zuzuhören. Was mich über Vortrag und Geschichte hinaus extrem angesprochen hatte, war das Buchdesign und ich fand später am Stand heraus, dass es auch Illustration von einer Künstlerin namens Nadja Schüller-Ost (www.n-s-o.net) dazu gab, die anscheinend häufiger für den Verlag arbeitet. Wie auch zu einem anderen Roman des selben Autor mit dem wunderbaren Titel Unbehagen in Bad Sodom, war aber nicht dazu gekommen, einen näheren Blick darauf zu werfen.

Als nächstes ging es zu dem Stand des Ammianus-Verlages, der mir schon ein Begriff von den historischen Römerromanen war, die im Isis-/Magna Mater-Heiligtum in Mainz verkauft werden. IMG_2907Ich fand den Zufall extrem witzig, dass am Stand Kochbücher für römische Speisen gezeigt wurden, nachdem ich an diesem Mittag Gewürzbrot nach römischem Rezept gebacken hatte, so dass die Dame am Stand und ich erst einmal eine Runde über die Gerichte fachsimpelten, die wir bereits schon ausprobiert hatten. Es war natürlich verführerisch, gleich mal Der Geschmack des Weltreichs von Michael Kuhn einzupacken, aber es gab dann auch wieder so viele andere, die mich interessiert hätte, wie etwa die Römerromane über die Abenteuer der römischen Offiziere Marcus und Sextus Valerius oder der wirklich total niedlich klingende Katzenkrimi Murilega – Die Legionärskatze von Manu Wirtz. So musste es aber erst mal beim Foto bleiben, und kaufen kann ich es mir ja immer noch. Wie so vieles…seufz…

Zwischen Esoterik, Ratgebern wie man eine Biografie schreibt – oder schreiben lässt (aha ?), Kunsthandwerk, das im weitesten Sinne mit Druckerzeugnissen zu hat, Büchern über besondere Mainzer Alltagshelden und Mainz, wie es sich natürlich für den Veranstaltungsort gehört, fand ich meinen Weg IMG_2906zum Stand des Cass-Verlages, dessen Schwerpunkt auf japanischer Literatur liegt. Ausnahme war allerdings das Werk von Ae-Ran Kim, einer vielgepriesenen koreanischen Nachwuchautorin, von der der Herr am Stand total begeistert berichtete, zumal als ich ihm mitteilte, dass meine Mutter aus Korea stammt. Darüber entspann sich ein weiteres Gespräch über gemischte Kinder, er ist mit einer Japanerin verheiratet und dem Erlernen der jeweiligen Sprache. IMG_2908Auch hier wieder bettelten mich die Bücher an, dass sie gern von mir mitgenommen worden wären, doch mit zwölf Euro Bargeld im Portemonaie kommt man eben an einem letzten Messetag nicht weit. Die Leseproben aus Frau Kims Werken, die es auf der Verlagsseite online gibt, werde ich mir jedoch auch zu Gemüte führen.

 

Letzte Station war schließlich im Papier- und Handpressenbereich der Stand der Liechtensteiner Kunstwerkstätten Hans-Peter Leibold, die nicht nur Blüten in Papier presste, sondern auch Geld. Richtiges Geld. Genauer gesagt zerschredderte Euroschnipsel. IMG_2914Da sich das kleine aber feine Fürstentum für seine Geldgeschäfte einen Namen gemacht, ein Produkt mit Augenzwinkern, vielleicht auch ein bisschen nach dem Motto ‚Wer kann, der darf‘, aber ich fand’s super.  (Natürlich gab es dort nicht nur gepresstes Geld, sondern auch allerlei andere schöne Druck- und Grafikerzeugnisse, die ich seufzend dort lassen musste). Da ich über meine Arbeit mit Liechtenstein eine Weile auch geschäftlich zu tun hatte, hatte ich mich doch schon sehr in den Dialekt und das Land verliebt, obwohl ich noch nie persönlich da war und konnte mich nun mit einem leibhaftigen Einheimischen darüber unterhalten. Mein inneres Liechtenstein-Fangirl hat es extrem gefeiert und ich muss da echt mal hin.  Viele Grüße an Herrn Leibold an dieser Stelle, es hat mich wirklich sehr gefreut, wie auch an die anderen Damen und Herren, mit denen ich mich gut unterhalten habe.

Das war schließlich auch der Abschluss meines Minipressenmesse-Besuchs, der mir viel Spaß gemacht hatte. Mir gefiel vor allem die familiäre, und vor allem stressfreie Atmosphäre, obwohl ich sicher noch einiges Sehenswertes verpasst habe. Aber dann übernächstes Jahr gerne wieder.

Links
(Ich bekomme nichts dafür, aber finde, dass man sich die Seiten durchaus anschauen sollte)

Mainzer Minipressen-Messe

piepmatz Verlag

edition Tollwurstregen

Edition Groschengrab

Ammanius-Verlag

cass verlag

Kunstwerkstätten Hans-Peter Leibold

 

[Rezension] Die Auserwählten im Labyrinth

Autor: James Dashner

Verlag: Carlsen Verlag

Erscheinungsjahr:

Seitenzahl: 490

Lesestatus: beendet

 

Der 16-jährige Thomas findet sich ohne Erinnerung an sein früheres Leben auf der „Lichtung“, einem Ort inmitten eines gewaltigen Labyrinthes. Aus diesem scheinen auch die anderen Jungen, die dort schon leben, seit langer Zeit keinen Ausweg zu finden, dazu lauern zwischen den gewaltigen Mauern tödliche Gefahren. Seine Ankunft stellt das Leben der Einwohner auf den Kopf, und schließlich auch ein unerwarteter, weitere Ankömmling, der sie mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, die alles verändern könnte.

Ich hatte bereits von der Verfilmung von The Maze Runner gehört, allerdings eher wenig Beachtung geschenkt, da mich Verfilmungen von Jugendbüchern – oder Young Adult Novels, wenn’s cooler klingen soll – im Fahrwasser von Tribute von Panem und Die Bestimmung nicht sehr interessieren. Von den Büchern selbst ganz zu schweigen. An Die Auserwählten war nun anders, dass es sich diesmal um eine Gemeinschaft von Jungen drehte, anstelle einer tapferen Kickass-Heldin, die sich zur Hoffnung einer dystopischen Gesellschaft für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzt, inklusive ihrer Beziehungsdramen. Gestern sah ich also im Bücherregal meines Neffen Die Auserwählten und beschloss, mal kurz reinzuschauen. Und wie es sich für solche Vorsätze gehört, habe ich an diesem Samstagnachmittag gleich alle 490 Seiten durchgelesen. Das Buch ist tatsächlich spannender Lesestoff, der auch nicht mehr so junge Leser fesseln kann. Das dystopische Setting kommt ansprechend atmosphärisch herüber, die Ungewissheit der Jungen über ihre Lage, die Unsicherheit, wer sie überhaupt sind und weshalb sie hierher verfrachtet wurden, schildert der Autor sehr anschaulich. Mit der Hauptfigur Thomas erforscht der Leser die Konflikte innerhalb der Bewohner der Lichtung und die Geheimnisse und Schrecken des Labyrinthes, bis sich allmählich klär, was dieses Labyrinth darstellt.

Die Erzählung kommt schnörkellos daher, tut aber der lebendigen Schilderung der Atmosphäre und der Beziehungen zwischen den Jungen keinen Abbruch. Dies unterstreicht eher, dass es sich um Teenager handelt, die trotz der gewachsenen Gemeinschaft ihr Stellung immer noch halten und erkämpfen müssen, und das Leben (und Sterben) keinesfalls idyllisch ist, selbst wenn sie sich scheinbar damit abgefunden haben. Das Buch endet mit nur einer halben Auflösung des Rätsels, immerhin gibt es noch zwei Folgebände.

Nach meinem Reinfall mit Die Drachenreiter Seiner Majestät (eventuell berichte ich mal davon) hat Die Auserwählten im Labyrinth das Jugendbuch-Genre doch ein wenig rehabilitiert, ebenso wie Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children, wo hoffentlich bald auch die Rezi dazu folgt 😉 Mir hat gut gefallen, dass hier erst einmal auf Romantik, Erste Liebe, blabla, verzichtet wurde, denn von einem Abenteuerroman erwarte ich erst einmal Abenteuer – Herzschmerz und Liebesdrama indes nur sparsam. Mit Heldinnen wie Katniss Everdeen und der Dame aus Die Bestimmung (Keine Ahnung wie die heißt) und ihren fantastischen Kickass-Kampfsport-Skills, die für weibliche Helden gerade so modern sind, kann ich mich nur schwer anfreunden. Thomas, und auch die anderen Protagonisten, kommen hingegen sehr menschlich und wie typische Teenager herüber. Es sind Jungs, wie man ihnen überall begegnen kann, mit ihrem Imponiergehabe, dummen Sprüchen, ihren scheinbaren Stärken und ihren Schwächen, die sie versuchen zu verbergen.

Ich denke, dass Die Auserwählten im Labyrinth eine kurzweilige Lektüre für Jugendliche beiderlei Geschlechts bietet. Angenehm war auch, dass ich nicht den Eindruck hatte, hier würde dem Leser ein moralischer oder politisch korrekter Zeigefinger untergeschoben, wie er oft in US-amerikanischer Jugendliteratur (von Filmen und Serien ganz zu schweigen) üblich ist. Jedenfalls eine sehr positive Überraschung. Die Übersetzung wirkte auch sehr gelungen, bis auf einen Ausrutscher, wo  Nightmare (Albtraum) mit Nachtmahr übersetzt wurde. Aber das war wirklich das Einzige, wo ich die Stirn runzeln musste. Ob ich die Reihe weiterlese – ich bin halt nun doch ein bisschen neugierig – muss ich mir noch überlegen.

P.S.

Endlich wieder eine Rezi von mir nach langer Zeit, obwohl der Stapel bereits gelesener Bücher doch so hoch ist. Ich gelobe Besserung, nachdem ich nun mit etwas leichterer Lektüre wieder reingefunden habe.